Vorteile synthetischer Varroazide & Nachteile alternativer Behandlungskonzepte?!

  • Hallo liebes Forum!


     

    Ich mache derzeit eine Ausbildung zum Imkermeister, und Teil dieser Ausbildung ist das Erstellen einer Meisterarbeit - so weit so gut.


     

    Da ich nicht der 27. sein wollte der über Bienenprodukte, noch der 48. der über Apitherapie schreibt, wählte ich einen Begriff der von einem sensibleren Thema handelt:
    "Synthetische Varroazide" - und hier aber nicht wie gewohnt alle 2837 Nachteile von Perizin und Freunde, sonder mal "provokant" hinterfragt!


     

    Bitte nun keine zu schnellen Vorurteile - die Problematik ist mir weitestgehend bekannt - auch ich verzichte seit 7 Jahren auf den Einsatz von Medikamenten!


     

    Grundsätzlich möchte ich auf Fragen eingehen, wie z.B.: Wo würde die Imkerei heute stehen, hätte damals die chemische Industrie hier nicht ausgeholfen - gäbe es heute noch Bienen und Imker? Ist der "sichere" Umgang mit Medikamenten in der Bienenzucht (bzw. Tierzucht allgemein!) nicht vorteilhafter, wie der Einsatz organischer Säuren die keiner Pharma/Tierärztlichen-Qualität entsprechen (oft werden diese in technischer-Qualität angeboten - doch wer kennt schon die Unterschiede)? Aber auch, wie werden die zukünftigen Behandlungskonzepte aussehen (10+ Jahre)?


     

    Um auf solche beispielhaften Fragen einzugehen, sollte man sich eben nicht auf Vorurteile, sondern auf Fakten stürzen. Nun ist es leider kein einfaches (wie ich zuerst dachte) in diversen Büchern oder bei google die entsprechend konträren Fragestellungen beantwortet zu bekommen!


     

    Daher meine Frage an Euch, liebes Forum, wer kann mir hier zu diesem Thema etwas weiterhelfen (z.B. Literaturempfehlungen, Links, Berichte etc.)?!


     

    Wäre für jede Info dankbar, und im Gegenzug auch bereit, meine entsprechenden Ausarbeitungen im Anschluss zu verteilen!!


     

    Einstweilen Danke, und eine schöne Woch noch!!!

  • Irgendwie weichen deine Fragen von dem Titel ab? Oder täusche ich mich da?


    Zitat

    Vorteile synthetischer Varroazide & Nachteile alternativer Behandlungskonzepte?!


    Vielleicht kannst Du für uns die Fragen präzisieren?


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hallo Bernhard,


    musste selbst noch mal nachsehen - nein, ganz und gar nicht!!


    Die Umschreibung ist vielleicht etwas unglücklich gewählt - nur möchte ich eine Grundsatzdiskussion verhindern!!


    Mir geht es wirklich um die "positiven" Aspekte der Produkte der chemischen Industrie, bzw. die Gefahren beim Einsatz von "ungiftigen" (so der Volksmund!) Behandlungsstoffen (AS, OX, Thy, MS...)!


    Danke!

  • Wo würde die Imkerei heute stehen, hätte damals die chemische Industrie hier nicht ausgeholfen


    Du schreibst selbst: "sollte man sich eben nicht auf Vorurteile, sondern auf Fakten stützen"
    Daher meine Gegenfrage: Inwiefern hat die chemische Industrie hier ausgeholfen?



    gäbe es heute noch Bienen und Imker?


    Sicher. In anderen Gegenden der Welt waren keine finanziellen Mittel vorhanden, die Varroa mit den Segen der Chemieindustrie zu retten. Die Folge war, dass sich eine flächendeckende Resistenz der Bienen gegen die Varroa entwickelte.


    Zitat

    In both Cape and Savanna bees, the absence of varroacide applications and a “live-and-let-die” approach to the wild and commercial honeybee populations was crucial to the developed of population-wide varroa tolerance, in contrast to the selective breeding and pesticide treadmill practised in most parts of the world in an effort to get rid of the varroa mite. Varroa destructor is concluded not to be a serious threat to honeybees and beekeeping in Africa, and efforts should be made to prevent the use of pesticides and techniques that could hinder the development of natural mite tolerance in Africa.


