Unbedingt neu oder auch gebraucht?

  • Hallo Freunde!


    Es gibt da eine Sache, die mich sehr interessiert. Ich bekam ein Angebot von einem Imker, der vor 4 Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, verschiedene Dinge zu übernehmen. Es lagern dort noch Beuten, diverses Werkzeug, Kleinkram, Rähmchen, Wachs, Gläser, Entdeckelungsgeschirr etc. Also im Prinzip alles, was Imker so braucht, oder auch eher nicht. :wink: Wie seht ihr das, kann man bestimmte Dinge ruhig in gutem gebrauchten Zustand kaufen, oder ratet ihr eher davon ab? Und wenn ihr abratet, warum?
    Bin gespannt auf eure Antworten.


    LG Gela

  • Hallo Gela,
    ansehen, ob Rost dran haftet, den man nicht mehr abbekommt, gucken, ob es die passenden Beuten sind. Edelstahlgeschichten sind unbedenklich und die richtigen Beuten und Rähmchen kann man auch richtig säubern. Spühlmaschine, Natronlauge etc.
    Viele Grüße
    Wolfgang und ach ja, Ableger einfach in eine normale einzargige Beute

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo Gela,


    also: gegen den Kauf von gebrauchtem Equipment KANN sprechen:


    - fremdes, nicht nur altes, Material kann Krankheitskeime (v.a. Faulbrutsporen) an sich tragen, daher
    - ist zwingend eine Desinfektion (Ätznatron bei Kunststoffteilen, Abflammen bei Holz) erforderlich, die ist aufwändig
    - wenn Du in der Zeit, die Du mit dem Desinfizieren beschäftigt wärst, mit anderer Arbeit mehr einnehmen könntest, als die Differenz zum Neupreis würde ich neu kaufen
    - man zahlt gerne mal den ideellen Wert mit, den uralter Kram für den Vorbesitzer hat (hab letzte Woche eine zu verkaufende Imkerei mit 50 Völkern ("nur komplett für 30.000 €") angeguckt und frag mich bis heute, wie der Typ auf so eine Summe kommt)
    - damit stellt Dir Zeug die Regale voll, die Du bald schon für anderes brauchst.


    Sauber kriegst Du allerdings das meiste und der Punkt Kosten ist sowohl am Anfang als auch später ja nicht zu verdrängen. Entscheidend ist, wie sich Geld- und Zeitbeutel da die Waage halten. Was meist unproblematisch geht, ist Ernteequipment (Schleuder, Entdeckelungsset, Abfüllkübel).

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Wolfgang : Gut, an den Rost hab ich nicht gedacht. Werde ich dann mal genau ansehen. Wenn die Beuten nicht passen, oder völlig gammelig aussehen, lasse ich sowieso die Finger davon. Verschiedene Systeme sind mir als Anfänger zu aufwändig. Die Zeit, diverse Dinge zu desinfizieren habe ich. Wenn die Edelstahldinge gut aussehen, wäre ich natürlich sehr froh. Genau, der Ableger. Da war ja noch was. :wink: Danke. :)


    Marcus : Desinfektion ist selbstredend, auch wenn die Teile vielleicht noch so gut aussehen. Grade AFB will ich mir ja als Anfänger nicht einschleppen. Die Zeit, die ich mit der Desinfektion verbringe, fällt nicht ins Gewicht. Da würde ich mit anderer Arbeit nicht mehr einnehmen. :wink: Den ideellen Wert hingegen, den werde ich scharf im Auge behalten. Neupreise kenne ich ja nun schon einige, deshalb frage ich mich, wie hoch der Preis für gute, gebrauchte Dinge sein kann, wenn sie gut erhalten sind. Die Regale stelle ich mir nicht mit unnützem Zeug voll. Ich würde nur raussuchen, was ich wirklich gebrauche. Die Zeit zur ordenlichen Desinfektion habe ich und freue mich, wenn ich ein wenig sparen kann. Ok, man darf natürlich nicht am FALSCHEN Ende sparen.


    Wie sieht es denn z. B. mit Mittelwänden/Wachs aus? Ich kann mir vorstellen, dass das nicht so unproblematisch ist, wie andere Dinge.


    LG Gela

  • Wie sieht es denn z. B. mit Mittelwänden/Wachs aus? Ich kann mir vorstellen, dass das nicht so unproblematisch ist, wie andere Dinge.


    In der Tat - das wird nur noch getoppt von Honig- und Futterwaben. :daumen: Also von Waben würde ich unbedingt die Finger lassen und von Mittelwänden ohne Herkunftsnachweis (und idealer Weise Analyseergebnis) auch gleich.


    Einzige Ausnahme vielleicht: vertrauenswürdiges Material von denjenigen, von denen Du auch Völker gekauft hast. Mit Seuchenfreiheitsbescheinigung, versteht sich..

    Viele Grüße
    Marcus


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    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Marcus, ich kenne den Imker zwar von früher, aber ich weiss jetzt nicht, ob er wirklich Herkunftsnachweise hat. Er besaß ca. 40 Völker und hatte wahrscheinlich seinen eigenen Wachskreislauf. Und da ich als Jugendliche noch kein Interesse an der Imkerei hatte, kann ich auch wirklich nicht einschätzen, ob ich Wachs, Mittelwände etc. bedenkenlos kaufen würde.


    Mein Volk habe ich jedenfalls nicht von dort.


    LG Gela

  • Hallo Gela,
    wenn er ca. 40 Völker besaß,
    sind sicherlich die Gerätschaften auf eine entsprechende Betriebsgröße ausgelegt.
    Ist das die "Liga", in der Ihr spielen wollt?
    Wenn wirklich eine solche Größenordnung geplant ist, dann würde ich Gerätschaften übernehmen.
    Allerdings bekommt die eigene Imkerei meist im Laufe der Zeit größere Ausmaße; und man kann längere Zeit auch mit Geräten für "Kleinimker" zurecht kommen.
    Schleuder (am Besten für sechs Waben", Honiglagergefäße (kann man nicht genug haben), Abfüllkannen usw. bei gutem Zustand würde ich Dir/Euch anampfehlen günstig zu übernehmen.
    Beuten nur, wenn diese fast neu sind und das Wabenmaß mit Eurem stimmt.
    Gläser geht auch noch.
    Wachs und Waben kann man im Handel gegen Mittelwände eintauschen.
    Meist drei Kilo Rohmaterial gegen ein Kilo Mittelwände.
    Achtung: aus eigener Erfahrung: man übernimmt dabei auch meist die ersten Exponate für sein privates Imkereimuseum...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar!


    Nee, in dieser Liga können/wollen wir nicht spielen. Glaub ich jedenfalls. :wink: Geplant sind von mir (Männe will nicht, aber weiss auch nix von meinen Plänen^^) für nächstes Jahr drei Völker. Dann muss gut sein.


    Mir geht es da eher um übliches Werkzeug und Zubehör, was grad am Anfang unbedingt gebraucht wird. Ich habe zwar den Platz, aber nicht die Lust, den Grundstein für mein privates Imkerei Museum zu legen. :wink: Seine Honigschleuder ist mir leider eine Nummer zu gross. Die kleine ist schon verkauft. Und mit einer 20 Waben Schleuder kann ich erstmal nix anfangen. Selbst gebraucht ist die sicher noch zu teuer. Für mich anfangs jedenfalls. Nimmt der Handel denn "fremdes" Wachs "unbekannter" Herkunft einfach so zum Tausch gegen Mittelwände? Kann ich mir kaum vorstellen.


    LG Gela

  • Aloa,


    ich selber habe wie ich angefangen hab auch gebrauchte Beuten übernommen. Hätte mir als Student nie lauter Neue leisten können. Teilweise hatten die Beuten nicht einmal einen Gitterboden. Die hab ich mir dann von einem Freund der Schreiner ist umbaun lassen. Gesäubert hab ich sie unter anderem mit einem Dampfstrahler. Dadurch gehen Wachsreste recht gut weg und durch die hohe Temperatur dürften eig auch eventuell vorhandene Krankheitserreger hin sein.
    Insgesamt habe ich damals ca. 30 Magazine bekommen. Ich wollte erst gar nicht alle nehmen weil es etwas viel sind. Da die Völker heutzutage aber größer werden wie früher braucht man zwangsweiße auch mehr Magazine pro Volk. Ich wollte damals auch nur 3 Völker, inzwischen sind es etwas mehr ;-). Momentan bin ich heil froh dass ich damals alles genommen hab ;-).
    Wenn die Beuten also nicht zu schlecht sind würde ich sie an deiner Stelle nehmen und reinigen. Neue kannste dann über die Zeit kaufen oder selber baun wenn du willst.


    LG, die Feuerwehrbiene

  • Gesäubert hab ich sie unter anderem mit einem Dampfstrahler. Dadurch gehen Wachsreste recht gut weg und durch die hohe Temperatur dürften eig auch eventuell vorhandene Krankheitserreger hin sein.


    Das stimmt der Satzbau nicht - das müsste eigentlich heissen "durch die hohe Temperatur dürften eig auch vorhandene Krankheitserreger eventuell hin sein." :wink:


    Mit dem Dampfstrahler kriegst Du leider keine genügend hohen Temperaturen zustande, da geht nur Ätznatron oder Bunsenbrenner

    Viele Grüße
    Marcus


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  • Gesäubert hab ich sie unter anderem mit einem Dampfstrahler. Dadurch gehen Wachsreste recht gut weg und durch die hohe Temperatur dürften auch eventuell vorhandene Krankheitserreger hin sein.


    Sind sie nicht, sowie auch ein Dampfstrahler und ein Dampfwachsschmelzer für die Desinfektion von Rähmchen absolut sinnlos ist.


    Ich möchte auch nochmals davor warnen zu glauben, dass das Abflammen von Holzbeuten eine ausreichende Desinfektion ist. Das ist ein großer Irrglaube, der sich durch die Imkereien zieht und immer wieder - auch von erfahrenen Imkern - verbreitet wird.


    Auch Holzbeuten müssen mit Natronlauge desinfiziert werden, dann ist ein Kauf von gebrauchten Beuten bedenkenlos möglich.


    Ich möchte in diesem Zusammenhang einen Wissenschafter der Universität Hohenheim zitieren, der mir folgendes geschrieben hat: "Das Abflammen ist nur bedingt wirksam. Entscheidend ist die wachszerstörerische Eigenschaft der Lauge. Den Wirkstoffen wird erst dadurch die Schutzhülle entzogen und dadurch können sie erst chemisch angegriffen und zerstört werden.


    Natürlich immer sehr gut mit klarem Wasser nachspülen (Dampfstrahler).


    Viele Grüße von


    Summ!

  • Ich werde mir die Beuten und den Rest nächste Woche mal anschauen. Wenn ich sie für ok halte, mache ich mir die Arbeit mit dem Desinfizieren. Interessieren würde mich noch, was einige gebrauchte Dinge so max. kosten sollten, wenn sie gut erhalten sind. Halber Neupreis, je nach Alter, oder wie seht ihr das?


    LG Gela