Gentechnik keine große Bedrohung für die Bienen

  • Guten Tag,


    hier ein weiterer Artikel zum Thema Bienen und Gentechnik.


    Zitat:
    Frau Dr. Elisabeth Schulte von der Redaktion biosicherheit.de, dem Informationsportal zur biologischen Sicherheitsforschung des Bundesministerium für Bildung und Forschung, gab zunächst einen Überblick über die Forschungsprojekte zu Bienen im Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Pflanzen. Als Fazit zahlreicher unabhängiger Forschungsarbeiten fasste sie ihren Vortrag im Hinblick auf den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen abschließend wie folgt zusammen: „Die Wahrscheinlichkeit von nachteiligen Effekten auf Honigbienen ist sehr gering und im Vergleich zum konventionellen Anbau in keinem Fall größer.“


    http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/agrar_news_themen.php?SITEID=1140008702&Fu1=1264396563


    Wie seht Ihr die Dinge ?


    Grüße


    Dr. Harper

    Bioland Imkerei, Horst in Westfalen

  • Hallo,


    die Zusammenfassung ist ein typischer Bericht-Stil eines Wissenschaftlers, der genügend Interpretationsmöglichkeiten offen lässt, anlass- und zielgruppenabhängig argumentieren zu können. Da können im Fall GVO vs. PSM schnell Äpfel mit Birnen verglichen werden.


    Mir persönlich ist bei der Diskussion oder Beurteilung individueller Risiken immer wichtig, die beiden Faktoren Schadeneintrittswahrscheinlichkeit UND Reichweite bzw. Ausmaß eines potenziellen Schadens im Vergleich zu beurteilen. Je weitreichender die möglichen Folgen, desto sensibler oder vorsichtiger sollte auch möglicher Weise geringeres Eintrittsrisiko beurteilt werden.


    Kann in diesem Fall heißen, dass die zitierte Aussage vielleicht besser mit Vorsicht zu genießen ist, weil einmal freigesetzte GVO-Saat auch dann nicht rückholbar ist, wenn sich irgendwann jenseits einer kurzen Studie zeigen sollte, dass die Situation in der Langfristbetrachtung anders zu bewerten gewesen wäre.


    Das umso mehr, wenn ein Autor meint, gleich "nachhaltig" bewerten zu können. Was sind schon ein paar Jahre Studie gegenüber auch nur der jüngeren Evolution?

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

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  • "Das Beizen von Getreiden mit Neonicotinoiden ist auch ganz ungefährlich, weil...das Saatgut wird ja in den Boden gelegt."


    Die Naivität, mit der solche Logiken für die Beweisführung etwaiger Ungefährlichkeit und Risikolosigkeit angeführt werden, ist enorm.


    Was machen denn die gentechnisch veränderten Organismen? Richtig, sie produzieren Proteine und andere organischen Stoffe, die es vorher noch nie auf dieser Welt gegeben hat.


    Was diese lebendigen Proteinproduzenten produzieren, das haben die Genetikverunstalter garnicht unter Kontrolle, weswegen die Gefahr der Entstehung von Prionen nicht von der Hand zu weisen sind. Prionen können wie Viren für Erkrankungen sorgen, im besten Fall sind es Allergien, im schlimmsten Fall der Kollaps eines Körpers durch Immunüberreaktionen auf Stoffe, welche die Welt vorher nicht gesehen hat.


    Daher finde ich es unverantwortlich, dass solche Versuche und Verunreinigungen an fast allen Nahrungspflanzen vorgenommen werden.


    Als wenn das noch nicht genug Unheil wäre, wird vor allem auf mikrobiologische Ebene mit Gentechnik gearbeitet. Beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gibt es eine Liste, welche die verwendeten Organismen aufzählt:


    http://www.bvl.bund.de/cln_007…e.pdf/organismenliste.pdf


    Wer die Wichtigkeit von Mikroben im Lebenskreislauf verstanden hat, steht vor einer solchen Leichtsinnigkeit nur mit blanker Fassungslosigkeit da.


    Bernhard

  • Hallo zusammen,


    wie kann man denn geplante Gentechnik-Versuchsflächen verhindern? Hat da jemand gute Erfahrungen in der Vorgehensweise?
    Und wo kann man einsehen wo solche geplant sind?
    Christian

  • Hallo Christian,


    drei super Vorgehensweisen sind: sprechen, reden, aufklären. Nachdem man sich selbst genügend aufgeklärt hat. Es gibt mehr als genug Argumente dagegen, unsere komplette Umwelt mit nem Labor zu verwechseln. Da bringt die Kraft des Wortes wesentlich mehr als, sagen wir mal, die der Schuhsohle. Denn letztlich kann man es als eine Form von Gewalt interpretieren, wenn das Zeug gegen die immense Mehrheit der Bevölkerung und allen Warnhinweisen zum Trotz auf die Felder gedrückt wird. Und gegen Gewalt selber mit anderer Gewalt vorzugehen, kann nicht die Lösung sein. Also:
    Nachdenken, mit wem es sich zu reden lohnt. Und reden.


    Ach ja, Flächen kannst Du z.B. hier herausfinden: http://www.greenpeace.de/theme…nbau_in_deutschland_2010/



    Wobei Greenpeace gerade recherchiert hat, dass es bei der Anmeldung solcher Flächen ziemliche Ungereimtheiten gibt.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

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  • Überblick über die Forschungsprojekte zu Bienen im Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Pflanzen


    Guten Tag,
    Lese ich hier richtig ? Forschungsprojekte !?!
    Genau da liegt doch der Hase im Pfeffer !
    Bevor man die Flora mit gentechnisch veränderten Pflanzen "bereichert" , sollte deren Impakt in Form von Ergebnissen in Langzeitstudien feststehen !
    Meine Wenigkeit hatte das Glück am 17. Sept 2009 beim Rundtischgespräch
    "OGM ET ABEILLES" der Apimondia anwesend zu sein.
    Unter anderem ein Vortrag von Gilles-Eric SERALINI, Professor fuer Molekularbiologie CRII-GEN, Uni von Caen.
    Um es vorweg zu sagen: Seralini ist kein eingefleischter Gegner von gtv Pflanzen. Als Autor des Buches "Génétiquement incorrect" (Flammarion 2004), macht er jedoch die Aussage :
    " Es wäre schon überraschend, wenn OGM langfristig nicht toxisch wären "
    Begründen tut er wie folgt: Mehr als 99 % OGM sind Pflanzen mit Pestiziden, die genetisch verändert sind um ein Krautvertilgungsmittel aufzunehmen, ohne daran zugrunde zu gehen (Beispiel Roundup), oder aber ihr eigenes Insektizid selber produzieren. Da zahlreiche Pestizide Langzeitwirkungen fuer die Gesundheit haben, wäre es ... siehe oben.


    Der Mann arbeitet seit 1998 als Experte in 2 Regierungs-Kommissionen, deren Aufgabe es ist Gt-verändertes vor und nach der Vermarktung
    zu prüfen.
    Bisher, so Seralini, gab es 3 Typen von Umweltverseuchung: chemische, physische und biologische. Jetzt kommt Typ 4 hinzu, die genetische
    Verseuchung.
    Die OGM bringen in alles Lebende ihre künstlichen, unzureichend evaluierten Gene.
    Was Seralini über verreckte Laborratten, nachgewiesene Nieren-oder Darmschäden bei monatelanger "Kur" mit OGM zu berichten hatte, war nicht gerade beruhigend.
    Um zu unseren Bienen zurück zu kehren: Wieso sollten ausgerechnet SIE-WIEDERUM UND IMMER WIEDERUM AUCH SIE, mit dieser weiteren Herausforderung ohne Nebenwirkungen klarkommen ?


    Mir jedenfalls ist eine sprunghafte Anpassung der Bienen an stets schlechter werdende Umweltbedingungen bis dato unbekannt, es sei denn als Wunschdenken vieler Elitezüchter.

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.

  • Schönen Sonntag,
    @Wentdorfer
    die Seite hatte ich schon gefunden. Danke trotzdem.


    @all
    Das Problem bei der Sache ist auch, dass immernur die "Anbauflächen" aufgelistet sind, die "Versuchsflächen" nicht. Das ist eben auch so ein Trick. Man bekommt keine Genemigung für den Anbau, aber für ein paar Versuche eben doch. Und schwupps hast du den ganzen Genmüll in der Botanik:evil:.


    Ich frage deshalb, weil wohl zwei größere Flächen im Süd-Westen in der Diskussion sind. Die richtigen Leute, was die Imkerschaft angeht, sind aber wohl schon am arbeiten.


