Umdenken? Späteres einwintern?

  • Hallo liebe Kollegen,
    wie andere auch denke ich, beschäftigt uns die aktuelle Situation der immer später eintretenden und länger andauernden Winter.


    Zumindest im Südwesten Deutschlands war es ja 09 so das die Völker überhaupt keine Zeit hatten zu erstarken um die plötzlich eintretende Frühtracht effektiv zu nutzen.


    Klar, ist der richtige Ansatz ausreichend stark einzuwinter jedoch ist das meiner Meinung nicht genug "Betriebsweise" um diesem Problem entgegen zu treten.


    Nun, meine Überlegung:
    Wäre es nicht notwendig die Betriebsweise in mehreren Faktoren anzupassen? Was gibt es alles für Möglichkeiten? Könnten wir unsere Einwinterung nicht später abschließen, die Brutleistung mit einer längeren Fütterung aufrecht erhalten? Weitere Überlegung wäre Ableger über den Wirtschaftsvölkern mit Riechgitter zu überwintern und bei eintretender Frühtracht zu vereinigen?


    Was trifft Ihr für Maßnahmen Euch dieser neuen Situatuation anzupassen?
    Welche Kritikpunkte gibt es an meinen Ansätzen?


    So denn, Thread frei zur Diskussion ! :daumen:

  • Also ich glaube zwar, dass das letzte Jahr etwas besonderes war, daraus gleich eine Tendenz zu sehen ist zweifelhaft. Aber grundsätzlich ist es richtig, wenn wir im Juli das erste mal ernten und Ende Juli mit AS behandeln und einwintern, dann läuft irgendetwas falsch. Vielleicht müssen wir ( hier die Teilnehmer im Forum tun das ja sowieso ) uns um mehr Spättracht bemühen, um das frühe und viele Einfüttern mit Zuckerwasser zu reduzieren. Auch sollten wir ( hier die Teilnehmer im Forum tun das sowieso ) sehr genau darauf achten, wo wir unsere Bienen aufstellen. Das betrifft das Kleinklima ( warm, trocken und windgeschützt ) genauso wie die Trachtbedingungen und die Masse der an einem Ort aufgestellten Völker. Wenn wir alle darauf achten, dann haben wir eine frühere Entwicklung und eine längere Aktivität der Bienenvölker. Aber natürlich, mit der Exessiven Behandlung wird alles wieder anders.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Moin!


    Ist schon so. Bei Lampeitl stand: "Aufsetzbereit einwintern, um die Frühtracht nutzen zu können."


    Ich denke aber, Abschluss der Fütterung im September ist nötig. Diesjahr war der erste Schnee, immerhin hier so 15 cm, ich glaube am 14. Oktober. Kann mir vorstellen, das Imkerlein ganz schön zittert (und Bienen auch), wenn zu der Zeit die Futtertröge noch auf den Völkern und noch voll sind.


    Dieses "immer später eintretend und länger anhaltent" entspricht vielleicht mehr dem Gefühl des Imkers.


    Ich habe eine Grafik des Fichtenaustriebes aus dem phänologischen Garten Offenbach gesehen. Dort war der Trend zu früherem Austrieb erkennbar, etwa 3 Tage im Zeitraum von 45 Jahren. Allerdings mit Schwankungen von Jahr zu Jahr, die tws. das 10- fache betrugen.


    Das Problem ist, dass wir uns zumindest mit der Einfütterung auf das "frühestmögliche" Eintrittsdatum von niederen Temperaturen einstellen müssen. Und das hat sich nicht drastisch verändert.


    Gruss
    Hagen

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Moin!


    Das Problem ist, dass wir uns zumindest mit der Einfütterung auf das "frühestmögliche" Eintrittsdatum von niederen Temperaturen einstellen müssen. Und das hat sich nicht drastisch verändert.


    Schön und gut. Aber wenn wir wie dieses Jahr, Ende November mal wieder ein paar Tage hat wo man auch mit Pulli raus an die gute Luft kann, weil selbst die "Übergangsjacken" zu warm werden.
    Dann ist für mich die Überlegung, was ist mit den Bienen?
    Wer aktiv wird, weil's warm ist, braucht Futter oder seh ich das falsch?
    Und jedes Pfützchen Futter weniger vor der richtigen eiskalten Winterspanne, müsste man ja regelmäßig schauen ob genug Futter da ist. Solange bis man sich sicher ist, das die sich vor den ersten Frühlingssonnenstrahlen nicht mehr vor die Tür bewegen um sich was zu kauen zu organisieren.
    Aber es ist ein schwieriges Thema, wenn man sich dann drauf einrichtet, dass man später einwintert und dann vom Kälteeinbruch überrascht wird ist man geliefert.
    Daher dürfte die devise sein. Früh einfüttern aber bis zum definitiven Winteranfang, im Auge behalten was an Futter da ist um nachzugeben, wenn's warm genug damit sie sich's holen können die lieben Immen.

    Alle Angaben ohne Gew(a)ehr ;) / Gruß Chris


  • Aber es ist ein schwieriges Thema, wenn man sich dann drauf einrichtet, dass man später einwintert und dann vom Kälteeinbruch überrascht wird ist man geliefert.
    Daher dürfte die devise sein. Früh einfüttern aber bis zum definitiven Winteranfang, im Auge behalten was an Futter da ist um nachzugeben, wenn's warm genug damit sie sich's holen können die lieben Immen.



    Winterfertig machen ist klar. Trotz all dem laß ich ewig lange einen kleines Eimerchen mit 5,6,7,8 Löchlein Flüssigfutter über dem Wintersitz. Bei vereinzelten Flugtagen ist so sicher das genügend "reinkommt".
    Kein Teig da sich die Mädels sonst zu sehr abarbeiten.

  • Hallo,


    ich verweise mal auf eine Grafik einer privaten Wetterstation in Balingen. Interpretieren darf sie jeder selbst.
    Ich sehe da eine laufende Erhöhung der Sommertemperatur und einen Rückgang der extrem kalten Winter.
    Wer will kann und sollte sich auch die anderen Seiten anschauen. Ist gut gemacht.


    Gruß
    Werner

  • Dieses "immer später eintretend und länger anhaltent" entspricht vielleicht mehr dem Gefühl des Imkers.


    Das Problem ist wohl eher die Langsamkeit, mit der diese Veränderung vor sich geht. Ich zitiere die fränkischen Weinbauern:

    Zitat

    Auf zehn Jahrgänge kommen höchstens drei gute - diese alte Winzerregel gilt längst nicht mehr. Während noch in den sechziger und siebziger Jahren Fröste im Frühjahr, kalte Sommer oder Dauerregen im Herbst immer wieder für Ernteausfälle und saure Weine sorgten, hat sich durch den Klimawandel mittlerweile das Blatt gewendet.
    Die Durchschnittstemperatur ist seit 1950 um eineinhalb Grad angestiegen. Die Weinbauern in Franken ernten daher schon seit Jahren durchweg gute bis sehr gute Qualitäten. Da jedoch nach Prognosen von Klimaforschern bis 2050 die durchschnittliche Temperatur im Jahr um weitere zwei Grad nach oben klettern soll, wird es allmählich traditionellen fränkischen Rebsorten zu warm.


    Und was für die fränkischen Weinbauern, die mittlerweile auch wärmeresistentere Rebsorten anbauen, gilt, das hat über die schleichende Veränderung in der Natur bestimmt auch Einfluss auf den Jahresablauf der Bienen. Früher im Jahr starten, später ruhen - möglicherweise sorgt dieser Umstand auch für eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit.


    Gruß
    Günter

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  • Ich denke, wir müssen uns an ein sehr wechselhaftes Wetter gewöhnen, das nicht immer voraussagbar ist.
    Aber war das in unseren Breiten nicht immer so? Und haben sich die Bienen über die Millionen von Jahren nicht schon längst darauf eingestellt?
    Die Frage ist nur: Kann unsere jetzige Biene das? Sie ist ja keine Wildbiene mehr.
    Wurde zu viel Wert auf Honigertrag und Sanftmut gelegt und zu wenig auf problemloses Überleben mit allen Widrigkeiten und Wetterkapriolen (die es schon immer gegeben hat) ?

  • Ich habe mal die Durchschnittstemperaturen im November (Deutschland) der letzten 8 Jahre heraus geschrieben:


    ......


    Daraus kann ich keinen Wandel des Klimas erkennen.
    Holbee



    Ich denke es geht hier nicht um die Durchschnittstemperaturen.
    Eine Woche tiefe Temperaturen kann 2 Wochen Flugwetter am Ende des Monats verschleiern


    Also lässt dich für unsere Bienen nichts von den Durchschnittstemperaturen ableiten....


    Mir geht es darum ob man die länger andauernde Flug- und Brutzeiten nicht aufbauend für die Frühjahrsstärke nutzen kann.
    Durch einen ständigen kleinen Futterstrom wie oben beschrieben haben wir denke ich mehr Brut als zehren sie von den Futterwaben, bezw kommen nur mit Pollen wieder heim wie es letzten Monat war. Würde Pollenersatz nicht so sehr abarbeiten würde ich das auch noch drin haben das sie nicht raus müssen bezw. leer heim kommen.

  • Eben das.
    Die Durschnittstemperaturen sind nen *piep* da kann es 15 Tage lang 0° haben, aber dann haste 15 Tage mit +7°-8° und schon ist die Durschnittstemperatur anders.
    Daher müssen wir Imker uns da vllt anpassen. Und den Bienen wieder die Chance geben sich das selbst auszubügeln.
    Weil wir doch sehr viel verzüchten.

    Alle Angaben ohne Gew(a)ehr ;) / Gruß Chris

  • Fakt ist das wir im Frühjahr schnell starke Völker brauchen und dafür ist mein Ansatz:


    1.
    Fertig aufgefütterte Völker ein kleiner Eimer Flüsswigfutter belassen den sie zu jeder Zeit besuchen können und somit bei jedem möglichen Flugtag der noch spät kommt Tracht vortäuschen
    (Wenn die Mutter brüten für notwendig hält soll sie bei Ihrer Entscheidung bestärkt werden)


    2.
    Ableger erstellen die im Winter über den Wirtschaftsvölkern mit Riechgitter sitzen und im Frühjahr durch entnehmen des Absperrgitters vereinigt werden
    (Hat dies jemand schon einmal praktiziert und kann sagen ob sich die Mühe/Ablegeraufopferung zum Nutzen lohnt?)


    3. (meine eigene Methode)
    Ich Wintere mit 3 Brutraumzargen ein, 1/3 Langstroth, versuche also Monstervölker in den Winter zu schicken...



    Meine Überlegung:
    Wenn sie Tracht im Kasten haben (Futtereimerchen), bringt auch Pollenersatz im Frühjahr im Kasten was?
    Der Bruteinschlag im Frühjahr wird ja durch die Hasel angeregt? Die war ja dieses Jahr ein Flopp und meiner Meinung hat dies auch den Bruteinschlag verzögert. Mit Material hätten sie auch mehr gelegt auch wenn kein Flugwetter ist!



    Ich bitte Euch mal meine Überlegungen zu durchdenken und zu hinterfragen

    Gruß Dennis....

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Melino ()

  • Melino, All deine Methoden sind Brutfördernd. Du vergisst, dass wir im Zeiten der Varroa leben. Da muss im Winter Brutfreiheit herrschen, damit man denen einigermassen Herr werden kann. Es ist also eher ein e "normalere" Völkerführung vonnöten, als ein pushen nach Höchstertrag

  • Ich persönlich glaube nicht an den Klimawandel. Ich mache das fest am Lesebeginn der Trauben und am Reifegrades des Mais zu einem bestimmten Datum. Und die beiden waren effektif in den späten 1990igern und Anfgang 2000 früher. Mittlerweile ist wieder alles beim Alten.