Warum fliegen die nicht?

  • Ich war heute bei schönem sonnigem Herbstwetter mal wieder ein bisschen "Bienengucken" d.h. habe den Betrieb an den Fluglöchern beobachtet.


    Auf meinen beiden Ständen bot sich das gleiche Bild:


    Alle Völker bis auf eines hatten im Sonnenschein einen regen Flugbetrieb. Auf beiden Ständen regte sich an jeweils einer Beute nichts. Keine ging, keine kam.
    Schlimmes befürchtend habe ich die beiden Beuten geöffnet. Wieder in beiden das gleiche Bild:
    Dicht besetzte Wabengassen mit friedlich vor sich hinsummenden Bienen. Die Windeln, die ich zur Varroakontrolle noch drin hatte sahen bei den Völkern mit Flugpause nicht anders aus als beim Rest.


    Warum bleiben die Bienen einzelner Völker drinnen sitzen, während der ganze restliche Stand fröhlich durch die Lande fliegt?

  • Ich glaube, da musst du dir keine Sorgen machen. Ich habe das schon oft beobachtet. dass vor allem morgens manche Völker schon fliegen und andere erst 1 bis 2 Stunden später aufstehen. Es kann über den Tag verteilt bei jedem Volk anders aussehen. Manche fliegen auch bei Nieselregen, andere nicht. Es zeigt einfach die Variationsbreite unserer Bienen.
    :wink: Bei den Menschen ist es doch auch nicht viel anders, und keiner hält sich deshalb für krank nur weil er anders ist.

  • Sorgen mach ich mir auch keine (mehr), nachdem ich in den Beuten nichts verdächtiges sondern nur viele ganz normale Bienen vorgefunden habe. Vielleicht gibt's aber eine Erklärung für das völlig abweichende Verhalten einzelner Völker.

  • Zitat

    Vielleicht gibt's aber eine Erklärung für das völlig abweichende Verhalten einzelner Völker.


    Ja, gibt es, und zwar die reine Außentemperatur.
    Ich hab welche, die bei 6° das Fliegen anfangen, und welche, die erst bei 10 oder 12° aus dem Quark kommen, und alles dazwischen.
    Der "echte" Arbeitsbeginn und das Ende sind übrigens auch völlig unterschiedlich ausgeprägt; im Sommer sind manche Völker um 18Uhr schon im Feierabend und chillen auf dem Flugbrett, während andere bis nach Sonnenuntergang noch anschleppen...:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Das mit 6 Grad konnte ich mir bis heute morgen noch nicht vorstellen.... 6 Grad und einige Starts und Landungen.... Die anderen sind nie vor 10 Grad raus.....


    Erklären kann das sicher keiner, ist halt so....

  • Bei einem der beiden Völker (diesjähriger Ableger) hat sich offensichtlich ein Igel unter der Palette sein Winterquartier eingerichtet. Der hat auch kurz die Nase in die Sonne gereckt.
    Meint Ihr, dass der die Bienen irgendwie stören könnte?


    (keine Angst, der Bursche ist mir auf jeden Fall ein willkommener Gast, bevor ich dem was tu, verstell ich eher die Beute)

  • Meiner Meinung hängt es auch viel damit zusammen ob ein Volk noch Brut hat oder nicht.
    Ich glaube brütende Völker fliegen weniger um ihre großen Brutflächen warm zu halten.


    Arbeitslose Altbienen fliegen öfter mal ne Runde.
    Zweiter Faktor für mich: Rumflieger haben noch viele Altbienen die eben nicht wissen was sie noch so anstellen können.


    Ableger die noch keine legende Königin haben aber gedeckelte Brut fliegen auch kaum sogar im Sommer.


    Hab ich halt so beobachtet und interpretiert :-)


    Jürgen

  • Bin etwas anderer Meinung wie Jürgen, ich denke eher, die nicht fliegen haben keine Brut mehr und haben auch keinen Grund zu fliegen.
    Sind meiner Meinung nach Völker die man im Auge behalten sollte, da sie der Varroamilbe schlechte Überwinterungschancen bietet. (zur Zucht vorsehen)

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • .. im Sommer sind manche Völker um 18Uhr schon im Feierabend und chillen auf dem Flugbrett ....


     
    :daumen::daumen::lol::lol: die sind mir sympatisch !
     
    Machen die das immer so - also die ganze Saison? oder nur Tageweise? Haben die weniger Honig? sind die dann "Frühaufsteher"?
     
    Quasi ne neue Rasse: die entschleunigte Chillout-Carnica :daumen::Biene:

  • :lol: Das hängt von der Tracht ab, auf die sie sich eingeschossen haben; die meisten Pflanzen honigen ja nicht den ganzen Tag am Stück, sondern haben einen festen Rhythmus/Blühzeiten.
    Buchweizen honigt nur morgens früh zwischen 6 und 9, Johannisbeeren wohl nur über Mittag, Wegwarte nur alle 20-30 min, und so weiter.
    Wenn dann ihre bevorzugte Trachtquelle den Laden quasi zugemacht hat, und keine Spurbienen was besseres anzubieten haben, ist eben Feierabend bis zum nächsten Tag.
    Lies mal den Lindauer mit dem Protokoll der Tätigkeiten einer Biene - die ackern nicht von früh bis spät ohne Unterlaß...:lol:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • ...Lies mal den Lindauer mit dem Protokoll der Tätigkeiten einer Biene...


    Hallo Sabi(e)ne, den Lindauer erwähnst du öfter. Ich würde ihn gern einmal lesen, nur welches Buch von ihm? Durch googeln gefunden habe ich antiquarisch "Schwinck, Ilse u.a. 'Zur Psychologie der Biene'" für mind. € 102 - mir zu teuer. Die Aufsätze von Lindauer darin klingen allerdings interessant. Außerdem fand ich im Internet "Communication among social bees", 1967 (für € 9).


    Kannst du ein bestimmtes Buch von Martin Lindauer empfehlen?



    Holbee


    PS: Ich weiß nicht, wieso der halbe Text als Link erscheint, ich hab das nicht bewusst veranlasst.