Bienenbiologie und Mikrobiologie

  • Studiert mal:


    Humus und Leben (PDF)


    Kombiniert das dann mit:


    Tod und Leben (PDF)


    So jetzt kurz innehalten. Dann weiterlesen!



    Mütter und Mikroben (PDF)



    Stell Dir mal vor, wie das bei den Bienen ist. Die jungen Bienen sind keimfrei, wenn sie schlüpfen. Das wurde von Martha Gilliam, USA, in einer Studie belegt.
    Wer ist die Mutter einer schlüpfenden Biene, von dem sie ihre Mikroben erhält? Die Ammenbienen, die sie füttern.


    Wie beim Menschen, besitzt auch ein Bienenvolk eigene Mikroben. Jedes Volk besitzt zwar ähnliche Mikrobenarten - die Gene jedoch sind volksspezifisch. Jedes Volk besitzt Mikroben, die ihre Ahnen seit Ewigkeiten begleiten.


    8.000 verschiedene Mikrobenarten in einem Bienenstock.


    Unter diesen Gesichtspunkten überdenke ich gerade all die Handlungen eines Imkers.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Bernhard ,
    @All


    du bist eben immer wieder für sehr interessante Überaschungen gut. Das mit dem Humus und mit Martha Gilliam kannte ich ja schon, aber die anderen beiden nicht.


    Ich würde uns wünschen, dass solche Infos viele Menschen Lesen, versuchen es zu verstehen, sich damit auseinandersetzen oder zumindest zum Nachdenken anregt.


    Wie ich auf meiner HP ja stehen habe, die Bienen möchten uns durch Ihr "unnormales Verschwinden"(Sterben) etwas mitteilen. Wir müssen radikal umdenken in und mit unserer Industriegesellschaft, denn erst Sterben die Bienen weil sie hochkomplexe Anzeiger für die Lebenszustände, -umstände sind die herrschen und dann kommen wir. Entweder wir passen uns der Natur wieder an, ordnen uns unter oder ein grosser Teil der Menschen stirbt eben auch. Sozusagen "Erneuerung des Lebens durch Tod" und damit einhergehendes verändertes Bewusstsein...
    Wir haben die Erde faktisch ja nur von unseren Nachfahren geliehen, aber das wollen die wenigsten Menschen verstehen oder gar begreifen...


    Sonnige Grüsse bei 17 Grad,
    Markus

    Die Natur ist Perfekt, die Fehler macht nur der Mensch. (Sepp Holzer)

  • Hallo Bernhard!


    8.000 ist ein Wort! Gibt es hierzu Untersuchungen und Artenlisten? Als Mikrobiologe interessiert mich sehr, wer hier diese Riesenarbeit der Differenzierung und Identifikation geleistet hat.


    Mit freundlichen Grüßen

  • Hallo,
    in den schwedischen Bienenzeitungen wurde in letzter Zeit mehrfach über die Arbeit der Forscher Alejandra Vásquez und Tobias Olofsson an der Universität Lund Campus Helsingborg berichtet. Die beiden Mikrobiologen haben nach nützlichen Bakterien im Honig gesucht und haben auch Milchsäurebakterien im Nektar der heimkehrenden Bienen und im frischen Honig gefunden. Man konnte diese Bakterien aber nicht in den nektarspendenden Blüten (in diesem Fall in einem Himbeerfeld) finden. Stammten die Bakterien von den Bienen selbst? Man untersuchte die verschiedenen Körperteile der Bienen und fand eine vollkommen neue Flora von mindesten 12 Milchsäurebakterien - 8 Lactobacillen und 4 Bifidobakterien - im Honigmagen der Bienen. 10 von diesen waren bisher unbekannt und werden jetzt von den beiden Forschern ihre Namen erhalten. Die Forscher meinen dass diese Bakterien dem Honig für den Menschen nützliche Stoffe beifügen und dass diese Bakterien für die Gesundheit der Bienen wichtig sind.
    Die beiden Forscher macen den Vorschlag Honig als fermentiertes Lebensmittel zu bezeichnen und damit dessen Status zu heben.
    Der wissenschaftliche Artikel wurde 2008 in der wissenschaftlichen Zeitschrift "Current Microbiology" veröffentlicht.
    Soviel für heute. Fortsetzung folgt.
    Mit freundlichen Grüßen
    Hans

