Klotzbeute a la rouches troncs

  • Hallo,


    letzten Herbst, bei einem Spaziergang in der Nähe meines Wohnortes, fand ich eine gefällte Weide, deren Inneres über einen längeren Bereich hohl war. Ich dachte mir, dass dies meine Chance ist, zu einer dieser urigen Klotzbeuten zu kommen, wie sie hier zu sehen ist - http://www.ruchetronc.fr/


    Obwohl der Stamm hohl war, war das Zerteilen mit der Handsäge ein ziemliches Fitnessprogramm (vielen Dank nochmal an Lutz). Auch das Gewicht ist nicht ohne, so dass ich mich frage, ob ich mich je an einen unausgehöhlten Stamm wagen werde. Egal, die Klötze sind nun fertig und ich dachte mir, bevor ich die beiden aufstelle und Schwärme einziehen lasse, poste ich den Stand der Dinge mal hier im Forum. Nicht das ich noch ein wichtiges Detail vergessen habe.


    Ein paar Änderungen gegenüber den französischen Vorbildern habe ich vorgenommen:


    • das Dach bildet eine große, einseitig mit Bitumen und Sand beschichtete Holzscheibe einer Kabeltrommel - kostet nix, ist schön massiv, schützt weiträumig vor Regen und läßt sich noch von einer einzelnen Person hochheben
    • der Inneraum wird von aneinander gelegten Leisten abgeschlossen - ich hoffe, dass sich so der Innenraum leichter öffnen läßt - auf der noch eine ungeteilte Holzplatte zur besseren Isolierung liegt
    • vor dem Aufstellen werde ich ein paar Ziegel unterlegen, so dass der Klotz nicht auf der feuchten Erde steht und die Mäuse sich nicht einfach durchgraben können
    • die Speile zum Abstützen der Waben sind eingehängt und nicht durch Löcher im Klotz befestigt - ich habe Sorge, zusätzliche Löcher lassen die Klotzbeute schneller verrotten


    Über Links zu Seiten mit deutschen oder englischen Anleitungen zum Betreiben der Roches Troncs freu' ich mich immer.


    Grüsse,
    Micha







  • Vor drei Jahren habe ich auch einen Schwarm in einem hohlen Stamm einziehen lassen. Der wurde allerdings weit weniger professionel von mir bearbeitet, als Deine Weidenstämme.
    Ich habe bloß oben ein paar Leisten eingezogen, so dass die Bienen nicht am Deckel anbauen. Ich habe noch einen Aufsatz mit Fenster als Honigraum gebaut, den ich über Absperrgitter draufstellen kann. Der funktioniert auch als Verdunstungsraum für die Varroabehandlung mit AS. Waben haben sie letztes Jahr allerdings nicht in diesem Aufsatz gebaut und Honigernte war nicht. Dafür sind Sie geschwärmt. Dieses Jahr ist mächtig viel Betrieb am Astloch, ich nehme an, es ist ziemlich stark.
    Mitterweile ist der ganze Stamm mit Wabenwerk vollgebaut, daher werde ich versuchen, von oben Altwaben abzuschneiden, so dass dort neu gebaut werden kann.
    Wenn ich nochmal so einen Stamm bekommen könnte, würde ich auf etwa 2/3 Höhe und wieder kurz vor dem Deckel "bewegliche" Leisten einziehen, sodaß dieser Bereich im Sommer abgeerntet werden könnte. Ein Aufsatz für die AS-Behandlung scheint mir aber grundsätzlich notwendig.


    Gruß
    Stefan

  • Hallo Micha,
    die troncs aus Weide sind wirklich hübsch geworden.
    Das Abernten von oben wird mit der Leistenabdeckung vielleicht etwas tricky im Vergleich zum ausgeklügelten Original, doch nur Versuch macht kluch. Sieh mal in Deinen PN nach.
    Gruß Molle


    P.S.: Der 3D-Film von Yves Elie kommt ja vielleicht auch dieses Jahr raus...dann könnta mir mit dicke Brille im dicken B int Kino sitzen sehn http://www.nvbinfocentrum.nl/uploads/files/holland_bee.pdf

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von molle () aus folgendem Grund: aba hallo...

  • Olivier de Serre hat in seinem landwirtschaftlichen Standardwerk Le Théâtre d'agriculture et mesnage des champs (bei google.books hier zu finden - Thema Bienen auf den Seiten 378 - 398) wohl die historische Betriebsform in den Rusches Troncs beschrieben.für Alle die der welschen Sprache mächtig sind

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

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  • Teil 3 Besiedlung


    Heute mal wieder ein paar Bilder von den Klotzbeuten. Damit die Beute weniger stark schimmelt, hatte ich den Innenraum noch abgeflämmt, bevor der erste Schwarm einziehen konnte. Die Blüte am Eingang half den Bienen beim Wiederfinden des Eingangs in den ersten Tagen. Mittlerweile ist diese vertrocknet und abgefallen, aber die Bienen fliegen bestens. Meine Befürchtung, dass die drei kleinen Löcher zu wenig sein könnten, haben sich nicht bestätigt. Es macht Spass zu beobachten, wie die Bienen in der Rinde verschwinden, wie sie es schon seit tausenden von Jahren tun. ;)






  • Hi Mistennes
    Ich hab die Info von einem alten Imker, der berichtete mir, dass er beobachten konnte, wie die Bienen altes Wabenwerk selbst abschroten und neues gebaut hatten. Allerdings kann das Rasseabhängig, oder auch Linienabhängig sein. Ob es diese Gene heute überhaupt noch gibt....

