Thema Nicht-Behandeln

  • Eine Biene die alleine klarkommt und viel schwärmt, aber keinen Honig bringt, trifft dann aber eher den Kammerjäger denn auf einen Imker.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Du sagst es. Das Problem ist nicht eine varroatolerante Biene zu finden, sondern eine mit der man trotz Varroatoleranz wie gewohnt imkern kann. Eine Lösung des Problems scheint bisher nicht in Sicht.

  • Nein, gegen Buckfast habe ich nichts. Ich selber imkere allerdings mit einer Carnica-Straßenkötermischung, weil sich das so ergeben hat.


    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Völker unterschiedlich gut mit der Varroa zurecht kommen. Auch das VSH-Projekt ist mir durchaus bekannt. Die Mühe die dort investiert wird, ist sicher aller Ehren wert. Da kann man sich jetzt sicher lange streiten, ob das was dort getan wird wissenschaftlich gesehen sinnvoll ist oder nicht. Mir persönlich erscheint das Vorgehen eher wie stochern im Nebel. Das bestimmte Völker besser mit Varroa zurecht kommen als andere, kann schließlich sehr viele Gründe haben. Ob es da reicht oben Milben in Volk reinzukippen und dann auszuzählen? Ob die so im VSH-Projekt entstandenen Bienen tatsächlich längere Zeit varroatolerant sind und bleiben, ist meiner Meinung nach noch völlig offen. Mich würde es stark wundern.

  • Auch Wissenschaftler sagen inzwischen, Varroatoleranz sei mehr als VSH. Das hält sie aber nicht davon ab, auf jenen fahrenden Zug zu springen...
    Sehen wir uns die Institutsprojekte an, die schon seit 20 Jahren laufen. Was haben sie gebracht, neben v i e l F ö r d e r m i t t e l n ?

    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

    Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Kant)

  • Ob die so im VSH-Projekt entstandenen Bienen tatsächlich längere Zeit varroatolerant sind und bleiben, ist meiner Meinung nach noch völlig offen. Mich würde es stark wundern.

    Hallo Tom,

    Selbst wenn es gelänge VSH z.B. in einer Buckfastlinie so zu festigen, wie es für andere Eigenschaften dort üblich ist, wird sich diese Eigenschaft (bei Standbegattung) schon nach 1, vielleicht 2 Generationen wieder verlieren. Zumindest solange, wie diese Bienen keinen Vorteil gegenüber der von Imkerhand gepflegten Landbiene (du sagtest - Straßenkötermischung) haben. Bienen, die behandelt werden, benötigen keine derartigen Antimilbenstrategien und können auch ohne diese Strategien gesunde Drohnen in die Welt setzen. VSH ist zu aufwändig in der Überprüfung, als dass in der Fläche die Imkerkollegen bei der Wahl der nachzuziehenden Völker darauf achten könnten. Da ist der Honigkübelindex, oder Sanftmut leichter zu bestimmen. (Und damit leichter zu selektieren). Also fällt die Selektion auf VSH durch den Imker (in der Fläche) auch fort. Eigenschaften, die keinen Vorteil bringen, verlieren sich wieder schnell.


    VSH, wie auch andere Antivarroa-Strategien der Biene, können sich deshalb in unserer Imkerkultur nur bei systematischer Zuchtarbeit erhalten.


    Ausnahme: wir würden mit einer VSH gefestigten Biene, in einer größeren zusammenhängenden Region - z.B. einer Gruppe eingeschworener Imkerkollegen, mit dem Wechsel auf diese Biene auch gleichzeitig auf jegliche Varroabehandlung verzichten. Dann hätten Bienen, die bereits über solche Strategien verfügen, in dieser Region definitiv einen Überlebensvorteil. Und der anteil der VSH vererbenden Drohnen, wäre hoch genug, dass sich die Eigenschaft auch auf die nächsten Generationen weitervererben würde.


    Wenn du also entweder aufgrund niedriger Bienendichte in der Umgebung, oder aber aufgrund guter Kooperation in der Nachbarschaft, geeignete Voraussetzungen hast, kann eine Eigenschaft wie VSH durchaus ein Einstieg dazu sein, nicht "mehr zu behandeln". Könnte dir vielleicht in diesem Fall das Tal der Tränen ersparen, durch das alle mir bekannten Fälle, wo Bienen nicht mehr gegen die Varroa behandelt werden, sonst gehen mussten. (D.h. das Tal wäre immer noch da, aber es wäre hoffentlich nicht so tief, denn sicherlich wären immer noch Völker dazwischen, die mit der Nicht-Behandlung nicht zurechtkämen. Aber sie würden in dieser Situation halt nicht weitervermehrt)


    Ein Selbstläufer, einmal angeschafft - und dann hat man für etliche Jahre varroaresistene Bienen - kann dabei nicht herauskommen. Aber das liegt in der Natur der Sache. Einen Vorwurf kann ich daraus keinem VSH, oder anderem Toleranzzüchter machen. Als Erleichterung des Weges in eine varroabehandlungsfreie Imkerei halte ich diese Eigenschaft dennoch für spannend. Aber man wird die restlichen Randbedingungen mit aufbauen müssen. Das ist Arbeit, die jeder einzelne, oder eher die Imkergemeinschaft? vor Ort wird leisten müssen.


    Gruß

    Ludger

  • Sehr schön geschrieben Ludger!


    Ich bin mir auch nicht sicher, ob es überhaupt gelingen kann VSH in einer Bienenlinie zu festigen. Das Problem scheint doch etwas komplexer zu sein und ist ggf. allein durch Züchtung nicht behebbar.

  • "Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt. (Dante Alighieri)


    JEDER IMKER ist gefragt, weil es alleine durch Züchtung, nicht funktionieren wird.


    Abwarten, behandeln und dabei AS, OS oder sonst was in die Völker kippen bis die Züchter das vermutlich hin kriegen werden ist halt super einfach :eek:...

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • ...Völkerverluste, es sei denn, es waren wirklich die Mäuse.:/

    Ich denke eher es war der Imker!

    :wink:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Hallo allerseits,

    das Thema ist Nicht-behandeln.

    Das ist das Ziel.

    Nicht-behandeln führt bei den meisten ImkerInnen zum Verlust der Völker.

    Behandeln sichert das Überleben des Biens. Die Milben legen dann langfristig aber ne Schippe drauf, um mit dem Behandeln fertig zu werden.

    Virulenzabschwächung und Einregelung der Wirt-Parasit-Beziehung geht anders.

    Deshalb mach ich auf dem Weg zum Nicht-Behandeln einen Zwischenstopp bei Wenig-Behandeln. Will meinen: Drohnenbrutschneiden und 1-2 Ameisensrebehandlungen. Damit pendel ich um eine Verlustrate von ca. 30%. Verluste müssen sein. Nur dann weiß ich, dass ich nicht des Guten zu viel tue. Nur dann kann sich die Beziehung von Parasit und Wirt stabilisieren.

    Ziel aber ist: Nicht behandeln.

    Gruß vom Harry

  • Hallo,

    das ist ein interessantes Thema und ein wichtiges Ziel.

    Ein Imker, den ich letztens kennenlernte, beschäftigt sich mit dieser Materie. Er liest nach einem festen Kriterium aus. Er hat die Behandlung gegen die Milbe eingeschränkt. Und macht jetzt mit den Völkern weiter, die er behalten hat. Er macht das nun schon seit mehreren Jahren.

    Einzelheiten kann ich hier nicht schreiben, da das Kennenlerngespräch zu kurz war.

    Es scheint ein Weg zu sein!

    Gruß

    Harald

  • Er liest nach einem festen Kriterium aus. Er hat die Behandlung gegen die Milbe eingeschränkt. Und macht jetzt mit den Völkern weiter, die er behalten hat. Er macht das nun schon seit mehreren Jahren.

    Man kann die Varroaverluste auch in die Betriebsweise integrieren. Das ginge dann ungefähr so: man behandelt nicht mehr und macht im Frühjahr fleißig Ableger. Die Wirtschaftsvölker brechen dann im Herbst oder Winter zusammen, die Ableger kommen wegen der etwas geringeren Varroalast mehrheitlich durch. Im nächsten Jahr macht man wieder fleißig Ableger, dann sterben wieder die Wirtschaftsvölker u.s.w.. Man muss also schneller Jungvölker produzieren, als Wirtschaftsvölker wegsterben. Keine Ahnung wie lange man diesen Wettlauf durchhalten würde. Ich persönlich hätte keine Lust jedes Jahr tote Völker zu "ernten". Ob man durch so eine Betriebsweise dann irgendwann mal eine varroatolerante Biene erhält?