Der Raps spielt in einer anderen Liga

  • Hallo Zusammen,

    Simmerl schrieb:

    ...auch wenns gar nicht passt und nicht hierhergehört, aber, es ist schon saumäßig wichtig finde ich, in welcher Liga, der Mais spielt, wie Dr. Wallner meinen. Könntest Du das bitte ganz kurz erörtern?

    Weil's dort nicht gepasst hat, hab ich es hierhin verschoben. Vielleicht sagt der Eine oder Andere noch was dazu, ich war ja nicht alleine in Donaueschingen. :)
     
    Also: Der Dr. Wallner hat von seinem Guttationswasser-Projekt berichtet. Ein Projekt, das gemeinsam mit dem JKI betrieben wird und das von der Rapslobby finanziert wird. (Den offenen Umgang mit dem Thema Forschungsgeld fand ich schon mal gut.)
     
    Um es vorweg zu nehmen: Am Ende des Vortrags standen mehr Fragen als Antworten, insbesondere Fragen zu der Art, wie die über Guttations- und andere Wasser aufgenommene Neonicotinoide auf die Einzelbiene und den Gesamtorganismus wirken, wie sie ihn schädigen, mit welchen subletalen Wirkungen wir rechnen müssen.


    Doch zum Guttationswasser gab es auch wichtige Fakten:

    • Guttation ist kein seltener Vorgang in wenigen Pflanzen und an wenigen Tagen, wie noch im letzten Jahr angenommen.
    • Guttationsereignisse sind auch bei uns öfter zu beobachten als Tauereignisse.
      Tau und Guttation sind gut unterscheidbar: Tau besteht aus vielen kleinen Tropfen, Guttation aus weniger und immer großen Tropfen.
    • Guttation wurde früher zwar auch schon gekannt, musste aber nicht beachtet werden. Die Giftigkeit der neuen Substanzen hat die Bedingungen drastisch verändert. (...und genau das stellen wir an unseren Völkern fest!)
    • Im Guttationswasser aller untersuchten Pflanzen finden sich die Neonics aus der Beize wieder. Im jungen Pflanzenstadium in erheblichen Mengen.
    • Auch im Raps, aber dort wurden keine für die Biene direkt lebensbedrohlichen Mengen gefunden. (??? da bin ich etwas unsicher)
    • Anders bei der Zuckerrübe und beim Mais. In diesen Kulturen werden durch die Größe der Samenkörner und wegen der Größe der Zielorganismen relativ große Mengen an Neonics ausgebracht.
    • Beim Mais werden in den ersten vier Wochen im Guttationswasser Konzentrationen beobachtet, die die Biene direkt gefährden können. (Deshalb spielt der Mais in einer anderen Liga! Hat Wallner zweimal wörtlich betont.)
    • An einem Morgen kann man auf einem Hektar Mais ca. 80 Liter Guttationswasser erwarten.
    • Dr. Wallner sieht ein ernstes Problem für die Genehigungsbehörden: Die B3-Einstufung aller Beizen geht davon aus, dass die ausgebrachten PSM unerreichbar für Bienen und andere Insekten sind. Das ist jetzt hinfällig. Das Guttationswasser - egal ob auf Raps, Getreide, Mais, Sonnenblumen, Kartoffeln oder Rüben - bringt die im Boden versenkten Gifte an die gut erreichbare Oberfläche.

    Dr. Wallner schilderte eindringlich, wie wenig wir über die Wasserholer wissen, wie schwer es ist, sie bei ihrer Tätigkeit zu beobachten und wie wenig man in der Lage ist, sie in freier Wildbahn zur Aufnahme vorbereiteter Wässer zu bewegen.
    Dem Wallner-Team war es nicht gelungen, Bienen am Guttationswasser im Mais zu beobachten.
     
    Diesen Mangel konnte Hedwig Riebe vom DBIB ausgleichen, bravo!
    Sie zeigte Bilder von guttationswassersaugenden Bienen auf den verschiedensten Pflanzen, natürlich in erster Linie auf dem Mais. Am beindruckendsten war die Videosequenz einer Biene, die fast 2 Minuten auf einem Maisblatt entlanglief und Tropfen für Tropfen aufnahm - die "Staubsaugerbiene" laut Frau Riebe.
     
    Sie teilte auch mit, dass der DBIB eigene Untersuchungen des Guttationswassers beauftragt und diese dem BVL zur Verfügung gestellt hat. Der Druck auf die Behörde wächst.
     
    Auch Hedwig Riebes Vortrag (...dessen Wert und Bedeutung mein kurzer Abriss überhaupt nicht gerecht wird!) endete in einer Reihe von offenen Fragen und man kann sich kaum vorstellen, dass auch nur ein kleiner Teil davon jemals schlüssig erforscht und beantwortet wird.
     
