Überwintern in freier Wildbahn

  • Hallo zusammen,


    ich beschäftige mich momentan intensiv mit dem faszinierenden Lebensraum Totholz. Eine der artenreichsten Nischen stellen hier große Mulmhöhlen in uralten, aber noch lebenden bäumen dar. Nährstoffmäßig "aufgepeppt" werden diese Höhlen durch Sekundärbesiedler, seien es nun Vögel, Kleinsäuger oder Insekten. In Kombination mit Wespen- oder Hornissennestern etabliert sich rasch eine typische Fauna, die sich auf die Zersetzung der Abfallprodukte spezialisiert hat. Ein typischer Höhlenbesiedler war - zumindest früher - sicher auch die Honigbiene.


    Meine Frage in diesem Zusammenhang: Können Bienenvölker bei uns in freier Wildbahn Überleben oder sind sie bereits - etwas ketzerisch ausgedrückt :-) - zu degeneriert? Beim Reinigen von Hornissenkästen im Frühjahr stosse ich regelmäßig auf abgestorbene Bienenvölker. Möglicherweise war hier aber auch die Isolation zu gering oder der Zeitraum für eine ausreichende Honigproduktion war nicht mehr ausreichend, oder es spielen andere Faktoren eine Rolle, die ich nicht kenne. Gibt es irgendwo Informationsquellen über die erfolgreiche Überwinterung unserer Honigbiene in freier Wildbahn oder habt ihr persönliche Erfahrungen mit diesem Thema. Gibt es die beinharte Survivalbiene überhaupt noch oder nur noch ihre zahmen Verwandten? ;-)


    Im Voraus schon mal herzlichen Dank.


    Werner.

  • Hallo Werner,


    die Bienen sind nicht degeneriert.
    Sie sterben ganz einfach an der unbehandelten Varroa, einem Parasiten, der nicht in unser Habitat gehört.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Radix () aus folgendem Grund: RFk

  • Hallo Werner,die Bienen ist nicht degeneriert.
    Sie stirbt ganz einfach an der unbehandelten Varroa, einem Parasiten, der nicht in unser Habitat gehört.


     
    Moin , Moin aus Hamburg ,
    kritisch gesehen, vielleicht doch eine Form von Degeneration :roll:
    Vielleicht ist ja unsere Umwelt auch schon so degeneriert, das sich die Varroa so ausbreiten konnte, ohne natürliches Gleichgewicht.
    (obwohl bei uns Menschen hat sie ja auch versagt :cool:)


    Grüße aus dem Norden
     
    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Gibt es denn Belege oder Untersuchungen dazu, dass wildlebende Bienen erst nach dem Auftreten der Varroa aus unserer Landschaft verschwunden sind?
     
    Ich konnte bisher nichts dazu finden, allerdings wird immer berichtet, es habe nach dem 2. Weltkrieg kaum noch Bienen in Deutschand gegeben, weil die Völker ohne Betreuung durch die Imker nicht überlebt haben.
    Das spricht eigentlich eher dafür, dass das Verschwinden oder zumindest sehr starke Zurückgehen von wildlebenden Honigbienen nicht durch die Varroa verursacht wurde.
    Deutlich wahrscheinlicher erscheint mir, dass es in unserer Kulturlandschaft einfach viel zu wenig natürliche Nistmöglichkeiten für die Honigbienen gibt. Wo gibt es denn noch große hohle Bäume? Wo bleiben diese lange genug stehen, dass sich Bienen einnisten könnten? Ein Hornissenkasten ist für ein überwinterndes Bienenvolk einfach zu klein. Da passt kein ausreichender Futtervorrat für einen Winter hinein.
    Ich vermute, dass gerade der Umstand, dass in Hornissenkästen leere Bienenwaben gefunden werden ein Beleg für fehlende Bienenbruthöhlen ist. Würde ein Lebewesen, dass seit Jahrmillionen auf der Erde lebt und überlebt überhaupt in ein ungeeignetes Quartier einziehen, wenn ein geeignetes zu finden ist?

  • Wow, das ging ja wie der Blitz!


    @ Daniel, Radix: Das Varroa-Problem ist mir zwar in groben Zügen bekannt, ich bin allerdings nicht davon ausgegangen, daß die Völker zu 100% befallen sind. Kann ich durch Bekämpfungsmaßnahmen eine Varroabefall komplett eliminieren, oder gelingt es mir lediglich ihn dadurch auf einem gewissen vertretbaren Minimum zu halten?


    Wulle : Das Fehlen natürlicher Nisthöhlen ist sicher ebenfalls ein Problem. In unseren auf raschen Zuwachs getrimmten Holzäcker in Form von Fichtenmonokulturen sieht es da zappenduster aus. Häufig wird Totholz ja als ein zu beseitigender "Schandfleck" betrachtet der in einem "ordentlichen", "gesunden" Wald nichts verloren hat. Glücklicherweise setzt hier langsam ein Umdenken ein. In dem Hornissenkasten waren ca. 7 Wabenetagen nebeneinander angebracht, die aber dann entsprechend lang waren. Es würde mich aber wundern, wenn es sich hier um ein reines Platzproblem handelt. Baumhöhlen mit einem solchen Innendurchmessern dürften auch in einem intakten Naturwald sehr selten sein, dazu braucht es doch sehr betagte Baumveteranen.


    Bernhard : Vielen Dank für den Link. Ich werde auf alle Fälle Kontakt aufnehmen.


    LG Werner

  • ...Kann ich durch Bekämpfungsmaßnahmen eine Varroabefall komplett eliminieren, oder gelingt es mir lediglich ihn dadurch auf einem gewissen vertretbaren Minimum zu halten?


    Hallo Werner,


    klar kannst Du ihn komplett eliminieren.
    Aber was nutzt es, wenn die Nachbarvölker sich damit noch rumplagen?
    Stichwort "Re-Invasion"...

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Hallo Werner,
    klar kannst Du ihn komplett eliminieren.Aber was nutzt es, wenn die Nachbarvölker sich damit noch rumplagen? Stichwort "Re-Invasion"...


     
    Moin , moin aus Hamburg ,
    Wenn Du durch abschwefeln meist, gebe ich Dir recht.Dann gibt es aber auch keine Probleme mit der Re- Invasion:cool:
    Komplett eliminieren ohne dass der Bien einen Schaden davonträgt halte ich für nicht möglich. Wie willst Du das schaffen ?
     
    Grüße aus dem Norden
     
    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Hallo Werner,


    die Bienen sind nicht degeneriert.
    Sie sterben ganz einfach an der unbehandelten Varroa, einem Parasiten, der nicht in unsere Habitat gehört.


    Hallo Leute: :Biene:
    Ich höre von der Varroamilbe immer nur im Zusammenhang mit "unseren" Honigbienen. Wenn wir hier aber von "Freier Wildbahn" reden, dann sollten wir doch einmal fragen: Wieso scheint es bei den Wespen, Hornissen und Brummhummeln keine Schwierigkeiten mit Varroabefall zu geben? :daumen:


    Wer weiß hierüber mehr ?


    Gruß
    Brummhummel09 :p_flower01::p_flower01:

    Es ist sinnlos das Gatter zu schließen, nachdem die Pferde entflohen sind!

  • .... Wieso scheint es bei den Wespen, Hornissen und Brummhummeln keine Schwierigkeiten mit Varroabefall zu geben? :daumen:


    .....


    Ganz einfach: Selbst wenn die Varroa diese Tiere befallen würde, was sie soweit ich weiß nicht tut, hätte der Parasit ein großes Problem im Winter bei diesem Wirt zu überleben, weil der Wirt selbst bis auf die Königinnen den Winter nicht erlebt. Eine Brutsaison von März bis September und vollständigem verschwinden im Winter würde auch bei den Honigbienen dazu führen, dass die Varroa bei ihrem Lebenszyklus keine Chance hätte.

  • Das sehe ich auch so wie Wulle.
    Außerdem ist wahrscheinlich ein anderes Putzverhalten eine Möglichkeit, die Varroa loszuwerden.


    Wurden schon Varroen gezielt auf Wespen/Wildbienen angesetzt und deren Verhalten beobachtet?

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Komplett eliminieren ohne dass der Bien einen Schaden davonträgt halte ich für nicht möglich. Wie willst Du das schaffen ?


    Moin-moin Daniel,


    1. durch Brutscheune.
    2. durch Kunstschwarm.


    beides 3x mit OS. (Von mir aus auch 5x...)


    Es bleibt halt die Re-Invasion...

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Hallo Werner,


    klar kannst Du ihn komplett eliminieren.
    Aber was nutzt es, wenn die Nachbarvölker sich damit noch rumplagen?
    Stichwort "Re-Invasion"...


    Hallo Radix,


    bin zwar ein anderer Werner, möchte dir aber widersprechen. 1. Du wirst es nicht schaffen ein Volk komplett frei von Varroen zu machen. Ein Pärchen oder mehr wird immer überleben. 2. Re-Invasion ist nach meinen Wissen noch nie belegt worden, ich halte es für eine reine Schutzbehauptung.


    Gruß
    Werner

  • Re-Invasion ist nach meinen Wissen noch nie belegt worden, ich halte es für eine reine Schutzbehauptung.


     
    Hallo Werner (der der gerade in London war),
    was soll mit dieser "Behauptung" geschützt werden? Und die zweite Frage: Wo bleiben die Milben aus den in kürzester Zeit kahlgeflogenen Völkern? Siehe mehere Berichte, mit den unterschiedlichsten Deutungen, die z.Zt. im Forum laufen.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk