Schwarmlust im September?

  • Hallo liebe Imker und Bienenhalter. Ich bin im hohen Norden nun seit drei Jahren mit Bienen beschäftigt und somit noch Jungimker/Bienenhalter.
    Und dieses Jahr ist mir etwas passiert, was bislang niemand so richtig erklären konnte. Im Imkerverein sowie andere mir bekannte Imker.
    Ich habe nach den Anfängen mit Hinterbehandlungsbeuten dieses Jahr mit Segeberger Magazinbeuten gearbeitet. Gefällt mir viel besser. Das Bienenjahr war hervorragend von der Tracht und dem Wetter. Viel Honig und starke Völker. Nach der letzten Schleuderung habe ich mit der Einfütterung das Jahr beenden wollen und ab der 2. Augusthälfte lediglich Futter aufgefüllt und anschliessend mit der AS behandlung begonnen. Also keine weitere Durchsicht. Eine Behandlung mit ca 4 cl von oben auf einem Teller in einem Schwamm für zwei Tage bei Temperaturen von ca 21 Grad max. Es sind einige Milben gefallen.


    Und nun kommts. In der letzten Augustwoche war das erste Volk von heut auf morgen fast weg und und jetzt drei Wochen später das zweite Volk genau das selbe.
    Alles was blieb ist die Königin und 1 bis 2 Hand voll Bienen. Die Waben randvoll mit Honig, Pollen soviel das es lange reichen tät. Darauf hin wurden diese Völker von den zwei noch verbleibenden Völkern ausgeplündert mit Wespen im Schlepptau. Letztenendes also zweimal ein totalausfall.
    Was kann da passiert sein? Varroa druck? oder späte Schwärme? Gifte aus der Landwirtschaft?
    Bitte sagt mir eure Meinung dazu.


    Nordimker :Biene:

  • Hallo,


    na, das nenne ich nen heftigen Auftakt hier im Forum. Unabhängig davon: herzlich willkommen.


    Ist immer etwas problematisch, auf die Ferne und ohne hinter der Beute gestanden zu haben, ein Urteil abzugeben. Dennoch: Schwärme würde ich um diese Jahreszeit ausschließen (wobei ich davon ausgehe, dass Du jeweils die alte Königin im Volk gesehen hast).


    Es hört sich ein wenig danach an, über das man seit Jahren ja nicht nur in den USA rätselt. Die Ursache könnte IMHO in einer Kombination aus Umweltbedingungen (Pestizide/latente Vergifftungen, Pollensituation im Laufe des Jahres u.v.m.), Varroa (und deren systemischer Einfluss auf Alterstruktur, Vitalität und Viren etc.) mit entsprechenden Wechselwirkungen liegen.


    Als wesentlich könnte gerade in diesem Jahr der - Du scheinst ja auch aus dem Norden zu kommen - recht abrupte Trachtabbruch nach der Linde hinzu zu kommen. Da sind bei mir viele Völker erstmal fast der Brut gegangen und haben erst im Laufe der Einfütterung und nach zunehmendem Herbstpollen wieder reichlich Gas gegeben. Das sah man dann später auch an der zwischendurch geringeren Menge an Bienen.


    Hab bei zwei befreundeten Imkerinnen hier in der Region von ähnlichen Fällen wie von Dir beschrieben gehört. Jeweils alle anderen Völker ohne erkennbare Schädigungen.


    Wie sah es denn beim Trachtende bei Dir aus? Und was fällt jetzt an natürlichem Varroafall?

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

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  • Was kann da passiert sein? Varroa druck? oder späte Schwärme? Gifte aus der Landwirtschaft?


    Lieber Nordimker,
    herzlich willkommen im Forum! Abgesehen von der Jahreszeit ist die Vermutung "späte Schwärme" natürlich ein Denkfehler, weil die Königin ja noch da war. :u_idea_bulb02:


    Ich schließe mich meinem Vorredner an: Typisches Schadbild von einem zusammenbrechenden Volk durch Varroa. So lange das nicht sicher ausgeschlossen ist, braucht man sich über andere Ursachen keine Gedanken machen.


    Erhard


    P.S. Du solltest Dir ein bisschen Sorgen um die plündernden Völker machen, weil sie


    a) vermutlich sowieso auch eine hohe Varroabelastung haben
    und
    b) nach dem Zusammenbruch der Völker die ganzen Milben "geerbt" haben


    Ich rate Dir, dort schleunigst eine AS-Behandlung mit 85% im Nassenheider Verdunster (ist besser zu dosieren) zu machen, sofern Du nicht durch Windelkontrolle eine hohe Belastung ausschließen kannst.

  • Vielleicht mögen die Bienen keinen Kunststoff?:oops:
    Hallo; Nordimker,
    viele Faktoren führen zum Tode.:evil:
    Liebe Grüße, Edda.

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Moin,
    wenn ich das hier lese:

    Zitat

    Eine Behandlung mit ca 4 cl von oben auf einem Teller in einem Schwamm für zwei Tage bei Temperaturen von ca 21 Grad max. Es sind einige Milben gefallen.


    habe ich eigentlich nur noch Fragen - 4cl auf einem Teller & Schwamm für 2 Tage- :confused:
    Wie hoch war der natürliche Totenfall vorher, war die AS gekühlt, hast du abends behandelt, warum hast du kein Schwammtuch a la Henry genommen, wie hoch war der Milbenfall genau nach der Behandlung, bei 2ml pro Wabe - wie viele Waben haben deine Völker? Einzargig, zwei- oder dreizargig? Wie wurden die Völker in den Jahren davor behandelt?
     
    Meine Vorschreiber haben recht - das ist eine echte und typische Milben/Bienen-Fluchtsituation, normal für den zweiten Herbst mit unzureichender Behandlung.
    Und ja, die umliegenden Völker haben jetzt die Milben geerbt - solange das Wetter noch geht, unbedingt behandeln.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Heute nach 2t.- Behandlung mit 85 %AS ähnliches erlebt:
    Von 7 Völkern bei identischer Behandlung eines der Plünderei anheimgefallen, weisellos, Brut nicht mehr gewärmt. Das zweite dümpelt weisellos vor sich hin.
    Ist es richtig, beide abzukehren, um die Futterwaben zu sichern und den Bienen neue Heimat zu sichern?
    Uli

  • CCD = ColonyCollapseDisorder
    Der Drohn scherzt...siehe smilies...:roll:
    Aber von einem Schwarm würde ich beim Vorhandensein der Königinnen auch nicht ausgehen, und die Symptome sind typisch.:roll:


    uli : vereinigen mit je einem anderen über Zeitungspapier und die alte Kiste sofort weg. Brutwaben mit viel abgestorbener Brut raus - Bienen sind keine Fleischfresser.
    Die 85%ige - warum und wie?
    60% und Schwammtuch im Wochenabstand, bis kaum noch was fällt, wäre königinnenschonender gewesen ---> siehe Henry.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Nordimker,
     
    kannst Du uns mal ein Bild von der übriggebliebenen Brut beschreiben, hatten Bienen deformierte Flügel?
     
    Schätze auch auf Varroafluchtschwärme, so wie Du es beschreibst.
     
    Deine AS Behandlung hat hier nicht gewirkt, wer hat Dir das so empfohlen?
     
    Und bitte keine Vorwürfe an den Nordimker, er hat gerade Schläge genug bekommen.
     
    Gruß Simon


  •  
    Ahoi Sabiene,
    85% nach Liebig :oops: (warte noch auf Rezept von Nichtbehandler!), vereinen über Zeitung gefällt mir, werde ich so machen.
    Uli

  • Hallo,


    das nenne ich nen heftigen Auftakt hier im Forum. Unabhängig davon: herzlich willkommen.
    Hab bei zwei befreundeten Imkerinnen hier in der Region von ähnlichen Fällen wie von Dir beschrieben gehört. Jeweils alle anderen Völker ohne erkennbare Schädigungen.


    Wie sah es denn beim Trachtende bei Dir aus? Und was fällt jetzt an natürlichem Varroafall?


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    Hallo liebe Imkergemeinde,


    vielen dank für die vielen Ideen/ Anregungen.
    Ich wollte mich schon länger hier im Forum aktiv beteidigen und dieser Auftritt (der Gedanke kam erst später) war nicht der cleverste..:lol:
    Aber wie dem ich sei; ich wusste nicht weiter und suchte nach Gesprächspartnern. Ausserdem wollte ich wissen ob es noch andere Imker gibt, den es ähnlich erging.
    Ich werde auf jeden Fall eine Futterkranzprobe einsenden und untersuchen lassen ob Gift im Spiel ist. Um mich herum ist nämlich ganz viel Landwirtschaft und der Imker aus dem Nachbardorf hat vor 2 Jahren im Winter ganze 12 Völker verloren. Damals war es die Mais-Beize.
    Bedingt durch die neuen Drillen bildetet sich eine Abribwolke und belegte die Feldumliegende Pflanzenwelt mit dem Gift. Dieses führte nicht unmittelbar zum tod sondern allmählich verflogen sich die Bienen.
    Heraus kam es nur weil der Imker Futterkranzproben eingeschickt hat...


    Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, daß ich die Verantwortung somit von mir schiebe (getreu dem Motto: wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegts bestimmt an der Badehose).


    Ich glaube schon das ich Fehler geamcht habe, sehe aber noch nicht klar wo..
    Zu recht habe ich wegen der Milbenbekämpfung schelte bekommen. Während der Trachtzeit habe ich stetig Drohnengrut herausgetrennt. Ich weiss:roll: das die Milbensituation nicht gut war. Aber der Einsatz der AS hat mich letztes Jahr eine Königin gekostet und gefällt mir nicht wirklich. Aus diesem Grunde begann ich dieses Jahr später mit der Behandlung und war vorsichtiger.


    Ich habe grad letzte Woche eine Alternative bekommen :
    THYMOVAR heisst das Produkt und ist grad im Einsatz.


    Zu dem Gedanken mit Schwarm möchte ich noch folgendes Anmerken. Wenn eine neue Königin schlüpft, und ein Teil der Bienen die Koffer packt, dann bleibt doch nicht immer aber doch manchmal die alte Königin zurück.?
    Die meissten hatten an sonsten den Eindruck, das es die Varroa war. Doch meines Wissens geht das dann nicht von heut auf morgen:confused:
    Vor allem war das eine verschwunden Volk ein Maischwarm aus diesem Jahr. Da kamen mir auch zweifel das die schon weiter wollten

  • Hallo Edda,


    da hast du vielleicht recht. Im ersten Jahr als ich noch mit den alten Hinterbehandlungsbeuten arbeitete ist mir so etwas nicht passiert. Dafür hatte ich dort mit Schimmel an den hinteren Rahmen zu tun. Da kam mir die Segeberger Beute schon sinnvoller vor. Aber nun mal im Ernst, das kann doch nicht der Grund sein warum die Bienen einfach so spät im Jahr anhauen. :)


    Der Nordimker