.Waben umhängen in TBH?

  • Moin Imkers,
    ich habe ja nun seit drei Wochen meine erste TBH bevölkert, und am letzten Sonntag in Anwesenheit des örtlichen Imkerstammtischs zum ersten Mal gründlich nachgesehen.
    Freude über Freude, die Bienen tun, was ich erhofft habe, will sagen, ich konnte die Waben relativ problemlos ziehen (das Problem waren zwei Stiche ins Gesicht - selber schuld, wenn Anfängerin meint, sie macht das ohne Schleier). Es gibt verdeckelten Honig, verdeckelte Brut und alles scheint in bester Butter, wie man hier sagt.
    Allein, die Bienen bauen an der Fluglochseite stärker als an der Beutenrückwand, die Waben sind also vorn länger als hinten. Mein Imkerpate vertritt die Idee, dass das damit zusammen hängen könnte, dass die Fluglochseite auch die einzige ist, die viel Sonne abbekommt, und die Wärme würden die Bienen mögen. Um nun ein gleichmäßigeres Ausbauen der Waben zu erzielen, schlägt er vor, die Waben doch mal umzudrehen, dass die weniger ausgebaute Seie nach vorn in die Sonne kommt, oder besser auf die wärmere Seite.
    Was haltet Ihr von dieser Idee?
    Ich habe irgendwie kein gutes Gefühl dabei, das Brutnest und alles drumherum so durcheinander zu bringen. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass ein Umdrehen der Waben durchaus ein gleichmäßigeres Ausbauen bringen würde.
    Ich würde mich sehr freuen, Euer aller Meinung dazu zu lesen, denn ich weiß im Moment wirklich nicht so recht, was ich tun soll:roll:
    Vielen Dank schonmal
    Sabine

  • Um nun ein gleichmäßigeres Ausbauen der Waben zu erzielen, schlägt er vor, die Waben doch mal umzudrehen


     
    Moin Moin!


    An deiner Stelle würde ich sie nicht drehen. Ich hatte auch schon mal einen Fall, da hat sich ein in TBH eingeschlagener Schwarm in Richtung Flugloch gesetzt und die Waben waren anfangs zur Rückwand hin nicht ideal ausgebaut. Als sie auf der Fluglochseite unten ankamen, blieb ihnen nichts anderes übrig, als in Richtung Rückwand fertig zu bauen.


    Der Tip, die Waben zu drehen, kommt mit Sicherheit von einem Imker, der eine Rähmchenbeute verwendet. In Rähmchen kommen Mittelwände mit allseits gleicher Zellgröße zum Einsatz. Da ist es eher unschädlich, ein Rähmchen mal zu drehen. In der TBH hast du Naturbau mit unterschiedlicher Zellgröße. Die Zellgröße verändert sich u.a. mit dem Abstand zum Flugloch. Die Bienen bauen ihre Waben mit Sinn für Details und der Imker bzw. die Imkerin tut gut daran, die Eingriffe ins Volk zu beschränken. Vor allem sollte das Brutnest nicht durch "besserwisserische" Neuordnung der Waben gestört werden. Die Bienen verkraften zwar die Störung und können die Waben auch umbauen bzw. "umwidmen", aber nicht zu stören ist einfach besser. Damit es mir nicht versehentlich passiert, daß ich eine Wabe "falschrum" zurückhänge, habe ich auf der Fluglochseite quer über alle Oberträger einen (roten) Strich gemacht, wie auf dem Foto zu sehen:


    Damit fällt mir eine versehentlich "gedrehte" Wabe schnell auf!


    Gruß vom Sammler

  • Moin Sammler,
    und herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort.
    Von Dir war also der Tipp, einen durchgehenden Strich auf die Oberträger zu zeichnen (den ich schon vorher übernommen hatte - auch dafür nochmal Danke).
    Ich werde da also lieber mal nicht rumfuschen, sondern mich auf die Bienen verlassen. Ist mir gefühlsmäßig doch sympatischer, und irgendwie ja auch logischer.
    Kann es eigentlich wirklich daran liegen, dass die Fluglochseite mehr Sonne bekommt, dass die Bienen dort bevorzugt bauen? Oder sind die in jedem Fall an der Seite aktiver, die dem Flugloch näher ist?


    Und ich sehe auf Deinem Bild einen offenen Gitterboden. Den hatte ich zuerst auch. Aber mein Patenimker riet mir davon ab, weil meine Beute so ca. 30 cm über dem Boden steht. Er meint, das würde im Winter zuviel Zug in der Beute geben. Ich habe daraufhin eine Unterkonstruktion gebaut, die immer noch einen Luftschlitz lässt, und außerdem das Einschieben einer Varroa-Windel ermöglicht. Was hälst Du davon?


    lG Sabine

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  • Das deine Bienen am Flugloch vorn angefangen haben zu bauen liegt, so habe ich es immer bei mir beobachtet, allein an der Ausrichtung deiner Beute. Das heißt - am Flugloch hängt sie am tiefsten - und wenn es nur minimal ist. Die Wasserwaage wird es dir zeigen allerdings bekommt man eine Beute nie 100% perfekt gerade hin gestellt. Es ist aber am Ende egal wo angefangen wird.
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Hallo!


    Ob es die Wärme durch Sonneneinstrahlung ist, die in deinem Fall den nicht ganz mittigen Bienensitz verursacht, kann ich nicht sagen. Als der gleiche Fall bei mir mal vorkam, hatte ich eher das Gefühl, die Bienen mögen die Nähe zum Flugloch. Grundsätzlich kann Wärme durch direkte Sonneneinstrahlung bei TBHs eher zum Problem werden. Bei voller Volksstärke und voll ausgebauten und honigschweren Waben, kann es bei starker Hitze (heute z.B. 36 Grad!) vorkommen, dass die Waben weich werden und brechen. Ich habe deswegen in den heißen Sommermonaten den Gitterboden für die Belüftung offen. Außerdem habe ich auf den Oberträgern zwei Backsteine liegen und darauf den Deckel. Dadurch beschattet der Deckel die zusätzlich hinterlüfteten Oberträger. Unter http://www.top-bar-hive.de sieht man eine weitere Möglichkeit der Beschattung mit einem extra Sonnendach. Auch die Aufstellung unter Laubbäumen ist empfehlenswert. Ich lasse die TBHs bei sehr warmem Sommerwetter grundsätzlich in Ruhe, d.h. nicht öffnen, keine Waben ziehen, Völkerkontrolle nur von außen oder durchs Sichtfenster.


    Was die Bodenlüftung betrifft: Meine Völker hängen zwischen zwei Pfählen gut einen halben Meter über dem Boden. Ich habe auch die Möglichkeit vorgesehen, unten ein Brett als Windel einzuschieben und damit z.B. im Winter die Beute abzudichten. Ich hatte in den letzten beiden Wintern sowohl Völker mit offener und geschlossener Belüftung. Dabei habe ich keine nennenswerten Unterschiede beobachtet. Die abgedichteten Völker hatten Anfang März ein geringfügig größeres Brutnest. Meiner Meinung nach schadet eine offene Belüftung im Winter nicht.


    Gruß vom Sammler

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  • Noch ein Nachtrag: durch die Aufhängung an Pfählen bekomme ich die Beuten schon ganz gut in die Waage und trotzdem hatte ich einen Fall, bei dem der erste Bienensitz nach dem Einschlagen nicht in der Mitte war.


    Gruß, Sammler

  • Die Bienen ziehen die Brut wegen der frischen Luft in die Nähe des Flugloches. Dieses Prinzip nutzt der Warrébienenstock aus. Dort ist das Flugloch sehr klein gestaltet - dadurch bleiben die Bienen mit der Brut in der untersten Zarge. Die Waben in den oberen Zargen sind - auch ohne Absperrgitter! - nur mit Honig gefüllt und können so geerntet werden.


    Wird das Flugloch bei der Warré groß ausgelegt, verteilt sich hingegen die Brut durch den gesamten Bienenstock.


    In der TBH-Version von Phil Chandler befindet sich das Flugloch an der Seite der Beute - und nicht an der Stirnseite der TBH. Außerdem hat er auf der gegenüberliegenden Seite ein zweites und drittes Flugloch, so dass er mit Trennschieden mehrere Ableger innerhalb der Beute machen kann. Ich glaube, ein Flugloch an der Seite ist bei einer TBH günstiger als an der Stirn.


