Bienen stechlustig

  • Hallo MIteinander,
    bei der Gelegenheit erinner ich an das, was schon Altmeister Sklenar dazu schrieb (sinngemäß):
    Die Stechlust der Bienen ist eine anerzogene, keine angeborene.


    Wenn die Bienen so eine Art Flagge an ihren Stock hochziehen könnten, wo drauf steht: Heute nicht stören,
    die würde sehr oft gehisst sein...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Ich muss mal kurz die Richtung bremsen


    In Erinnerung an meine ersten Jahre:
    Unsere Bienen waren wild, nur ein Volk war so, dass ich ohne Stress an den Kasten konnte. Besonders übel hat's meine Mutter erwischt, ihr Volk war die Ultra-Hölle. So etwas habe ich seit dem nicht wieder erlebt. Weil sich am Ende keiner ran getraut hat, musste ich die Alte suchen um das Volk mit einer neuen Königin ruhiger zu bekommen. Ich hatte da keine Chance, nicht die Geringste. Deckel auf = Notalarm! Geschwärmt haben die auch was das Material her gab. Trotzt Schwärmen und sehr sehr wenig Nachschauen - hatte ja keiner Bock drauf (nicht mal unser Pate) - hat sich die Stimmung nicht wesentlich gebessert.


    Schließlich hatte ich mich für den Feglingskasten mit ASG entschieden.
    Ich habe sie gehasst, die ganze Rasselbande, und zwar abgrundtief - so von innen raus, nicht nur der Kopf - mein ganzer Körper!
    ... nach paarundvierzig Stichen habe ich aufgehört zu zählen. Ging auch nicht mehr, irgendwann spürte ich nicht mehr alle Stiche. Nur noch freie Stellen waren mit voll funktionsfähigen Nervenbahnen ausgestattet. Das war dann so ein schwammiges Gefühlsbad, während ich wie eine Maschine weiter gearbeitet habe.


    Aber ich bin auch dankbar für die Sensibilisierung!
    ... ehrlich! =;o)
    Seit dem kann ich ohne Handschuhe und auch ohne Schleier, weil mir die Stiche nichts mehr machen.
    Und der Drohn hat recht - ohne Rauch geht's auch!



    Der Weg dahin ist aber nicht so einfach.
    Gerade wenn man sich noch nicht so richtig auskennt, ist Nachschauen und Kontrolle wichtig, wie will man das sonst lernen. Nur mit einer ruhigen Biene, gerade am Anfang der Imkerei, kann man ein Gefühl für den richtigen Umgang erlernen. Lernen funktioniert bei mir nur mit Spass und Freunde an der Sache. Stress wirkt bei mir kontraproduktiv, deswegen auch meine Meinung dazu. Vor allem kommt bei einer stressigen Biene am Anfang nicht das Thai-Chi Gefühl für die richtige Bewegungsfrequenz zu stande. Erst wenn man das im Kasten hat - und ich sag mal wie beim Klettern seinen Puls in Stresssituationen kontrollieren kann - kann man auch mit einer belebteren Biene ohne Schutz arbeiten. Bienen sind schlimmer als Hunde! Nur ein Funken Zweifel kann dich enttarnen und zum Ziel degradieren =;o)



    Deswegen kann die Sichtweise auf stichig oder nicht, sowie der Handhabung des Bien, schon eine sehr unterschiedliche sein.
    Mal abgesehen von den äusseren Bedingungen, wie zum Beispiel das Wetter. Bienen sind da ja auch sehr empfindlich.



    Also was kann es gewesen sein?
    Biene, Wetter, Handhabung, Stress (beim Imker) oder was?




    Just my two cents =;o)
    Arnd

  • :wink: Lothar, du nimmst mir das Wort von der Tastatur :Biene:
    Ich hatte in den letzten Jahren öfter das Problem mit dem Mann, daß er durchgucken wollte, und ich meinte, nee, heute schon gar nicht (drei Minuten Fluglochgucken reichen dafür - entweder waren die Damen nicht in Stimmung, ein Öffnen klaglos hinzunehmen, oder es war schlicht nicht nötig), aber seit vorletztem Jahr sieht er es selbst.:daumen:
    Durch die Plexideckel statt Folie kann er jetzt ungehemmt "mal eben unter den Deckel gucken" und blütenweißes Wachs bewundern, ohne daß die Mädels stundenlang heizen müssen, um den Wärmeverlust auszugleichen.:wink:
    Und ja, ich denke bekanntlich auch, daß Stichigkeit eher am Imker als an der Biene liegt.:wink:
    (was bringt es, absolut handzahme Bienen zu haben, die sich dann in trachtloser Zeit nicht mehr erfolgreich verteidigen können?)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Habe heute keine richtige Meinung mehr lange Kommentare zu verfassen , nur soviel : denke das arnd ein paar gute Gedanken zu dieser Thematik beigesteuert hat .
    Die sollte sich so mancher mal ganz in Ruhe durch den Kopf gehen lassen .
    In der Ruhe liegt die Kraft , das gilt vor allem im Zusammenspiel mit unseren Mädels.


    Gruß hannes


  • Die Stechlust der Bienen ist eine anerzogene, keine angeborene.



    Ola


    sieht man ja an den afrikanisierten Honigbienen, seit dem die plötzlich lauter Brasilianer(innen) sehen, haben die eine enorme Stech-Und Verfolgungslust entwickelt :O)


    Wer will es ihnen verdenken ?

    "One of nature's biggest forces is exponential growth" (A.Einstein)

  • ...afrikanisierten Honigbienen...haben die eine enorme Stech-Und Verfolgungslust entwickelt :O)


    Bei den Demetern würde man jetzt fragen: Ist das deine eigene Erfahrung? :wink:




    Nicht zu vergessen, ein bisschen Geschichte zu "afrikanisierten" Honigbienen:


    http://www.beesource.com/point…ing-historical-background


    Das sind die Jahresberichte von Züchtungsversuchen. Beachtenswert sind die Jahreszahlen, sowie die Orte, an die solche Bienen geschickt wurden. Südamerika war auch darunter.
    Parallelen und Korrelationen sind rein zufälliger Natur - so wie alles im Leben "reiner Zufall" ist. :wink:


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hallo Miteinander,
    gehen wir mal davon aus, das Sklenar keine Afrikanisierten Bienen auf seinen Ständen hatte,
    können wir das für die europäischen Bienenherkünfte sicherlich schon verallgemeinen.
    Es muss schon 30 oder mehr Jahre her sein, damals hatte ich noch keine Bienen, da habe ich im Fernsehen mal eine Dokumentation über Afrikanisierte Bienen, damals noch reißerisch "Killerbienen" genannt, gesehen.
    Dort wurde ein Imker gezeigt, der ohne Schutz ein solches Volk bearbeitete.
    So friedlich waren die Landbienen zu meiner Anfangszeit nicht!
    Das mag auch an der "Grobimkerei" des Paten gelegen haben; auch an den Nachteilen seiner Trogbeuten (zu schmale Deckelleisten) und der Aufstellung der Völker (Bauwagen).
    Meine drei Völker von ihm waren etwas friedlicher.
    Möglich, das ich vorsichtiger imkerte, sie erschütterungsfreier aufgestellt habe, das es Ableger bzw. Schwärme waren.
    "Getoppt" wurde die Stechlust noch von einem Fremdschwarm (der Pastor hat nicht immer die friedlichen Lämmer in seiner Obhut).
    Da durfte ich gleich im ersten Jahr Umweiseln lernen...
    Das es anders geht, lernte ich durch einen zweiten fremden Schwarm kennen und durch weitere Völker, die ich sehr günstig kaufen konnte.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Alles was geschrieben wurde ist irgendwie richtig - insbesondere die Sensibilisierung - daran erinnere ich mich noch sehr genau. Ein Stich tut mir heute auch nicht mehr gross was - nicht weil ich ein harter Mann sein will, sondern weil man sich doch irgendwie dran gewöhnt hat.

    Auch das "Behandelt den Bien gut" kann es alles verstehen, ist für mich aber in dem Fall als einzeln stehene Aussage ohne relativen Wert in diesem Thread, denn das wollen die meisten Imker. Der Tiefgang der Aussage bleibt den meisten Jungimkern denke ich, verborgen.

    Ich möchte aber nicht dass das hier falsch verstanden wird. Ihr alle die ihr Euch auskennt, überlegt einmal dass ein Anfänger das auch falsch verstehen könnte.
    Wie Sabiene es schriebt, man muss das Flugloch/Brett lesen lernen, und richtiges Verhalten zahlt sich aus - auch das Wetter spielt eine Rolle. Was gerade gesammelt wird, und und und...

    Im Interesse der Jungimker die hier lernen wollen und mitlesen muss aber gesagt werden, dass es sog. "Stecher" schon gibt. Selten zwar, aber es gibt sie.
    Wenn der Stand 50 Meter neben einem Weg ist, und Passanten angegriffen werden, dann ist es mit der Akteptanz für uns Imker und den Bien ganz schnell aus, und das Affentheater ist vorprogrammiert. Das wollen wit alle nicht - das Hilft weder dem Bien, noch dem Imker. Denkt dran, dass ihr auch Verantwortung tragt - für alle Seiten.

    Ganz klare Meinung von mir: Wenn das Angreifen zu 100erten immer so ist - über lange Zeit und trotz allem "Goodwill -> Checken und ggf. Umweisen.

    Schönes Beispiel noch: Meine Nachbarn freuen sich alle über meine Bienen. Ich weiss aber von einem Fall, bei dem der Nachbar wegen Stichen im Streit einen Ableger mit Insektenspray behandelt hat - als dieser im Urlaub war. War ein riesen Ding.
    Ich glaube das kam sogar hier im Forum an damals...

    Thor


    Noch ein Ps.: Ich habe einen guten Grund, warum ich hier so reagiere. Ich sage mal dass ich einen ungefähren Plan entwickelt habe, was den Bien angeht, lerne aber immer wieder dazu.
    Erst letztes Jahr hatte ich nämlich einen solchen Fall. Deckel auf - ALRAM -ungweiselt und das Problem erledigte sich- Keiner von Euch kann mir erzählen, dass er da ohne Schleier ran geht, wenn man immer leich 100Fach angeflogen wird - mit der Lanze zuerst. Keiner!
    Ich arbeite "normalerweise" auch so wie es die meisten wollen, in T-Shirt und kurzer Hose.

  • Hallo,


    ich habe seit vorigem Jahr Bienen. Dieses Jahr sind 2 Schwärme dazzugekommen. Die Bienen waren bis jetzt sehr ruhig und friedlich. Ich imkere trotzdem immer mit Schleier, weil ein Stich bei mir doch sehr anschwillt. Seit Mittwoch sind sie alle etwas anders. Schon beim Rämchen drehen und nach Brut schauen flogen sie angriffslustig an meinen Schleier. Nach ca. 1 Stunde bin ich wieder zu den Bienen an ein anderes Volk. So ziemlich das selbe. Sobald ich in die Nähe komme kommen ein paar schon auf mich zugeflogen und stechen auch. Bis vorige Woche kannte ich sowas gar nicht. Liegts am Wetter, an mir oder was kann das sein?
    Da es alle Völker betrifft, weiß ich auch nicht weiter.


    Liebe Grüße Landbiene

  • Hallo Landbiene,
    möglicherweise hat auch eine Biene des ersten besuchten Volkes in den Schleier gestochen. Der Schleier riecht dann noch für einige Zeit für alle anderen Bienen nach "Achtung Feind!". Das könnte das Verhalten der anderen Völker erklären.


    Liebe Grüße
    Mandy

    "Keine Rähmchen - keine Mittelwände - wenig Arbeit." (Émile Warré)