    Aus der Dissertation: http://upetd.up.ac.za/thesis/available/etd-08082007-153050/


    Schlaue Füchse, die meinen dass Bienen aus Afrika generell eine Resistenz gegenüber Varroa aufweisen, seien darauf verwiesen, dass afrikanisierte Bienen, wie sie in den USA und Südamerika vorkommen, was anderes sind als afrikanische Bienen. Die Dissertation befasst sich ebenfalls mit dieser Frage und gibt auch hierauf eine Antwort.



    Ist der "sichere" Umgang mit Medikamenten in der Bienenzucht (bzw. Tierzucht allgemein!) nicht vorteilhafter, wie der Einsatz organischer Säuren die keiner Pharma/Tierärztlichen-Qualität entsprechen (oft werden diese in technischer-Qualität angeboten - doch wer kennt schon die Unterschiede)?


    Ich verweise nochmals auf die eigene Aussage: "sollte man sich eben nicht auf Vorurteile, sondern auf Fakten stützen". Säuren, die in der Imkerei für die Medikation der Varroose verwendet werden, sind idealerweise in tierärztlicher Qualität. Gekennzeichnet mit ad. us. vet. Siehe:


    http://www.vetpharm.uzh.ch/rel…/00058236.01?inhalt_c.htm


    Ohne eine Grundsatzdiskussion vom Zaun reißen zu wollen: Die sogenannten organischen Säuren sind genauso synthetisch, wie die herkömmlichen Behandlungsmittel. Deswegen wird die Ameisensäure auch von Chemiefirmen hergestellt und nicht von Ameisenhaufen abgezapft.



    Aber auch, wie werden die zukünftigen Behandlungskonzepte aussehen (10+ Jahre)?


    Das ist gesichert: Die Lösungen werden nicht chemikalisch sein. Auch wenn jetzt die flächendeckende Zwangsbehandlung eingeführt wird, oder gerade dann(!), wird sehr schnell deutlich werden, dass eine biologische Lösung die einzige nachhaltige Alternative ist.


    Die biologische Lösung umfasst allerdings nicht nur die Imkerei, sondern auch den Rest der Landwirtschaft. Wenn nicht alle mitziehen, wird es zu einer flächendeckenden Katastrophe kommen. Sicher werden die Bienen auch diese Katastrophe überleben, doch meines Erachtens ist es völlig unnötig bei unserer heutigen Kenntnis über die Biologie, dass die Katastrophe erst ausgelöst werden muss.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Mir geht es wirklich um die "positiven" Aspekte der Produkte der chemischen Industrie,


    Die positiven Effekte beschränken sich auf kurzfristige Erfolge bei der Behandlung und auf die Sicherung des Industriestandortes Deutschlands durch Nebeneinnahmen.
    Die Kurzfristigkeit ergibt sich aus den wider-biologischen Wirkweisen.


    die Gefahren beim Einsatz von "ungiftigen" (so der Volksmund!) Behandlungsstoffen (AS, OX, Thy, MS...)!


     
    Die Gefahren sind vor allem bei den Wirkungen auf die Mikrobenwelt im Bienenstock zu suchen. Die Mikroben stellen mit ihren 8.000 Arten einen Großteil der Biologie eines Bienenstockes. Hier sind auch die Wirkungen von Säuren zu beobachten.


    Allerdings gilt dies auch für die Behandlungsmittel der Chemieindustrie.


    Beide Varianten besitzen das Potential das mikrobiologische Milieu nachhaltig zu verändern und sogar einige Mikrobenarten aussterben zu lassen. Die Folgen? Darüber macht sich heute noch keiner Gedanken.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Auch wenn jetzt die flächendeckende Zwangsbehandlung eingeführt wird, oder gerade dann(!)


    Wie soll denn das bitte funktionieren?
    Ich wage mal zu behaupten, dass die meisten Hobbyimker ihre Völker nicht nur gut versteckt und schön verteilt haben, sondern diese oft auch nicht gemeldet sind.
    Überhaupt was soll das den bringen, es muss jeder selber wissen wie richtig zu behandeln ist und wenn er das über längere Zeit nicht herausbekommt wird sich die Imkerei so wie so für ihn erledigen!
    Im Übrigen zerstört man dadurch die Arbeit all derer die sich wirklich Gedanken machen und selber nach Lösungen suchen.
    Um es kurz zu machen:
    Eine Behandlungspflicht ist blauäugiger Schwachsinn!!! :evil:




    Grüße
    Stefan