Nachwachsende Energiepflanzen

  • Gestern fand in Wetzlar in der Hessischen Naturschutzakademie eine interessante Tagung statt, in der es um alternative Pflanzen für Biogas-Anlagen ging. Das Publikum war sehr interessant. Biogasanlagen-Betreiber, Vertreter der ULaB und OLab zahlreicher Kreise und Regierungsbezirke, Jäger, Landwirte und natürlich Imker.


    Den interessantesten Vortrag lieferte H. Kuhn aus Veitshöcheim, der das Projekt "Alternative Energiepflanzen" vorstellte. Getestet worden sind verschiedene Mischungen heimischer und fremder Blütenpflanzen in bezug auf ihre Verwertbarkeit für Biogas-Anlagen. Die Energieausbeute entsprach weitestgehend dem Mais, hingegen werden keine Agro-Gifte benötigt und kaum Dünger. Außerdem gibt es auch im Winter eine Deckung für Niederwild (da spitzten die anwesenden Jäger die Ohren) und die Mischungen sind auf mehrere Jahre angelegt.


    Das Projekt ist sehr vielversprechend und wurde von allen Teilnehmern sehr begrüßt. Da könnte man auf den Gedanken kommen, daß die Tage des Maisanbaus ihrem Ende entgegengehen und daß der Mais/Raps in seiner Funktion als Energieerzeuger in ein paar Jahren eine deutlich geringere Rolle spielt als zur Zeit.


    Momentan werden Energiepflanzen auf 2 Mio ha angebaut, denkbar und angeplant sind 4 Mio ha.


    Da bieten sich doch interessante Aussichten.


    Mfg Klaus Maresch

  • :roll: Du kommst ungefähr 4 Jahre zu spät - Sida und Silphie (beides bienentauglich) sind schon lange im Test, und auch kommerziell in der Verwertung für Biogasanlagen....völlig pestizidfrei.
    Nur sind das alles Dauer-Stauden, keine Einjährigen = hohe Anfangsinvestitionen von bis zu 2.000€/ha (auf 20 Jahre Laufzeit) = nix für Max Meier von nebenan.
    FÜR BiogasMais sind komischerweise nur die, die Verträge dafür haben - alle anderen fluchen, weil es Wahnsinn ist, dafür Flächen zur Lebensmittelerzeugung zu verknappen - die Pachtpreise für Flächen steigen bis zum 5fachen des normalen Preises - was soll ein geknebelter Milchbauer mit 25 Cent/Liter dann noch tun?
    Nochmal deine Einstellung "nach mir die Sintflut"?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

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  • Habe auf www.holub-consulting.de noch ein paar andere Beispiele für nachwachsende, also mehrjährige "Energiepflanzen" gefunden.
    Letztlich kommen wir doch aber alle ein paar Jahrhunderte zu spät, haben wir doch die bewährteste allerdings einjährige "Energiepflanze" und super Spätpollenspender mehr oder weniger verbannt und verboten, nur weil sich Einige beim Rauchen der weiblichen Blüten besser fühlen. :-?

  • ...selbst nach 10-maligem Lesen habe ich Klaus Beitrag nichts Verwerfliches oder Angreifbares gefunden... Seid Ihr sicher, daß Ihr Euch nicht in eine Paranoia reinsteigert?!?!?

    Robert - Versuch macht kluch... - und natürlich: KISS ME - keep it simple and stupid and most efficient!

  • Hallo Klaus,


    danke für den Hinweis.
    In unserer Ecke soll auch eine Biogas-Anlage gebaut werden. Trotz Protest einiger Bauern und Anlieger soll das Projekt mit Gewalt hochgezogen werden.
    Auf der entsprechenden Versammlung wurde jedoch vom potentiellen Betreiber klar gesagt, außer Mais käme nichts als Grundstoff in Frage.
    Wahrscheinlich hat er auch den beteiligten Bauern bereits günstige Zuschüsse oder Darlehen für anzuschaffende Großmaschinen versprochen. :cool:

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • ...In unserer Ecke soll auch eine Biogas-Anlage gebaut werden...


    Und das wird leider nicht die einzige Großanlage im Saarland bleiben.:evil:


    Ein kleiner Lichtblick:
    Im Saarland ist der Anbau der Amflora verboten worden! :daumen:

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Nö, verwerflich und angreifbar ist da auch nix. Man sollte bei aller Euphorie für die hier thematisierten Pflanzen aber auch bedenken, daß die eben auch auf Ackerflächen angebaut werden, die eigentlich für Nahrungsmittel gedacht waren. Bei künftig 4 Mio ha für Strom, Sprit und Gas sind das eben auch 4 Mio ha weniger für Salat, Brot und Chicken Wings. Über die Agrarpolitik läßt sich halt gut streiten nicht nur bei Energiepflanzen. Ich selbst sehe das Platzproblem eher locker, weil es sich letztlich für mich als Nahrungsmittelkonsoment vorerst nur im Preis widerspiegeln wird und ich kein Problem damit hätte, für meine Milch das doppelte oder dreifache als heute zu zahlen, wenn die Landwirte dafür auch auf meine Subventionen verzichten würden. Gejammere wird es immer geben. Anderswo gibt es aber auch noch Platz. Mein Vorschlag: Griechenland raus! Ukraine rein! Ist doch alles halb so wild. :roll:

  • Eben deswegen habe ich ja den Beitrag geschrieben. Es gibt Alternativen und Veitshöchheim hat überprüfenswerte Studien vorgestellt, die eine eindeutige Alternative aufzeigen. Es muß weiß Gott nicht immer Mais sein. Und in den Jägern haben wir Imker potentielle Verbündete. Die sind nämlich daran interessiert, für ihr Niederwild Deckung im Winter zu haben und fluchen über den Ausgleich, den sie den Maisbauern zahlen müssen, weil immer wieder Wildschweine die Maisfelder heimsuchen. Auch die Biogasanlagen-Betreiber wissen um ihr schlechtes Image und zumindest einige sind bereit, da umzudenken - so mein Eindruck.


    Was die durchwachsene Silphie betrifft, so gibt es da gewisse Bedenken. In mindestens einem US-Bundesstaat ist sie als invasive Pflanze eingestuft und darf deshalb nicht angebaut werden. Ich bin mir nicht sicher, ich meine es sei in Connecticut. Und bei Monokulturen besteht ja immer das Problem der erhöhten Schädlingsanfälligkeit und dann sind wir wieder irgendwann beim Pestizideinsatz. Nichtsdestotrotz ist mir die Durchwachsene Silphie immer noch sympathischer als der Mais.


    Am Rande der Tagung habe ich mit Peter Maske gesprochen und er sagte mir, er habe Frau Aigner darauf hingewiesen, daß man mit Blumenmischungen eben auch Biogasanlagen betreiben könne. Sie soll den Hinweis sehr positiv aufgegriffen haben. Immerhin etwas!


    Also sollte man an dem Thema dranbleiben und als Imker potentielle Partner darüber informieren. Was spricht dagegen?


    Gruß, Klaus

  • ...hast Du eine Zusammenfassung oder einen Link? Ich möchte meinen Nachbarn gerne fundierte Argumente vorlegen...

    Robert - Versuch macht kluch... - und natürlich: KISS ME - keep it simple and stupid and most efficient!

  • Klaus Maeresch,
    die Durchwachsene Silphie ist, wie Sabi(e)ne schon darstellte, mit dem Mais nur schwer zu vergleichen, weil sie eben eine mehrjährige Pflanze ist, die man nach hohen Anfangsinvestitionen im (über)nächsten jahr nicht so einfach unterpflügen möchte, um dann vielleicht Raps anzubauen. Man ist damit auf viele Jahre festgelegt. Ansonsten stimme ich Dir natürlich zu, denn mir ist sie auch viel sympathischer als Mais oder Raps etc.

  • Hallo Jörn, ich vergleiche die Silphie ja gar nicht mit dem Mais. Sie ist keine schlechte Alternative zum Mais, für besser halte ich allerdings das Veitshöchheimer Modell mit bis zu 80 verschiedenen Blütenpflanzen auf einer Anbaufläche. Da blüht immer etwas, unterschiedliche Pflanzen haben unterschiedliche Bodenansprüche, das scheint mir doch sehr viel flexibler zu sein. Eindeutig ein geringeres Potential für die Massenvermehrung von Schädlingen.


    ARebours : Die Veitshöchheimer sind noch an den Versuchen dran, da startet demnächst die nächstgrößere Stufe. Es sieht nach Aussagen des Referenten und nach Ansicht seiner vorgelegten Daten aber hervorragend aus. Vielleicht schaffe ich es, im Herbst eine Veranstaltung mit H. Kuhn in Bonn zu starten, da könnte ich dann für eine Aufzeichnung des Vortrages sorgen und diese online stellen. Ich bleibe aber am Thema dran.


    Gruß, Klaus

  • ...zu der Veranstaltung in Bonn käme ich gerne! - Bitte Termin hier im Kalender eintragen sobald es konkreter wird (und/oder per PM an mich)!!! - Finde ich SEEEEEHR spannend!

    Robert - Versuch macht kluch... - und natürlich: KISS ME - keep it simple and stupid and most efficient!

  • Ein weiterer Vorteil in der gemischten Pflanzung liegt darin, daß auch Leguminosen in die Mischung eingebracht werden können. Diese können den Stickstoff aus der Luft binden und so den N-Dünger ersetzen.
    Damit wird die Nachhaltigkeit des Systems erhöht.


    Die Produktion von Stickstoff-Dünger ist sehr Energie-intensiv, deshalb ist der Netto-Gewinn (Energieausbeute) geringer, wenn die Pflanzen sich nicht selbst mit N versorgen können.


    Doris

  • Da blüht immer etwas, ...


    Wenn da immer etwas blüht, ähnlich wie bei den Blühmischungen der Blühenden Landschaften, wann kann dann eigentlich ohne Bienenverluste die Energieernte durchgeführt werden?
    Die brauchen, so vermute ich, doch die grüne Pflanze.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk