Zusammenhang von Fütterung und Winterverlusten

  • Hallo,


    meine Leuchtturmbienen haben die letzte Kälteperiode nicht überstanden.
    Da die toten Bienen vollständig sind (keine Verkrüppelungen), nicht außergewöhnlich klein, zum großen Teil recht puschelig, also wohl auch nicht zu alt, suche ich weiter nach der Ursache meiner Verluste. Es gibt Milben aber man muss schon verdammt gut suchen. Futter ist da, auch in der Nähe der letzten Bienentraube.
    Mir ist bei meinen Überlegungen aufgefallen, dass Imker mit wenigen oder gar keinen Winter-Verlusten die Beuten im Sommer relativ scharf abschleudern. Dann allerdings wieder kräftig auffüttern. Das hab ich nicht gemacht. Ich habe noch einen größeren Teil des gesammelten Honigs in der Beute gelassen.
    Wenn ich jetzt überlege, wo meine Bienen zuerst gestorben sind, fange ich an zu grübeln. Auch der Standplatz der Leuchtturm-Bienen in einer Wohnsiedlung mit bestimmt sehr gepflegten Pflasterflächen... macht mich stutzig. Das Volk, das hier bei dem Wohnhaus im letzten Winter gestanden hat, Vorgänger der Leuchtturmbienen, hatte auch einen massiven Wintertotenfall, hat es aber noch geschafft. Allerdings mit verhaltener Entwicklung.
    Jetzt mal die etwas provokante Frage: Ist der Honig (ja richtig wäre Nektar), den die Bienen momentan so sammeln gar nicht so gut für sie? Was ist da drin? Ist die künstliche Zucker oder Sirupfütterung zur Zeit sogar besser als der eigene gesammelte Honig? Über Erfahrungen hierzu würde ich mich freuen.
    Es wäre schon recht traurig, wenn der gesammelte Honig den Bienen heute mehr schadet, als sie aufbaut.:-(


    trotzdem

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Das hab ich nicht gemacht. Ich habe noch einen größeren Teil des gesammelten Honigs in der Beute gelassen.
    (...)


    Es wäre schon recht traurig, wenn der gesammelte Honig den Bienen heute mehr schadet, als sie aufbaut.:-(


    Moin,


    was für eine Tracht war das denn?


    Honig ist nicht pauschal problematisch bei der Überwinterung. Ich lass bei meinen Völkern immer deutlich mehr drin als üblich und hab damit eher gute Erfahrungen gemacht, hab aber auch nur selten Waldhonig o.ä. in nennenswerten Ausmaßen. Auch stark kristalisierende Honige sind suboptimal..

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Hallo,


    der schnell kristallisierende Frühjahrshonig dürfte nur in geringem Maß noch vorhanden gewesen sein. Der Raps war auch in diesem Jahr wohl nicht ganz so interessant.
    Im Sommer (Juli) hab ich dann noch mal eine kleine Menge relativ dunkelen (soweit ich das beurteilen kann) Honig entnommen. Dieser ist sehr spät fest geworden. Wir haben hier Wald, ob es aber Waldhonig war, den sie noch gesammelt haben, weiß ich nicht. Dafür fehlt mir die Erfahrung. Der Waldhonig dürfte aber doch im relativ warmen Herbst noch nicht zu Verlusten führen, oder? Gab es aber auch schon. Angeflogen haben sie zumindest auch Waldweidenröschen im Sommer und Springkraut und Phazelia im Herbst. Von der Sommertracht war bestimmt noch was übrig.
    Hilft das?

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Hallo, Berggeist,
    sind sie vom Futter abgerissen? Hatten sie schon Brut?
    Wie stark waren sie im Herbst, wieviel Futter hatten sie schätzungsweise?
    Haben sie noch Pollen in den Waben?
    Am Honig kann es nicht gelegen, wage ich mal zu behaupten, weil Bienis sogar auf Raps recht gut über den Winter kommen können - Hauptsache, der Honig ist nicht zu dunkel und damit ballaststoffreich.
    Von daher war es bestimmt kein Fehler, den Honig dringelassen zu haben :liebe002: Aber es ist halt meistens nicht einfach, die echte Todesursache rauszukriegen.:-(

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo, noch zur Ergänzung:


    Mir fehlt tagsüber momentan etwas Zeit, darum hab ich die Kiste noch nicht auseinander genommen (nur zu gemacht) sondern nur die toten Bienen vom Boden untersucht. Bei der Ansicht von oben waren die Bienen aber noch direkt am Futter und es war auch ausreichend da, so schien es jedenfalls. Brut werde ich bestimmt noch nicht finden. Ich werde mir das noch genauer ansehen. Das Volk war größer als ich vermutet hatte, aber trotzdem relativ klein. Im Herbst vielleicht 6/7 DNM Waben dicht besetzt? (plus Futterwaben) Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass unterschiedliche Gründe für die Verluste verantwortlich sind. Bei diesem Volk waren es nicht die Milben, dafür sind zu wenig da. Bei anderen waren Milben bestimmt der Grund. Man kann das wohl nicht alles über einen Kamm scheren. Die Bilder, Zeiten und Vorraussetzungen sind einfach zu unterschiedlich.:confused:

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Ich habe gestern wieder zwei Beuten verschlossen. Bisher dachte ich immer, ich habe bei der AS-Behandlung einen Fehler gemacht. Es waren nur Altvölker betroffen, die im September massiven Varroabefall hatten.
     
    Gestern habe ich einen Ableger abgeräumt, der ging mit 4...5 gut besetzten Wabengassen in den Winter. Selbst bei der OS-Behandlung an Weihnachten hat er noch gut ausgesehen. Gestern alle tot.
     
    Ich glaube so langsam garnix mehr. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass da noch was anderes ist. Das letzte Jahr war in unserem Landkreis sowieso eine Katastrophe, wie die erfahrenen Imker sagen (...ich bin ja noch Frischling). Wer weiß, was da die Völker noch alles abbekommen haben...
     
    Gruß Wolfgang
    12 - 8 - 5 - 3, es ist zum heulen

  • Wenn hier Hilfe bei der Analyse von Todesursachen bei Wintervölkern sinnvoll geleistet werden soll, wären ein paar sachdienliche Photos (muß erstmal kein zu hochauflösendes Format sein) immer hilfreich.


    Weitere Frage z.B. - sind Beute und/oder Waben "verschissen" - das läßt am ehesten auf Futter oder Verdauungsstörung schließen.


    Brutnestreste und Entfernung vom Futterkranz und wo stecken die toten Bienen in den Waben sind hilfreiche Phänomene.
    Wieviele Waben mit drinsteckenden toten Bienen zu zählen sind (Aussage über Volksstärke) läßt auf Stärke/Schwäche schließen, weil die Verfolgung des abnehmenden Futterkranzes auch davon abhängig sein kann, insbesondere bei tiefen Minus-Temperaturen.


    Es gibt noch ein paar weitere Indizien - vielleicht hat jemand die Zeit einen Fragenkatalog/Checkliste als PDF zum Download hier bereitzustellen.


    Der Bienenfreund

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • dann bitte:


    Die obere Zarge war uninteressant. Vier volle Futterwaben, hell sauber.


    Beschreibung: Bild 11 Randwabe, ist das weiße schädlicher Schimmel, oder der normale Wachsüberzug? Hat man ja bei gelagertem Bienenwachs auch.


    Bild 12 interessant der schimmelige Pollen in vereinzelten Zellen. War wohl erst der Schimmel da und wurde er deshalb verschmäht, oder wurde er erst nicht genommen und konnte deshalb schimmeln? Oben auf der gleichen Wabe ist er vollkommen in Ordnung.


    Bild 13 letzter Sitz der Traube. Vom Futter abgerissen sieht anders aus, oder?


    Bild 14 Blick von oben. Auf den Rähmchen Kotspritzer, auf den Waben aber nicht, oder nur minimalst, außen auch nicht.
    Oh, es gehen nur 3 Bilder. Dann muss die Beschreibung reichen.


    Es wurde noch nicht gebrütet. Bis letzte Woche lausekalt. Der Pollen wäre bestimmt knapp geworden. Da war nicht viel da.


    Der Boden lag voll mit toten Bienen. Das Sterben dürfte sich über den ganzen Winter verteilt haben. Zum einschicken eher zu alt. Ob sich der wenige Pollen dafür eignen würde, weiß ich nicht.

  • Bild 11 - das ist kein Schimmel sondern normal "angelaufen"
    Bild 12 - der Schimmel kam erst nach Verlassen der Wabe durch Kondenswasser
    Bild 13 - Also, auf 13 sind ziemlich deutlich links verdeckelte Brutzellen und das Bild läßt darauf schließen, daß das Vol schon zu schwach war und daß die Wintertraube durch die Brut auseinandergerissen ist, was weitere Schwächung bedeutete und dann war's halt vorbei, als es so kalt wurde im Januar.


    Das wäre meine Analyse des knappen Materials.


    Der Bienenfreund

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Danke, für die Analyse. Hat einleuchtende Begründungen. Offen bleibt nur die Frage, warum das Volk schon so schwach war. Warum meinten die meisten Bienen, sie müßten sich tot auf den Boden legen? Schon während des gesamten Winters und nicht alle ruckartig in kurzer Zeit. Außerdem sind die zu sehenden Bienen ja auch nicht alle in der Gasse. Da sind welche beim ziehen runter gefallen und auf der anderen Seite waren auch noch welche. Nur zur ergänzenden Erklärung. Ein großes Volk wird es dadurch natürlich nicht.
    Haben sie sich zu Tode geheizt? Einfach überfordert?
    Ich kann ja jetzt noch die 14 anhängen.