Varroawarnung 2010

  • Hallo !


    Für unsere Region kann ich mir einen einheitlichen Bedanlungstermin und eine einheitliche Behandlungsart nicht vorstellen.


    Gestern erst gesehen:
    Ein Imker aus ca. 25km ist angewandert um die wohl gerade aufgehende Balsaminenblüte zu nutzen.
    Bedeutet dieser behandelt derzeit mit keinem Mittel.


    Ein anderer Imker ist mit einigen Völkern in den schwarzen Wald gewandert, wann wird er wiederkehren ?
    Dann mit behandelten oder unbehandelten Völkern ?


    Wir, die wir am abschleudern sind sollten so lange warten ?
    Nein, wir schauen nach der Schadschwelle und entscheiden danach.
    Alles was die Völker jetzt noch finden gehört Ihnen !


    Keiner wird es schaffen, alle "Heckenimker" (mind. 1/3) in unserer Region auch nur annähernd unter einen Hut zu bringen.
    Soviel Personal und willige Erfüllungsgehilfen wird der Amtsvet nicht bekommen.


    Jeder ist aufgerufen, ein eigenes Konzept zu erstellen in dem er auch mit der Kontrolle auf eine späte im Jahr stattfindende Varroa Befallserhöhung (ich spreche absichtlich nicht nur von RE-INVASION) reagieren kann.

    Gruß
    B.K.

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Moin


    Die gleichzeitige Behandlung von Bienenvölkern ist sogar in einem regional begrenzen Verein nicht durchzuführen!
    Beispiel: 2 km von mir entfernt honigten die Kastanien vor 2 jahren so massiv, das der Imker natürlich diese Ernte noch mitgenommen hat.
    Bei mir leider nicht - Meine Bienen also behandelt, die vom Nachbarn erst viel später.
    Wer zur Zeit in den Thymian wandert - hat jetzt Vollernte. Diese Tracht geht noch bis etwa mitte August - also wieder nix mit sofortigem behandeln.
    Ab mitte August kommt die Heide. Auch dieser Imker wird sich hüten, seine Bienen schon jetzt zu behandeln.
    Diese Wanderbienen kommen irgend wann wieder in die Heimalt zum abernten, und "verbreiten" Ihre Varroalast, bis die Behandlung richtig greift.


    Diese Spättrachtimker kennen aber alle Tricks, wie man Völker übers Jahr führt, so das keine Verluste durch die Varroa bis ende der Tracht auftreten.
    Von daher sehe ich von hier keine oder nur mäßige "Gefahr".


    Schlimm sind nur wirkliche Ignoranten die Ihre Bienen vernachlässigen. - Diese Leute tummeln sich aber bestimmt nicht hier im Forum.
    Mit Ignoranten meine ich nicht die Imker, die versuchen sanft, gar nicht oder nur wenig zu behandeln.
    Bei den Ignoranten, brechen dann wirklich ganze Stände zusammen und das ist nicht gerade gut für die umliegenden Imkereien.
    Dies sollte man aber als aufmerksamer Imker seinen eigenen Völkern ansehen und dementsprechend gegensteuern.
    Letztes Jahr konnte ich es sehr gut sehen, das in meiner unmittelbaren Umgebung Völker an Varroa eingegangen sind.
    So musste ich Gegensteuern.


    So ist es nun mal. Niemand ist alleine und lebt immer in Interaktion mit seiner Um- und Mitwelt.


    Schöne Grüße


    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • ...
    Alles was die Völker jetzt noch finden gehört Ihnen !
    ...


    Da wären dem Drohn seine Völker aber nicht so glücklich drüber ;-)
    Die schaffen doch nicht so nur zum egoistischen Tannenhonigverzehr hin.
    Die wollen für den Menschen diesen Honig auch!
    Würde der Imker nicht gerecht teilen,
    wären die Menschen und die Bienen beschissen ;-)


    alex :
    sorry für das OT :-)
    ....
    denk dochmal an die herrliche Gebühreneinahmequelle für unsere Landratsämter,
    oder mal an den Wirtschaftsimpuls für unsere Industrie, wenn jeder überwacht wird!


    Der
    Drohn
    der für eine staatlich überwachte Imkerschaft ist!!!

  • Die gleichzeitig in einem Gebiet durchzuführende Behandlung klappt sehr wohl wie es das Münsteraner Beispiel seit zehn Jahren zeigt. Und auch andere Vereine schaffen das wie ich aus eMails erfahre.


    Die Edelkastanie honigt nicht so spät, meistens parallel oder direkt im Anschluß an die Linde, daß der Zeitraum der Behandlung durchaus einzuhalten ist. Alles nur an den Haaren herbeigezogene Argumente, um von der eigenen Wurschtelei abzulenken.


    Wenn der erste Behandlungszeitraum von Mitte Juli bis in die Erste Augustwoche gelegt wird (so machen es die Münsteraner) und der zweite Zeitraum auf Mitte September bis 11. Oktober wie in 2009, ist eine Kastanientracht wohl kein Argument. Noch mal zur Erinnerung und Nachlesen: Münsteraner Modell


    Solche Argumente lenken letztendlich davon ab, daß man keine Lust hat, sich irgendetwas sagen oder anordnen zu lassen. Imker sind Individualisten, das ist gut und schön. Wo dieser Individualismus aber zum Egoismus auf Kosten der Bienen oder der Nachbarimker führt, ist das nicht akzeptabel. Bienen sind nicht nur zum Spaß da, sondern man übernimmt wie in jeder Tierhaltung auch eine Verantwortung, die sich anders als bei Meerschweinchen weiter erstreckt - nämlich bis in die nächste Imkerei hinein. In dem Zusammenhang fände ich es gut, wenn der Amtsveterinär bei entsprechend schlampenden Imkern auch zum Tierhaltungsverbot greifen würde. Bei Hunden, Katzen und Pferden klappt das.


    Gruß, Klaus

  • Hallo Klaus,


    regional gibt es je nach Kleinklima, Landschaftsstrukturen, Pflanzenspektrum sowie Höhenlage... massive Trachtunterschiede und auch in der Blühzeit...
    Lässt Du das ausser Acht ?!


    Der Schwarzwald, die Schwäbische-Alb, das Alpenvorland, der Harz oder... sind doch ganz anders als zB. im flachen Land wie MV, BRB...


    Du lehnst Dich da meiner Meinung nach sehr weit aus dem Fenster mit dem was Du schreibst. Nicht dass Du eines Tage hinausfällst.


    Sonnige Grüsse aus dem Schwarzwald.

    Die Natur ist Perfekt, die Fehler macht nur der Mensch. (Sepp Holzer)

  • Solche Argumente lenken letztendlich davon ab, daß man keine Lust hat, sich irgendetwas sagen oder anordnen zu lassen.Gruß, Klaus


    Vielleicht liegt es aber einfach auch nur daran , WER, WAS ,WIE sagt.


    Deine Methode: Behandele !!!


    sonst ist der Weg eines Verzweifelten, dem die wirklich guten Argumente ausgehen.


    So sehe ich es wenigstens.


    Gruß aus dem Norden
    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Hallo Zusammen,
    hier ein praktisches Beispiel über die die "Möglichkeiten" der gemeinsamen Varroabehandlung.
    Die Imker eines Waldtrachtgebietes das auch ein beliebtes Aufwandungsgebiet für Imker aus allen Regionen des Landes und Imker der unterschiedlichsten Größenordnungen (Völkerzahlen) sind, machen hier ganz ander Erfahrungen.
    Es honigte der Wald,Tracht neigt sich dem Ende zu und Anfang Augsut beschließen die örtlichen Imker ihre Völker gleichzeitig abzuschleuder, einzufütter und zu behandeln. Ein Aufruf an die Wanderimker abzuwandern findet nicht bei allen Gehör. Und so stehen im August oder im September immer noch größere Völkerzahlen im Wald. Man hat ja zu Hause, weit weg vom Wanderplatz, eine notwendige Anzahl Ableger stehen die selbstverständlich ordentlich behandelt werden.
    Und der Ortsimker verzweifelt wieder einmal und verflucht die Tautracht.
    Wer die Geschichte nicht glaubt, spricht einfach mal in den Waldrachtgebieten mit den örtlichen Imkern. Die können noch ganz andere Geschichten erzählen.
    Gruß Eisvogel

    Als ich mich zum imkern entschlossen hatte, fand ich mich ratlos vor diversen modernen Beuten-Systemen.

    Abbé Emil Warre 1948, 12. Auflage Bienenhaltung für alle, Übersetzt von Mandy Fritsche, 2010

  • Hallo Klaus,
    die in Münster können ruhig ab Mitte Juli behandeln.
    In der Agrarlandschaft des Münsterlandes "blüht" eh nur noch der Mais.
    Aber hier gibt es immerhin noch Läppertracht.
    Zudem sind die Jungvölker für nächstes Jahr schon behandelt.
    Warum soll ich den Altvölkern noch eine chemische Keule verabreichen,
    sie werden ja doch noch vereinigt, abgeschafft, aufgelöst.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Soso, dementsprechend sind Bienenvölker für Dich also ein Verschleißgegenstand, den man dann wegschmeißt? Einmal benutzt, Honig geerntet und Schluß?


    Das ist nicht meine Auffassung von Bienenhaltung und so geht man auch nicht mit Tieren um. Man quetscht Bienen nicht aus wie eine Apfelsine und schmeißt den Rest dann weg. Das sind keine Abschreibungsobjekte, sondern Lebewesen für die man als Imker eine Verantwortung übernommen hat.


    Ich habe das Imkern in den 80ern gelernt, damals war es üblich etwa 5-10% Ableger zu bilden, um etwaige Winterverluste (Schäden durch Mäuse, Futterprobleme, Nosema) auszugleichen. Mittlerweile hat sich das auf nahezu 100% Ableger gesteigert, weil es anscheinend Usus wird, seine Bienen wie ein Wegwerfprodukt zu behandeln. Und das wird anscheinend als normal betrachtet. Leute, das ist nur normal, weil man es durch die Gewöhnung so kennt.


    Würde man so argumentieren, ließe sich auch hohe Kindersterblichkeit aufgrund schlechter Hygiene als normal einstufen.


    "Altvölker" kann man sanieren, wenn man ihnen denn die Chance läßt. Und nicht jedes Pfund Honig rausquetscht.


    Ich finde das skandinavische System gut geeignet, welches durch nahezu flächendeckenden Einsatz von Stockwaagen den Trachtverlauf dokumentiert. Und wenn mit der Tracht Schluß ist, also keine nennenswerten Mengen mehr reinkommen, geben die dänischen Bienenzuchtberater die Empfehlung raus, mit der Varroabehandlung anzufangen.


    Skandinavische Stockwaagen (deutsche Version) Vermutlich wird jetzt wieder irgendjemand einen an den Haaren herbeigezogenen Grund finden, um schlüssig zu erklären, daß das skandinavische Modell auf Deutschland nicht übertragbar ist. Es ist ja bequemer, die Tierquälerei fortzusetzen als eine Alternative zu finden.


    Es werden sich sicherlich Methoden finden, um bspw. auch späte Trachten wie die Heide noch auszunutzen. Doch mal ehrlich, wer wandert schon in die Heide? Davon dürften wohl die allerwenigsten aus diesem Forum betroffen sein. Ich gehe auch nicht in die Heide und ich könnte es.


    Gruß, Klaus

  • Hallo Klaus,
    nun, ins dritte Jahr kommen halt nur Völker, deren Leistung und Verhalten für mich nachzuchtwürdig ist.
    Alle anderen scheiden aus, werden mit neuer Königin als Kunstschwarm weitergeführt, erhalten dabei totale Bauerneuerung, werden als Sammelableger zusammengelegt.
    "Schlimmstenfalls" werden sie als Futtermacher verwendet.
    Von "Wegschmeissen" keine Rede, ich schwefel ja nicht zur Ernte ab.
    Vergleichen könnte man dies mit der Rotation wie sie schon Pfefferle empfahl.
    Nur fehlt mir die bienenverschleißende Waldtracht; und mit immer mehr Völkern imkern hat auch seine Grenzen.
    Lieber wenige gut versorgte Völker als viele vernachlässigte.
    Stimmt, in den Achtzigern hat man weniger Ableger gemacht, prozentual.
    Man hat auch weniger bauen lassen, hatte Nosema Tracheenmilben usw.
    Kommst Du als Berufsimker mit 100% Ablegerquote hin?
    Ich brauch doch schon 200%, das als "Hobbyimker".
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Es ist ja bequemer, die Tierquälerei fortzusetzen als eine Alternative zu finden.


    Ich weiss ja nicht, welches schwere Trauma Du in dieser Hinsicht mit Dir rumschleppst, aber die Regelmäßigkeit und Pauschalität, mit der Du der Imkerschaft Tierquälerei vorwirfst, ist mehr als lächerlich. Damit diskreditierst Du Dich immer mehr selbst. Selbstverständlich gibt es leider Gottes immer auch Imker, die Ihre Bienen deutlich besser behandeln könnten oder diese im Einzelfall verwahrlosen lassen. Nur - verallgemeinerst Du das Ganze vielleicht deshalb derart, um häufiger von Dir in der Presse lesen zu können, was bei einer realistischen, zurückhaltenderen Darstellung vielleicht ein paar mal weniger der Fall wäre? Deine Logik zum Verhältnis von Imker und Biene auf Eltern und deren Kinder übertragen würde der Unterstellung gleich kommen, meinetwegen allen Alleinerziehenden oder Teilzeitbeschäftigten Eltern Kindesmißhandlung zu unterstellen - um mal bei Deinem Beispiel mit den Kindern zu bleiben. Und damit würde zum Leide der Kinder mehr kaputt machen als es verbessert.


    Meint Marcus, der seit Jahren jedes Jahr sowohl 100% Vermehrungs- als auch Auswinterungsquote hat. Und das ganz ohne Imker-Führerschein.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Moin,


    die Idee, alle behandeln gleichzeitig - dann ist die Milbe weg, ist ungefähr so alt, wie die planmäßige Milbenbekämpfung. Nur etwas älter ist:


    Der Talmud (Midrasch Exodus Rabba 25,12):„Wenn Israel nur ein einziges Mal den Schabbat wirklich halten würde, würde der Messias kommen, denn das Halten des Schabbat kommt dem Halten aller Gebote gleich.“
    und Rabbi Schimon ben Jochai lehrte (Schab 118b):
    „Würden die Israeliten zwei Sabbate nach Vorschrift halten, so würden sie sofort erlöst werden.“


    Wenn wir also alle auch noch eine gemeinsame Winterbehandlung machen, sind unsere Bienen auch gegen spätere Kranhkheiten resistent ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • ...Verschleißgegenstand....so geht man auch nicht mit Tieren um. Man quetscht Bienen nicht aus wie eine Apfelsine und schmeißt den Rest dann weg. Das sind keine Abschreibungsobjekte...



    Ich weiß zwar nicht wer "man" ist, aber dieser man verschickt auch keine lebenden Lebewesen als Paket quer durch die Weltgeschichte. :wink:


    Man verbreitet nicht unbekannte Viren und man reduziert auch nicht die weltweit verfügbare genetische Vielfalt durch das Versenden von Bienenpaketen.


    Zitat

    Das ist nicht meine Auffassung von Bienenhaltung und so geht man auch nicht mit Tieren um.


    Genau.


    Bernhard