    Ich empfehle ebenfalls, die Waben nicht umzuhängen. Was soll das Umhängen auch erreichen? Dass sie "schneller-höher-weiter" bauen? Wird das ein Wettbewerb? :wink:


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hi Kann das Gesagte der anderen nur unterstreichen, habe auch eine TBH und bei mir haben sie auch erst am Flugloch angefangen und bauen jetzt den rest aus.

  • Hallo und vielen Dank


    für Eure erhellenden Antworten.
    Klar, ich habe schon nach der ersten Antwort beschlossen, meine Waben nicht umzuhängen.
    Aber die anderen Antworten haben mir auch sehr weiter geholfen.
    Doch nochmal zur Richtigstellung:
    Ich habe eine TBH mit zwei Fluglöchern an einer Längsseite. Ich benutze aber nur eines, das andere ist dicht, weil ich im zweiten Raum, abgetrennt durch ein Trennschied mit Loch, Honig zufüttere. Die betreffende Längsseite mit den Fluglöchern ist nach Osten ausgerichtet. Alle anderen Seiten sind nicht so ungeschützt, nach Westen und Osten sind da (Holz-)Mauern, einmal vom Carport, einmal vom Haus. Und nach Süden hin ist da ein großer Rosenstrauch. Ich habe die Beute deshalb so aufgestellt, um die Bienen vor den ekeligen Stürmen im Herbst und Winter zu schützen, die hier eben bevorzugt aus Nord-West kommen. Das heißt aber für den Sommer, dass sie nur auf die Längsseite richtig Sonne bekommen, in der die Fluglöcher sind. Ab etwa zwei Uhr liegt die Beute dann im Schatten.
    Und hier im Norden der Republik ist es zwar schön, und wir haben auch reichlich Sonnenstunden, aber so elendiglich heiß wird das hier nicht. Ich habe z.B. noch keine Biene dabei erwischt, vor dem Flugloch zu fächeln. Außerdem habe ich die Beuten weiß gestrichen, um möglichst viel Sonne zu reflektieren.
    Gibt es nach diesen Angaben noch weitere Tipps?
    Ich kann gar nicht genug von Euch lernen. Danke nochmal!!!
    nördliche Grüße und zufriedenstellende Honigernte
    Sabine

  • Hallo Sabine!


    Du machst das wirklich gut! Weiter so! Vergiß nicht, bis Monatsende mit der Varroabehandlung zu beginnen. Weißt du schon, wie du behandeln wirst?


    Ist der Platz hinter dem Trennschied für ein zweites Volk vorgesehen oder hast du da Erweiterungsplatz für das bestehende Volk?
     
    Liebe Grüße vom Sammler

  • Hallo Samler,
    Danke für das Lob.
    Ich habe, wie geschrieben, vor drei Wochen mit einem Schwarm begonnen.
    Den habe ich mit Milchsäure besprüht und den Varroa-Fall kontrolliert, aber nix gefunden.
    Also denke ich, sobald es nicht mehr so warm ist, schiebe ich die Windel wieder ein und kontrolliere weiter.
    Ich hoffe, ich habe keinen oder nur sehr geringen Totenfall, so dass ich nur im Winter mit Oxalsäure behandeln muss.
    So sieht das ja auch die LWG Bayern vor, von der ich Bauplan und kurze Betriebsanleitung habe.


    Der Platz hinter dem Trennschied war eigentlich mal für einen zweiten Schwarm, im nächsten Jahr oder so, vorgesehen.
    Nun haben die Bienen aber schon nach drei Wochen 14 Oberträger ausgebaut, und ich hab ihnen erstmal weitere 5 Oberträger gegeben, vielleicht kann ich dann ja sogar in dieseem Jahr noch ein oder zwei Honigwaben ernten. Jedenfalls würden die restlichen Oberträger kaum für ein weiteres Volk oder auch nur einen überwinterungsfähigen Ableger reichen. Und ich wüsste auch gar nicht, was ich ohne meinen Futter-Raum machen würde. Im Grunde ärgere ich mich gerade, dass ich zwei Fluglöcher habe, von denen ich eins ja immmer dicht machen muss.