    Meine Frage war eher wer in unserer Republik lobbymäßig gegen Gentechnik-Versuche arbeitet. Also Biolandverbände müßten dass ja vorrangig sein oder BUND, NABU, Greenpeace. Eigentlich ja auch die Bauernverbände. Die scheinen aber entweder total verstickt zu sein oder sie haben absolut überhaupt keine Ahnung zu haben was da eigentlich abgeht. Dümmster Bauer = größte Kartoffeln:evil:


    Was macht denn der eingebuchtete Imker?


    schönen Abend noch
    Christian

  • .....



    Was machen denn die gentechnisch veränderten Organismen? Richtig, sie produzieren Proteine und andere organischen Stoffe, die es vorher noch nie auf dieser Welt gegeben hat. ....


    Sorry Bernhard, diese Aussage ist schlicht und einfach falsch. Mit solchen Aussagen fördert man möglicherweise Ängste und Vorbehalte, trägt aber sicher in keiner Weise zu einer sachlichen und sinnvollen Diskussion bei.


    Genveränderte Pflanzen, und nur um Pflanzen geht es hier, produzieren höchstens Proteine und andere Stoffe, die es vorher nie in dieser Art oder in einigen Fällen nie zuvor in Pflanzen überhaupt gegeben hat. Im wohl derzeit prominentesten Beispiel MON 810 produziert der Genveränderte Mais einen Stoff, der zuvor hauptsächlich von einem Bodenbakterium erzeugt wurde. Neu ist dieser Stoff auf unserem Globus damit keineswegs.


    Dies könnte theoretisch dazu führen, dass der Maispollen negative Wirkungen im Bienenorganismus entfaltet. Und genau um diese mögliche Auswirkung muss sich die Diskussion drehen, alles andere ist Unsachlich und geht an der Sache vorbei.


    Da muss zuerst die Frage gestellt werden, ob dieser Stoff im Pollen überhaupt enthalten ist.


    Im übrigen muss auch die Frage erlaubt sein, ob das Auftreten neuer Arten und damit auch anderer, möglicherweise für Honigbienen schädlicher Pollenbestandteile so völlig neu ist.
    Sicherlich ist es das nicht! Die Evolution hat über viele Jahrtausende hinweg sicherlich eine Vielzahl neuer Arten hervorgebracht, die auch wieder zu neuen, bislang dort nicht vorhandenen Stoffen in den Pollen geführt haben. Die Bienen haben sich trotzdem über die gesamte Zeit hinweg gehalten. Warum? Wohl ganz einfach deshalb, weil sie gelernt haben entweder mit dem neuen Stoff zu leben oder diese Pflanzenart nicht mehr zu befliegen.
    Der größte Kulturschock dieser Art war sicherlich die Einfuhr europäischer Honigbienen nach Amerika und auf andere Kontinente. Diese Völker hatten urplötzlich ein völlig verändertes Nahrungsangebot zur Verfügung. Eine Vielzahl bis dato für Bienen vollkommen unbekannter Arten, von denen sicherlich auch einige für Apis Mellifera nicht besonders bekömmlich waren.
    Sind die Bienen dadurch ausgestorben? Nein, sie haben sich in kürzester Zeit angepasst.
    Es ist deshalb in der Tat sehr unwahrscheinlich, dass die genveränderten Arten die Existenz der Bienen ernstlich bedrohen könnten.


    Welche Auswirkungen GVO auf das gesamte Ökosystem, die heimische Artenvielfalt und nicht zuletzt auf die Zusammensetzung von Honig und Pollen haben werden steht auf einem anderen Blatt.

  • Letztendlich geht es doch darum, ob die Menschen sich an diese Veränderungen anpassen können.:-(
    Allerdings läuft das dann so ab, dass die unangepassten Menschen aussterben oder bestenfalls unter bisher nicht bekannten Allergien leiden.:mad:
    Den anderen macht es natürlich nichts aus.:)

  • Letztendlich geht es doch darum, ob die Menschen sich an diese Veränderungen anpassen können.:-(
    Allerdings läuft das dann so ab, dass die unangepassten Menschen aussterben oder bestenfalls unter bisher nicht bekannten Allergien leiden.:mad:
    Den anderen macht es natürlich nichts aus.:)


    Genau das ist eine der entscheidenden Fragen. Mit den GVO kommen nämlich auch Proteine und andere Stoffe in unsere Nahrungsmittel, die dort bisher nicht anzutreffen waren, weil der natürliche Erzeuger (z.B. BT) nicht auf dem menschlichen Speisezettel steht. Auch der Mensch wird dadurch wohl nicht aussterben, im Bereich der Allergene könnte uns aber schon die eine oder andere heftige Überraschung erwarten.