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Hans Herdegen () aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • Hallo, Hans,
    nach meinem Kenntnisstand stammen die alle vom Pollen, der bringt seine Bakterien zur milchsauren Vergärung als Lagerpollen gleich mit. Und klar findet man die dann auch in den Bienis.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabi(e)ne,
    das meinten ja diese zwei Forscher am Anfang auch, dass die Bakterien von den Blüten stammen. Sie fanden diese Milchsäurebakterien im frischen Himbeerhonig, im Nektar der heimkehrenden Bienen aber nicht in den Himberblüten, weder im Nektar noch im Pollen in der Blüte. Im Jahr darauf hat man den gleichen Sachverhalt bei anderen Blüten festgestellt. Die Milchsäurebakterien wurden von den Bienen dem Nektar zugesetzt, die Bakterien leben in Symbiose mit den Bienen im Honigmagen. Die Forscher meinen auch dass diese bienenspeziefischen Milchsäurebakterien für die Gesundheit der Bienen eine ähnliche Rolle spielen wie die Milchsäurebakterien im Tarm des Menschen. Sie meinen auch dass die Produkte dieser Bakterien im Honig den dritten Faktor für gesundheitsfördernden Eigenschaften des Honigs darstellen. Die beiden anderen Faktoren sind wie bisher bekannt die kemische Zusammensetzung mit hohem Zuckergehalt und Säure sowie der Inhalt von Antioxidanten die vom Nektar kommen. Der Ursprung der Milchsäure im Honig und der Zusammenhang mit den Milchsürebakterien im Honigmagen war bisher nicht bekannt.
    Fortsetzung folgt.
    Mit freundlichen Grüßen
    Hans

  • Moin,
    wäre das nicht auch die Erklärung dafür,daß die Schwärme sofort verfütterbare Pollen für die junge Brut haben ?
    Sie brauchen also garnicht die etwas längere Verarbeitungszeit in den Waben.
    Gruß
    Helmut

  • Hallo,
    hier kommt die Fortsetzung über die Arbeit der zwei Forscher mit den Milchsäurebakterien. Um ihre Arbeit in Schweden bestätigen zu können, führten sie 2008 den Versuch noch einmal in den USA in Zusammenarbeit mit Dr. Diana Sammataro am Carl Hayden Labor in Tucson, Arizona durch. Dort führt man Völker der apis mellifera und Völker der apis mellifera scutellata. Man fing die Bienen von den Blüten verschiedener Blumensorten weg und schickte die Honigmägen in Reagenzgläsern nach Schweden. Dort züchtete man die Bakterien im Labor und konnte genau die gleichen Milchsäurebakterien finden wie beim ersten Versuch in Schweden. Auch die Scutellatabienen hatten die gleichen 12 Bakterienstämme im Honigmagen. Auch die Bakterien die vermutlich einer ganz neuen Familie zuzuordnen sind gab es in den amerikanischen Bienen. Die Untersuchung zeigt dass sowohl europäische als auch amerikanische und afrikanische Bienen der Art apis mellifera die gleichen Milchsäurebakterien in ihren Honigmägen beherbergen.
    Der wissenschaftliche Artikel wurde Anfang 2009 in Apidologie veröffentlicht.
    Fortsetzung folgt.
    Mit freundlichen grüßen
    Hans

  • Hallo,
    hier kommt der 3. Teil über die Arbeit von Vásquez und Olofsson über Milchsäurebakterien im Honigmagen der Bienen. Ihre Arbeit gibt antwort auf die Frage: Wie entseht Bienenbrot?
    Martha Gilliam hat im Bienenbrot 107 verschiedene Schimmelpilze, 81 verschiedene Hefepilze und 29 verschiedene Bakterien gefunden und mit der Entstehung des Bienenbrotes in Zusammenhang gebracht. Außerdem war man der Ûberzeugung, dass die Bienen unerwünschte Mikroben vom Pollen entfernen würden.(1988 Science) Die beiden schwedischen Forcher wussten von eigenen früheren Arbeiten über Mikroben und Blüten, dass alle diese genannten Mikroben aus den Blüten stammen. Sie meinten allerdings, dass diese Mikroben darauf aus seien vom Pollen und Nektar in den Blüten zu leben und mit der Fermentierung des Pollens nichts zu tun hätten. Woher kommt aber die Milchsäure im Bienenbrot. In den Blüten kann man keine Milchsäurebakterien finden, in 7 Wochen altem Bienenbrot aus der Wabe konnten sie auch keine Michsäurebakterien finden. Sie erklären die Entstehung des Bienenbrotes so:
    Beim Sammeln des Pollens mischt die Biene etwas Nektar aus dem Honigmagen dem Pollen bei, um ihn als kleine Klümpchen besser transportieren zu können. Damit gelangen die ersten Milchsäurebakterien in den Pollen. In der Beute werden dann mehrere Kümpchen in eine Zelle gestampft und dann mit etwas Flüssigkeit aus dem Honigmagen abgeschlossen. Damit gelangen noch mehr Milchsäurebakterien aus dem Honigmagen in den Pollen. Nun beginnt die Fermentierung und nach zwei Wochen ist der Pollen so sauer dass alle Mikroben, auch die Milchsäurebakterien, abgestorben sind. Als man Pollenklümpchen von heimkehrenden Bienen untersuchte fand man die gleichen Bakterien die man früher im Honigmagen entdeckt hatte. Auch im Bienenbrot, das nicht älter als zwei Wochen war, konnte man diese Milchsäurebakterien in großer Menge finden. Mit dieser Bakterienflora im Honigmagen standartisieren die Bienen die Produktion des Bienenbrotes.
    Das Geheimnis der Bienenbrotproduktion ist gelüftet.(Meine Meinung!)
    Sowohl im Honigmagen als auch im Pollenklümpchen und im frischen Bienenbrot fand man immer wieder einige bisher unbekannte Bakterien die vermutlich zur Bakterienfamilie Pasteurelacea gehören. Welche Bedeutung diese Bakterien, die zur ständigen Bakterienflora im Honigmagen gehören, für die Bienen haben weiß man noch nicht.
    Der wissenschaftliche Artikel wurde 2009 in Journal of Apicultural Research and Bee world veröffentlicht.


    Wenn neue Ergebnisse dieser Forscher veröffentlicht werden lasse ich wieder von mir hören.


    Mit freundlichen Grüßen
    Hans

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  • Ich möchte diesen Faden wieder aufnehmen und fortführen.


    Wir haben bereits gelesen, daß der Nektar und der Pollen in den Blüten ein Tummelplatz für verschiedene Mikroben, insbesondere Hefen und Bakterien sind. Die Bienen kommen, indem sie den Nektar sammeln, in Kontakt mit diesen Mikroben und tragen diese zum Teil auch mit in den Bienenstock ein.


    Wie weiter oben schon beschrieben, mengen die Bienen dann eigene Mikrobenstämme hinzu, um eine Fermentation zu beginnen.


    Insgesamt kommt es im Bienenstock auf eine Anzahl von 5.000 Mikrobenarten, zumindest hat Martha Gilliam diese Zahl gefunden.


    Soweit so gut.


    Der Drohn und ich haben hier im Forum schon mal fieberphantasiert, daß die Bienen theoretisch auch Mikroben im Bienenstock ausbrüten - um sie dann im Frühjahr auf die Blüten auszubringen. Und daß es die Mikroben sind, welche durch ihre Tätigkeit Stoffe (Wuchsstoffe/-hormone) synthetisieren - die dann für die gesteigerte Fruchtbarkeit durch die Bestäubung mit verantwortlich sind.


    Das erscheint jetzt umso wahrscheinlicher, als ich jetzt über Studien stolpere, in denen beschrieben wird, wie Honigbienen durch ihre Blütenbesuche auch krankmachende Mikroben verschleppen. Die Bienen dienen also als eine Art Vektor für Viren und Pilze.


    Und dann stolpere ich über Studien, wie diese hier:


    http://agri3.huji.ac.il/~margolin/Master_files/p607.pdf (PDF)


    In dieser Studie wird beschrieben, wie versuchsweise Bienen dazu benutzt werden, um nicht krankmachende, sondern nützliche Mikroben auf die Blütenpflanzen zu verteilen, um so Krankheiten abzuwehren.


    Den Gedanken, daß Honigbienen Vektoren für Mikroben sind, finde ich interessant und wert, im Hinterkopf behalten zu werden.


    Ich vermute noch einige Lebenskreise zwischen Mikroben, Pflanzen und Honigbienen, die sie über die Jahrmillionen entwickelten.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Siehe:
    http://www.culturaapicola.com.…as/apidologie/20-1/06.pdf (englisch, PDF)


    Zusammenfassung auf Deutsch: