Wasseranschluss, Kanal, Strom für Schleuderraum erforderlich?

  • Hallo Imkers,
     
    ich habe mir gerade einen Garten angesehen: 1000qm, Hecke drumrum, Zaun, Feld-/Waldrand, mit Hüttchen. Sehr gepflegt zu einem angemessenem Preis.
     
    Wäre geradezu ideal um Bienen aufzustellen. Einziger minuspunkt: Bahngleise (ICE) direkt gegenüber.
     
    Natürlich ist Wasser da, in Form eines Brunnens. Strom wird bei Bedarf mit einem Generator hergestellt. Nun frage ich mich, ob es überhaupt zulässig ist, einen Schleuderraum ohne Wasser- und Kanalanschluss zu betreiben. Ich habe noch nie einen Wanderwagen mit Schleuder gesehen, aber da geht es ja auch irgendwie....
     
    Könnt ihr mir da was dazu sagen?
     
    Das wäre nett, danke!
     
    Gruß Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Hallo Jule,
    Schleuderraum im Bienenwagen war früher üblich und habe ich auch schon gesehen. Aber früher, früher habe ich auch noch mit einem kleinen dünnen Rohrstock auf die flache Hand bekommen, von meiner Lehrerin und ich war weder im Odenwaldgymnasium, noch beim Bruder des Papstes :-). OK. schlechter Platz für ein Smily, und passt auch nicht zum Thema. Also zurück früher war einiges möglich, was heute nicht mehr geht. Also, muß eine Schleuder mit 24oV Wechselstrom betrieben werden - nein. Ich habe mir eine schöne gebrauchte Edelstahlschleuder gekauft mit einem kleinen Elektromotor und einer Autobattarie. Ist in der ehem. DDR weit verbreitet und funzt einwandfrei. Zur Not gibt es auch noch die Handkurbel, unkaputtbar und funzt einwandfrei.
    Mit dem Wasser ist das etwas komplizierter und vielleicht auch regional unterschiedlich. So habe ich vor wenigen Tagen mit einem Imker aus Halle ( Saale ) gesprochen, der auf Anweisung des Vet-Amtes seinen Schleuderraum für ca. 6.ooo,- € umbauen mußte. Wegen der Hygiene. Die Räume sind jetzt keimfreier als der OP im Klinikum Bogenhausen. Heißes Wasser reichte da nicht, es mußte ein Boiler angeschafft werden, der kockendes Wasser erzeugt, weil nur damit die Siebe und die Schleuder ausgewaschen werden müssen. Was mich zu der Frage führt, warum man auf Wunden von abgetrennten Gliedmaßen Honig und Propolistinktur aufbringen kann und es hilft, und andererseits die Gerätschaften, durch die der Honig fließt mit kochendem Wasser ausgewaschen werden müssen. Fliesen bis an die Decke eine extra Umkleide für die Klinikkleider und ein komplett davon getrenntes WC gehören auch dazu. Da dies allerdings wohl ein Extrembeispiel ist, wäre eine Konsultation mit dem Vet.-Amt vielleicht angezeigt. Allerdings bin ich als Architekt nicht berechtigt Rechtsauskünfte zu erteilen.
    Vielleicht tuts ja auch ein Kampingkocher. Wusstest Du übrigens, warum man bei einer Geburt immer kochendes Wasser bereit haben sollte. Sagt der Arzt:" jetzt brauch ich aber einen Kaffee".:-)
    Viele Grüße
    Wolfgang, der hofft, dass jetzt nicht gleich der Forumstzunami über ihn hereinbricht

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ich dachte Siebe soll man immer kalt auswaschen, damit das geschmolzene Wachs den Abfluss nicht verstopft !?!


    Warmes oder heißes Wasser kann man gut mit Gas hinbekommen. Die Wasserqualität ist vermutlich eher das Problem....

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  • Oha, da tappst Du gerade in das Graufeld zwischen Realität und EU-gesetzeskonformer Honigproduktion.
    Alsoooooo, jeder Schleuderraum muß zahlreiche Auflagen und Bedingungen erfüllen: Handwaschgelegenheit mit Einmal-Papiertüchern, getrennter Schleuderraum mit abwaschbaren Flächen, Lampe mit Splitterschutz und, und, und...
    Faktisch würde das jeden Hobbyimker in Ruin treiben...allerdings nur wenn er den Honig "in Verkehr bringt". Wenn Du Deinen Honig also selber isst, dann darfst Du auch ohne all denn Klimbim schleudern. Wenn Du den Honig aber verkaufst und vertreibst, wird das schon schwieriger. SOLLTE eine Kontrolle Deiner Produktionsbedingungen erfolgen dann kann das ein Problem sein...es sei denn, Du sagst dem Kontrolleur, daß Du zu jeder Schleuderung die Schleuder in Deine Küche bringst (die in der Regel ja viele dieser Bedingungen erfüllt) und daß Du diese natürlich vorher putzt, alle Blumenpötte rausstellst, Papierhandtücher installierst etc. pp.


    Grüße
    Melanie

  • Aber auch die private Küche kann bei so manchem Vet-Amt zum Problem werden. Die erste Bedingung für eine gewerbliche Küche ist, dass niemand außer dem Personal drin herumläuft und hantiert. Kinder, Katzen, Hunde und verschnupfte Ehemänner auf der Suche nach was kaltem aus dem Kühlschrank. Wenn ich mir also mal Götz George, weiße Unterhose, Hand am Schritt mit einem lockeren Spruch ( kein ... ist so hart wie das Leben ) auf dem Weg durch die Küche vorstelle, dann verstehe ich das sogar ein wenig. Wobei mich die lieben Haustiere mehr stören würden.
    In Umlauf bringen ist ein schöner Hinweis, aber es tut doch fast jeder. Nicht umsonst diskutieren wir uns hier die Köpfe heiß um Etiketten, lila Honiggläser und Propolistinkturrezepte.
    Viele Grüße
    Wolfgang, der kein Verschwörungstheoretiker ist und deshalb auch nicht glauben will, dass all das nur gefordert wird zum Wohle der großen Konzerne, die uns mit dem Dreck auch China und Mittelamerika vergiften wollen.

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Zitat


    Mit dem Wasser ist das etwas komplizierter und vielleicht auch regional unterschiedlich. So habe ich vor wenigen Tagen mit einem Imker aus Halle ( Saale ) gesprochen, der auf Anweisung des Vet-Amtes seinen Schleuderraum für ca. 6.ooo,- € umbauen mußte. Wegen der Hygiene.


    Ja, so geht es in der Tat hier zu. Die Lebensmittelüberwachung kommt 2mal im Jahr zum Imker bzw. den Bienen bzw. dem Schleuderraum.
    Hier haben schon Imker aufgegeben ,weil sie die Anforderungen nicht erfüllen konnten/wollten.
    Eine weitere Kommentierung erspare ich mir.


    Und nicht vergessen, wer Honig verschenkt, bringt ihn auch in den Verkehr.


    Ja, die Anforderungen sind sehr hoch, wie halt in der Lebensmittelerzeugung üblich (obwohl die Verantwortlichen den Unterschied zwischen frischem Fleisch oder Fisch und frischem (reifen) Honig nicht begriffen haben.


    Alfred

    Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht. (Papst Gregor I.)

  • Eine kleine Literaturempfehlung:
    Hrsg. Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Backer-Struß, Marlene, Rieger, Margret, Hygiene-Fibel Grundlagen der Lebensmittelhygiene in Imkereibetrieben, Münster 2008 3.Auflage, (Bezug: www.apis-ev.de/apis-shop/Broschüren, Preis 3 Euro zzg. Versandkosten)
    und: 9. Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV)
    und: Pohl, Friedrich, Gerecke,Jutta, Lebensmittehygiene Hygieneanforderungen in der Kleinimkerei aus Sicht der Lebensmittelüberwachung, in: Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontroll 9.Jahrgang 1/2002


    Immer ruhig Blut!
    Der heidjer Wolfgang

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • ....Hier haben schon Imker aufgegeben ,weil sie die Anforderungen nicht erfüllen konnten/wollten. ...


    Das ist bitter!


    Ich werde mich mal hier im Kreis umhören, wie streng unser Kontrolleur ist. Denn meine Küche ist auch nicht gefliest ,-)


    Natürlich habe ich im Honigkurs gelernt, wie es sein sollte. Aber da man so selbstverständlich davon ausgeht, dass jeder fließendes Wasser und Strom hat, kommt man nicht auf die Idee Alternativen zu diskutieren...


    Danke für eure Antworten...


    Gruß von der grübelnden Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Hallo Jule!


    Wieviele Völker willst du denn in diesem idyllischen Garten aufstellen? Es wurde ja schon geschrieben, dass alle genannten Vorschriften nur zu beachten sind, wenn der Honig in Verkehr gebracht wird.


    Ich hab einige Jahre lang im Garten ohne Strom und fließend Wasser mit 3 Völkern geimkert. Der geerntete Honig hat meiner Familie immer gut über den Winter gereicht. Geschleudert hab ich mit Handkurbel (teils unter offenem Himmel nach Sonnenuntergang mit Gaslaterne am persönlich errichteten Laternenpfahl) und zum Säubern der Schleuder hab ich einen Eimer Wasser in die Gartenhütte getragen. Also, gehen tut das...


    Wenn du allerdings an 15 - 20 stramme Völker denkst, wird es sicher schwer, den ganzen Honig allein zu essen.:lol:
    Sobald du mit Werbung und Verkaufsstand wirtschaftlich agierend öffentlich in Erscheinung trittst, wirst du früher oder später auch von den Behörden wahrgenommen und dann führt kein Weg vorbei an geltendem Recht.


    Gruß vom Sammler

  • Hallo Sammler,


    naja, mehr als 3 Völker sollen es schon sein... ich würde den Garten ja extra für die Bienen erwerben... und verkaufen wollte ich schon...


    Aber tatsächlich sehe ich schon, dass sich das Hüttchen eher zum Aufbewahren von Zargen, Rähmchen und Zeug eignet. An einem anderen Ort zu schleudern hätte auch den Vorteil, dass es im Bienengarten dann nicht so nach Honig duften würde. (Räuberei).


    Im Moment schleudere ich bei meinem Paten, der hat einen perfekten Schleuderraum. Aber das kann ja nicht ewig so gehen... es sei denn wir werden ein Team...


    Gruß Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Jule () aus folgendem Grund: Gruß vergessen

  • Ja, finde ich auch, aber erstaunlich, wie selten es das gibt! Offenbar will jeder lieber alleine vor sich hin wurschteln...


    Im letzten Jahr (mein erstes Bienenjahr) war klar, dass ich alles mit meinem Paten zusammen bei ihm mache... aber irgendwann muss ich ja mal "selbstständig" werden und will ihm nicht immer seine Zeit stehlen... für mich ist aber eine Kooperation durchaus langfristig denkbar, dahingehend, dass ich ihm im Gegenzug auch helfe.


    Mal gucken, wie es sich entwickelt...


    LG Jule

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