Varroabehandlung im Frühjahr

  • Liebe Mitimker/innen,
     
    ganz bewußt habe ich das Wort -Bekämpfung nicht übernommen.
     
    Ich greife ein sehr heikles Thema auf, über das es wenig zu lesen gibt.
    Oder wenig zu schreiben gibt. Oder keiner traut sich.
     
    Es gibt eine Behandlungslücke im Frühjahr, nach dem ersten Reinigungsflug,
    also mit Brutbeginn und lange vor dem Aufsetzen des
    Honigraums.
    Hier ist meines Erachtens eine große Lücke der wahren Information darüber,
    ob man nicht in diesem Zeitraum dem Aufblühen der Varroa einen
    entscheidenden Stoß versetzen kann.
    Was schadet eine AS-Behandlung in dieser Phase dem Honig?
    Oder eine Milchsäurebehandlung dem Honig?
    Oder Essig oder Kampfer?
    Dieser Zeitraum der Frühjahrsentwicklung ist ein Tabu in der Behandlung.
    Warum eigentlich?
    Warum greifen wir in der tiefsten Winterpause ein?
    Warum nicht in der Zeit der Entwicklung?
     
    Noch nirgendwo habe ich relevante Rückstände von Ameisensäure im
    Honig gelesen, ist doch deren eigenes Gift. Milchsäure 15%ig ist verschwindend, Bakterien willkommen.
     
    Es wäre eine große Chance für die Bienen.
     
    Liebe Grüße, Edda

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Hallo Edda,
    wennich nicht falsch liege, so ist im frühen Frühjahr die Milbenbelastung noch sehr gering. Schließlich wurde eine Winterbehandlung durchgeführt, wir hatten eine Brutpause und nun brauchen wir eine sehr schnelle Entwicklung der Völker, wollen wir nicht auf den Honig aus dem Obst verzichten. Auch will ich so früh im Jahr die Bienen nicht stören, das Brutnest nicht auseinanderzerren und unterkühlen. Hat sich das Volk gut entwickelt kann ich ja durch Ablegerbildung und Drohnenwaben ausschneiden einiges von der Entwicklung der Varroapopulation verringern, weil sich die Milbe zu der Zeit hauptsächlich in der verdeckelten Brut aufhält und vermehrt. Das Behandeln mit Giften und Säuren sollte in dem Jahr, in dem auch Honig geerntet werden soll unterbleiben. Es gibt immer Rückstände oder auch Geschmacksbeeinflussung. Wir arbeiten ja mit einer recht archaischen Methode ein Lebensmittel herzustellen. Insofern ist es einfach besser, einfache Grundsätze einzuhalten, um auf der sicheren Seite zu sein. Falls Du also im späten Frühjahr unbedingt Behandeln musst, weil Du Angst um dein Volk hast, dann ernte in diesem Jahr keinen Honig aus diesem Volk, ganz einfach und Grundsätzlich. Viel Spaß mit den Bienen, und lass dich im Winter ( für mich fängt der nach dem Einwintern an ) nicht kirre machen.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo Zusammen,

    Edda schrieb:

    ...ob man nicht in diesem Zeitraum dem Aufblühen der Varroa einen
    entscheidenden Stoß versetzen kann.

    Wer vor dem Winter was versäumt hat, wird dann handeln müssen: Es ist seine letzte Chance. Das wurde schon immer getan und mindestens einmal sogar offiziell als Notmaßnahme empfohlen. Aber:


    Edda schrieb:

    Dieser Zeitraum der Frühjahrsentwicklung ist ein Tabu in der Behandlung. Warum eigentlich?

    Weil der Frühjahrshonig ein wertvolles Lebensmittel werden soll.

    • Vor langer Zeit, als noch der "Varroasachvertändige" des Veterinäramtes zum Behandeln kam, wurden anfangs April Diagnosebehandlungen mit AS-Dochtflaschen durchgeführt. Die Völker litten sichtbar, kamen nicht richtig in die Pötte und der wenige Honig musste wieder verfüttert werden.
      Er schmeckte "metallisch".
    • Vor einigen Jahren (ca. 10?) hat das Institut in Celle am Thema "Säurerückstände im Honig" geforscht. Die Ergebnisse wurden veröffentlicht. Tenor: Höchste Vorsicht, möglichst viel Abstand zur Honigernte.
    Edda schrieb:

    Was schadet eine AS-Behandlung in dieser Phase dem Honig?
    Oder eine Milchsäurebehandlung dem Honig?

    Bitte nicht vergessen: Ameisensäure ist eine Säure, die natürlicherweise im Honig vorkommt. Aber was wir da in die Völker bringen, ist aus Erdöl geboren!
    Oxalsäure natürlich auch und Milchsäure wird ebenfalls nicht aus Milch gewonnen!
     

    Edda schrieb:

    Warum greifen wir in der tiefsten Winterpause ein? Warum nicht in der Zeit der Entwicklung? ...
    Es wäre eine große Chance für die Bienen.

    Weil die Chance der Bienen, die vor der Wintersonnenwende ausreichend wirksam behandelt wurden, viel größer ist.
    Deshalb Finger weg von der Frühjahrsbehandlung. Macht Eure Hausaufgaben im Spätsommer/Herbst. :)
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo,
    die Finnen träufeln die Oxalsäure auch im Frühling - gleich nach der Reinigungsflug. So eird zweimal geträuflet - im November und im Frühling. Zweimal träufeln - einmal zuviel, gilt nur wenn die Bienen können nicht raus.


    Hier der Auszug aus der Beitrag von Ari Seppäla in BEE-L List vor 2 Tage. Etschuldigung das auf Englisch - weder ich habe Zeit, noch mein Deutsch ist perfekt, das ich übersetzen kann.
    Weiss nicht ob es gilt für Deutschland wo die Brutpause viel kürzer ist.


    mfg
    Ainars


    " Date: Wed, 2 Dec 2009 10:00:32 +0200
    From: Ari Seppälä <***@***>
    Subject: Re: oxalic time...


    >.......


    As a advicer I always recommend the beekeepers to mix like this: 75 g oxalic
    + 1 kg sugar + 1 litre water. Easy to remember. To use ready sugar liquid is
    more work cleaning the measuring cup than making it with water and dry
    sugar.


    My friend is going for resistant bees and he gradually stopped oxalic
    treatments. From his data we saw that oxalic gave surprising good drops of
    mites with just 10 ml/ big hive. If you give the same small amount of oaxlic
    in more diluted solution t will not work as well.


    So in summary I would say that you can give less than recommended oxalic
    treatment and still get reasonably good results, but variation in efficacy
    will be bigger than in recommended amounts.


    During last few years the trend here has been that many are going for fall
    and spring treatment with tricling. This way they use only oxalic against
    varroa. Spring use is just after first flight before the bees start to raise
    brood in bigger amounts. Some years you can treat in spring without any
    brood, but time window is small.


    Treating twice in fall will result in big problems. It was hard for me to
    believe that bees that can not tolerate 2 treatments in fall with 1 - 2
    months apart, do tolerate treatment in November and again in March. It must
    be in more time and chance to fly."

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  • Hallo Zusammen, hallo Ainars,

    Ainars schrieb:

    Weiss nicht ob es gilt für Deutschland wo die Brutpause viel kürzer ist.

    Du vermutest richtig. :daumen: Gute Völker haben hier bei mir in einem durchschnittlichen Frühjahr um diese Zeit Brut über mehrere Waben.
    Und 1 x Oxalsäure in einem brütenden Volk ist etwa so wirksam wie ein F... :)
     

    Ari Seppälä schrieb:

    As a advicer I always recommend the beekeepers to mix like this: 75 g oxalic + 1 kg sugar + 1 litre water.

    Grösste Vorsicht bei diesem Rezept. Das stammt aus den Anfangszeiten der Oxalsäure-Experimente. Da kommt eine Mischung mit mehr als 4% Oxalsäure raus und das ist viel zu viel.
    Wir arbeiten aus gutem Grund mit einer 3,5%-igen Lösung.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Mal zur Relativierung (Forschung Fischermühle):


    Im November wurde mit 3%iger OS besprüht.
    Dann Bedampfung mit 3g OS zwischen dem 12.12. und 22.1.


    5% OS sind in der Haarkosmetik zulässig, also direkter Hautkontakt.
    In 1kg Rhabarber sind 2,6-6,2g OS enthalten. Arme Hausfrau...:cool:


    In Wabenrähmchen wurden im Frühjahr nur wenige Mikrogramm (Nachweisgrenze!) gefunden.
    Und das erst nach längerem(!) Auslaugen, also nicht auf den Rähmchen.


    Im Honig finden sich bei behandelten Völkern ca. 30mg/kg.
    Natürlicherweise im Honig vorkommende OS: 20 - 400mg/kg!


    Frage: Wo ist das Problem?

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Eine andere (Not-) Maßnahme wäre m.E. eine AS-Behandlung nach der ersten Tracht, während der ersten Schleuderung.
    - Honigraum runter,
    - AS-Verdampfer für 1-2 Tage rein (ja nach Temperatur),
    - am dritten Tag ausgeschleuderten Honigraum wieder drauf.
    Sinnvoll sicher nur für Notfälle, dem neu eingetragenen Honig dürfte dabei wenig passieren.
    Oder?
    Gruß
    Günter

  • Meine Erfahrungen mit Ameisensäure-Behandlung im Frühjahr sind sehr negativ: Hohe Königinnen-Verluste! .. und das liegt garantiert nicht an der Ameisensäurekonzentration. Irgendwie scheinen im zeitigen Frühjahr (Ende März / Anfang April) anders, als im Sommer/Herbst auf die Säuredusche zu reagieren.
    Ich werde jedenfalls Ameisensäure nie wieder im Frühjahr einsetzen.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"


  •  
     
    Hallo Radix,
    3 Gramm Oxalsäure für eine Behandlung ist eine irrsinnig große Menge.
    Bei der Verdampfung nach dem Umluftprinzip (Oxamat) reichen bereits 0,5 Gramm um eine ausreichend hohe Wirkung zu erzielen.
     
    Es stimmt, Oxalsäure ist auch in der Haarksometik zulässig, bei der Verdampfung kommt der Oxalsäurestaub auch nur in das Haarkleid der bienen, die Oxalsäure wird nicht oral aufgenommen. Somit unterliegt die Verdampfung bei so geringen Mengen von 0,5 bis ein Gramm nicht dem Arzneimittelgesetz, -also nur reines Bienennpflegemittel.
     
    Der Varroatiger

  • Hallo Radix, 3 Gramm Oxalsäure ...ist eine irrsinnig große Menge.
    Bei der Verdampfung nach dem Umluftprinzip (Oxamat) reichen bereits 0,5 Gramm...


     
    Kriterien zur Umluft kenne ich nicht.
    Bei "normaler" Verdampfung werden 2g empfohlen, wobei die Toleranzgrenze für die Bienen sehr hoch, also unkritisch ist.
    Ich zitiere ja auch nur die Ergebnisse.


    Zitat

    ...Somit unterliegt die Verdampfung bei so geringen Mengen von 0,5 bis ein Gramm nicht dem Arzneimittelgesetz, -also nur reines Bienennpflegemittel.


    Dauerwelle für die Queen... :wink:


    Frage: Woraus geht hervor, daß das nicht dem Arzneimittelgesetz unterliegt?
    Da könnte ich ja 2x 1 Gramm nacheinander vergasen... :cool:

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Man kann relativ leicht untersuchen ab welcher Menge verdampfter Oxalsäure in den Bienen was zu finden ist. Ich werde das untersuchen lassen. Wenn die Bienen keine Oxalsäure aufnehmen ist diese Form der Bedampfung reine Bienenpflege, es unterliegt also nicht dem Arzneimittelgesetz.
    Anders ist es bei der Beträufelung, hier nehmen Bienen Oxalsäure/Zuckerlösung auf.
     
    Der Varroatiger

  • ... Vor einigen Jahren (ca. 10?) hat das Institut in Celle am Thema "Säurerückstände im Honig" geforscht. Die Ergebnisse wurden veröffentlicht. Tenor: Höchste Vorsicht, möglichst viel Abstand zur Honigernte ...


    Von der Untersuchung habe ich auch schon gehört. Wenn ich mich recht entsinne, braucht es vier bis fünf Monate, bis die Säuren zurück auf ihre natürlichen Werte im Honig zurückgehen.


    Würde man im Frühling behandeln, würde die Konzentration bei der Honigernte weit über dem natürlichen sein. Und da in der Honigverordnung steht, dass dem Honig nichts von außen entzogen oder hinzugefügt werden darf, ist es auch von dieser Seite aus verboten.


    Ob allerdings die Konzentrationen der Säuren im Honig so groß waren, dass sie Schädigungen am Menschen hervorrufen konnten, kann ich leider meinem Gedächtnis nicht mehr entlocken.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Ich werde das untersuchen lassen. Wenn die Bienen keine Oxalsäure aufnehmen ist diese Form der Bedampfung reine Bienenpflege, es unterliegt also nicht dem Arzneimittelgesetz.


    Das finde ich sehr spannend!!! Kannst Du mich/uns bitte unbedingt auf dem Laufenden halten!?!?! - Wo und wie läßt Du diese Untersuchungen durchführen?

    Robert - Versuch macht kluch... - und natürlich: KISS ME - keep it simple and stupid and most efficient!

  • Von der Untersuchung habe ich auch schon gehört. Wenn ich mich recht entsinne, braucht es vier bis fünf Monate, bis die Säuren zurück auf ihre natürlichen Werte im Honig zurückgehen.


    Dem stehen die Untersuchungen der Fischermühle entgegen (bei OS).

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.