Energische Bienen

  • Hallo Bienenfreunde,


    ich habe heute die Futterzargen von meinen beiden Völkern heruntergenommen und dabei folgende Beobachtung gemacht:
    Das Trachtvolk saß ruhig auf seinen Waben und ließ alles mit sich geschehen. Der Ableger jedoch, der auf einen Außenstand steht, machte genau das Gegenteil.
    Beim öffenen bzw. entfernen der Futterzarge war das Volk ja für einen
    Augenblick ohne Deckel. Was für eine Aufregung im Bienenvolk!
    Ich habe den Deckel schnell aufgesetzt. Da ich mit den Arbeiten noch nicht
    fertig war hob ich ihn nochmal hoch. Innerhalb von Sekunden !!!! waren Hunderte Bienen schon aufgestoben und umkreisten nun mich und die Beute.
    Es sah so aus, wie wenn von unten aus einem Gulli das Wasser hochdrückt
    und überpulscht. Ich dachte es kommen jetzt alle Biene raus! Zumindest
    sah es so aus. An ein geregeltes arbeiten war leider so nicht mehr zu
    denken. Sowas hatte ich noch nicht gesehen.
    Mir ist schon mehrmals aufgefallen das diese Bienen recht " vital "
    sind. Ohne Vollmontur geht bei denen nichts.
    Natürlich freue ich mich das sie so lebhaft sind und ich denke auch
    schon an einen ordentlichen Honigertrag im nächsten Jahr, aber wenn
    ich an die Arbeit an diesem Volk denke macht es mir jetzt schon
    keinen Spaß!:oops:
    Mir fehlen aber die Vergleichsmöglichkeiten.
    Ist das normal so?


    Ich freue mich schon auf die vielen ernstgemeinten Antworten auf meine
    ernstgemeinte Frage.


    Gruß


    Jörg

  • Hallo,
    wenn sich das Volk immer so benimmt, liegt es wohl an den Erbanlagen. Vor dem Winter kann man wohl nichts mehr ändern. Du kannst ja im nächsten Frühjahr, wenn Drohnen fliegen und offene Brut da ist die alte Königin abdrücken. Sie ziehen sich dann eine neue Königin. Dann wird sich zeigen, ob es besser wird. Ansonsten Vorgang wiederwohlen oder gleich bald schlüfende Weiselzelle, eines in dienen Augen besseren Volkes ,nach dem Abdrücken reinhängen.
    Grüße
    Thomas

  • Fliegen die einfach nur um dich rum oder wirst du auch angegriffen?


    Ich würde vorerst gar nichts machen, vielleicht sind die im Frühjahr ganz anders. Den Fall hatte ich letztes Jahr: Im Herbst garstig und im Frühjahr lammfromm.


    Zum Züchten oder Vermehren würde ich das Volk aber auf keinen Fall nehmen!

  • Hallo Thomas, hallo Sam;


    angegriffen worden bin ich nicht, weder jetzt noch vorher. Meine Frau, die ca. 6m weiter gestanden hat, die ist mal angegangen worden wo ich an
    den Bienen gearbeitet habe.
    Die Arbeiten an dem Volk habe ich heute nicht abschließen können, weil
    aussichtslos. Das war ein Bild, wo die alle aus der Beute rauswollten.
    Der Deckel lebte plötzlich.
    Das ist wohl erstmal das Beste: ich werde die im November wieder zu mir auf den Hof holen und im Frühjahr mal sehen was so los ist. Vieleicht giebt sich das ja. Die Königin zu finden war zumindest heute bei denen völlig aussichtslos.
    Eine Vermehrung mit diesen Bienen kommt natürlich nicht in Frage. Obwohl mir mein Gefühl sagt, das die im nächsten Jahr gut Honig sammeln werden.
    Ich trage mich schon länger mit dem Gedanken auf Buckfast -Bienen umzusteigen; dieser Vorfall heute bestärkt mich im meinem Vorhaben.
    Bei den 2 Carnica - Völkern die ich habe ist das ja auch keine große Umstellung.


    Mal gucken was im nächstes Jahr passiert, bei Bienen ist ja alles möglich.


    Nochmals vielen Dank für die Antworten -


    Jörg

  • Hallo Jörg,
    warum willst Du jetzt unbedingt die Königin suchen?
    Soviel Unruhe ins Volk bringen; kurz bevor sie sich in die Wintertraube zurückziehen?
    Es ist nicht unbedingt erforderlich, die Königin bei jeden Eingriff zu sehen.
    Gerade jetzt zu diesem späten Zeitpunkt sollte man das Stockklima nicht durcheinander bringen.
    Zudem schadet es nicht, die Futterzargen bis zum Frühjahr drauf zu lassen...
    Habe ich durch ständiges Vor-sich-herschieben auch schon gemacht.
     
    Unruhe im Winter hat nicht unbedingt was mit Stechlust zu tun.
    Bruder Adam hat dies bei einigen Herkünften auch beschrieben.
    Dies lässt oft keinen Rückschluss auf das Verhalten zu anderen Jahreszeiten zu.
     
    Noch was zu den Tipp, die alte Königin abdrücken und Nachziehen lassen.
    Wenn schon, dann Umweiseln mit einer sanftmütigeren Herkunft.
     
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • rgbavaria , mit meinen Buckfast nicht !
     
    mit imkerlichem
    Gruß Josef


    Wie kannst du dir da so sicher sein? Du kennst doch überhaupt nicht die Ursache für dieses Verhalten und davon gibt es sicher viele.
    Wetter, Standplatz, Imker, vorangegengene Störung (z.B. Mäuse), Varroa, Weisellosigkeit oder z.B. Vergiftung. Versorgt mit Nervengiften, würden ganz sicher auch deine Buckfast verhaltensgestört sein.
    Gruß Peter

  • Hallo


    Nicht gleich gleich das schlechteste denken. Vielleicht hätte ein kleiner Rauchstoß die Bienen schon beruhigt.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Moin, moin,
    es fehlen ein paar entscheidende Angaben zu dem Vorfall: wurde etwas Rauch durch's Flugloch gegeben, und gewartet? (*anklopfen*).
    Weiter kennen wir deine Arbeitsweise nicht - ob du ruppig oder zart aufmachst.
    Wenn JETZT ohne Vorwarnung Licht in die Kiste kommt, ist es nach Bienenmeinung & -erfahrung ein Bär, der die Vorräte will - wie würdest du an deren Stelle reagieren?:cool:
    Mit etwas mehr Rauch von oben oder Nelkenöltuch hätten sie aber drinbleiben sollen.
    Und nein, es liegt NICHT an der Rasse, das kann mit allen passieren.


    Ich sag doch immer, es dauert keine Woche, aus dem friedfertigsten Volk überhaupt eine verfolgungsgierige Bestie zu machen - das liegt allein am Imker. Einer meiner Anfänger hat von so einem "Hauptsache schnell, egal wie heftig es rumpelt und klappert"-Imker drei Völker gekauft; es hat drei Monate gedauert, bis sie *lieb* waren...:roll:
    Und klar gibt es von Natur aus aggressivere Bienen, aber nach meinen bisherigen Erfahrungen sind das verschwindend wenige; außerdem kann es auch noch an unzähligen äußeren Ursachen liegen, wie meine Vorschreiber schon sagten.
    Nervös und unruhig sind sowohl Völker mit zu vielen Milben, als auch chronisch vergiftete.
    Und warum jetzt die Königin sehen wollen mit Gewalt?:confused:
    Wenn bei "Deckel hoch" kein Aufbrausen/Heulen kommt, ist doch alles okay, Brut dürfte jetzt eh fast keine mehr da sein.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Dazu kann ich Euch auch eine Story erzählen.


    Vorweg:
    Meine Völker stehen im Block,
    d.h. 4 Völker pro Block, jedes mit einer
    anderen Flugrichtung.
    Zum Winter hin (also jetzt), sichere ich
    die Kisten mit Ratschen-Spanngurten
    (2 Beuten = 1 Gurt).


    Seit einigen Tagen habe ich 2 Völker
    am Hausstand, die unwahrscheinlich aggressiv sind.
    Kaum kommt man in die Nähe des
    Flugloches, schon kommen die Wächterinnen
    raus, und blasen zum Angriff.
    Gestern haben sie meinen Hund zerlegt,
    der arme Kerl ist für dieses Jahr erst einmal bedient.
    Da ich erst vor ein paar Tagen die Abschlusskontrolle
    gemacht habe, wo alles OK war, konnte ich mir das
    Verhalten der Bienen nicht erklären.
    Räuberei schloss ich aus, da wir hier kein Flugwetter
    hatten (Wind + Regen). Es war auch tote Hose am Stand,
    nicht eine Biene draußen, bis auf meine beiden Pappenheimer, die hatte am Flugloch 7-8 Bienen sitzen.


    Heute Nachmittag:
    Ich gehe an den Blöcken vorbei, da höre ich einen merkwürdigen Ton, so als ob jemand mit schnellen Schlägen auf eine Blechtafel schlägt. Nachdem ich die Tonquelle ausfindig gemacht hatte, war mir einiges klar.
    Der Übeltäter war der Spanngurt meiner beiden „Stecher“.
    Er lag glatt, sauber und gespannt über den beiden
    Blechhauben. Wenn jetzt der Wind zwischen den
    Gurt und den Blechhauben fegte, fing
    der Gurt an zu flattern und schlug dabei auf die Hauben.
    Der Innendeckel mit seinem Hohlraum wirkte dabei
    wie ein Resonanzkörper.
    Also, Gurt ein wenig beiseite geschoben.
    Ergebnis = 0
    Dann, Gurt noch mehr gespannt.
    Ergebnis: Der Ton wurde heller.
    Ich hab mir dann die anderen Spanngurten
    angesehen, und musste entdecken, dass ich beim
    Einwintern geschlampt habe. Die Gurte waren
    nicht glatt, sondern in sich verdreht.
    Und genau das war die Lösung.
    Also, den Gurt zweimal umgeschlagen,
    und weg war der Ton.
    Kleine Ursache, große Wirkung.

  • Hallo Bienenfreunde,


    danke für Eure zahlreichen Antworten.
    Also:


    1. Ich habe nicht nach der Königin gesucht, habe es auch nicht vorgehabt
    und werde es in diesem Jahr auch nicht mehr tun. Sondern ich habe auf
    Thomas seinen Beitrag geantwortet der vom Abdrücken der Königin
    schrieb.
    2. Ich habe die Futterzargen heruntergenommen wegen a. dem Stockklima
    b. um für eine Tymovarbehandlung vorzubereiten.
    3. Die Bienen waren vorher auch schon so.
    4. Wo ich die Beute offen hatte kam die Sonne herraus und es ging ein
    scharfer Wind einher. Räuchern war witzlos. Sonst war gutes Wetter.
    5. Beim aufmachen habe ich schon geruckelt. Die Damen haben nähmlich
    die Futterzarge von innen mit den Räumchen als eine Wabe ausgebaut.
    Das ganze Gebilde ist beim aufmachen natürlich kaputtgegangen.
    6. Meine Frau vergleicht meine Arbeitsweise an den Völkern mit der eines
    Uhrmachers - so meine Frau.
    7. Laße ich mich von ein paar unruhigen Biene nicht ins Bockshorn jagen.
    Mir taten die Bienen nur leid, wegen der Unruhe jetzt vorm Winter,
    die im Falz ihr Leben aushauchten und die, die draußen dann frierten.
    Mit großem Einsatz habe ich diesen Ableger aufgepäpelt und über die
    Runden gebracht. Und nun sowas.
    8. Es muß nicht zwingend die Buckfast sein. Das kommt vom googeln.
    Da habe ich wohl zuviel Lobeshymnen über die Buckis gelesen. Das
    viele Berufsimker in Deutschland mit Buckfast imkern. "Die können
    nicht irren", habe ich zu mir gesagt. Daher kommt das von mir mit den
    Buckis.


    Und, Sabine: wie kann ich aus friedlichen Bienen innerhalb einer Woche
    verfolgungswütige Stechmonster machen? Bitte erkläre es mir ganz
    genau.:wink:


    Dann estmal einen schönen Abend noch -


    Jörg

  • Hallo, Kater,:wink:

    Zitat

    Und, Sabine: wie kann ich aus friedlichen Bienen innerhalb einer Woche verfolgungswütige Stechmonster machen? Bitte erkläre es mir ganz
    genau.


    @all: NICHT NACHMACHEN!!!!!!!!!


    1. Du legst zu deinem doppelten Vollschutz ein markantes, aber sehr selten vorkommendes Rasierwasser/Deo/Haarwasser/Haarspray/Parfüm auf, und ißt direkt vor dem Bienenbesuch noch eine sehr reife Banane und steckst die Schale in die Tasche.
    2. Dann rupfst du ohne Vorwarnung den Deckel runter, ziehst jede Wabe ohne vorher Platz zu schaffen und/oder sie auch nur zu lösen, also Brutal-Kran-Methode mit schwerem Bienenrollen/quetschen, eine Zarge nach der anderen, bis aufs Bodenbrett.
    3. Dann rammst du sie alle in derselben Art wieder zurück, ohne die Falze bienenfrei zu machen, oder sonstwie irgendwie vorsichtig zu sein.
    4. Du schließt die Beute ebenso brutal, und flüchtest, um dir in Ruhe die vielen Stacheln und Bienenleichen aus dem Anzug zu ziehen und ihn bei 60° auszuwaschen, mit viel Oxi-Dingsda zur Pheromontilgung.****
    5. Abends/nachts kommst du zurück (im Zweit-Anzug, der andere trocknet ja noch, mit Bananenessen vorher und der Schale am Mann), reißt den Deckel ab, leuchtest mit einer sehr hellen Lampe hinein, und bringst die ganze Beute ins Wackeln, etwa 2min lang, bzw bis du so grad noch den Deckel wieder draufbringst, bevor du rennen mußt.
    6. Das (evt. mit einer einmaligen Wiederholung) reicht, um dich und deinen persönlichen Duft für alle Zeiten diesem Volk als "Apokalyptischen Reiter" einzuprägen - du wirst keine Chance mehr haben, sie davon abzubringen.


    Und der persönliche Körpergeruch, der für uns nicht mal real wahrnehmbar ist, ist für die Bienen auch ohne o.g. Düfte schon auf 50m eindeutig identifizierbar - solche Bienen kannst du nur noch "in gute (duftlose) Hände abgeben" oder abschwefeln.
    Klar ist der Bananenfaktor auch recht groß (Alarmpheromon riecht genauso), aber was ich sagen will: 3x grob am Volk und dann heißt es sofort "Stecher" - das stimmt aber einfach nicht.
    Ich habe Kollegen gesehen, denen es völlig wurscht war, WIE sie mit den Bienis und den Kisten umgingen (was glaubst du, warum ich falzlose Beuten habe? Da werden die Zargen über Eck aufgesetzt und in die richtige Position gedreht = Bienen werden weggeschoben, aber nicht zerquetscht), und den Rähmchen (normal hebelt man die letzte vorsichtig raus und hat dann Schiebeplatz) und sich beschwerten, daß es heutzutage keine zahmen Bienen mehr gäbe...:roll:
    Bei Gewitterluft sind meine auch keine Engel, aber danach sofort wieder (wie war das mit den elektrischen Feldern?:cool:).


    Für *mich* sind aggressive Bienen welche, die mich ohne jeden Grund angehen, noch bevor ich irgendwas gemacht habe - die afrikanisierten Bienen in den USA reagieren sehr stark auf CO2, wie unsere auch, wenn das Abgas des Rasenmähers das Flugloch trifft - nur die Verfolgungsdistanz ist bei denen größer, und auch der Alarmierungseffekt.
    (und meine persönlichen Heimsuchung: richtig schwarze, aber versaute Heidebienen - die muß man nur angucken aus 2m und schon geht's rund - die Original-Heidebienen waren NICHT so grell, nur auch so dunkel.:wink:


    Du siehst, es kann an tausend von uns als Nebensächlichkeiten betrachteten Dingen liegen (wenn sich der große Hund gern an den Beutenständern schubbert und alles ruckelig wackelt, wird es auch nicht besser....:lol:)
    Ich bin mit dem "Stecher"-Etikett sehr vorsichtig geworden...:Biene:


    eta: ****= währenddessen kannst du schon mal nachdenken, woher du nach der nächsten Durchsicht in einer Woche eine neue Königin bekommst, weil die alte irgendwie nicht mehr da ist/nicht mehr legt...:cool:)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Miteinander,
    sinngemäß schrieb schon Altmeister Sklenar:
    Die Stechlust der Bienen ist eine anerzogene, nicht angeborene!
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.