Basiswissen 1.0: Wie macht man einen Kunstschwarm?

  • Hallo, ihr Lieben,
    in Vorbereitung der Ankunft der ersten begatteten Buckfastköniginnen überlege ich wie ich die Damen schnell versorgen kann.
    Allgemeine Empfehlung lautet ja: Kunstschwarm.


    So, aber wie macht "man" nun den besten Kunstschwarm - die einen empfehlen Bienen aus dem Honigraum, die anderen nur ansitzenden Bienen an Brutwaben. Die einen sagen Kellerhaft unter Fütterung, die anderen packen die gleich in eine Beute. Manche sagen Freiluftkunstschwarm und andere empfehlen Brutwabe mit verdeckelter Brut, ansitzende Bienen und wenn sie sich genug weisellos fühlen, Königin im Ausfresskäfig dazu.


    Mangels eigener Erfahrung in Bezug auf Kunstschwärme suche ich nun den Königsweg zwischen all diesen Empfehlungen. Logisch erscheint mir, eine Einweiselung zu versuchen, die auf jungen Bienen basiert die ja bekanntlicherweise noch über jede Königin froh sind die da denn Eier legen kann.
    Also so in der Art: Eine Brutwabe mit verdeckelter Brut (keiner offenen, keine Stifte), ansitzende Bienen dazu geschlagen, Rest mit MWs und ausgebauter Wabe sowie Futter ergänzen, alles an eine andere Stelle damit die Flugbienen abfliegen können und dann schließlich die Dame im Ausfreßkäfig dazu. Später im Jahr kann man diesen Ableger dann ja mit einem weisellos gemachten Wirtschaftsvolk vereinigen.


    Klingt das erfolgsversprechend oder grad zu theoretisch gedacht?
    Oder doch besser Kunstschwarm - nur dann halt welcher?


    Wer führt mich aus den Wirren des Informationszeitalters auf den rechten Weg?


    Es dankt


    Melanie

  • Ich würde - und jetzt führe ich nur auf ,wie ich es mache, mehr nicht - keine Brutwabe dem Kunstschwarm geben. Denn die Königin beginnt i.d.R. erst mit dem Eier legen, wenn keine alte Brut mehr vorhanden ist.
    Königin entweder unter Zuckerteigverschluß oder festen Verschluß in Käfig, diesen in Schwarmkiste. Bienen von offenen Brutwaben dazukehren (ich mache das durch einen großen Trichter). Die Bienen sollten sich zu einer Traube sammeln können ,deshalb keine Waben in diese Kiste. Futterteig auf dem Boden ist o.k. Mache ich aber auch meistens nicht. Denn der Kunstschwarm wird bei mir sofort auf einen anderen Stand gebracht (damit die Bienen nicht zurückfliegen können) oder aber für eine Nacht in den Keller. Danach in eine Beute einschlagen. In dieser Beute natürich Mittelwände (oder Rähmchen mit Anfangsstreifen) und füttern.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Moin, Melanie,

    Zitat

    Also so in der Art: Eine Brutwabe mit verdeckelter Brut (keiner offenen, keine Stifte), ansitzende Bienen dazu geschlagen, Rest mit MWs und ausgebauter Wabe sowie Futter ergänzen, alles an eine andere Stelle damit die Flugbienen abfliegen können und dann schließlich die Dame im Ausfreßkäfig dazu.


    Nein, viel zuwenig Bienen, die Brut muß ja nachts auch noch gewärmt werden, da sollten schon noch mindestens die Bienen aus mehr als einem halben DNM-HR dazu.