    Soweit mein Bericht. Ergänzungen und Richtigstellungen sind willkommen.
    Ich hoffe sehr, dass beide Vorträge ausführlich veröffentlicht werden.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • ...fuer mich ist das ein schönes Beispiel, daß unabhängige ergebnisoffene Forschung an den öffentlichen Instituten funktioniert, unabhängig von der Finanzierungsquelle! - Etwas anderes ist das natürlich hinsichtlich bei der Industrie angestellter Wissenschaftler.

    Robert - Versuch macht kluch... - und natürlich: KISS ME - keep it simple and stupid and most efficient!

  • Glückwunsch!
    Vielleicht sollte man darüber nachdenken solche Veranstaltungen auf Video mitzuschneiden und der Community zur Verfügung zu stellen...

    Robert - Versuch macht kluch... - und natürlich: KISS ME - keep it simple and stupid and most efficient!

  • @ Bumblebee:
    Schön, Deine Fotos.
    Aber sei doch so nett und mach sie kleiner.
    Scrollen ist lästig.
    Danke.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • @ Bumblebee:
    Schön, Deine Fotos.
    Aber sei doch so nett und mach sie kleiner.
    Scrollen ist lästig.
    Danke.


    Mit größerem Monitor macht Internetz noch viel mehr Spass :lol: Problemumgehung -> drücke F11 für Ganzbilddarstellung und Lesezeichen/Favoriten ausblendeen

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Besten Dank Rudi,
     
    für Deine musterschülergültigen Ausführungen.
     
    Beneidenswert, sich das so zu merken und auf Abruf wiederzugeben.:daumen:
     
    Eine Sache würde mich jedoch noch brennend interessieren:
     
    Wie stehts denn mit dem Maispollen?
     
    Wurde dieser erwähnt und wenn, gefährlicher oder weniger gefährlich als das Guttationswasser eingestuft?
     
    Wurde auch was über Erdreich und Grundwasser erwähnt?
     
    Sorry, ich weiß ich bin lästig, aber ich trau dem Pollen noch mehr Arglist zu, als dem Wasser.
     
    Danke für Deine Bemühungen.
     
    Gruß Simon

  • Vielen Dank Rudi für deine Mühe hier ausführlicher darüber zu berichten.
    Schade, dass ich selbst nicht da sein konnte.


    [*]Guttation ist kein seltener Vorgang in wenigen Pflanzen und an wenigen Tagen, wie noch im letzten Jahr angenommen.


    An das Thema muss ich immer wieder denken, wenn ich unsere Wohnzimmerbananenstaude betrachte. Dort hängen täglich Tropfen dran, trotz trockener Luft. Das ist mir jetzt mal so eingefallen:roll:
    Gruß Peter

  • Hallo Zusammen,
    da hab ich mit dem Titel des Themas ja eine schöne Konfusion angerichtet: Nicht der Raps, sondern der Mais spielt natürlich in einer anderen Liga!
    @Admins:
    Kann man diese Sinnentstellung noch korrigieren? Wär prima und danke. :)
     

    Simon schrieb:

    Eine Sache würde mich jedoch noch brennend interessieren: Wie stehts denn mit dem Maispollen?
    Wurde dieser erwähnt und wenn, gefährlicher oder weniger gefährlich als das Guttationswasser eingestuft?
    Wurde auch was über Erdreich und Grundwasser erwähnt?

    Im Wallner-Vortrag beides nur am Rande. In dem Sinne, dass die Thematik ausserhalb des Projektes Guttationswasser lag und dass dort auch noch zu forschen wäre.
    Der Maispollen wurde auch in dem Sinne erwähnt, dass die Abgabe von Neonics nebst subletaler Wirkungen auf Bienen zu erwarten ist, dass aber noch keiner sagen kann, wie sich diese zeigen werden. Weitere Forschungsarbeit notwendig...
     

    Simmerl schrieb:

    ... ich trau dem Pollen noch mehr Arglist zu, als dem Wasser.

    Ob mehr oder weniger, das will ich nicht entscheiden. Teufel und Beelzebub...
    Auf jeden Fall sind vom Wasser unmittelbare, kurzfristige Wirkungen zu erwarten, während die Wirkung des Pollens sich endlos lange hinziehen kann. Bis ins nächste Frühjahr... (meine Meinung, stammt nicht aus den Vorträgen).
     
    Der Riebe-Vortrag war in diesen Fragen natürlich deutlicher.
    Das sollte ich noch erwähnen: Hedwig Riebe präsentierte zeitlich vor Dr. Wallner. Die Bilder von der "Staubsaugerbiene" waren schon in den Köpfen des Publikums, und natürlich auch in den Köpfen der Hohenheimer.
    Dr. Wallner war deshalb nicht über jeden Satz auf seiner oben gezeigten Abschlussfolie glücklich.
    Viele Grüße,
    Rudi