Auslese auf Widerstandsfähigkeit gegen Varroa destructor in Europa

  • http://www.apidologie.org/index.php?option=article&access=standard&Itemid=129&url=/articles/apido/abs/first/m09147/m09147.html


    Aus dem Inhalt:


    "Durch einen völligen Verzicht auf Bekämpfungsmaßnahmen ist es innerhalb weniger Generationen sowohl in einem kommerziellen Zuchtbetrieb in Frankreich als auch in einer isolierten Versuchspopulation in Schweden zur Auslese resistenter Bienen gekommen.
    Als mögliche Ursachen der abgeschwächten Befallsentwicklung wurden u.a. eine geringere Brutdynamik und ein geringer Brutbefall bezogen auf die Gesamtmilbenzahl beobachtet. Aufgrund umfangreicher Untersuchungen liegen heute standardisierte Methoden zur Beurteilung der Befallsentwicklung und der Bruthygiene vor, die dank guter Heritabilitäten und effizienter Zuchtwertschätzverfahren in vielen europäischen Ländern Eingang in die Zuchtpraxis gefunden haben."


    Mit freundlichen Grüßen
    Rubikon
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    Vertrauen ist gut, Varroakontrolle ist besser

  • Danke für den Artikel


    ich versteht ihn so, dass man zu Gunsten von Sanftmut und Honigleistung lieber auf Völker verzichtet die von sich aus mit der Varroa klar kommen, da diese auch noch zum Schwärmen neigen, will man davon erst recht nix wissen und erklärt sie schlicht für ungeeignet :roll: ( Meine Meinung: nicht zu fassende Ignoranz)


    Langsam begreife ich warum 30 Jahre Suche nach der varroatoleranten Biene so desaströs verlaufen sind...mein Eindruck, es befassen sich schlicht die falschen Leute damit.

    "One of nature's biggest forces is exponential growth" (A.Einstein)

  • Zitat

    Beurteilung der Befallsentwicklung


    Dazu noch ein Querverweis, der in diesem Zusammenhang vielleicht relevant sein kann.


    Die Entwicklung der Volksstärke der Bienen als Wirt spielt bestimmt eine gewichtige Rolle. Hier zeigte eine Studie, dass eine Bienenpopulation von etwa 10.000 Bienen circa 80 % der adulten Population an Brut vorhanden war. Also bei 10.000 adulten Bienen gibt es 8.000 verdeckelte Brutzellen. Ich suche die Studie noch raus - oder kennt jemand diese Studie?


    Bei jeder 10.000er Stufe nimmt das Verhältnis um 15 % ab. Das ergibt folgendes Gesamtbild:


    10.000 Bienen = 80 % Brut = 8.000 verdeckelte Brutzellen
    20.000 Bienen = 65 % Brut = 13.500 verdeckelte Brutzellen
    30.000 Bienen = 50 % Brut = 15.000 verdeckelte Brutzellen
    40.000 Bienen = 35 % Brut = 14.000 verdeckelte Brutzellen
    50.000 Bienen = 20 % Brut = 10.000 verdeckelte Brutzellen
    60.000 Bienen = 5 % Brut = 3.000 verdeckelte Brutzellen
    > 60.000 = Stabilisierung bei 5 % der Bienen


    Ende der Studie.


    Für mich stellt sich die Frage: Je stärker also ein Volk ist, desto weniger Chancen für die Vermehrung der Varroa?


    Wie ist die parallele Entwicklung der Varroa dazu? Die idealsten Bedingungen müssten doch 30.000 Bienen und 15.000 verdeckelte Zellen sein? Hat die Varroa Mechanismen entwickelt, die Volksgröße in diese Richtung aktiv zu beeinflussen?


    Bernhard

  • Letztes Jahr habe ich infolge eines Königinnenverlusts festgestellt, daß eine Brutpause sich sehr stark auf die Milbenpopulation auswirkt der nat. Milbenfall war gegen null.
    Da ist es sehr gut nachvollziehbar, dass "unangepasste Bienen" eine größere Chance haben zu überleben.


    MiG André

  • Hallo Miteinander,
    unangepasst ist das Verhalten "der" Imker,
    die da meinen, das ein Bienenvolk nie ohne Brut sein darf,
    das ein Bienenvolk womöglich noch stärker auzuwintern hat als es eingewintert wurde,
    das ein Bienenvolk sich nicht natürlich zu vermehren hat,
    ein Bienenvolk sich nicht selbst eine Königin aussuchen darf.
    Das Verhalten der Bienen ist durchaus nicht unangepasst, im Gegenteil.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Yves Le Conte erwähnte in seinem Vortrag: 1994 Come back of feral colonies. Untreated colonies more or less abandoned seem to survive !


    In diesem Zusammenhang bewegt mich folgende Frage: Wenn soetwas in Frankreich beobachtet werden konnte, so gibt es auch in Deutschland solche Völker. Wo sind sie? Wer hat sie beobachtet?


    Ich hatte auch mal 3 wilde Völker "auf meinem Radarschirm", nur leider waren sie alle im nächsten Frühjahr nicht mehr lebendig......


    Desweiteren: Es gibt ja Einige unter uns, die diesbezüglich beobachten und Versuche machen: Gibt es nach diesem Winter überlebende Völker?


    Und noch eine Frage: Es gibt die Varroatoleranzzüchtung mit entsprechenden Belegstellen. Wie sieht das Ergebnis von Varroatoleranz aus bei Königinnen ,diem an dort begatten läßt? Hätte gern Erfahrungsberichte darüber, weil ich dieses Jahr mich mit dem Gedanken trage, so eine Belegstelle zu besuchen.


    Antworten gerne auch per PM!

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Nabend zusammen,


    ich arbeite nun mit Rückschlägen seit über 5 Jahren mit Bienen im Naturbau.
    Bisher hatte ich noch nie Probleme durch Varroamilben, sie waren immer da, haben aber nie entscheidend den Bienenverlauf
    beeinflussen können. Es müssen andere Dinge sein, die die Völker schwächen.
    Gut, die Varroa schwächt auch das Leben der Bienen und kann Folgekrankheiten geben,
    vielleicht ist das Opfer zu schwach?
    Zum Nachdenken für mich, beste Grüße, Bienudo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Hallo,
    Vielen Dank, die von Herrn Yves le Conte gemachten Erkenntnisse wieder aufleben zu lassen!
    Ein erforschter Punkt der Studie lautet:
    Zitat: "Olfaction clearly involved in varroa tolerance" Ende Zitat


    Gibt schon zu denken, wie unsere Bienen "verdächtige", weil varroa-infizierte Zellen noch am Geruch erkennen und ausräumen sollen, wenn der ganze Wabenbau noch nach Thymol- oder anderer Behandlung der letzten Jahre stinkt.


    Ist etwa so, als ob man einem Spürhund Pfeffer auf die Fährte streut!


    Bin nach den schon anderswo beschriebenen katastrophalen Winterverlusten aus unterschiedlichen Ursachen glücklicher Besitzer von 2 seit >10 Jahren unbehandelten, aber lebenden, starken und sich sebst erneuernden EX-Wildvölkern und eines BF-Volks auf frischem Wabenwerk, das systematisch infizierte Brut, Varroa inklusive, zum Flugloch hinaus schmeisst.
    Diese 3 werde ich mir warmhalten und heuer nicht mit unseren herkömmlichen, unverzichtbaren und so empfohlenen "Behandlungen" in die ewigen Trachtgründe schicken.
    Ciao, Norbert

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.

  • Beobachtungen aus Afrika:

    Zitat

    the absence of varroacide applications and a “live-and-let-die” approach to the wild and commercial honeybee populations was crucial to the developed of population-wide varroa tolerance, in contrast to the selective breeding and pesticide treadmill practised in most parts of the world ... Varroa destructor is concluded not to be a serious threat to honeybees and beekeeping in Africa, and efforts should be made to prevent the use of pesticides and techniques that could hinder the development of natural mite tolerance in Africa.

    Zitiert aus der Zusammenfassung von Mike Allsopp (2006):Analysis of Varroa Destructor Infestation of Southern African Honeybee Populations

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“