Wabenvielfalt statt Wabenmonokultur

  • Zur Frage der kleinen Zellen:


    Jede Veränderung bringt der Varroa Probleme. Wenn plötzlich alle Zellen klein sind, wird sie das zumindest für die erste Zeit in Schwierigkeiten bringen. Das gilt auch für veränderte Wabenabstände. So haben einige Imker festgestellt, dass engere Wabenabstände der Varroa zu schaffen machen. Auf der anderen Seite haben italienische Forscher festgestellt, dass weitere Abstände der Varroa zu schaffen machen.


    Ich kann mir daher gut vorstellen, dass extrem große Zellen auch einen negativen Einfluss auf die Varroa haben.


    Doch bei dieser Herangehensweise wird komplett ausgeblendet, dass die Varroa als Lebewesen anpassungsfähig ist. Daher sind die Effekte von kleinen Zellen und anderen Änderungen immer nur von kurzfristiger Dauer.


    Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass die Nahrung der Bienen mindestens zu 50 % der Bienengesundheit ausmachen - und hier viel mehr Potential zu finden ist. Auf die Studien der Amerikaner habe ich im Forum hingewiesen, die zeigen, dass in der Nahrung enthaltene ätherische Öle die Reproduktion der Varroa hemmen (über die Eibildung in den Varroamüttern). Das nur als Hinweis für weitere Recherchen.


    Ich habe keine Rähmchen im Einsatz und auf die Führung der Waben mittels Leitstreifen und Anfangsstreifen habe ich in den vergangenen Jahren verzichtet. Daher haben die Bienen relativ frei in den vorhandenen Raum hinein gebaut.


    Der Raum spielt dabei auch eine Rolle. Ich habe die Bienen in Stülpern, in Trogbeuten, in den Einraumbeuten der Mellifera und natürlich in den Warrébienenstöcken ihr Wabenwerk frei bauen lassen.


    Dabei ist vor allem eins festzustellen - es herrscht Vielfalt!


    1) Die Wabenabstände variieren, wobei allerdings bei einer vertikalen Ausrichtung der Beute, die Waben oben enger stehen und die unteren Wabenabstände sind weit. Das liegt daran, dass die Bienen die Waben für die Honigeinlagerung ausziehen. Siehe auch: http://www.immenfreunde.de/Warre_Management.pdf (PDF)



    2) Die Zellgrößen variieren. Es gibt keine einheitliche Zellgröße im gesamten Bienenstock, sogar auf einer Wabe findest Du kleine und ganz große Zellen. Wobei ein Trend zu erkennen ist: im Innern der Wabe sind die Zellen klein - je weiter Du nach außen kommst, desto größer die Zellen. Ich führe das auf die Wärme zurück - in der Mitte des Raumes kann die Bautraube eine höhere Hitze erzielen und daraus resultieren kleine Zellen. Am Rand kann die Bautraube nicht die notwendige Hitze erzielen und die Zellen sind groß. Die gefundenen Größen im Stabilbau variieren auf einer Wabe von 5,0 bis 5,9mm. 4,9 mm oder kleiner sind eher selten.


    3) Die Ausrichtung der Spitze ist in vielen Variationen vorzufinden. In der Regel sind die Spitzen etwas gekippt. Ich führe dass darauf zurück, wie die Bautraube hängt. Wenn Du eine schöne kugelige Bautraube hast und die aufgeketteten Bienen nach unten zeigen, sind die Spitzen nach oben ausgerichtet. Wenn die Bautraube aber zu einer Seite kippt, sind auch die Zellen gekippt. Horizontal liegende Zellen gibt es vor allem zum Rand hin. Also wieder: Von der Mitte zum Rand wechselt die Ausrichtung der Zellspitze.


    Was ich beobachtet habe, dass sich ein bestimmtes Muster bildet. Die inneren Waben sind immer anders von den Spitzen ausgerichtet, als die äußeren Waben. Das wechselt dann auch von Wabe zu Wabe.


    Die Ausrichtung der Spitze scheint des Weiteren durch die Maße des Raumes beeinflusst zu werden. Je enger der Raum, desto mehr liegende horizontale Zellspitzen findest Du vor. Höhe und Breite beeinflussen daher die Bautätigkeit.



    Für mich ist zu erkennen, dass die Bautraube sich nur frei hängend optimal bilden kann. Mittelwände verhindern das. Da die Bienen die meiste Zeit ihres Lebens in und auf der Wabe verbringen, ist die Wabe das wichtigste Organ der Bienen. Die Waben beeinflussen direkt die Ausbildung der Bienenkörper und indirekt das Verhalten der Bienen.
     
    Der Bien als Superorganismus ist darauf angewiesen, möglichst vielfältige Individuen hervorzubringen, weil der Bienenstaat als Ganzes so viel mehr Aufgaben erledigen kann. Entsprechend bringt eine Wabe mit einheitlichen Zellen auch einheitliche Bienen hervor (Körper, Verhalten). Es handelt sich dann um ein relativ spezialisiertes Volk mit weniger Möglichkeiten der Anpassung. Das ist biologisch gesehen nachteilig, von der Leistung her bringen diese natürlich andere Ergebnisse.


    Wenn der Schwerpunkt der Imkerei nicht auf die Massenproduktion von Honig liegt, also eher zum Beispiel auf Apitherapie, wie es bei mir der Fall ist, ist der Stabilbau für mich eine gute Option, um diese Waben- und Zellenvielfalt hervorzubringen.


    Mein Motto ist daher: Wabenvielfalt statt Wabenmonokultur.


    Viele Grüße,
    Bernhard

  • Hallo Bernhard,


    vielen Dank für die Darstellung Deiner Beobachtungen und Lieferung von Lesefutter und interessantem Bildmaterial! :daumen::p_flower01::p_flower01:


    Variationen der Zellgröße und des Wabenwerkes beobachte ich auch schon als Anfängerin durch meine Fensterzargen, ebenso in der Größe der neu geschlüpften Bienen. Gucke staunend hinein - es wird schon alles Sinn und Zweck haben.


    Zur PDF entstand ne Frage, die aber hier mit der Wabenvariation nichts zu tun hat, daher hab ich die neu eingestellt.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper