Waldimkerei-Baumsterben

  • Hallo.


    In einem kleinen Honigbuch ( Sonja Carlsson, Urania Verlag ) lese ich gerade "... Um die kostbaren Bienenbehausungen in den Bäumen vor Vernichtung durch Sturm und Unwetter zu schützen, stutzte man die Baumkronen kräftig zurück Die Bienen waren somit sicher, doch die raue Behandlung der Bäume durch die Zeidler setzte dem Waldbestand sehr zu. Das damit verbundene Baumsterben war schließlich der Grund warum die Waldimkerei mehr und mehr aufgegeben wurde......" Kann das jemand bestätigen ?

    weg mit den Zwergbienenständen (K.Freudenstein)

  • Nein, nach ein bißchen googeln war es eher andersrum:
    http://www.traunsteiner-tagbla…des/mehr_chiemg.php?id=76

    Zitat

    Mitte des letzten Jahrtausends endete die Zeidlerei. Diese schlecht zu kontrollierende Bienenhaltung hatte ausgedient. Die damalige Bienenweide (überwiegend Wald) verringerte sich durch den enormen Holzbedarf der Sudpfannen in den Salinen und die Urbarmachung des Landes rapide. Die Zeidlerei wandelte sich zur kontrollierten Bienenhaltung in eigens gefertigten Beuten und Strohkörben. Diese Beuten ermöglichten ein leichteres und ertragreicheres Ernten. Neben den Mönchen begannen nun auch die Bauern verstärkt mit dieser viel zweckmäßigeren Bienenhaltung, der Hausbienenzucht unserer heutigen Imkerei.


    Da waren es die Salinen, woanders die Metallverarbeitung, Köhler und Schiffsbauer...
    Raubbau am Wald aus Gewinnstreben.


    Ich weiß ja nicht, von welcher Bienendichte deine Autorin ausgeht, aber ich glaube nicht daran, daß ein gestutzter Baum mit Bienen drin auf einem Hektar (was ja schon extrem übervölkert wäre mit 100 Völkern pro qkm) ein ganzes Waldsterben auslösen würde...:Biene:
    Das ist irgendwie nicht schlüssig, liest sich aber bestimmt gut für Laien.:wink:
    Da

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Ich habe mehrere alte Bücher über die Zeidlerei gelesen. Darin wird beschrieben, wie Bienenbehausungen in gesunde Bäume geschlagen werden. Zumindest ein Autor versicherte, dass die Bäume darunter nicht leiden würden.


    Ich erinnere mich, dass ein anderer Autor das Köpfen der Bäume beschrieb. Die Bäume leiden unter so einer Radikalkur bestimmt.


    Das einfache Aushöhlen muss nicht zwingend schädlich sein, weil die Bienen den Innenraum mit Propolis ausstreichen - in Baumhöhlen laut Professor Seeley bis zu 2 mm dick. Dieses verhindert das Aufkeimen von Pilzen, die dem Baum zusetzen würden.


    Inwiefern die Stabilität des Baumes durch das Schneiden einer Höhle leidet, hängt bestimmt von der Dicke des Baumes sowie der Baumart ab. In den alten Büchern wurden als besonders geeignete Bäume Kiefern genannt. Wenn diese meist dünneren Bäume geköpft wurden, dann ist diese Maßnahme das Aus für den Baum.


    Dass ein Baumsterben für den Rückgang der Waldimkerei verantwortlich wäre, das ist mir neu.


    Ich glaube eher, dass der Rückgang der Nachfrage an frischem Wachs durch die Kirchen und Klöster, sowie der Rückgang der Nachfrage nach Honig durch Einfuhr von Zucker zum Niedergang der Zeidlerei führte. Entsprechende Einkaufslisten aus dem Mittelalter und danach deuten darauf hin, dass der billige Ersatz mit Paraffin und Zucker für den Rückgang verantwortlich war.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Danke für Eure Beiträge. Das Stutzen der Baumkronen war mir schon verdächtig und noch mehr das Waldsterben.
    Ich bin mir aber nicht mehr sicher ob sie das auch so gemeint hat.
    Mein Wissensstand war bis jetzt dass die Waldbienenhaltung bequemlichkeitshalber aufgegeben wurde.

    weg mit den Zwergbienenständen (K.Freudenstein)

  • Hallo Vindo...
    die letzten Reste der Waldbienenhaltung in D wurden durch die geregelte Forstwirtschaft im 18.-19. Jh. beendet.
    Die Zeidler standen in Verdacht Waldbrände durch Feuermachen (Raucherzeugung) zu verursachen, die Beutbäume nähmen Platz weg für Nutzholz (und das so lange bis sie von alleine umfielen! - festgelegtes Recht) und die Forstaufseher hatten auch nicht so gerne Andere im Wald rumlatschen - immerhin hatten sie die Verantwortung für den Forst.
    In Aufzeichnungen aus der Zeit finden sich Beschwerden von Zeidlern an die Herrschaft über die Behandlung durch Forstaufseher, wobei Waldbesitzer den Zeidlern ihr Recht den Wald zu nutzen meist noch garantierten.
    Da das finanzielle Interesse am Nutzholz grösser war, wurden die Zeidlerei und die Waldweide aus den neu entstehenden Forsten als Nutzung rausgenommen.
     
    In einigen Gegenden wurden die Bäume gewipfelt als Schutz vor Bruch bei Sturm. Immerhin ist eine Beute (manchmal auch mehrere) im Stamm eine statische Schwächung.
    Als Beuten wurden in dieser Zeit vor allem schlecht nutzbare Bäume erwähnt - z.B. drehwüchsige Kiefern.
     
    Gruss Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • molle ; Danke auch für Deine Zeilen. Das ist wieder ein neuer Aspekt. Also auch eher eine Vertreibung.


    sabi(e)ne ; Den in den Chiemgau-Blätter erwähnten Schirach wollte die (Kaiserin) Maria Theresia für ihre Schule gewinnen. Er wolte aber nicht nach Wien gehen.


    Bernhard ; bis 2 mm dick ist, ist beachtlich. Von einbalsamierten Mäusen habe ich ja schon gelesen, obwohl ich mich da schon gefragt habe wo die Bienen plötzlich soviel Propolis hernehmen; ist ja Winter. Für eine Baumhöhle muß die Menge ja noch viel größer sein. An die Textstelle kann ich mich nicht mehr erinnern. Ist das aus "Im Mikrokosmos des Bienenstocks" ?


    Unter zeideln versteht man doch Honig schneiden. Ich habe aber auch schon von einem Zeidelbeil gelesen mit dem man die Bienennester herausgeschlagen hat. Scheinbar hatte der Begriff schon zu Anfang eine Doppelbedeutung oder sich erst im Laufe der Zeit gewandelt.

    weg mit den Zwergbienenständen (K.Freudenstein)

  • Leider nein. Ich nehme mir zwar immer vor, die gelesenen Werke mit Stichworten versehen in einer Literaturdatenbank zu sammeln...aber leider bleibt für die Dokumentation immer wenig Zeit und sie wird vernachlässigt. Tut mir leid.


    Bei speziellen Fragen erinnere ich mich oft an den ungefähren Titel und nach ein bisschen Suche komme ich auch wieder drauf.


    Gruß
    Bernhard

  • Adam Gottlob Schirach: Wald - Bienenzucht
    - bei amazon als Druckwerk


    Eva Crane: The world history of beekeeping and honey hunting. Duckworth, London 2000. ISBN 0-7156-2827-5 (in englischer Sprache).
    Karl Hasel, Ekkehard Schwartz: Forstgeschichte. Ein Grundriss für Studium und Praxis. 2., aktualisierte Auflage. Kessel, Remagen 2002, ISBN 3-935638-26-4.
    Richard B. Hilf: Der Wald. Wald und Weidwerk in Geschichte und Gegenwart – Erster Teil [Reprint]. Aula, Wiebelsheim 2003, ISBN 3-494-01331-4.
    Klaus Baake: Das Zeidelprivileg von 1350. München 1990.


    und einige mehr, doch da müsste ich, wie Bernhard, noch mal nachdenken oder im Kopienstapel wühlen...


    Gruß Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Kurze Zusammenfassung zur Waldbienenzucht, dabei speziell östliches Mitteleuropa und Brandenburg/Berlin, mit Literaturverzeichnis findet sich in:
    Jung-Hoffmann, Irmgard (Hrsg.) : Bienenbäume, Figurenstöcke und Bannkörbe. Berlin 1993. ISBN 3-926579-03-X

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“