Interessante Beobachtung

  • Ahoi,
    ich mußte dieses Jahr ja komplett bei Null anfangen, und wir haben die Bienen nach einer Teilung einfach nur machen lassen, inkl. bewußt in Kauf genommener Schwärme (die wir auch fast alle erwischt haben :-D).


    Außer aufsetzen und ab und zu reingucken haben wir nicht viel gemacht, entsprechend sind die Völker aktuell mit Honig ausgestattet :-D.


    Wir haben entschieden, dieses Jahr einfach nicht zu ernten (Wald- oder Melihonig sind hier nicht das Thema), seit etwa 2 Wochen gibt es nur noch ein bißchen Läppertracht, aber - keine Räuberei.


    Die Bienen fliegen wenig, Pollen kommt rein, an heißen Tagen zu 90% Wasser, aber ansonsten hängt man rum, putzt sich gegenseitig in extremer Ausführlichkeit (und man kann sehen, daß die geputzte Bienen das wirklich *genießt*, macht mittags gewaltige Vorspiele, aber ansonsten passiert einfach nix.


    Das ist gegenüber allen früheren Jahren extrem ungewöhnlich, normal setzt mit dem Rückgang der Tracht, und der Ernte und dem Beginn des Fütterns massive Räuberei ein - mein ganzes Imkerleben schon, ich kenne keinen Spätsommer ohne.


    Kann es sein, daß die Bienen mit ihrem ihnen genau bekannten Vorrat an Honig sich jetzt einfach "sicher" fühlen, und eben nicht um jeden Preis woanders noch Futter besorgen müssen?


    Anhand der abnehmenden Tageslänge *wissen* sie, daß der Winter kommt, aber anscheinend fühlen sie sich gut gerüstet, um das mal anthropozentrisch auszudrücken.


    Hatte der Herr Warre doch recht, den *überschüssigen* Honig doch erst im Frühjahr zu ernten?
    Sollte es einer der Kardinalfehler der Imkerei sein, den Honig direkt nach der Tracht zu ernten, und damit die Räuberei mal wieder ein imkergemachtes Problem sein?


    Meine Bienen suchen wie die Weltmeister und finden auch alles - aber sie suchen nicht andere Stöcke ab, bzw. werden von den Fluglochwachen sogar der kleinen Nachschwärme weggezischt, das hat's noch nie gegeben...:confused:


    Irgendwie wirft das grad mein ganzes imkerliches Weltbild über den Haufen, aber ich hab auch noch nie den ganzen Honig draufgelassen, deutlich spürbare Mengen hatten wir bislang immer entnommen, und auch jedes Jahr sehr massive Räuberei bis zum Tod gehabt....


    Die Bienen sind einfach nur sehr entspannt, keine Hektik, keine Aggressivität, dafür sehr viel soziales Verhalten (die Putzerei), und nicht mal beim Drohnenkillen ist man so richtig engagiert bei der Sache, die läßt man halt bloß nicht mehr rein, ohne Kill.


    Ich bin mir darüber im Klaren, daß die Situation jederzeit kippen kann, aus welchen Gründen auch immer, aber bislang hatte ich noch nie eine dermaßen friedfertige Nachtrachtzeit.


    Was sagt ihr dazu?:Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo


    auch wenn es Dir nicht gefällt


    Mickerlinge werden geräubert
    und
    Völker mit hohem Varroadruck
    aber
    die hast Du dieses Jahr NOCH nicht
    warte auf 2011 und Deine Welt ist wieder in Ordnung


    Gruß Uwe

  • Hei, Uwe,
    dann müßten die allerspätesten Nachschwärme aber jetzt schon lange Opfer sein - 7 besetzte Waben würde ich nicht als Nicht-Mickerling bezeichnen :wink:
    Mal abwarten, was noch passiert...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,


    sehr interessante Beobachtungen, die Du da gemacht hast.
    Einen Teil kann ich so absolut nachvollziehen, lediglich den Vergleich zum "normalen Imkern" wie Du es all die Jahre gemacht hast kann ich nicht nachvollziehen, da ich erst letztes Jahr mit der eigenen Praktischen Bienenhaltung begonnen hab, obwohl schon ich mit Bienen gross geworden bin.
    Aber was haben Sie mich angemacht, ausgelacht und gesagt Du wirst schon sehen mit deiner alternativen, naturnahen Bienenhaltung, das geht so nicht, wirst schon sehen.
    Aber es geht Ihnen sehr gut, Sie haben viel Honig in den Zargen und ich habe dieses Jahr über Schwärme vermehrt.
    Ich bin mir sicher, dass der Herr Warré sehr gut beobachtet hat. Die Zeit dazu hatte er ja. Und das was von ihm bekannt ist auch so funktioniert, wenn man nicht versucht es zu verschlimmbessern, davon bin ich überzeugt. Aber es passt eben nicht in das derzeitige Denkmodell.
    Ich jedenfalls werde es weiter so handhaben und bin gespannt, wie Sie im Frühjahr auswintern.


    Uwe ,
    das kann ich so nicht bestätigen, mein Mickerling von letztem Jahr hatte sehr gut, aber eben als Mickerling ausgewintert und sich zum aktivsten Volk gemausert. Räuberei war letztes Jahr nicht anzutreffen und ich finde es langsam abstruss alles immer auf die Varroa zu schieben. Ist eben einfach auf den augetretenen Pfaden weiterzuschlurpen, als sich mit der Natur zu verbinden und Sie zu Nutzen, nicht zu Übernutzen/auszunutzen, zu verbiegen.


    @all
    Wenn es den Bienen gut geht, geht es auch uns gut. Aber nur wenn wir den Bienen nicht unseren Willen permanennt aufzwingen, sonnst zeigen Sie uns wie allgemein ersichtlich die Grenzen unseres Tuns auf...


    Ihr werdet es erleben, nichts wird so sein wie es war/ist... wenn Ihr mit der Natur und nicht gegen Sie arbeitet und es ist viel Stressfreier. In jeden grösseren Garten wieder einen Bienenstock...


    Die Biene ist keine Maschine und kein Produktions-Sklave sondern ein hochsoziales, intelligentes Lebewesen. Hätten wir Menschen etwas von der sozialen Komponente der Bienen, hätten wir deutlich weniger Probleme auf unserem Planeten und in der Gesellschaft...


    Sonnige Grüsse, Markus

    Die Natur ist Perfekt, die Fehler macht nur der Mensch. (Sepp Holzer)

  • Hallo Uwe,
    na das spricht doch für Deine Art mit den Bienen zu leben.
    7 Waben DNM entspricht ungefähr 1,35 Zargen Warré reine Wabenfläche. Das wäre für mich auch kein Mickerling.
    Wünsche Dir weiterhin so viel Erfolg, genug Honig in den Töpfchen und genügend für die Bienen als Winterfutter.
    Leben und Leben lassen...
    Sonnige Grüsse nach Steinau, Markus


    PS: Muss jetzt mal Google Maps schauen, wo das genau ist.

    Die Natur ist Perfekt, die Fehler macht nur der Mensch. (Sepp Holzer)

  • Also ich glaube eigentlich eher daß es an diesem Jahr liegt. Ich habe nämlich eine ganz ähnliche Beobachtung gemacht - allerdings nach dem Schleudern. Ich habe die ganzen Honigräume über Bienenfluchten abgeräumt und habe sogar noch bei dem einen oder anderen eine volle Honigwabe zusätzlich entnommen (manche Völker sitzen auf DN-Bruträumen weil mir dieses Jahr echt das ganze Material ausgegangen ist bei der Schwärmerei!). Dabei gab es auch etwas Kleckerei mit Honig. Blitzschnell waren die Damen natürlich da aber das waren sie ja auch schon vor der Ernte (siehe den Thread "Sie plündern mein Bienenhaus"). Ich wollte das dann auch nicht mit dem Schlauch alles absprühen denn das hätte massig Bienenleben gefordert und dachte, ich lasse sie mal machen und schaue was passiert. Ich habe mit Argusaugen die nächsten Tage auf die Fluglöcher geschaut; bereit, sie zu verengen.


    Aber was soll ich sagen - alle total relaxed...und das sogar OHNE Auffütterung nach der Schleuderung. Keine Kämpfe am Flugloch, keine gereizten Bienen; selbst der Schaukasten, der mit einer ausgeschleuderten Honigwabe versehen ein sicherlich recht attraktiv riechendes und nur schwach verteidigungsbereites Völkchen darstellen sollte, wurde in Ruhe gelassen.


    Ich muß annehmen, daß sie entweder einfach noch massig im Brutraum eingelagert haben und/oder daß einfach noch ausreichend Läppertracht reinkommt. Denn die Linden sind hier auch durch. Womöglich bedienen sie sich gerade im Wald?


    Grüße
    Melanie

  • Die Biene ist keine Maschine und kein Produktions-Sklave sondern ein hochsoziales, intelligentes Lebewesen. Hätten wir Menschen etwas von der sozialen Komponente der Bienen, hätten wir deutlich weniger Probleme auf unserem Planeten und in der Gesellschaft...


     
    So ist es. Und wir sprechen von "Betriebsweise", als könnten wir Menschen diesen Bien entscheidend steuern bzw. entscheidend zum (zweifelhaften) Erfolg beitragen.

  • Moin Imkers,


    Ich kann Sabienes und Melanies Erfahrung teilen.
    Ich hab mich schon gewundert, dass so viele auf den Flugbrettern rumlungern
    und gemeinschaftlich hobeln. Mein Nachbar findet das lustig, das Hobeln.
    Sie tragen aber massiv hellgelben, fast weißen Pollen ein.
    Bei den Ablegern habe ich die Fluglöcher eingeengt und von Räuberei ist (noch) nichts zu sehen.
    Kommt mal eine fremde Biene ans Flugloch gibts gleich eins aufs Maul. :-D


    schön Tach
    Bernd

    "Wenn Neider, Hasser dich umringen, dann denk an Götz von Berlichingen."

  • Da ich mit der Warré stets sehr spät ernte, kann ich Sabine`s Beobachtung nur bestätigen - unabhängig von der Volksstärke. Klar werden kleine Völker geräubert, das ist kein Wunder.


    Doch welche Faktoren stimulieren das Räubern?


    Soweit ich mir das zusammenreimen kann:


    - die Kombination von Aufsetzen von Zargen über den Köpfen und das Wegnehmen von Zargen: Das erzeugt sichtlichen Streß. Dieser Streß fällt Dir eigentlich erst dann auf, wenn Du mit Stabilbau zum Vergleich arbeitest. Die Bienen sind im Stabilbau merklich ruhiger bei der Sache. Sie sind sehr stark aber ruhig.


    - nach der Sonnenwende werden alle Bienen besonders unruhig. Die Ernte um diese Zeit oder nach dieser Zeit ist dann besonders stressig - weil die Bienen den Honig eben nicht nur verdeckeln, sondern auch reifen lassen müssen. Für mehrere Monate. Die Zeit von der Sonnenwende bis zum Winter ist eigentlich zu kurz, um den Honig ausreichend reifen zu lassen. Diese Art unreifer Honig wird den Bienen bei der Überwinterung Probleme bereiten.


    - Die Anzahl der Völker pro Standort (indirekte Nahrungskonkurrenz).


    - Der Imker kleckert bei der Ernte. Bienen sind auch nur Menschen und daher faul. Wenn sie auf den Trichter kommen, dass es Honig irgendwo kostenlos gibt, rennen sie dort die Bude ein.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Da ich mit der Warré stets sehr spät ernte, kann ich Sabine`s Beobachtung nur bestätigen - unabhängig von der Volksstärke. Klar werden kleine Völker geräubert, das ist kein Wunder.


    Doch welche Faktoren stimulieren das Räubern?


    Soweit ich mir das zusammenreimen kann:


    - die Kombination von Aufsetzen von Zargen über den Köpfen und das Wegnehmen von Zargen: Das erzeugt sichtlichen Streß. Dieser Streß fällt Dir eigentlich erst dann auf, wenn Du mit Stabilbau zum Vergleich arbeitest. Die Bienen sind im Stabilbau merklich ruhiger bei der Sache. Sie sind sehr stark aber ruhig.


    - nach der Sonnenwende werden alle Bienen besonders unruhig. Die Ernte um diese Zeit oder nach dieser Zeit ist dann besonders stressig - weil die Bienen den Honig eben nicht nur verdeckeln, sondern auch reifen lassen müssen. Für mehrere Monate. Die Zeit von der Sonnenwende bis zum Winter ist eigentlich zu kurz, um den Honig ausreichend reifen zu lassen. Diese Art unreifer Honig wird den Bienen bei der Überwinterung Probleme bereiten.


    - Die Anzahl der Völker pro Standort (indirekte Nahrungskonkurrenz).


    - Der Imker kleckert bei der Ernte. Bienen sind auch nur Menschen und daher faul. Wenn sie auf den Trichter kommen, dass es Honig irgendwo kostenlos gibt, rennen sie dort die Bude ein.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hatte der Herr Warre doch recht, den *überschüssigen* Honig doch erst im Frühjahr zu ernten?


     
    Nach Warré wird im Herbst geerntet, nicht im Frühjahr.


    Das hat aber dieselben Vor- und Nachteile. :wink:


    Bernhard