Das Warre-Prinzip

  • Servus!


    Habe nun schon einiges über Warre gelesen (Selbstversorger usw.) Ein paar Dinge sind mir aber immer nicht ganz klar bzw. beim Überlegen eingefallen:


    1. Für Brut sind 3 Kästen vorgesehen 1er für Honig? Werden auch mehr als gesamt 4 Kästen verwendet? Wie kann ich noch einen Kasten unterstellen wenn z.B. schon drei volle drauf sind ohne alles komplett zu zerlegen??


    2. Die Warre-Beute hat kein Absperrgitter. Kann es nicht passieren, dass die Königin auch den Honigraum bebrütet? Wie vermeidet man das?


    3. Wie bekommt man die Bienen aus dem Stabilbauhonigraum? Verwendet man hier auch eine Flucht?


    4. Warum verwendet man im Honigraum nicht herausnehmbare Oberträger? Man könnte evtl. Flachzargen als Honigraum verwenden und dann die Waben sogar schleudern?


    5. Ich habe von einem Berufimker gelesen, der mit Warre imkert. http://www.bienenjournal.de/?redid=330871 Wie macht der das, wie ist das mit dem Warre-Prinzip vereinbar? Er muss ja fast Schwarmverhinderung betreiben denke ich. Interessant finde ich einen Mittelweg zwischen artgerechter Bienenhaltung nach Warre und kommerzieller Imkerei. Gibt es da schon entsprechende Erfindungen (wie z.B Warre mit diesen rudimentären Rähmchen)?


    Danke im Vorraus für Eure Antworten!


    Gruß Christian

  • Hallo Christian


    Sieh dir mal bei Google unter Warrebeute, den ersten Beitrag an, da sind ganz viele Links und Bilder, sogar eine Übersetzung ("Bienenhaltung für alle" von Emile Warre).

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Servus!


    Habe nun schon einiges über Warre gelesen (Selbstversorger usw.) Ein paar Dinge sind mir aber immer nicht ganz klar bzw. beim Überlegen eingefallen:


    1. Für Brut sind 3 Kästen vorgesehen 1er für Honig? Werden auch mehr als gesamt 4 Kästen verwendet? Wie kann ich noch einen Kasten unterstellen wenn z.B. schon drei volle drauf sind ohne alles komplett zu zerlegen??


    Ja das geht. Bernhard kann dir dazu sicher mehr sagen

    Zitat


    2. Die Warre-Beute hat kein Absperrgitter. Kann es nicht passieren, dass die Königin auch den Honigraum bebrütet? Wie vermeidet man das?


    Das vermeidet man nicht sondern nimmt es hin. Allein schon durch die Rotation der Waben von unten nach oben werden aus Brutwaben Honigwaben.

    Zitat


    3. Wie bekommt man die Bienen aus dem Stabilbauhonigraum? Verwendet man hier auch eine Flucht?


    Das kann man

    Zitat


    4. Warum verwendet man im Honigraum nicht herausnehmbare Oberträger? Man könnte evtl. Flachzargen als Honigraum verwenden und dann die Waben sogar schleudern?


    Das macht hier der Finvara - also Flachzargen und herausnehmbare Oberträger. Er setzt, soweit mir bekannt ist, auch auf anstatt unter.

    Zitat


    5. Ich habe von einem Berufimker gelesen, der mit Warre imkert. http://www.bienenjournal.de/?redid=330871 Wie macht der das, wie ist das mit dem Warre-Prinzip vereinbar? Er muss ja fast Schwarmverhinderung betreiben denke ich. Interessant finde ich einen Mittelweg zwischen artgerechter Bienenhaltung nach Warre und kommerzieller Imkerei. Gibt es da schon entsprechende Erfindungen (wie z.B Warre mit diesen rudimentären Rähmchen)?


    Vielleicht kann dir dazu auch der Bernhard was schreiben.


    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Hallo an alle Warré-Liebhaber,


    Marc Gatineau in Frankreich (> 60 Jahre Imkererfahrung) hat dem oder den Imkern mit der Warré-Beute einen guten Dienst geleistet mit wesentlichen Verbesserungen, wobei
    die Innenmasse von 300X300X21 mm strikt unangetastet bleiben.


    Man kann hier in F im Profihandel fuer etwa 70,00 € eine solche Komplettbeute zu 3 Zargen, mit Varroa-Lueftungsgitterboden, verbesserten geschrägten Handgriffen , Deckel, kurz mit allem drum und dran, kaufen.
    Absperrgitter fuer die Kö? Kein Problem, ist vorrätig, ebenso wie Futteraufsatztrog.
    einhängbare und vor allem schleuderbare Rähmchen statt genagelter Holzleisten, die
    keine zeitgemässe Völker-Durchsicht ermöglich(t)en, ein verschliessbares Loch pro Zarge -Bienen lieben Löcher ! - Keil zur Flugloch-Einengung u. anderes mehr.


    Wichtig in der Betriebsweise: Weitere Zargen werden nicht mehr untergeschoben, sondern aufgesetzt !
    Herr Gatineau hatte, wie viele anderen auch, folgendes bemerkt:
    Wird einem zweiräumig überwinterten Volk im Frühjahr zur Vergrösserung eine Zarge untergejubelt, die lediglich mit Holzleisten + Anfangswachstreifen garniert ist,
    so ziehen unsere Liebsten oft Schwarmauszug vor, lieber als nach unten in Kellerhaft.
    Bei ausgebauten Waben ist dies nicht so der Fall.


    Buch von Marc Gatineau: " L'apiculture telle que je l'aime et la pratique "


    Ist schon was dran: Die verbesserte Warré-Beute findet immer mehr Liebhaber.
    Inzwischen sind auch schon Schleudern speziell für diese Rahmengrösse auf dem Markt.
     
    Gruß, Norbert

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.

  • 1. Für Brut sind 3 Kästen vorgesehen 1er für Honig?


    Die klassische Unterteilung in Brut- und Honigräumen entfällt.



    2. Die Warre-Beute hat kein Absperrgitter. Kann es nicht passieren, dass die Königin auch den Honigraum bebrütet? Wie vermeidet man das?


    Das passiert zwar, aber eher selten. Das Flugloch ist relativ klein bemessen, die Bienen rücken das Brutnest in Richtung Frischluft - so wird gegen Ende des Sommers der obere Bereich der Beute, meistens zwei Zargen mit Honig belegt.


    3. Wie bekommt man die Bienen aus dem Stabilbauhonigraum? Verwendet man hier auch eine Flucht?


    Da gibt es verschiedene Herangehensweisen. Ich warte bis zum Ende des Sommers, die Bienen kuscheln sich dann um die Brut herum, die oberen Räume mit Honig sind relativ bienenfrei. Dann gibt es welche, die mit Bienenflucht arbeiten, andere wiederum fegen die Bienen von den Waben. Fast alles ist möglich.



    4. Warum verwendet man im Honigraum nicht herausnehmbare Oberträger? Man könnte evtl. Flachzargen als Honigraum verwenden und dann die Waben sogar schleudern?


    Auch das machen einige.


    5. Ich habe von einem Berufimker gelesen, der mit Warre imkert.


    Da gibt es mehrere Berufsimker in Frankreich. Auf ihren Webseiten findest Du viele Photos, die ihre Arbeit beschreiben:


    Imkerei von Gilles Dennis:
    http://www.ruche-warre.com/albumphotos.htm


    Gilles Dennis arbeitet mit Halbrähmchen.


    Imkerei Alphonse:
    http://www.mielleriealphonse.com/topic/index.html


    Die meisten Hobbyisten arbeiten mit den Schwärmen.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Das Aufsetzen der Zargen ist unter den Warre-Imkern heiss diskutiert. Sicher führt das Aufsetzen zu einer Erhöhung des Honigeintrages. Das ist nicht strittig.


    Strittig ist, dass die Bienen beim Aufsetzen der Zargen deutlich "panischer" sammeln, also unter Stress. Die geschlossene Honigkappe über Kopf (in einem vertikalen Bienenstock) scheint eine besondere Bedeutung für die Bienen zu haben.


    Dies ist im Stabilbau deutlich zu beobachten, weil dort das Tempo und die Taktung aller Vorgänge im Bienenstock von den Bienen bestimmt wird und eben nicht vom Imker. Da herrschen dann auch andere Maßstäbe.


    Rähmchen, Aufsetzen und vielerlei Zubehör erhöhen die Kosten pro Bienenstock, erhöhen den Aufwand und die Komplexität. Viele Warreimker lehnen dies ab, weil der erlangte Nutzen dazu in keinem Verhältnis steht.


    Bernhard

  • Die geschlossene Honigkappe über Kopf (in einem vertikalen Bienenstock) scheint eine besondere Bedeutung für die Bienen zu haben.


    Yo, die hat sie (siehe Walt), aber es hat immer noch keiner untersucht, welchen Unterschied es macht, ob das Flugloch unten oder oben ist, und wie sich das auf die Honiglagerung auswirkt.
    Honig über Kopf ist wichtig für den Schwarm - deshalb funzt ja das Zargentauschen zur Schwarmverhinderung so gut (auch wenn es das Volk jedesmal um 2 Wochen zurückwirft).
    Aber wie würde es aussehen, wenn das Flugloch oben und der Lager/VorratsWinterHonig hinten/unten wäre?
    Warum ist bei den gängigen Betriebsweisen das Flugloch immer unten?
    Eben, weil dann mehr Honig OBEN und leicht zugänglich ist, oder weil das bienengemäß ist?
    Letzteres wohl eher nicht - das Wort gibt es in der modernen Imkerei nicht mal.
    Die hohlen Bäume, die ich kenne, sind entweder aus einer Spechthöhle entstanden oder aus einer Gammelstelle an Zwieseln, also eher nach unten größer...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,


    Professor Seeley hat in seiner Studie eindeutig belegen können, dass das Flugloch unten bevorzugt wird.


    Zum Beispiel auf Seite 80 des Buches "The biology of the honey bee" folgendes Zitat von Seeley:


    Zitat

    Entrance position:
    Entrances are usually located below the area the bees build their comb inside the cavity, although swarms accept other entrance positions.


    aus: http://books.google.de/books?id=-5iobWHLtAQC&lpg=PA1&ots=KUXzj39atH&dq=honey%20bee%20choice%20nest%20seeley&lr=&pg=PA80#v=onepage&q=&f=false


    Das hat Prof. Seeley mir in persönlicher Kommunikation bestätigt: Das Flugloch ist überwiegend unten.


    Spechthöhlen sind nicht geräumig genug, um langfristig als Bienenwohnung zu dienen. Ausgangspunkte für Baumhöhlen mit Flugloch unten sind wohl eher Astlöcher, Baumrisse und ähnliche Wunden alter und umfangreicher Bäume.


    Hier weitere Arbeiten von Seeley zur Bienenwohnung:


    http://www.culturaapicola.com.…45_sitio_nidificacion.pdf


    http://www.springerlink.com/index/Q22615RH56420677.pdf


    http://www.springerlink.com/index/Q22615RH56420677.pdf



    Ich würde von der Idee mit dem Flugloch oben abrücken, denn dieses bringt den Bienen keine Vorteile - sonst würden sie sich unter natürlichen ungezwungenen Umständen dafür entscheiden (was sie nicht tun). Und für den Imker hat das Flugloch oben nur unter bestimmten Voraussetzungen einige Vorteile. Wobei fraglich ist, ob sie die entstehenden Nachteile tatsächlich überwiegen.


    Bernhard


  •  
    Wo ist denn dann noch ein Unterschied zu herkömmlichen Magazinbeuten?

  • Wo ist denn dann noch ein Unterschied zu herkömmlichen Magazinbeuten?


    Der Unterschied ist Naturbau ohne Rähmchen im Brutbereich, doch Du hast schon Recht, der Unterschied ist dann nicht mehr gross.
    Ähnlich wie die Systeme von Kanitz und Prokopowitsch mit Naturbau im Brutraum und schleuderbaren Rähmchen im Honigraum.
    Das bietet in Gegenden mit wenig Nektar oder kurzen Massentrachten und sonst nichts die Möglichkeit von (mehr) Honigernte im Vergleich zur reinen Warrebetriebsweise.
     
    Gruß molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Sabi(e)ne schreibt:

    Zitat


    aber es hat immer noch keiner untersucht, welchen Unterschied es macht, ob das Flugloch unten oder oben ist, und wie sich das auf die Honiglagerung auswirkt.


    "...Die günstigste Lage des Flugloches ist unten über dem Bodenbrett, obschon man eine Zeitlang sehr für das obere Flugloch eingetreten ist (ZUR MÜHLEN 1935, LEHNART 1936, PHILIPP 1930, BALDENSPERGER 1937)...."


    aus Zander/Böttcher, Haltung und Zucht der Biene, 11.Auflage, Seite 72.


    Vielleicht kennt man es schon. Für eine Nachforschung habe ich keine ausreichenden Sprachkenntnisse und Computerleistung.

    weg mit den Zwergbienenständen (K.Freudenstein)