Bienenprodukte: Warre vs. TBH

  • Hallo zusammen,


    ich möchte im nächsten Frühjahr mit der Hobbyimkerei für den Eigenbedarf beginnen und habe dazu die TBH und die Warre Beute in`s Auge gefasst.


    Eigentlich erscheint mir die Warre Betriebsweise einfacher, andererseits spricht auch viel für das TBH. Gibt es noch weitere Weisen und Beuten, die für Anfänger geeignet sind?


    Welche Produkte kann ich aus dem Bien gewinnen? Könnte man aus der Warre Wabenhonig aus unbebrüteten Waben gewinnen, wenn man bei Volltracht kurzeitig eine zusätzliche Zarge oben aufsetzt. Kann man Pollenfallen auch bei den alternativen Betriebsweisen aufstellen?


    Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr meine Fragen behandeln könnt und damit meine Imkereivorbereitungen in die richtige Bahn bringen.


    Viele Grüße!

  • Besorge dir einfache eine Beute mit Rähmchen so richtig 0815 und lern Bienen halten und danach Imkern. Ein Imker der dir zeigt wie das geht währe auch sehr vorteilhaft. THB und Warre sind schon interessant aber die bieten auch einige Hürden die man als Einsteigern nicht unbedingt überblicken kann und wo dir auch nicht viele Leute helfen können.
    Das sprech ich jetzt aus Erfahrung. Aus meinen Warres wird jetzt im 3. Jahr ein bissel popeliger Honig geerntet nachdem diese schlussendlich in Dadantbeuten um gesiedelt wurden.
    Wenn du Wabenhonig aus unbebrüteten Waben gewinnen willst musst du die Betriebsweise anpassen - ob man das als Einsteiger schon tun sollte?
    Mein Tipp ist aus Erfahrung - kauf dir lieber erstmal das was alle haben (Segeberger mit DN oder Zander ... vielleicht auch Langstroth oder Dadant) - also Beuten mit Rähmchen - und lerne das Handwerk ... danach kann man man spielen. Alternativ ist für Leute die schon alles kennen und Alternativen suchen.
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Ich sehe es nicht ganz so, wie Olli es beschrieben hat. Sehr viele Anfänger beginnen mit einer TBH oder Warre. In Deutschland hinken wir da hinterher, was die Anzahl der TBH/Warre-Imker betrifft. Jedenfalls sind die meisten Berichte von Anfängern positiv zu lesen und das auch nach Jahren. Egal mit welcher Betriebsweise/Beute Du beginnst, es wird ein Lernprozess. Je nachdem, wie sehr Du dir selber Dinge aneignen kannst, entscheidet sich der Verlauf der TBH-Imkerei. So fertig vorgepackte nur noch zu konsumierende Lerneinheiten gibt es da (noch) nicht. In Frankreich werden schon regelmäßig Kurse abgehalten. Das ist der Nachteil in Deutschland.


    Auf der anderen Seite gibt es ein loses Netzwerk von Warre-Imkern, die sich untereinander helfen und ihre Erfahrungen austauschen. Wenn Du dich nicht scheust, mal den Telefonhörer in die Hand zu nehmen, dann wirst Du es schon schaffen. Sicher ist es schwieriger, wenn keiner vor Ort ist - auf der anderen Seite kann das auch ein Vorteil sein. :wink:


    Bezüglich deiner Fragen.


    Zitat

    Welche Produkte kann ich aus dem Bien gewinnen?


    Honig
    Pollen
    Bienenbrot
    Gelee Royal
    Propolis
    Stockluft
    Wachs
    Bienengift
    Apilarnil/Bienenmaden
    Meditation vor dem Bienenstock


    ...sind wohl die wichtigsten "Produkte" - ich sehe sie eher als Geschenk an.



    Zitat

    Könnte man aus der Warre Wabenhonig aus unbebrüteten Waben gewinnen, wenn man bei Volltracht kurzeitig eine zusätzliche Zarge oben aufsetzt?


    Das geht, einige Dinge sind dabei zu beachten. Erstens sind Leitstreifen Pflicht, ansonsten wachsen die Waben von unten nach oben. Zweitens sind die Waben sehr viel fragiler und entsprechende Vorsicht bei der Ernte ist angebracht.



    Zitat

    Kann man Pollenfallen auch bei den alternativen Betriebsweisen aufstellen?


    Prinzipiell ist das bei allen Beutentypen möglich - doch die Schwierigkeiten unterscheiden sich.



    Deine Fragen sind nicht ganz neu, sondern werden immer wieder aufgeworfen. Aus dem Grunde habe ich dieses Jahr einen Hybrid aus der horizontalen TBH ud der vertikalen Warre gebaut. Es gibt zwar schon einige Versuche von anderen Imkern, diese beiden Beuten und ihre Vorteile zu kombinieren - doch ich habe mal einen anderen Ansatz bei der Kombination gewählt.


    Mal sehen.


    Bernhard

  • Hallo!


    Ich hab selbst mehrere mit Bienenvölkern besetzte TBHs und muß ehrlich sagen, dass ich damit kaum zurechtkommen würde, wenn ich nicht vorher schon knapp zehn Jahre in herkömmlichen Magazinen geimkert hätte. Man muß sehr vorsichtig mit den TBH-Waben umgehen und Eingriffe ins Bienenvolk möglichst stark reduzieren. Der Honigertrag aus den TBHs ist im Vergleich zu Magazinbeuten sehr gering. Ich ernte aus den TBHs nur einzelne Waben und hab dann jeweils mal ein oder zwei Gläser voll. Im Ergebnis schließe ich mich ebenfalls dem Honig-Olli an: für den Einstieg ist die konventionelle Magazinimkerei (mit Waben in Holzrähmchen) lehr- und ertragreicher. Außerdem gelingt der Einstieg leichter, wenn man einen erfahrenen Imker als "Imker-Pate" hat. Ich würde mir zuerst einen Paten in geografischer Nähe suchen (z.B. per Anfrage beim örtlichen Imkerverein) und dann so in die Imkerei einsteigen, wie es mir der Pate empfiehlt.


    Gruß vom Sammler

  • Also dass hat sich bisher meiner Erfahrung nach gezeigt: "Erfahrene" Mobilbauimker kommen am schlechtesten zurecht mit dem Umstieg auf Stabilbau. Wenn Du erst mit dem Mobilbau beginnst und dann später umschwenkst, dann wirst Du Probleme bekommen.


    Ich habe nicht gesagt, dass Stabilbau für jeden was ist.


    Übrigens funktioniert das auch anders herum: Ich habe mit einem Berufsimker gesprochen, der über vierzig Jahre lang in der Heide mit Stülpern gearbeitet hat. Irgendwann hat er sich dann Segeberger nebst Zubehör angeschafft. Er hat gesagt, dass er mehrere Jahre gebraucht hat, um die Beute zu verstehen - es dauerte noch länger bis er eine anständige Ernte daraus gewinnen konnte. :wink:


    Es gibt eben sehr starke Unterschiede zwischen Mobil- und Stabilbau. Alles hat seine Vorteile und Nachteile. Da findet jeder für sich das Passende. Egal, wie Du anfängst - es beginnt mit Lernen. Wer sich unsicher ist, der fährt eben zweigleisig und versucht sich mit mehreren Beuten. Wenn er mit der Zeit merkt, welche Beute ihm besser liegt, kann er dann in diese Richtung weitergehen.


    Eines ist sicher: Wer Honig in Massen ernten will, um dann später vor Vermarktungsproblemen zu stehen, der wähle eine Rähmchenbeute. (Zitat aus einem anderen Beitrag (sinngemäß): Ich hasse Honig, was soll ich mit all dem Honig? ). Für denjenigen, der im Garten ein paar Bienen halten will, um für sich selbst Honig zu ernten und ein bisschen Apitherapie zu machen - für den ist Stabilbau eine Alternative.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hallo Bernhard,
    in Deiner Aufzählung fehlt was, das gehört an allererster Stelle, dannach eine große Lücke zu Deinen genannten Produkten:
    Die Bestäubungsleistung eines Bienenvolkes!
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo,


    also ich würde so sagen, eigentlich haben alle hier recht, aber man müßte halt wissen wie es in Dir aussieht. Ich habe zwar einen Fehlstart mit der Warre hingelegt, bin aber überzeugt, daß es mit einer Rähmchenbeute auch nicht besser geklappt hätte (unter den selben Umständen). Zwar hab ich dieses Jahr mit den Rähmchenbeuten bis jetzt mehr Glück aber im Prinzip ähnelt meine Betriebsweise sehr der Warrebetriebsweise. Ich habe mein Volk auch durch Teilung der Zargen vermehrt, Zargen setz ich auch unter und ich öffne das Volk nur ganz selten (um etwas Honig zu klauen). Ich bin allerdings auch in der glücklichen Lage, daß ich auf den 5ha Land um mich rum selber entscheiden kann was da wächst, so ist zumindest die Nahrungsquelle von Frühjahr bis Herbst sichergestellt. Raps ist hier auch weit und breit nicht, Mais lässt sich leider nicht vermeiden, aber man kann ja nicht alles haben. Sollte es mir nun noch gelingen die Völker gut über den Winter zu bringen und es dann mal einen gesunden Schwarm geben so wird auch die Warre wieder bezogen werden. Ich habe auch immer zwischen TBH und Warre gerätselt, aber die Waben der TBH wären für mich als Anfänger einfach zu empfindlich. Was ich mir auch noch vorstellen hätte können wäre die Bienenkiste, aber man muß ja nicht gleich alles ausprobieren. Ich habe auch nicht einen festen Imkerpaten, sondern frag immer 2 oder 3, und heraus kommen hierbei natürlich die 4 berühmten verschiedenen Meinungen.


    Gruß Distelbauer

  • Hallo zusammen!


    Vielen Dank für die Antworten. Könnt ihr vielleicht auch ein gutes Buch empfehlen? "Der Wochenend-Imker" habe ich schon gelesen und fand es sehr gut.


    Welche Bienenrasse könnt ihr empfehlen? Das was ich in der Nähe bekomme oder gibt es eine Rasse, die für Anfänger besonders geeignet ist. Ist apis mellifera mellifera die im norddeutschen Raum Ursprüngliche?


    Und zu guter letzt: Wie wahrscheinlich ist es selbst einen Schwarm einzufangen, wenn ich in meinem Garten eine Lockbeute aufstelle? Es gibt aber weit und breit keine Imker.


    Viele Grüße!

  • Hallo zusammen!


    Vielen Dank für die Antworten. Könnt ihr vielleicht auch ein gutes Buch empfehlen? "Der Wochenend-Imker" habe ich schon gelesen und fand es sehr gut.


    Bald bringt der Reiner Schwarz eine Broschüre raus (steht bald zum Download bereit), bei welcher er die (seine) Dadantbetriebsweise und der Michael seine Betriebsweise mit Dadant kurz vorstellt.

    Zitat


    Welche Bienenrasse könnt ihr empfehlen? Das was ich in der Nähe bekomme oder gibt es eine Rasse, die für Anfänger besonders geeignet ist. Ist apis mellifera mellifera die im norddeutschen Raum Ursprüngliche?


    Vergiss alles was du gehört hast über Rassen - das ist was für später (in 4-6 Jahren) - und freue dich über den nächstbesten Schwarm, welchen du sicher von dem einen oder anderen Imker aus deinem weiteren Umfeld bekommen kannst. Für Anfänger sind prinzipiell erstmal sanftmütige Bienen geeignet. Wenn du gut mit den Bienen umgehst werden sie weitgehend sanftmütig sein.

