Was passiert mit den Milben im Stock?


  • dann laß mich doch mal ganz spekulativ fragen, ob diese wesentlich langsamere Vermehrung nicht vielleicht ein Teil eines Anpassungsprozeses ist?
    Und die hektische Vermehrung erst nach der ersten Behandlung einsetzt?
    Als Antwort auf die Schaffung eines Ungleichgewichts?


    Spekulieren ist gut, Messen und die Natur befragen ist besser.


    Leider habe ich noch keinen Nichtbehandler gefunden, der den Varrobefall seiner Völker regelmäßig erfassen, dokumentieren und veröffentlichen würde.


    Es gibt allerdings Untersuchungen, wonach das regelmäßige Beseitigen nur der auf den Bienen sitzenden (phoretischen) Milben durch Mittel, die nicht in die Brut wirken, eine erhöhte Fruchtbarkeit der in den Brutzellen überlebenden Milben zur Folge haben dürfte.


    Vgl. dazu Anton Imdorf, Deutsches Bienenjournal 10/2009, Seite 12 (436) mit dem Titel "Puderzucker ungeeignet" mit weiteren Nachweisen.


    Mit freundlichen Grüßen
    Rubikon

  • ...
    Schießen wir uns selbst ins Knie?


    Wir schießen uns so ins Knie, wie die Ackerbauern sich.
    Gießen fleißig Chemie ins Volk um dem Parasit Herr zu werden. Der einzige der dabei lernt ist die Milbe.


    Nach Bernhards Ausführung, wäre es da nicht nötig/möglich einfach auf die AS Behandlung zu verzichten und in der Brutfreienphase zu behandeln?
    Da sich die Milbenzahl ja bis zur Behandlung selber bremst und danach ausbricht.
    Fast wie Medikamente, man soll das Zeug schlucken bis es leer ist, wenn man aber einfach aufhört, weil man denkt es geht einem besser kommt die Krankheit zurück und zwar um ein vielfaches schlimmer.


    Da sollte man drüber nachdenken.

    Alle Angaben ohne Gew(a)ehr ;) / Gruß Chris

    2 Mal editiert, zuletzt von Aranox () aus folgendem Grund: shcießen nicht scheißen ;)

  • :oops: Das war die Zeit, als ich keine Zeit fürs Forum hatte wg Arbeit - da hab ich ja richtig was verpaßt.:roll:
    Ich hab jetzt erst mal nur quergelesen, die Studie von Ruttner in Uruguay war das Interessanteste, neben der von Frau Rademacher.


    Wir stellen also mal fest, daß Drohnenbrut schneiden jeglicher Anpassung den Boden entzieht, und es äußerst sinnvoll ist, aufgrund der Temepraturverhältnisse beim Bauen neu gebildete Völker auf Endzargengröße einzuschlagen, möglichst als Schwarm, und Naturbau zuzulassen.
    Warum auf Dadant/1,5er Zargen im Naturbau mehr Drohnenbau entsteht, erklärt sich für mich aus der Bauform - das ist wieder der Unterschied zwischen vertikal und horizontal orientiertem Brutnest - da bräuchte man langsam wirklich mal komplett verkabelte Kisten mit zig Temperaturfühlern, um das zu bestätigen oder zu verneinen.


    Jetzt kommen die Fragen, die noch nicht beantwortet wurden:


    Wie entscheidend sind Temperaturänderungen im Stock durch mehr oder weniger regelmäßiges Öffnen der Völker - mache ich es damit für die Milben schön kühl?


    Inwieweit beeinflussen die ganzen Säuren die Duftkommunikation von Milben und Bienen?(die meisten Säuren reagieren sehr schnell mit organischen Molekülen...)


    Inwieweit wirken sich Rückstände (Varroazide, PSM) in Mittelwänden auf Bienen und Milben aus?


    Ist außer mir noch jemandem aufgefallen, daß der drastische Anstieg der Milben immer erst nach der ersten Behandlung beginnt?


    Gibt es vergleichende Studien über die Milbenpopulation in Völkern mit und ohne Königin? (also, wie schnell der erhöhte Totenfall einsetzt nach Weisellosigkeit, und warum überhaupt?)
    Und warum umweiseln an sich schon hilft, bzw. ich wohl mit der Wirksamkeit von Brutpausen richtig liege?


    Warum zählen alle immer noch Milbentotenfall, wenn Frau Rademacher schon 1985(!!!) nachgewiesen hat, daß es nur schwache Korrelationen gibt, und das Zählen sich NICHT dazu eignet, den Gesamtbefall zu ermitteln?
    Gibt es jemanden, der diesen Versuch in letzter Zeit wiederholt hat?


    Und die wichtigste Frage von allen:
    Wie entwickeln sich Varroapopulationen in Völkern, die in völlig PSM-freien Gebieten leben, im Gegensatz zu welchen in Gegenden mit Intensivlandbau und Trachtarmut?
    Welche Auswirkungen haben PSM auf die Varroen und ihre Entwicklung?


    Und ja, es sieht sehr danach aus, als wenn wir uns seit Jahren selbst ins Knie schießen....:roll::evil:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen



  • was vollkommen logisch ist, es passt zu meiner vollkommenen Spekulation, dass die Milben das Ausradieren mit egal welchen Mitteln durch eine erhöhte Fruchtbarkeit beantworten um die "normale" Populationsgröße wieder zu erreichen. Das ist eine völlig (bio)logische Antwort der Varroa auf Gas und sonstige Giftattacken. Und wer muß diese Zeche bezahlen ? Wer liefert die Energie für diesen Wiederaufbau der Population ? A.mellifera.

    Wir drehen uns im Kreis und schießen dabei den Bienen ins Knie.

    Tote Milben zählen lohnt sich, ist immer noch mein Lieblingssatz, stammt ja auch vom Herrn Prof. Dr. Liebig :wink: Ich möchte dem entgegenhalten:

    Die Zeichen der Natur klären die Vernunft auf. :wink:

    Es grüßt die Atoubiene, das ist eine ganz schwarze Biene :p

    "One of nature's biggest forces is exponential growth" (A.Einstein)

  • Hallo Sabine,
    woher die Erkenntnis, das eine Varroa bis zu fünfmal sich vermehrt?
    Ich meine irgendwie in Erinnerung zu haben, das sie abstirbt.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Moin, Lothar,
    entweder die Schweizer oder die Amis, ich hatte mir aus der Studie dauerhaft nur gemerkt "im Schnitt 5x brüten /8 Monate überleben kein Problem". (nur hab ich jetzt schon so viele Studien im PC gespeichert, daß ich die mal langsam umbenamsen muß, damit ich auch wiederfinde, was ich suche...:roll::oops:)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Atouba: yepp, das alles paßt irgendwie sehr gut ins Bild.
    Wobei du deine Vermutung ruhig mal was früher hättest äußern dürfen, so als Diskussionsanstoß für uns....:p


    Hat jemand Antworten auf meine unbeantworteten Fragen?:confused:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Zusammen,
    ich zitiere aus der Abhandlung "Die Varroatose der Bienen" von E. Rademacher/E. Geiseler danach, sterben die Männchen in aller Regel noch in der Brutzelle und nur 20 % der Altmilben gehen noch einmal in Eilage.
    Gruß Eisvogel

    Als ich mich zum imkern entschlossen hatte, fand ich mich ratlos vor diversen modernen Beuten-Systemen.

    Abbé Emil Warre 1948, 12. Auflage Bienenhaltung für alle, Übersetzt von Mandy Fritsche, 2010

  • z.B. hier Begattung der Varroa.

    Zitat

    Manche Muttermilben durchlaufen mehrerere Fortpflanzungszyklen.

    http://www.agroscope.admin.ch/imkerei/00316/00329/index.html?lang=de&download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCDeHt8f2ym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A--



    Und überhaupt finde ich aufschlußreiche PDFs im Bezug auf die Varroa:
    http://www.agroscope.admin.ch/…/00329/index.html?lang=de

    Alle Angaben ohne Gew(a)ehr ;) / Gruß Chris

  • Ich hab grad noch was interessantes gefunden, aus NZ:

    Zitat

    Another potential control has been found in the pseudoscorpion Chelifer cancroides, a small arachnid that preys on varroa mites and larvae.


    Und die überleben keine Säurebehandlung, genausowenig wie alle anderen Kommensalen im Stock....:-(
    Das Loch im Knie wird immer größer.....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Nicht nur das Loch im Knie, auch die Gedankenspirale.
    Man hört es überall, "Wer nicht behandelt ist böse."
    Nur wenn man sich so die Gedanken zu den Aussagen hier im Thread macht, kommt man doch schwer ins trudeln.
    Vllt ist eine Oxalsäurebehandlung im Winter in der eindeutigen Brutpause besser? Vllt lässt man einfach die AS Behandlung weg, wenn das Risiko einer Reinvasion in dem Falle doch eher gegeben ist, als beim nicht behandeln?


    Fragen über Fragen, auf die wir keine Antwort finden werden... :confused:

    Alle Angaben ohne Gew(a)ehr ;) / Gruß Chris

  • Und wenn der Milb schwärmt?

    Ab einer gewissen Bestandsdichte fliegen mehr Milben auf den Bienen aus, um auf Blüten auf andere Bienen zu warten.
    Die Bienen von stark befallenen Völkern riechen "vermilbt" und werden von Milben gemieden.
    Bienen aus frisch entmilbten Völkern riechen "gut" und es kommt zur "Reinvasion".

    Eine Möglichkeit für den Milb auf das Nichtschwärmen zu reagieren.

    Beim Schwärmen besteht für ihn, wie auch für die Bienen, die Chance die Gene aufzufrischen.

    Grüße,
    doc