    Zudem schließen meine Trennschiede nicht so hundertprozentig, ich würde mich nicht darauf verlassen mögen, dass sich zwei Völker in einer Beute vertragen. Holz arbeitet eben, da sitzt der Trennschied entweder so, dass sich doch mal eine Biene durchquetschen könnte, oder er ist so fest, dass man ihn nur mit Gewalt (und Lärm und Störung der Bienen) bewegen kann.
    Wie gut, dass ich gleich zwei Beuten gebaut habe, somit weiß ich wohin damit, wenn ich im nächsten Jahr einen Kunstschwarm mache, was ich bislang plane.
    Irgendwelche Ideen dazu? Ich freu mich schon drauf.
    Seit wann betreibst Du Deine TBH, und arbeitest Du nur mit solchen Beuten, oder hast Du noch andere Betriebsweisen?
    Ich wünsche einen sonnigen Tag
    Sabine

  • Hi Sabine,
    Habe mir genau die gleiche TBH gebaut, hast du auch die Leiste zum Rausnehmen an der Rückwand gemacht??
    Bei mir bekomme ich sie nicht mehr raus^^, würde beim nächstenmal wenn dann eine Scheibe einlassen.
    Meine Mädels sind seit ca 5 Wochen im Kasten und haben sich erst mit dem Bauen schwer getan, aber als es so Heiß wurde haben sie richtig losgelgt.
    Ich weis nicht ob ich denen noch fünf weitere Oberträger geben würde ,bei mir sind sie momentan bei 13 und die will ich erstmal fast komplett ausbauen lassen bevor ich mir überlege denen noch welche zugeben. Das bienen Jahr ist halt nicht mehr so lang.

  • moin Hängekorb,
    dann sind wir ja ungefähr in der gleichen Situation. Da macht Erfahrungsaustausch doch richtig Spaß.
    Und jau, ich habe auch die Leiste zum Rausnehmen in die Rückwand gebaut. Mit dem gleichen Ärger. Würde ich auch nicht nochmal machen, da wäre mir auch eine Glasscheibe zum mal nachgucken lieber. Allerdings habe ich die Leisten noch etwas nachgearbeitet (etwas von der Schräge abgesäbelt), und jetzt bei trockenem warmen Wetter kann ich die schon rausnehmen. Sobald der Herbst Einzug hält, wahrscheinlich nicht mehr. Aber selbst jetzt, wenn ich die rausnehme, da muss ich mich ja fast auf den Boden legen, um da was zu sehen. Die hat wohl vor allem einen Sinn, wenn man keinen offenen Gitterboden einbaut, sondern so wie im Originalplan ein Leimholzbrett. Dann muss man da ja mal sauber machen können, oder eine Varoa-Windel einschieben. Ich hab aber einen offenen Gitterboden, unter den ich eine weiße Platte einschieben kann, zwecks Varroa-Kontrolle.
    Und meine Mädels hatten die ersten 14 Waben am letzten Sonntag alle bebaut, wenn auch noch nicht bis in die letzte Ecke, und fast alle mit Brut und Honigkranz oben drüber. Kein Platz für Honig-Randwaben. Und was soll es schon schaden, wenn ich ihnen noch ein paar Oberträger gebe. Wenn sie die nicht ausbauen, kann ich im Herbst das Trennschied immer noch wieder näher ans Brutnest rücken. Bei uns fängt die Linde erst gerade an zu blühen, und sie fliegen wirklich fleißig. Dann sollen sie doch auch Platz haben, die Früchte ihres Fleißes zu lagern. Und mir ein wenig Honig abzugeben. Hat es einen Grund, warum du möchtest, dass sie erstmal die ersten Waben komplett ausbauen? Geht mit großen ausgebauten Waben irgendwas besser? Das ist jetzt keine Retorik, sondern eine ernst gemeinte Frage, nicht das ich hier noch in ein falsches Licht gerate.
    Hast Du auch nur eine TBH besiedelt, oder doch mit mehr Völkern, Schwärmen oder Ablegern begonnen?
    Freue mich auf weitere erhellende Antworten
    und wünsche glückliche Bienen
    Sabine