    Zitat


    Und zu guter letzt: Wie wahrscheinlich ist es selbst einen Schwarm einzufangen, wenn ich in meinem Garten eine Lockbeute aufstelle? Es gibt aber weit und breit keine Imker.


    Ich würde mich nicht drauf verlassen. Füll mal dein Profil aus (also Ort und ggf PLZ) vielleicht wohnt ja gleich einer aus dem Forum in deiner Nähe.
     
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Kontaktiere den örtlichen Imkerverein. Manche Vereine bieten Anfängern ein Volk oder einen Ableger als Einstiegsgeschenk. Auch Imkerpaten können sehr großzügig sein!
    Im Verein ist i.d.R. die Rähmchenbeute und als Rasse "Carnica" im Mainstream.


    Wenn du gern einen Schwarm einfangen möchtest, ist der Kontakt zur örtlichen Feuerwehr oft hilfreich.


    Der Einstieg gelingt am Besten im Frühling mit einem fertig überwinterten Vollvolk, das durchaus einen Hunderter kosten darf! Auch Ableger oder Schwärme im Mai/Juni sind gut für den Einstieg.


    Von späteren Ablegern oder Schwärmen kannst du nichts mehr ernten und du startest dann mit der ersten Überwinterung. Das ist für den ersten Anfang schwieriger.


    Gruß, Sammler

  • Das ist für den ersten Anfang schwieriger.


    Na dann lernt man gleich erstmal etwas Geduld - eine sehr wichtige und hilfreiche Eigenschaft beim Imkern. Ich habe 2 Jahre lang keinen Honig gehabt. Was solls. :)
    Olli


    PS: hat auch den Vorteil der verminderten Anfangsinvestition einer Schleuder und dem ganzen pipapo und Kram den man dazu noch braucht

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Hallo Bär,
    ich habe in diesem Jahr auch 2x Warre und 2x TBH angefangen. Ich hatte bisher nur theoretische Kenntnisse. Da ich einen Honigverbrauch inkl. Nachbarn von 5 kg p.a. habe, bin ich froh nicht den Arbeitsaufwand mit der ganzen Schleuderei etc. wie bei meinen Imkerpaten haben zu müssen...


    Auf jeden Fall würde ich ein Sichtfenster empfehlen. Ich merke bei mir den Drang, häufiger an den TBH nach zuschauen als bei der Warre.


    Ich würde auf jeden Fall Schwärme empfehlen. Ich habe auch die Umsiedlung von Rähmchen probiert, macht sich einfach nicht so gut für mich als Anfänger. Man ist doch bei der Arbeit an den Bienen noch etwas aufgeregt.
    Also mein Rat einfach anfangen, man muß und kann nicht gelich der Profi sein.


    Ulf


    P.S. Frage an Bernhard: Wie kann ich mir den "Hybrid aus der horizontalen TBH ud der vertikalen Warre" vorstellen, gibt es davon Bilder oder Pläne???

    Es liegt in der Natur des Menschen vernünftig zu denken und unvernünftig zu handeln.

  • gibt es davon Bilder oder Pläne???


     
    Ich habe ein paar Handskizzen und erstes Exemplar gebaut - würde aber gern erst ein paar Jahre testen. Im Prinzip habe ich einen hohen Boden gebaut, auf dem dann eine kleine TBH und eine Warre stehen. Der Eingang geht dann unter der kleinen TBH hindurch und das Hauptnest ist dann in der Warre. Die TBH dient nur zu unterjährigen Honigernte, zur Aufnahme einer Bienenfangbox (für die Bienengifttherapie) und zur Ernte von Gelee Royal. Außerdem habe ich einige andere Möglichkeiten der Kontrolle von unten.
    Aber naja - mehr später.


    Viele Grüße
    Bernhard