    Aber ich mach es auch anders, eben Freiluft-KS, weil der am besten funzt - muß aber "Schwarmwetter" sein, und möglichst um Mittag rum. Wenn man nur Bienen aus dem HR nimmt, ist die Sache nach einer Stunde hängen erledigt, und man kann einschlagen (Kunststoffplöppel schon vorher ausbrechen).
    Abends dann sofort dünn füttern.
    Die HR-Bienen haben den Vorteil, daß sie noch nie draußen waren, du brauchst also nix verfahren.
    Und der KS sollte jetzt ruhig deutlich über 1,5kg Bienen am Schluß haben, nächsten Monat sogar über 2kg. Da an Bienen zu sparen, ist verkehrt.
    Bei begatteten ist es übrigens nett, wenn wenigstens eine brutfähige ausgebaute Wabe schon drin ist, da können sie schneller wieder das Legen anfangen, als wenn erst noch gebaut werden muß.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Ich weiß nicht, ob Dir das hilft, ich habs so gemacht:
    In Ermangelung eines so edlen Instruments wie eine Kunstschwarmbox habe ich eine leere DNM-Beute genommen, Flugloch zu, Gitterboden offen.
    Unter den Deckel habe ich die Kö. im Ausfresskäfig - fester Verschluss - gehängt.
    Den Deckel habe zu 3/4 auf die Zarge gelegt und die Bienen zugefegt, auf Brutwaben oder Honigwaben habe ich dabei nicht geachtet.
    Danach Beute verschlossen und in den kühlen Keller für 24 Std. Es hat sich eine sehr schöne Traube um den an der Decke befestigten Kö-Käfig gebildet. Die Traube habe ich nach ein paar Stunden noch mit Oxalsäure geträufelt.
    Am nächsten oder übernächsten Tag habe ich den Kunstschwarm in eine Dadantkiste mit Mittelwänden eingeschlagen und mit Sirup gefüttert. Den festen Verschluss habe ich entfernt und die Kö ausfressen lassen, am nächsten Tag den leeren Käfig rausgeholt.
    Das war in der ersten Augustwoche 2009. Die Bienen legten mit Bauen los wie die Feuerwehr und bauten 10 Dadantmittelwände aus. Es ist dieses Jahr mein stärkstes Volk. Ich sollte noch erwähnen, dass ich etwas Futterteig und einen nassen Schwamm in der "Kunstschwarmkiste" hatte.
    So long
    Roland

    "Im normalen Leben wird es einem oft gar nicht bewußt, daß der Mensch überhaupt unendlich mehr empfängt, als er gibt, und daß Dankbarkeit das Leben erst reich macht" D. Bonhoeffer

  • M. I's.
    Ich mach es ähnlich, Bienen aus dem HR in die Schwarmfangbox abfegen. Wenns nicht genug sind
    noch ein paar von einem anderen Volk, ca. 2kg. Warten bis sie heulen und dann
    die Königin im Käfig zusetzen und 2 Tage Keller. Ich füttere flüssig( umgestülptes Honigglas) Honig-Zuckerlösung.
    Nach zwei Tagen ist die Königin ausgefressen und Bienen haben
    bereits eine kleine Herzchenwabe gebaut, zur Begrüßung der neuen Regentin.


    s.T.
    Bernd

    "Wenn Neider, Hasser dich umringen, dann denk an Götz von Berlichingen."

  • Hallo, Melanie,
    ich tendiere dazu, was WaldundWiese geschrieben hat.
    Bienen en masse abfegen in die Schwarmkiste, wenn du nur einen Hausstand hast, solltest du Kellerhaft geben.
    Dann die Königin im Ausfresskäfig zuhängen. Kühl halten, Wassersprayer, etwas Futterteig ist ok.
    Das gemütliche Brausen zeigt das Gelingen. Die Bienen sind in Not und wollen bauen.
    Eine Chance, mit Naturbau zu beginnen.
    Wobei ich hier nicht "missionieren" will.
    Bonne Chance, Udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Hallo,


    noch einfacher, so hatte ich das letztes Jahr gemacht.