  • Hallo luxnigra,
    soweit ich das beurteilen kann, nämlich durch Blick von oben und durch das Flugloch, wird das Wabenwerk zumindest an diesen Stellen nicht erneuert. Möglicherweise gibt es an anderer Stelle eine Bauerneuerung. Ein Abschroten von mit Honig oder Brut gefüllten Waben ist unwahrscheinlich, so dass möglicherweise nur sehr kleine Bereiche des Wabenwerks auf diese Art erneuert werden können. Ich frage mich, wie lange im Schnitt natürliche Bienenwohnungen durch Völker belegt sind (angenommen es gäbe keine Varroa)?
    Auch dieses Jahr hatt das Volk den Aufsatz nicht als Honigraum angenommen, stattdessen 3 Schwärme abgegeben und nun lungern sie ziemlich faul herum.
    Vermutlich ist der Honigvorrat im Stamm beträchtlich, eine große Sammeltätigkeit also nicht nötig.



    Gruß
    Stefan

  • Das Wabenwrk wurde wahrscheinlich erst mal sehr alt,bis es abgetragen wurde. Wenn die Bienen jetzt so rumlungern, kann das auch darauf hindeuten, dass es gar keine Königinn mehr gibt, d.h. sie wurde bei der Begattung verloren. Von aussen können das nur Spezialisten sehen.
    Zur Honigernte: Versuche doch mal den Deckel abzumachen, und unter Raucheinwirkung ein bis zwei Stücke Waben auszubrechen. In den Ruches Tronc gibt man sich mit 5 kg Honig hochzufrieden. (Ich habs Buch gelesen)

  • Das habe ich schon etwas früher im Jahr gemacht. Allerdings waren die Waben oben ziemlich häßlich, wenn auch voll mit Honig. Außerdem ist es eine ziemliche Matscherei. Nun haben sie dort neu gebaut und eingelagert, so dass es wesentlich appetitlicher aussieht. Leichter wäre es alledgins, seitlich Waben und Honig zu entnehmen. Dazu müsste ich jedoch den Stamm erst ansägen, was ich den "Stammbesetzung" aber erstmal nicht zumuten will.
    Das Buch würde ich zu gern lesen, wenn ich's nur lesen könnte. Mein Französisch ist nicht extistent.
    Es kann durchaus sein, dass die Kö weg ist, oder buckelbrütig. Nach dem Vorschwarm war lange mieses Wetter, und es wäre nicht das erste Volk hier, was darunter zu leiden hatte.


    Gruß
    Stefan

  • Kleine Ernte, faule Biene, viele Schwärme ... klingt nach einem Paradies für Bienen. :)


    luxnigra : In einem Video hatte ich mal gesehen, wie die eine obere Hälfte vom Wabenbau geerntet wurde. Das wären dann die 5 kg? Hast Du noch ein paar Tipps zum Ernten?
    Nach der letzten heroischen Methoden bei der Warrèbeute schmeckte der Honig etwas rauchig. Ich hatte Reste vom weichen Weidenholz vom Bau der Klotzbeute zum Smokern genommen. Lag es an dem Holz?

  • In einem Video hatte ich mal gesehen, wie die eine obere Hälfte vom Wabenbau geerntet wurde.


    Da habe ich eine Frage: Wenn die obere Hälfte geerntet wird, wird doch der Wabenbau als Ganzes instabil, oder?


    Ich kenne aus eigener Anschauung nur das Ernten von der Seite. Da wird ca. 1/3 bis 2/3 des Wabenbaues im Herbst weggeschnitten und zwar die Waben in ihrer gesamten Länge.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • In die rouches troncs und bei meinen auch sind in etwa halber Höhe Stäbe über Kreuz durch die Beute gesteckt und da die Waben an der Seite angebaut sein sollten, hoffe ich, dass das Ganze hält.
    Wenn Du eine komplette Hälfte weggenommen hast, war dann wahrscheinlich auch etwas Brut dabei oder?

  • ... wie die Bienen altes Wabenwerk selbst abschroten und neues gebaut hatten. ...Ob es diese Gene heute überhaupt noch gibt....


    Habe ich erst bei einem Volk letztes Jahr gesehen, doch es war sehr beeindruckend wie im Sommer bei jeder Durchsicht auf 2 bis 3 alten Schwarten die Zellwände bis auf die MW runtergeschrotet und neu aufgebaut wurden. Volk normal drauf, durchnittl. Honig und feinste, heterosierte Landmische.
    Kleinflächig ist das öfter mal bei Völkern aufgetaucht, doch da waren es Flecken von ca. 10x10 bis max. 15x10 cm und bei der Völkerdurchsicht hat das jedesmal für staunendes Innehalten und Witzeln gesorgt. Von wegen, dass jetzt keine neuen MW mehr gekauft werden müssen...


    Gruß Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“