Thema Nicht-Behandeln

  • Könnten wir die Diskussion über die Naturschwärme hier rauslassen, oder geht es um die Argumentation, dass die Naturschwärme notwendig sind zur Varroareduzierung?
    Es ist für einige, vielleicht wenige, Imker durchaus möglich mit Naturschwärmen verantwortungsvoll Völker und Königinnen zu vermehren.


    Die Aussage:

    Zitat

    Vom Herrn Büchler hatte ich die Zusage bekommen, er möchte mal Genmaterial Zwecks Untersuchung habe. Bis heute nichts.


    wundert mich etwas. Er ist doch derjenige, der zur Zeit sehr intensiv versucht die Imker von offensichtlich unnötigen Behandlungen abzuhalten. Ist das schon länger her? Möchtest Du, Werner, ihn vielleicht noch mal daran erinnern? Im Dienst der Sache, auch wenn eigentlich er sich melden müsste. Den anderen Kontakt kannst Du sicher abhaken.


    Deine Schwierigkeiten nach dem Standortwechsel würde ich nur bedingt auf die Anpassung an die Region beziehen. Wahrscheinlich kommt eine Schwierigkeit hinzu, die vorher nicht vorhanden war. Futtermangel, anderes Futter, anderes Wetter, Bienendichte, was weiß ich, was noch alles möglich ist. Völker sterben nicht nur an zu hoher Milbenlast. Darum wahrscheinlich auch Luffis erwänte, hohe Verlustraten trotz Varroabehandlung. Ich würde da nicht unbedingt eine Resistenz rauslesen.
    Ich konnte allerdings beobachten, dass viele Völker nur durch intensive Behandlung am Leben gehalten werden. Behandelt man dann alle Völker gleich, kann man nicht heraus finden, welche Völker mit den Milben besser zurecht kommen. Hier gilt es sehr genau zu beobachten und Standorte zu finden, die nach Möglichkeit keine anderen Todesursachen, außer der hohen Milbenlast, vermuten lassen. Das ist nicht leicht und zeitintensiv. Es läuft nicht nebenbei im Standardbetrieb.
    Die nach einigen Jahren gefundenen, vermeindlich gesünderen und kräftigeren, Völker dann an einem andern Standort zu halten, birgt erneut Gefahren und bringt einige Schwierigkeiten. Das kann dann die jahrelange Arbeit wieder zu nichte machen. Es ist ein sehr harter Weg. Vielleicht aber der einzige.

  • Meine Mini-Plus werden nur einmal im Dezember mit Oxalsäure behandelt und überleben zu 80%. Man muss bedenken, das sie mehrfach geteilt werden und so die Varroen reduziert werden. In Vollvölkern sieht das anders aus. Auch Schwärme, welche nicht behandelt wurden, brachen bei mir zusammen.


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo,
    hab zwar die Beiträge (fast alle) gelesen, eventuell überlesen, hatten wir den Aspekt schon beleuchtet wie schaut das aus wenn ein Imker in ein sehr dichtes Bienengebiet seine Bienen hält. Eventuell kommt noch dazu wenn sich in der Nachbarschaft Imker befinden die es nicht so genau mit Hygiene nehmen (Waben offen ausschlecken usw.) Oder wie gehen Nachbarimker mit den Brutscheunen um, trachtlose Zeiten/ Hungerleider! Also wo treiben sich meine Bienen rum, oder welche Bienen betteln sich bei meinen Damen ein. Wie sind diese belastet?! Da kann so mach ein Nicht-Behandeln-Konzept und Behandeln-Konzept teilweise in die Hose gehen. Wenn ich in einer definitiven brutlosen Zeit z.B. mit OS Dampf behandle und einige Wochen später trotzdem wieder erhöhte Belastung haben, stellt sich die Frage, wo kommt das her? Behandlung (doch) nicht über 90% wirkungsvoll, oder (doch) andere unzählige Ursachen/ Möglichkeiten?


    Welche Beobachtungen habt Ihr dort gemacht? Kann das ein messbares Thema sein?



    Viele grüße Stefan

  • Hallo zusammen,


    jetzt muss ich auch mal meinen Senf dazu geben, denn ich denke es wird hier zu sehr schwarz und Weiß gesehen. Meiner Meinung nach ist die goldene Mitte der Weg.
    Ich denke wir sind uns alle einig, eine sofortige Nichtbehandlung kann nicht das Ziel sein. Ebenso kann es nicht auf Dauer Sinn machen, jedes Jahr auf Teufel kommt raus zu behandeln. Was aber umsetzbar wäre (zumindest noch in meiner Imkereigröße), den eigenen Bestand auf mögliche VSH- Merkmale vorzuselektieren. Und sollten Völker diesbezüglich auffällig sein, dann müssen die auf einen Quarantänestand verholt werden, mit entsprechend Abständen zu den Imkerkollegen, bzw. auch als Eigenschutz um dieses aus meiner Sicht äußerst fragile Gebilde VSH nicht zu gefährden.
    Und bevor man die Völker dann tatsächlich ihren Schicksal überlässt, muss weiterhin laufend der Befallsgrad kontrolliert werden. Erst wenn sich der Befallsgrad unterhalb einer Jahreszeit bedingten Schwelle befindet, sollte/ DARF man das Riskio einer Nichtbehandlung eingehen.
    In 2016 (Mitte Juli) hatte ich kein einziges Volk, welches sich unterhalb der Schwelle befand, leider (einige waren geringfügig darüber)! Aber der Quarantänestand wartet auf die ersten Ausreißer und dann geht das Projekt los.
    Ich denke wir wollen alle eine behandlungsfreie Biene, aber dann sollte sich auch jeder dazu verpflichtet fühlen in seinen Beständen danach zu suchen.
    Die Frage die sich dabei stellt, wer hat die Zeit und die Mittel um seinen Bestand dauerhaft zu prüfen? Dass Berufs- und Nebenserwerbsimker nicht die Zeit dazu haben solche sehr zeitintensiven Selektionen zu fahren (leider!) ist mir schon bewusst. Dass ist aber auch das Dilemma in dem wir stecken. Auf der einen Seite werden mit viel Herzblut Aufwände betrieben/ selektiert, aber der Königinnen/ Drohnenflug, kann so ein Projekt innerhalb eines Jahres zu Nichte machen.
    Also was tun….. ich weiß es nicht, aber ich werde weiterhin bei meinen Völkern suchen, ob was vorhanden ist (denn das macht auch Freude). Mal sehen vielleicht platzt ja mal der Knoten, bis dahin werde ich aber meiner Behandlungsstrategie treu bleiben und der "Erfolg" gibt mir Recht (zumindest behaupte ich das mal so).


    Gruß Ody



    Gruß Ody

  • Hallo Ody!


    Ich behaupte mal, dass nahezu jedes neu gebildete Volk das erste behandlungsfreie Jahr überleben wird.
    Drum überleben auch diese Minis immer ohne große Probleme, auch wenn man diese nur einmal im Winter behandelt.
    Im Frühjahr werden diese ja wieder zu neuen Minieinheiten zerlegt und damit die Milbenlast stark reduziert.
    Auch findet dort nicht dieser starke Brutumsatz statt, die ein vergleichbares Wirtschaftsvolk.
    Im Gegenteil: Man hat eine Brutpause.


    Also Nichtbehandeln ist im ersten Jahr nicht so schwer.
    Schwerer wird es im 2. Jahr.
    Da trennt sich die Spreu vom Weizen.


    Und "Manne", danke für Deine Tipps!
    Wir sehen uns in Neuenstein 3/4./5. März auf der Züchtertagung der Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker e.V. zum Fachsimpeln.
    Freue mich schon darauf!

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)


  • Hi Zuchtl,


    da gebe ich Dir vollkommen Recht, nur wenn im ersten Jahr bereits ein Volk von der Schwelle her grenzwertig ist, dann muss ich halt den "sicheren" Behandlungsweg gehen. Und wenn nicht dann gehe ich das Risiko ein.
    Und Du solltest mich kennen, ich würde NIEMALS im zweiten Jahr so unbehandelte Völker ihren Schicksal überlassen, auch da muss stetige Kontrolle sein und dann entsprechend reagiert werden. Das macht die Sache ja auch so kompliziert.
    Die Bestimmung des Befallsgrades ist mit den jetzigen Methoden (Puderzucker, CO2 etc....) einfach zu zeitaufwändig und auch ein Stückweit zu ungenau.
    Ich würde mir wünschen dass die Institute da mal den Hebel ansetzen, denn wenn an der Stelle eine wesentliche Erleichterung stattfände, dann gäbt es auch weniger Hemmschwellen nach Völkern, die durch wenige Milbenbelastung auffallen, überhaupt zu suchen.
    Dann würden sich ggf. auch die Mehrzahl an Großimker angesprochen fühlen an der VSH- Front mitzumachen.
    Aber so wie wir das jetzt praktizieren (SDI, Auszählen, Bond- Test.... was weiß ich was es noch alles gibt) bleibt dieses Streben nach VSH nur wenigen Enthusiasten überlassen.


    Bedauerlich aber so ist es leider nun mal.


    Gruß Ody

  • Hallo,


    mal wieder ein "interessantes" Thema. Weis jetzt nicht, ob schon darüber geschrieben wurde, aber wie führen die Nichtbehandler ihre Völker eigentlich? Denke aber, nicht Behandeln heißt bestimmt nicht, nichts tun, oder täusche ich mich da?
    Und Angaben zu Winterverlusten wären auch hilfreich!
    Und wer meint, ein paar Jahre nicht behandeln und schwupp di wupp habe ich die Varroatolerante Biene gezüchtet, der scheint doch ein wenig blauäugig zu sein, sorry.
    Sonst hätten die Toleranzzuchtprogramme schon längst Ergebnisse geliefert.


    Mir sind dieses Jahr von 9 nur mit ApiLifeVar (scheint 2016 nicht besonders gut gewirkt zu haben, wie man so hört) behandelten Ablegern(!) 3 an Varroa eingegangen! Soviel zum Thema, ein zwei Jahre geht das schon.
    Ich persönlich kann mich mit diesem Thema nicht anfreunden und finde es auch gefährlich für unerfahrene Imker, die dann meinen sich Behandlungen sparen zu können und dann spätestens im Frühjahr eine böse Überraschung erleben :cry:


  • Hallo Alfons,


    Deine Aussage kann ich so nicht stehen lassen, zumindest ich überlasse die Bees nicht einfach so ihrem Schicksal, sondern ich selektiere im Vorfeld aus, welche dafür überhaupt in Frage kommen. Ich bin 100%ig mit Dir einer Meinung, dieses "hit and hope" (ohne zu wissen was man da eigentlich macht) sorgt nicht nur in der eigenen Imkerei zum Kahlschlag, sondern ist auch eine immense Gefahr für die Nachbarimker, nicht umsonst haben wir ja die Behandlungspflicht in Deutschland.
    Deshalb muss ja ein Quarantänestand sein, der auch vom AV als Behandlungsfrei genehmigt wurde, damit man überhaupt "nichtbehandeln" darf......


    Unabhängig davon, wir hatten Gestern JHV im örtlichen IV.... Völkerverluste von im Durchschnitt ca. 60 - 75%..... WAHNSINN! Gott lob bin ich davon (noch?) zu 100% verschont geblieben.


    Gruß Ody

  • % heisst von 100, hochgerechnet von weniger als 10 oder 4 Völkern ergibt deprimierende Werte, obwohl man nur wenige Fehler machte. Deshalb sollte man auch die tatsächlichen Zahlen erfassen, einige größere Stände kompensieren dann in der Statistik die 1-Volk-Totalverluste.


    Bei frühzeitigen Brutentnahmen oder Kunstschwärmen und anschließend Fangwabe oder ApiliveVar oder Stossbehandlung der restlichen Milben gibt es kein "hat nicht so gut funktioniert".
    Ich habe es leider nicht bei allen geschafft, und deshalb auch ein paar verloren - ca 10% bis jetzt.


    Die letzten 2 Tage waren Erleichterung- bei den Bienen und beim Imker. Auch das Spitzmausquartier-Volk überlebte. Der Untermieter war aber nicht mehr zu finden.


    Gruß Fred

  • Bei frühzeitigen Brutentnahmen oder Kunstschwärmen und anschließend Fangwabe oder ApiliveVar oder Stossbehandlung der restlichen Milben gibt es kein "hat nicht so gut funktioniert.


    Is klar. Steile These. :daumen:


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hallo Ralf.


    Ich denke auch, dass das eine steile These ist. TBE war im letzten Sommer die richtige Wahl, wenn man behandelt.


    Es ist aber auch zum verrückt werden. Ne Tante der 100 % VSH von Josef Koller waren auch total vermilbt. Ohne TBE wäre die hinüber gewesen. Das VSH ist da, aber es kommt nur bei gezielter Anpaarung phänotypisch in Erscheinung. Also das, was Paul Jungels immer sagt. Phänotyp = Genotyp.
    Erst ab ca. 60 % VSH überleben es die Völker ohne Behandlung. Da sind aber dann immer noch Varroa im Volk. Selbst bei 87,5 % VSH-Wert. Nur die rein angepaarten werden das dann auch gesichert weiter vererben. So ist zumindest der Plan. Problem wird da aber sehr bald die Inzuchtanfälligkeit der Honigbiene sein. Daher sollten Eindrohnbesamungen die Ausnahme sein zum Finden von VSH in der Genetik. Und dann muss sehr schnell auch wieder auf genetische Breite geachtet werden. Somit ist derzeit genetische Tiefe gesucht und das funktioniert nur, wenn viele in ihren eigenen Völkern nach VSH Anzeichen Ausschau halten. Dann muss man unbedingt wieder in die genetische Breite gehen. Man benötigt aber nicht nur VSH als das alleinige Heilmittel. Sicherlich gibt es auch noch mehr Einflussfaktoren. Umwelt, Trachtangebot, PSM, Wanderungen, Viren, Imker(!)... Um nur ein paar zu nennen.


    Auch Zuflug durch Fremdvölker ist ein nicht zu unterschätzendes Kriterium. Was hilft dir VSH wenn das Volk dann an Viren, Tracheenmilben, Nosema oder Faulbrut stirbt?


    Unser Problem ist multifaktorell!


    Gesendet von meinem ONEPLUS A3003 mit Tapatalk

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Zitat

    Bei frühzeitigen Brutentnahmen oder Kunstschwärmen und anschließend Fangwabe oder ApiliveVar oder Stossbehandlung der restlichen Milben gibt es kein "hat nicht so gut funktioniert".
    Ich habe es leider nicht bei allen geschafft, und deshalb auch ein paar verloren - ca 10% bis jetzt.

    Das läuft aber nicht unter "Nichtbehandeln" oder?


    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Die Fluglöcher der mir bekannt gewordenen unbetreuten Bienenvölker im Flugkreis der meinigen habe ich in diesen Tagen des intensiven Reinigungsfluges alle beobachtet: Nix los, alle offenbar tot! 100% Verlust. Dabei hatten die einen so guten Phänotyp, teilweise seit 4 Jahren. Und nur eigenen Naturbau (nicht einmal Rähmchen), vermutlich regelmäßig Dank der Wachsmotten erneuert; völlig unbehandelt, kein Imker, der an ihnen herumpfuschte oder ihnen gar ihren Honig wegnahm; relativ weit weg von konventionellen LW-Kulturen, dafür Nähe zu Mischwald und Naturflächen. Sie wechselten mglw. zum Drama- statt zum Geno-Typ.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4notyp
    Nun ist diese Erbgutquelle für meine Standbegattung versiegt - und ich bin, offen gesagt, froh darüber und werde mich bemühen, wenigstens die Fluglöcher zu verschließen, um nicht neue potentielle Seuchenherde zu riskieren.

  • Ein Problem haben wir doch in der Imkerei: keiner kann für sich wursteln, ob unterschiedliche Bienenrassen oder verschiedene Ansichten über die Varroabehandlung, meist sind auch die umliegenden Imker irgendwie betroffen! :cry:
    Wer seine Völker, egal wie, gut über den Winter bringt, vor dem ziehe ich den Hut!


    Für mich bleibt Drohnenbrutentnahme, AS 60% mit Nassenheider prof. und Restentmilbung mit OS das Mittel der Wahl mit dem ich die letzten Jahre meine Völker verlustfrei über den Winter gebracht habe!


    Es wäre schön, wenn da jemand mal seine Methode des "Nichtbehandelns" hier erklärt (womöglich schon geschehen, aber ich habe keine Lust, die 1000 Beiträge zu lesen, sorry).