    Standort 1, Bienen beim Honigernten von mehrern Völkern in Eimer abgefegt, Gitter drauf
    weiter zum Standort 2, Bienen im Eimer nassgemacht, weiter Bienen daugefegt bis etwa 2 KG zusammen waren, Gitter drauf,
    Apidea geholt, Bienen im Eimer nochmal nass gemacht und aufgestossen, Waaben vom Apidea in den Eimer mit reigefegt samt Königin.
    Gitter drauf, ab in den Keller, Nassen Schwamm und Futterteig auf Gitter, nach ca 24 Std mmit Perizin behandelt weitere 24 Std weiterSchwamm und Futter runter, Eimer zur neuen Beute mit Mittelwänden und ausgebauten Waaben. Oberstes Magazin leer. Gitterdeckel vom eimer samt dranhängender Bienentraube abnehmen und über die neue Kiste. Wer will kann ja nochmal anfeuchten. nun einen kleien Schlag, die Bienen Plumsen in die Kiste, Oberstes Magazin mit Waaben b.z.w. Mittelwänden auffüllen, Deckeldrauf Feddich


    Gruß Thorsten

    wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten, da hab ich noch genug von... Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt....


  •  
    Wie viele von den Freiluf-KS kann man den parallel erstellen?
    Ich vermehre auch durch KS, aber dann brauche ich eben gleich 10 oder mehr.


    Ansonsten erstelle ich KS nach dem Prinzip vom BI Celle. Nachzulesen hier: HIER

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Mal ein paar Fragen zum Freiluftkunstschwarm. Die Traube hängt dann doch an dem Käfig, in dem sich die Königin befindet. Wenn man diese Traube in den Kasten abstößt, nimmt die Königin im Käfig durch den Ruck keinen Schaden?
    Kommt der Freiluftkunstschwarm direkt in die Beute oder besser eine Nacht Kellerhaft?
    Ich würde das gerne mit einer zugekauften Königin probieren, falls das Wetter es dann an dem Tag zulässt, und hoffe, dass genug Bienen bei der neuen Königin bleiben wollen und nicht wieder alle abdüsen.


    Ansonsten werde ich wohl einen klassischen Kunstschwarm mit Abfegen in die Schwarmkiste machen. Hänge ich die Königin da am besten direkt von Anfang an in die Schwarmkiste und kehre dann die Bienen dazu oder sollte sich der Kunstschwarm erst in Kellerhaft weisellos fühlen?


    Und wie schaut es mit den Begleitbienen aus, müssen die vorher raus aus dem Käfig?


    Das wird mein erster Kunstschwarm, deshalb entschuldigt bitte die vielleicht doofen Fragen :wink:

  • Moin, Pamela,
    man muß nicht immer abschlagen, sondern kann die Traube auch durch die Oberträger langsam "versickern" lassen, bzw. die mittleren Rähmchen der obersten Zarge erst rausnehmen und vorsichtig nach und nach wieder einsetzen, bzw von den Seiten zur Mitte schieben und an den Rändern nachfüllen.
    Das geht bei Leerrähmchen mit Anfangsstreifen ganz gut, bei MWs wohl eher nicht.
    Bei echten Schwärmen lassen wir die unterste Zarge ohne Rähmchen, und schlagen da rein, bis sie sich nach oben gezogen haben und nach einem Tag befüllen wir dann die unterste mit Rähmchen und nehmen ggfs die Äste wieder raus (Schwärme mit Aststück pflücken ist streßfreier als abstoßen :wink:).


    Und nein, FLKS müssen nicht in Kellerhaft, gehen aber nur mit begatteten Königinnen wirklich gut, die unbegatteten riechen nicht genug.


    Beim klassischen KS immer die Königin sofort dazu. Und ich laß die Begleitbienen immer drin, lieber deren Füße abgebissen als die der Königin, ich finde, die sind als Leibwache sehr nützlich.
    Bitte denk beim KS an Futterteig und Wasser sprühen, die haben ja nicht genug für 3 Tage mit.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  •  
    Vielen Dank! Hoffentlich ist das Wetter dann gut, damit ich den Freiluftkunstschwarm machen kann, das wäre für die Bienen wohl die beste Variante und für uns ein Erlebnis :-D


    Ich würde ihn gerne zu einem anderen Stand bringen, würde die Traube dann also für den Transport in den Schwarmkasten hängen, am besten befestige ich den Käfig von vornherein am Deckel des Schwarmkastens und hänge diesen dann an den Baum.
    Bin schon gespannt ob es klappt.