Milchsäure oder Oxalsäure?

  • Eindeutiger Vorteil: zu beiden Methoden gibt es hier reichlich Infos mit Hilfe der Suchfunktion
    Zu verkraftender Nachteil: dauert ein wenig..:wink:

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Hallo Sandmartin,
    Milchsäure kann man nicht träufeln. Die Tropfenbildung würde deine Bienen nachträglich schädigen.


    Die Anwendung ist denkbar einfach. Mit einem handelsüblichen Blumensprüher werden pro bienenbesetzte Wabenseite 8 ml 15%ige MS gleichmäßig verteilt. Dazu muss gesagt werden, dass die Bienen nicht eingenässt, sondern besprüht werden. Die 8 ml kann man ermitteln, indem man mittels Glasmesssäule oder Ähnlichem die Pumpanzahl ermittelt. Eine zweimalige Behandlung im Abstand von 7 Tagen sollte eingehalten werden. Bei der Kunstschwarmbildung reicht eine einmalige Milchsäurebehandlung. Von dem Erfolg der Behandlung kann man sich beim Auszählen der Milben unter dem Varroagitter überzeugen. Bei brutfreien Völkern liegt er bei 80-95 %.


    Vor- und Nachteile der Milchsäurebehandlung:
    Als Vorteil wäre zu nennen, dass Milchsäure eine sehr milde und rückstandsfreie Säure ist, die sich ausgezeichnet zur Varroabekämpfung im Jahresverlauf eignet. Milchsäure wirkt antiseptisch und ist in der Lage, Pilzerkrankungen wie Kalkbrut in ihrer Entwicklung zu hemmen.


    Nachteile:
    Da jede Wabe einzeln gezogen werden muss, ist der Arbeitsaufwand bei Imkern mit mehr als 10 Völkern erheblich. Milchsäure wirkt nicht in der verdeckelten Bienenbrut. Bei der Behandlung mit MS sollten alle Völker am gleichen Tag behandelt werden, da die behandelten Völker kurzzeitig ihren Stockgeruch verlieren! Räuberei in trachtarmer Zeit kann nicht ausgeschlossen werden! Bei Sommerbehandlungen ist zu beachten, dass Drohnen Milchsäure weniger gut vertragen.


    Soweit zur Milchsäure. Zum Thema Oxalsäure kann ein anderer Kollege Stellung beziehen.


    Grüße


    Dieter

    Götter haben die Zeit erschaffen - von Eile haben sie nichts gesagt!

  • Gutes Statement zur Milchsäure, man sollte aber bei der Sommerbehandlung auf der Wabe trotz aller Rückstandsfreiheit erst den Honig des nächsten Trachtjahres wieder ernten. mfg

    Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren? ( Vincent van Gogh )

  • Noch einmal kurz zu meiner MS-Behandlung
    Bei geschätztem starken Befall, wenn zum Beispiel Anfang August mehr als 1.000 Milben nach der Behandlung fallen und gleichzeitig noch große Brutflächen vorhanden sind, müsste innerhalb von drei Wochen eine zweite Spätsommerbehandlung stattfinden (20.9 - 20.10).


    Man muss also pro Bienenvolk und Jahr mit drei Behandlungen rechnen, in schweren Fällen mit vier oder fünf Behandlungen. Beim Aufbau der Jungvölker wird die Milchsäure im Sommer eingesetzt.


    Ich rate ab, Milchsäure einzusetzen:
    a) im Winter bei Temperaturen unter +2°C oder in Erwartung sehr kalter Nächte,
    b) in der warmen Jahreszeit bei Temperaturen unter plus 12 Grad Celsius,
    c) in aller Frühe, wenn die Bienen noch „schlaftrunken“ sind,
    d) bei anhaltendem Regen, Nebel, überhaupt bei anhaltender sehr hoher Luftfeuchtigkeit.


    Die Bienen dürfen nur fein besprüht werden: Sie dürfen nicht „schwarz“ werden. Ich verwende immer 15%ige Milchsäure, das ist wirksam und sparsam zugleich. Meine Bienen litten in den letzten Jahren nie unter Nosema. Die Milchsäurebehandlung scheint auch hier heilsame Nebenwirkungen zu zeigen.


    Ergänzende Hinweise zur Praxis
    Vor jeder Behandlung wird eine Windel eingelegt, denn jede Behandlung ist zugleich eine Diagnoseuntersuchung, die alle weiteren Schritte bestimmt. Durch die Benetzung mit Säure bekommen die Bienen einen Schock. Sie versuchen, sich zur Traube zusammenzuziehen. Also sie fliegen nicht ab, wie das oft fälschlicherweise berichtet wird. Der Flug wird eingestellt. Nach dem Schließen der Beute brausen die Bienen auf. Bei Flugwetter herrscht aber am nächsten Tag wieder voller Betrieb. Nach einer Stunde setzt zögernd der erste Milbenfall ein. So richtig „prasselt“ es erst nach 12 Stunden. Nach 16 Stunden liegen etwa 80 Prozent der Milben unten, der Rest nach weiteren 16 Stunden.


    Ablauf der Behandlung: Kurzer Rauchstoß unter die Folie, obere Zarge zur Seite, untere Zarge zuerst, Randwabe mit Bienen zur Seite, übrige Waben mit Stockmeißel lockern, Waben der Reihe nach herausziehen, beidseitig besprühen, in der alten Ordnung sofort wieder einsetzen und zusammenschieben, zur Seite gestellte Randwabe zuletzt besprühen und zurücksetzen, gegebenenfalls zweite Zarge oben drauf setzen und genauso behandeln, Dach drauf, fertig! Achtung! Bei der Winterbehandlung wird kein Rauch verwendet, statt dessen kurz von oben auf die Wabengassen gesprüht; die Milchsäure wird angewärmt und warmgehalten, wenn man das Sprühgerät in warmes Wasser stellt.


    Grüße


    Dieter

    Götter haben die Zeit erschaffen - von Eile haben sie nichts gesagt!

  • Nachtrag zur Milchsäure


    Rechtsdrehende oder linksdrehende Milchsäure?


    Ich kaufe Milchsäure in der Apotheke (Razemat = optisch inaktive Milchsäure). Vor jeder Behandlung mische ich die 15%ige Lösung selbst an. L (+) / D (-) = 1:1


    L (+) - Laktat = rechtsdrehende Milchsäure
    D (-) - Laktat = linksdrehende Milchsäure


    Es gibt zwar fertige 15%ige Säure zu kaufen, und auch sie besteht aus L (+) / D (-) Laktaden aber, je Charge, mit einem Hang zu: L (+) oder D (-)


    In der Praxis hat sich bei mir die optisch inaktive Milchsäure am besten bewährt.


    Grüße


    Dieter

    Götter haben die Zeit erschaffen - von Eile haben sie nichts gesagt!