Schwarm aus Mauerspalte gepflückt (Bienensauger)

  • Heute habe ich einen guten Schwarm aus einer Mauerspalte gepflückt. Es handelte sich um eine Spalte, die zwischen einer Fertiggarage und einer Hauswand entstand, welche rundum geschlossen wurde mit Dichtungslippen.


    Die Maße des Raumes in der Spalte war etwa 15 cm Durchmesser, 2 Meter Höhe und es ging 3 Meter nach hinten.


    Der Schwarm ist vorgestern rein und wurde mir von der Polizei gemeldet.


    Als ich vorgestern angerufen wurde, war es schon später Abend und der Schwarm war schon komplett in der Spalte verschwunden. Ich habe die Verklebung der Dichtungslippe seitlich mit dem Messer gelöst, so dass ihr "Flugloch" etwas vergrößert war und ein mit Waben gefüllte Zarge davor platziert und über Nacht stehen lassen.


    Erwartungsgemäß haben sie die Zarge nicht angenommen - Bienen eben. :wink:


    Deswegen habe ich schon bevor ich dort am nächsten Tag hinfuhr, einen Bienenstaubsauger selbst gebastelt. Bisher hatte ich noch keinen Schwarm, wo ich so etwas benötigen würde - aber es ist immer ein erstes Mal.


    Zuerst habe ich mir diese Pläne angesehen:


    http://www.beesource.com/files/beevac.pdf


    Dieser war wohl ausgereift, aber für so viel Bastelarbeit fehlte mir die Zeit.


    Wichtig: In den Erläuterungen las ich, dass die Stärke des Saugens über einen Schieber regelbar sein muss - die Bienen müssen gerade eben vorsichtig eingesaugt werden, ansonsten können sie verletzt werden.


    Dann habe ich noch diese Version gefunden:


    http://robo.bushkillfarms.com/beekeeping/bee-vac/


    Die sagte mir eher zu. Gesagt, gebaut.


    Das Wetter war gestern zu sonnig, weswegen die Bienen stark flogen - kein guter Zeitpunkt, um sie einzusammeln. Lieber etwas geduldig sein. Über Nacht hat es dann geregnet und der heutige frühe Morgen war kein Flugwetter - die Bienen saßen in mehreren dicken Trauben in der Spalte.


    In der Garage war Strom praktischerweise, den ich benötigte - eine Leiter gab es auch.


    Kabeltrommel habe ich mitgebracht, sowie einen leistungsstarken aber regelbaren Staubsauger. Alles aufgebaut und los ging es, die Saugkraft langsam steigernd.


    Klappte wunderbar - bis die Zargen etwa nach einem Drittel des Schwarmes anscheinend zu voll wurden. Plötzlich ging nichts mehr. Ich habe daher abgebrochen und die Ventilation des Systems geöffnet.


    So war das nicht geplant. :roll:


    Wenn ich die oben erste Version des bee-vac gebaut hätte, könnte ich die inneren Magazine wechseln, so ging das nicht ohne Umbauen.


    Ich bin dann jedenfalls nach Hause, habe die bereits abgesaugten Bienen in der Kiste zum Beruhigen in den Schatten gestellt und rein in die Werkstatt. Nach einiger Zeit des geschäftigen Wühlens in den Regalen nach Ideen, kam die entscheidende Idee von meiner Frau, die wie so oft (viel zu oft :wink:) gescheiter ist als ich es bin.


    Sie wies mich darauf hin, dass die im Baumarkt erhältlichen Ascheabscheider zum Aussaugen der Asche von Kaminöfen eigentlich so etwas ist, was ich suche.


    Wir sind dann zum Baumarkt gefahren und haben dort noch einen Restposten für 11 Euro und ein paar Zerquetschte erstanden. Genial: Ein Anschlußstutzen aus Gummi für einen Staubsauger - und das auch noch durch ein feines, weiträumiges, halbkugelförmiges Gitter vom Staubsauger getrennt.


    Ein Bienensauger! Fix und fertig - mit 20 Litern genau das, was ich benötigte!


    Ascheabscheider!


    Zurück zum Ort des Geschehens, alles wieder aufgebaut und losgelegt. Nach gefühlten 15 Minuten hatte ich bis auf einzelne Bienen alle Bienen des Schwarms im Ascheabscheider.


    Funktioniert genial! Wie gesagt, ist es wichtig, dass die Stärke des Saugens gut reguliert wird - es darf nicht "Plöng" machen, wenn die Bienen dann im Innern landen.


    Ich habe mir auch überlegt, das Innere irgendwie mit Noppenfolie oder Ähnlichem auszukleiden (kleben, damit es nicht angesaugt wird). Aber es gab nur vereinzelte tote Bienen. Die haben die Tour prächtig überlebt.


    Was braucht es, um mit dem Bienensauger in einer Spalte zu arbeiten:


    - Stromanschluß
    - gegebenenfalls Kabeltrommel
    - Staubsauger
    - Ascheabscheider
    - Verlängerung des Saugrohres - für die Tiefe der Spalte!
    - Taschenlampe!!! Wenn Du aus dem Hellen in die dunkle Spalte siehst, siehst Du...nix.


    Ich habe die Bienen von unten nach oben abgesaugt, drei Herzwaben vorsichtig abgesaugt und dann gepflückt. Anscheinend ist die Königin nach hinten in den Raum, etwa 1,50 Meter nach hinten saß ein Knubbel Bienen - mit der Verlängerung habe ich den Knubbel dann gepflückt.


    Den Staubsauger habe ich angelassen, bis ich das Saugrohr mit einem Lappen verstopft habe, dann habe ich den Sauger abgeschaltet und den Sauger entkoppelt. Weil ein rundes Gitter innen im Ascheabscheider war, war dies gleich die Transportbelüftung - ich hatte es nicht sehr weit.


    Zuhause habe ich dann den Schwarm direkt einlaufen lassen, die bewährte Methode über das "Bügelbrett" :lol:


    Die Königin habe ich glücklicherweise sofort entdeckt - sie hat die Turbolenzen anscheinend gut überstanden, denn sie hatte einen Affenzahn drauf. Mit dem Clip eingefangen, vor das Flugloch gesetzt - und losgelassen. Sie ist rein und die ganze Truppe hinterher. Nach 20 Minuten waren die letzten Bienen in der neuen Behausung verschwunden.


    Ich habe bei der ganzen Aktion keinen einzigen Bienenstich abbekommen - wohl Mückenstiche. Und das obwohl ich nur einen Schlupfschleier und einen rechten Handschuh hatte - ich habe meinen Kopf in die Spalte gehalten und mit dem kurzärmligen Arm in die summende Dunkelheit gereicht. Nettes Gefühl. :lol:


    Die waren erstaunlich gelassen bei der gesamten Aktion. Kann auch sein, dass ich die Wächterbienen als Erstes abgesaugt habe :wink:


    Also gut gelaufen und der Ascheabscheider ist für solche Situationen sehr zu empfehlen. Kommt zwar nicht alle Tage vor, dass der Schwarm derart vertrackt sitzt, aber ich habe den Bienensauger in meiner Schwarmfang-Gerätewerkstatt neben den Seifertschen Schwarmfangrohren mit aufgenommen.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Danke Bernhard,
    genau das was ich diese Woche brauche!
    Will Bienen aus der Decke eines Abrisshauses bergen.
    Gruß
    Kalle

    Ich bin im Forum um zu lernen und zu fragen, nicht um alles zu Wissen!

  • ...muß mir meinen Ascheabscheider, der in der Kammer verstaubt, daraufhin doch mal näher ansehen! - Danke für den Tip!

    Robert - Versuch macht kluch... - und natürlich: KISS ME - keep it simple and stupid and most efficient!

  • Hi Turbo´s,
    mit dem Ding hab ich schon Bienen aus ner Stachelhecke gepolkt, die waren nur etwas durch den Wind und dann auch froh, endlich ne Kiste zu bekommen. Ich hatte noch etwas Asche im Rohr, es musste schnell gehen, da wurden die Mädels gleich gepudert.
    Knäcke

  • Hallo Bernhard


    Deine Ascheabscheider aus dem Baumarkt sind das "3er-Pack Filterbeutel passend für selbstreinigende Aschesauger


    Wiederverwendbare Filterbeutel für selbstreinigende Asche und Kaminsauger. " als Einsätze für gängige Industriesauger?


    Bin gespannt.
    Hartmut

  • Hier noch ein paar Photos.


    Das ist die Skizze des Ascheabscheiders:



    Der Staubsauger wird über eine Gummiverbindung angeschlossen. Unter dem Anschluß im Deckel ist ein rundes, gewölbtes, feines Gitter - so ähnlich wie ein aufgeschraubtes Küchensieb.


    Das ist die betreffende Garage gewesen. Der rote Pfeil zeigt auf das Flugloch, dort hatte sich die Gummi-Lippe ein Stück weit gelöst, welche Garage und Hauswand verbindet und abdichtet.



    Hier läuft der Schwarm ein, rechts im Bild der Ascheabscheider, aus dem die Bienen quicklebendig hervorquellen.



    Viele Grüße
    Bernhard

  • Das ganze noch kombiniert mit nem 230V Umsetzer fürs Auto, 50m Kabeltrommel und DN50 Rohrstücke als Verlängerung, da is dann keiner mehr sicher.
    Ob man damit die 6m-8m Höhe des Schwarmfangrohrs toppen kann?