Bienen und Gesundheit

  • aus dem Thema: http://www.imkerforum.de/showthread.php?p=206267#post206267


    .... gesund durch den Winter zu kriegen...


    Gesund bedeutet für Dich? Was bedeutet Gesundheit für euch?



    Zitat

    Gesundheit des Menschen ist laut Weltgesundheitsorganisation „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“


    aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Gesundheit




    @alle:
    Würdest Du ein Lebewesen, dass einer Dauermedikation bedarf als gesund bezeichnen?


    Wie würdest Du Gesundheit bei Bienen definieren?



    Bernhard


    PS: Warum gibt es ein Unterforum Bienenkrankheiten aber kein Unterforum Bienengesundheit???

  • Bernhard das ist doch alles eine Definitionsfrage. Ich benötige auch Dauermedikamentation und bezeichne mich als kerngesund (nein ich habe keine Varroa ;) ). Es gibt Leute die sagen "Food is my medicine" - dieser Definition nach wäre für diese Leute ihre gut ausgewählte Nahrung ein Medikament was dafür sorgt, dass sie gesund bleiben.
    Was also "Gesund durch den Winter" für Bienen bedeutet ist in meinem Falle dass ich im Frühjahr ein Volk habe was volle Leistung bringen kann und die Frühjahrsentwicklung wie gewünscht funktioniert.
    Blickwinkelsache/Ansichtssache also ... genauso wie vieles andere.
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • PS: Warum gibt es ein Unterforum Bienenkrankheiten aber kein Unterforum Bienengesundheit???

    Ganz einfach, weil kein solches eingerichtet wurd.


    Bernhard,


    wenn es um Bienengesundheit geht, lege ich besonderen Wert auf den Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens meiner Bienen. Deshalb gebe ich zwei Eimerchen aus (gerade Schultern:wink:), lege was zu lesen hin und höre mir an, ob sie zufrieden summen. Wenn sie streit haben schlichte ich und manchmal laß' ich andere an die Regierung - wegen des sozialen Friedens.


    Ich weiß nicht recht, ob ich zukünftig Gesundheitsdefinitionen der WHO für Menschen auch auf meine Schafe anwenden soll und auf meine Kirschbäume. An letzteren kann ich so wenig soziales entdecken. Die nehmen sich das Licht weg und sind zu nichts zu bewegen. Die hängen ihre Blätter in den Wind und manchmal lassen die die sogar gehen. Meinen Schafen fehlt es am geistigen Wohlergehen. Die kommunizieren recht einsilbig. Dafür sind die eher lieb und sehr sozial, außer am Futter. Da zeigen sie eher körperliches Wohlergehen.


    PS: Kann es sein, daß dieses Forum immer dann in einen unkonkreten, esotherischen, ganzheitlichen, von Anfängern und Einsteigern hinterfragenden und dennoch belehrten Zustand verfällt, wenn draußen keine Arbeit an den Bienen mehr ansteht? Ist wieder Herbst und Winter?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder


  •  
    Interessante Frage!
     
    Ich denke sie ist mit einem klaren NEIN zu beanworten.
     
    Die Frage ist aber, ob unsere Bienen einer Dauermedikation bedürfen. Auch hier würde ich ein klares Nein dagegensetzen.
     
    Die alljährliche Entmilbung unserer Bienenvölker entspricht für mich eher der in der Regel ebenfalls jährlich durchgeführten Entwurmung bei Pferden und ist eher eine Hygienemaßnahme zur Gesunderhaltung als eine therapeutische Behandlung. Übertriebene oder falsche Hygiene kann wie überall ebenso zu einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit führen wie eine schlechte Hygiene.

  • ... jährlich durchgeführten Entwurmung bei Pferden


    Gesundheit und Hygiene sind wichtige Funktionen. Die Notwendigkeit einer Entwurmung von Pferden rührt wohl daher, dass zu viele Pferde auf einer zu kleinen Koppel gehalten werden.


    Henry, die Definition der WHO war nur eine Einstiegshilfe in die Diskussion. :wink:


    Ich hoffe, mit Anfänger und Esoteriker bezogst Du dich nicht auf mich...:confused:


    Bernhard

  • ..... Die Notwendigkeit einer Entwurmung von Pferden rührt wohl daher, dass zu viele Pferde auf einer zu kleinen Koppel gehalten werden.
     
    ........


     
    Ist das bei Bienen und Varroen anders?
     
    Wir halten doch auch alle unnatürlich viele Bienenvölker auf zu engem Raum.
     
    Bei einer natürlichen Bienendichte, wo wohl nur sehr selten zwei oder gar eine Vielzahl von Völkern auf einer Fläche von wenigen Quadratmetern nebeneinander leben und auch viel weniger Völker sich die Trachtflächen teilen müssen, hat es ein Parasit wie die Varroa auch wesentlich schwerer, sich zu verbreiten und alle gleichermaßen zu befallen.

  • Ist das bei Bienen und Varroen anders?

    Ja!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Zunächst mal ist festzuhalten dass wir ein zu Tode erkranktes Tier behandeln. Bienen die Jahr für Jahr mit Medikamenten vor dem Exitus bewahrt werden müssen sind nicht gesund, überhaupt nicht, sondern todkrank. Ich bin auch nicht der Meinung, dass es da noch näherer Definitionen bedarf. Aber ich bin auch sehr simpel gestrickt.

    "One of nature's biggest forces is exponential growth" (A.Einstein)

  • Zunächst mal ist festzuhalten dass wir ein zu Tode erkranktes Tier behandeln. Bienen die Jahr für Jahr mit Medikamenten vor dem Exitus bewahrt werden müssen sind nicht gesund, überhaupt nicht, sondern todkrank. Ich bin auch nicht der Meinung, dass es da noch näherer Definitionen bedarf. Aber ich bin auch sehr simpel gestrickt.


     
    Wenn es sich beim Varroabefall um eine Krankheit handeln würde, würde ich Dir zustimmen. Es ist aber keine Krankheit, sondern ein Parasit und das macht einen riesigen Unterschied aus.

  • Es ist aber keine Krankheit, sondern ein Parasit und das macht einen riesigen Unterschied aus.

    Wenn der Bien eben krank sein muß, damit man ihm helfen kann, dann ist das doch sowieso egal. Die Diskussion hier ist wirklich müßig und einer Wiederholung der Diskussion von Vorjahr und dem Jahr davor. Nur für die Spunde ist die noch interessant.


    Ich hab' halt per WHO-Definition kranke Bienen oder welche mit einer Parasitose. Was macht das schon. Wenn ich sie behandele - sensibel aber zuverlässig wie immer -, dann hab' ich auch noch nächstes Jahr welche. Und werde dann nächsten Herbst von Neuem und von Neuen wieder was über die Gesundung des Bien mit ganz neuen und total alternativen Lösungsansätzen und Chancen lesen, geprägt von der Erfahrung der letzten fünf Minuten, wieder neuer Einsteiger.


    Homöopathie ist alt und die Milbe auch, aber ausgerechnet jetzt - also zu meiner Zeit - wird erstmals versucht Bienen damit und dagegen zu behandeln. Toll, daß ich das erleben darf. :roll: Glaubt denn wirklich so ein Jungimker, so ein Neuling, ein Einsteiger oder Interessent, daß seit Dzierzon, Gerstung, Freudenstein, Liebig, Tautz ect. die ganze Bienenwelt nur auf sein Experiment lauert, gesopannt wie wie ein Bogen aus naturbelassenem Haselholz? Wo sind sie, die die sich vor paar Jahren selbst mit Fragen hochjubelten und dann doch scheiterten? Welcher Imker mit langjähiger Erfahrung schreibt hier, daß er bereit ist seine 30 Völker zu riskieren, weil er so fest an Gesundung durch irgendwas glaubt? Es sind nicht die Imker, die mit sowas anfangen. Es sind die Aus- und imkerlichen Einsteiger. Und die wollen natürlich keinen Rat vom Imker annehmen, weil sie selbst ja ihr Tun noch nicht im Ansatz einzuschätzen wissen.


    Die Imkerei wird auch diesen Herbst und diese Ansätze überleben und zwar durch Selektion. Mir ist nur Leid um die "kranken" Bienenvölker.:-(

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Es sind die Aus- und imkerlichen Einsteiger. Und die wollen natürlich keinen Rat vom Imker annehmen, weil sie selbst ja ihr Tun noch nicht im Ansatz einzuschätzen wissen. (


    Nein Henry, es sind nicht die Aus- und imkerlichen Einsteiger, sondern ein paar wenige. Die meisten meiner Imker-Anfänger-Kollegen (und ich kenne eine Menge) haben mittlerweile soviel Rat von Imkern angenommen, daß sie gar nichts mehr wissen/glauben/verstehen und die fragen immer noch um Rat, weil sie was lernen wollen. :Biene:


    Genauso, wie es auch bei den alten Hasen welche gibt, deren Beiträge ... äähm, sagen wir ...eher unreflektiert sind.


    Verallgemeinerungen sind da doch ziemlich fehl am Platz.


    Könnte es nicht sein, dass Dir die Anfänger deshalb so auffallen, weil sie naturgemäß zahlenmäßig mehr fragen/mitlesen/kommentieren, als die, die schon alles wissen und dass daher rein statistisch auch mehr "Blödsinn" dabei ist?


    Liebe Grüße
    Mandy

    "Keine Rähmchen - keine Mittelwände - wenig Arbeit." (Émile Warré)

  • Wenn es sich beim Varroabefall um eine Krankheit handeln würde, würde ich Dir zustimmen. Es ist aber keine Krankheit, sondern ein Parasit und das macht einen riesigen Unterschied aus.


     
    ein Tier das ohne Behandlung stirbt ist also nicht krank wenn die Ursache ein Para:psit ist ? Definiere bitte Krankheit allgemein, die Parasitosen ausschließt, ein Unding.
     
    Es gibt im Kopf immer zwei, Denker und Beweisführer, letzterer wird alles beweisen was erster so denkt.
     
    Ich diskutiere darüber nicht, Bienen die nur medikamentös am Leben zu halten sind, sind todkrank. Das ist ungefähr genau das Gegenteil von gesund.

    "One of nature's biggest forces is exponential growth" (A.Einstein)

  • ... Welcher Imker mit langjähiger Erfahrung schreibt hier, daß er bereit ist seine 30 Völker zu riskieren, weil er so fest an Gesundung durch irgendwas glaubt? ...


    Einige, die hier schreiben wollten (http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=18343&page=7) werden durch die persönliche Ebene, die aufgrund mangelnden Sachargumenten eingeschlagen wird, immer wieder verschreckt.


    Viel mehr Imker(!), als Du glauben magst, imkern mit 30 oder mehr Völkern ohne Varroabehandlung. Das sind Imker im hohen Alter, die ihr Leben lang schon imkern und die durchaus nicht die geistigen Höhenflüge der jungen Esoteriker leben. Einfache Praktiker, mit dem Hauptaugenmerk auf Honig. So richtig mit Rähmchen, Ableger und allem Pi-Pa-Po.


    Aber das wird für Dich nicht gelten, Henry? Was nicht sein darf, darf nicht sein.


    Dabei ist es durchaus interessant, sich mit der Bienengesundheit zu beschäftigen. Dann wirst Du darauf kommen, dass die Gesundheit der Bienen durchaus mit der Gesundheit deiner Schafe und Kirschbäume im Zusammenhang stehen.


    Schließlich hängt der große Teil der Gesundheit von der Nahrung ab. Und diese kommt von den Pflanzen. Die Pflanzen jedoch sind gesund, wenn der Boden gesund ist. Und der Boden ist gesund, wenn der Wasserhaushalt stimmt. Der Wasserhaushalt bestimmt die biologische Aktivität im Boden, die ein ausgewogenes Verhältnis zur anorganischen Zerfallprozessen im Boden stehen muss. Der Wasserhaushalt seinerseits ist vom Bewuchs und die Humifizierung des Bodens abhängig.


    Wenn Du die Kausalketten verfolgst, dann wirst Du erschreckend feststellen, dass unsere Bewirtschaftung des Bodens und des Wassers völlig fehlgeleitet ist und verheerende Folgen hat. Und als Sahnehaube oben drauf kommt die Kontaminierung des Wassers und des Bodens mit Pestiziden. Das gibt den biologischen Aktivitäten im Boden den Rest.


    Was übrig bleibt ist ein Boden mit rein anorganischen Zerfallsprozessen. Wüste.


    Das führt dazu, dass der Boden erkrankt (leblos wird).
    Das führt dazu, dass die sich von den Pflanzen ernährenden Tiere erkranken.
    Das führt dazu, dass die Pflanzen, die sich von zerfallenen Tieren (Tiere = gebundene Kohlensäure; Kohlensäure wird benötigt für die Photosynthese) ernähren, erkranken.
    Das führt zum Zerfall des Bodenbewuchses.
    Das führt zur Störung des Wasserhaushalts.
    Das führt zu anorganischen Zerfallsprozessen.
    Und der Teufelskreis beginnt von vorne.


    Sicher, diese Ver-Wüstung interessiert niemanden.
    Bis es zu spät ist und die Not groß ist.


    Lieber wundern sich die "wahren Imker", was so mit den Bienen, den Naturhaushalt und den Menschen passiert. Oder noch besser, stellen sie sogar das Wundern ein und machen einfach weiter wie bisher. Im Buch "Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen" von Jared Diamond wird wunderschön gezeigt, wie sich die Geschichte wiederholt und wiederholt und wiederholt.


    Die Bienen sind nur Zeigertiere, welche die allgemein steigende Lebensfeindlichkeit des Naturhaushalts anzeigen. Letzlich hängt alle Gesundheit am Boden und am Wasser. Diese gilt es zu pflegen und dazu sind alle diejenigen gefragt, die ihre Landschaft pflegen. Dazu gehören auch Imker, genau wie Landwirte.


    Wir sind gefragt. Die Spezi-Imker genauso wie die jugendlichen Tagträumer. Alle sind gefragt.


    Und anstatt wildem Aktionismus, sollte sich jeder mit der Thematik "Was ist eigentlich Gesundheit - und woher kommt sie" beschäftigen, sich kundig machen - um dann zielgerichtet zu handeln und halbwegs dauerhafte Lösungen zu schaffen.


    Liebe Grüße


    Bernhard