Mit dem Bauern geredet

  • Hi,
    ich habe gestern mit dem Bauern geredet über Spritzmittel und Anwendungshäufigkeit.
    Er nutzt für den Raps Cantus Gold und Fastac SC (Cantus Gold ist ein Fungizid aus Boscalid und Dimoxystrobin, Fastac SC ist ein Insektizid auf Cypermethrin Basis) sowie unter Umständen Proline (Prothioconazol) gemischt mit Biscaya (Thiacloprid). Beide Mischungen sind B4 eingestuft.
    Gibt es bei diesen Giften Probleme wenn die in die Blüte gesprüht werden? Ich würde ihn sonst bitten, auch in Anbetracht das in der Nähe der Felder mindestens 3 Imker sind, nach dem Flug zu sprühen.
    Ich habe mich versucht in die Materie einzulesen aber das ist unheimlich komplex und verwirrend.
    Falls auch das B4 als nicht ungefährlich einzustufen ist wäre es interessant irgendwas zu haben, was man ihm gleich mit geben könnte.
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Boscalid und Thiacloprid wurde bei meinem Bienensterben 2008 vom JKI gefunden. Im späteren Gespräch mit der Agrargenossenschaft bestätigte die mir den Einsatz von Biscaya und Cantus Gold. Ob die in die Blüte gespritzt hatten kann ich dir heute nicht mehr sagen.
    Viel Glück
    Peter

  • Olli,


    stell Deine Völker weg, falls es geht!!


    Auch wenn er nicht in die Blüte spritzt, denn nur dann gilt das B4, schädigen nach Erfahrungen des Drohns bei einem Saatgutvermehrer, diese Mittel.
    Denn, falls es weiterhin so trocken bleibt und Nachts so kalt,
    werden Deine Bienen von den Rapspflanzen am Vormittag Tau sammeln um die Brut zu versorgen.
    Dann sind die Mittel allerdings als B1 einzustufen!!!
    Und Du wirst sowohl Flugbienenverluste, als auch Brutverluste haben.
    Die Völker schauen dann aus, als ob jemand KS daraus geerntet habe.
    Die Völker erholen sich aber zu Ende der Rapstracht wieder langsam.



    Der
    Drohn

  • Naja die Bienen stehen nicht direkt am Rapsfeld sondern eher in der Mitte eines Dorfes wo Raps ringsum ist. Sammeln die den Tau für die Wasserversorgung oder ist der mit Nektar und Pollen angereichert?
    Drohn gibt es dafür auch irgendwie was von offizieller Stelle - ich kann dem Bauern schlecht sagen "das haben die Imker bei mir im Imkerforum gesagt" ;)
    Es ist zumindest erfreulich das diese Gifte anscheinend sehr teuer sind und damit recht sparsam umgegangen wird.
    Olli

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  • ...


     
    @ Honig:
    Dass die Bienen nicht direkt am Raps stehen, hat den großen Vorteil, dass sie wahrscheinlich schon eine andere Wasserquelle gefunden haben und dann den Raps erst anfliegen, wenn dort Tracht herrscht.
    Das ist sehr beruhigend:p_flower01:


    Soweit der Drohn informiert ist, sind die Funktionen der Kopf- und Brustspeicheldrüsen, also der Futtersaft Drüsen noch nicht ganz geklärt.
    Der Drohn geht davon aus, dass die Wasserholer den Ammenbienen das Wasser weiterreichen und die dann daraus den Futtersaft bereiten.
    Bienenlarven dürften je nach Alter einen unterschiedlich zusammengesetzten Futtersaft bekommen (Honig, Nektar, Drüsensekrete), wie überall im Tierreich die "Brut" nach Lebensalter auch unterschiedlich ernährt wird.:daumen:
     
    Dem Drohn ist nicht bekannt, dass es ofizielle Studien über Wasserholer im Raps gibt, nur dem Drohn seine Erfahrung mit aufgewanderten Völkern.
     
    Der Bauer wird spritzen müssen, da der Raps schon angebaut ist, er hat keine Alternative mehr!
     
    Soweit
    der
    Drohn

  • Stimmt er wird muss spritzen. Allerdings ist gut dass überhaupt erstmal ein Gespräch zustande kam. Es sind 3 Imker im Dorf - 2 direkt an den Feldern. Dort möchte er nicht so nah ran mit spritzen.
    Allerdings entnehme ich den Antworten, dass es besser ist wenn er nach dem Flug spritzt ... das vermeidet Risiken zwar nicht aber mindert sie wohl.
    Wasser bekommen sie aus näheren Quellen. Eine Bienentränke werden wir wohl zusätzlich noch hinstellen.
    Olli

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  • Diese Mittel sind wohl weit verbreitet und "Stand der Technik".


    Da die Wirkstoffe häufig in Proben gefunden wurden, siehe auch:


    http://maps.yourgmap.com/v/c_17w_Bienenvergiftungen.html


    ...ist davon auszugehen, dass sie den Bienen schaden werden. Die Frage ist nur die Art der Ausprägung der Schäden. Gut beobachten, vor allem die Brut und den eingelagerten Pollen (bleibt er liegen?).


    Es ist gut, mit den Bauern direkt ins Gespräch zu kommen. Nur so wird Bewusstsein geschaffen.


    B4 ist irreführend. Die ganze Klassifizierung der Pflanzenschutzmittel gehört gründlich überholt - völlig veraltet und den neuen Wirkstoffen nicht mehr gerecht werdend.


    Euren Bienen viel Glück wünschend,
    Bernhard