Wassermangelproblem im Spätwinter?

  • Moin,
    ich hätte gern eure Meinungen zu folgenden Gedanken:


    Wir hatten diesen Winter über drei Monate sehr tiefe Temperaturen, was extrem trockene Luft bedeutet.
    Damit können geöffnete Futterzellen kein Wasser ziehen, weil nicht genug Luftfeuchtigkeit da ist, sondern dürften, wie meine Wäsche auf der Leine, eher noch gefriergetrocknet werden.
    Jetzt gehen wir ja immer von der Annahme aus, daß die Wintertraube das Futter soweit erwärmt, daß es Wasser ziehen kann, und "rüsselfähig" wird, also eßfertig für die Bienen.


    Was passiert, wenn das Futter eben nicht freßbar wird, weil es zu dickflüssig ist?
    Wieviel Energie brauchen die Bienen, um genug Futterzellen für die Ernährung der Wintertraube von Außentemperatur -20°C auf die +18°C im Innern der Traube zu bringen, und wieviel Wasser braucht es, um 35g Honig/Futter pro Tag (bei Verbrauch von 1kg Futter im Monat mit 18% Wasser auf, sagen wir 35% Wasser, zu bringen - und wie soll das gehen, wenn die Luftfeuchtigkeit unter 15% liegt?


    Sirup und Honig sind schon bei Kühlschranktemperaturen extrem zähflüssig und keineswegs rüsselfähig, von kandiertem Honig ganz zu schweigen - bei zu niedriger LF kann auch der kein Wasser ziehen, um weich zu werden - so stark heizen die Bienen nicht, um ihn thermisch zu verflüssigen.


    Das Problem dürfte sich in dem Moment verschärft haben, als die Bienen zu brüten begannen, und immer noch so tiefe Temperaturen herrschten. Zur Pollenverarbeitung und Futtersaftbereitung braucht es zwingend Wasser - und auch bei einem Verbrauch von 125g pro Tag (4kg/Monat) entsteht nicht genug freies Wasser, um das Futter freßbar zu bekommen.
    C6H12O6 + 6 O2 -> 6 CO2 + 6 H2O
    Wasser hat 18g/mol, Glukose 180g/mol, sprich aus 1 Mol Glukose bekommt man grad mal 108g Wasser, was aber per Atmung abgegeben wird und nicht direkt ins Futter diffundieren kann (den Wasseranteil im Futter, 18%, hab ich hier mal weggelassen).


    Das Schadbild der toten Bienen, die "wie eingefroren frisch auf den vollen Waben in der Traube sitzen" dürfte in erster Linie Wassermangel gewesen sein, dessen Wirkung letztlich im Verhungern mündete.


    Eure Meinungen?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • ...zumindest eine interessante Theorie, die das Schadbild bei zwei meiner auf vollen Waben verhungerten Völkern erklären würde!

    Robert - Versuch macht kluch... - und natürlich: KISS ME - keep it simple and stupid and most efficient!

  • Nachtrag: wie viele hier hatten dieses Schadbild in Styroporbeuten, und wie viele in Holzbeuten?
    Trockenes Holz zieht selbst auch Wasser, wenn denn welches da ist...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • @Schwarzluchs: die haben alle viel mehr Schnee als wir, dadurch quasi mehr Isolierung.
    Und im nördlichen Nordamerika (+Kanada/Alaska) wird gegen Wind/Kälte entweder in Plastik verpackt, oder gleich indoor überwintert. Kahlfröste gibt es eher selten, da schneit es ja oft im September schon.

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    Bruce Springsteen

  • Ein Imkerfreund in der Steiermark hat einen Schwarm fotografiert, der im Außenbereich an der Wand eines Heustadels unter einem vorstehenden Brett den Winter bei Minus 20 Grad überlebt hat. Ohne Isolierung im Freien.

  • Moin,
    ich habe NICHT gesagt, daß so alle Völker sterben, sondern eine logische und nachvollziehbare Erklärung für das Schadbild der in vollen Waben verhungerten "eingefrorenen Bienen" gesucht.
    Überlebende sind in diesem Zusammenhang uninteressant.:wink:

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    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,
    demnach dürfte Verdursten in Hinterbehandlungsbeuten öfter vorgekommen sein.
    Bekannt ist ja, das diese eher Ausfliegen im Frühjahr, weil sie einen größeren Bedarf an Wasser haben, als Volker in freiaufgestellten Beuten, die ihren Bedarf an Schwitzwasser decken können.
    Allerdings ist allzu feuchte Aufstellung auch nicht so gut, wegen Nosema.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo,


    also ich bin der Meinung, daß das in den Waben eingelagerte Futter den nötigen Wassergehalt aufweist, der den Bienen, bei der dementsprechenden Temperatur, die Aufnahme ermöglicht. Das geschilderte Schadbild ist meiner Meinung, auf zuviel Winterfutter, die sitzen einfach zu kalt, zurückzuführen. Oder aber die Bienen konnten aus welchem Grund auch immer ihren Sitz nicht genug erwärmen. Dazu zählen z.B. Zugluft, viel zu großer Raum, ungeeignetes Winterfutter oder einfach zu wenig Bienen. Die Bedeutung des Wassers für den Bien, bleibt aber trotzdem unbestritten hoch.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Ich hatte ein olk welches zu schwach war.
    Es hat sich exakt bis zur Wabenmitte auf dem Futter hochgearbeitet,
    oben angekommen ist es dann verhungert.
    Sie sind nicht seitlich auf das noch reichlich vorhanden Futter gegangen.

    "Wenn Neider, Hasser dich umringen, dann denk an Götz von Berlichingen."

  • Also mir fällt schon auf wie sehr die Bienen nach Wasser lechzen momentan - echt enorm; die trinken mir den ganzen Teich leer!


    Zum Thema Wassermangel im Winter: Nun sind doch die Wintervorräte der Bienen in der Regel verdeckelt. Ich ging bisher davon aus, daß diese Verdeckelung einen weiteren Wasserentzug weitgehend verhindert. Wenn die Wintertraube über die Waben wandert wird sie doch nur den Bereich erwärmen und öffnen, den sie unmittelbar verzehren, oder?
    Zum anderen glaube ich nicht, daß die Klimabedingungen im Stock 1:1 mit den Außenbedingungen übereinstimmt. Der Raum dürfte etwas wärmer sein >> höhere Luftfeuchte als draußen. Zudem fehlt in der Regel die freie Durchlüftung die einen Wasserentzug effizient ermöglicht.
    Eine Möglichkeit bei Brutbeginn ist zumindest die Aufnahme von Kondensat um den Wasserverlust zu begrenzen.


    Interessante Frage; mal bei einem Bieneninstitut nachgefragt? Wo sind die Gurus wenn man sie braucht??


    Melanie

  • Drobi : nein, keiner von deinen Faktoren trifft zu.
    Das Winterfutter ist immer deutlich dicker als der Inhalt des Nektarbandes über dem Brutnest, von dem der ganze Stock lebt.
    Der Spruch heißt nicht umsonst "Bienen essen keinen Honig, sondern Nektar".
    Schon mal versucht, ne Biene oder Hummel mit nem Tropfen Honig wiederzubeleben?
    Geht nicht, weil nicht aufnehmbar, man muß den Honig verdünnen, dann klappt's.
    Und die Zähigkeit eines Honigs nimmt mit sinkender Temperatur brutal zu, der ist dann keineswegs durch diese hauchdünnen Zungen rüsselbar.
    Zuviel kaltes Futter: nein, bei den Bildern, die ich gesehen habe, saßen die Toten auf leeren dunklen Zellen in der Mitte der Wabe, es war genug Futter in der oberen Hälfte, und es steckten in den zwei Zellreihen zwischen leer und voll Bienen mit dem Kopf voran.
    Wie sollen sie -18°C kaltes Futter aufwärmen, wenn ihre Mägen leer sind, und sie einfach nicht mehr die Energie aufbringen, das zu tun?
    Das reine Erwärmen würde bei extrem niedrigen Luftfeuchtigkeiten nicht mal was bringen, das Futter würde zwar wärmer, aber trotzdem noch nicht rüsselbar sein, weil viel zu zäh.
    Ohne Wasser von außen keine Chance, und das ist bei solchen Temperaturen reiner Suizid.


    melanie : nein, in Holzbeuten zieht das ausgedörrte Holz auch noch Wasser aus der Luftfeuchtigkeit, deshalb ja meine Frage, ob das jemand mit Styro-Beuten auch so hatte.
    Und lies bitte mal das : HIER
    Es gibt kein Kondensat bei Extremtemperaturen, höchstens ganz oben an der Folie.
    Und nein, ich frag die Institute aus bekannten Gründen nicht.:cool:


    Beetle : was hast du für eine Wabenstellung (Längs- oder Querbau?), wo ist dein Flugloch, und wie groß ist es?
    Ich hatte mal ein Volk, welches ebenfalls sauber mittig in vollen Waben verhungert ist, weil es sich nicht entscheiden konnte, in welche Richtung man jetzt weiterziehen sollte, da war das Flugloch noch über volle Breite im Längsbau.
    Seitdem ich die kleinen Fluglöcher seitlich angelehnt habe, stellt sich die Frage nicht mehr, und es ist SO auch keins mehr gestorben.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
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