Thema Nicht-Behandeln

  • Lieber Bernhard,
    danke, dass Du Deine Erfahrungen so konkret hier teilst.

    Wie ich bei extensiv geführten Völkern ohne Behandlung auskomme:
    (...)


    Ich habe eine Frage zur Datenbasis: Auf wie viele Völker und Überwinterungen beziehen sich diese Erfahrungen? Hast Du einzelne Maßnahmen auch getrennt voneinander untersucht (z.B. "keine Sommerhonigernte") ohne andere Faktoren zu ändern?


    Wie ist die Geschichte der so (nicht-)behandelten Völker? Überstehen sie mehrere WInter (wie viele) ohne Behandlung, oder finden dazwischen doch gelegentlich massive Eingriffe statt, wie z.B. Auflösen von Völkern, komplette Brutentnahme, o.ä.? Wie bewertest Du es, wenn ein Volk im Laufe der Jahre nicht mehr die gewünschte Stärke erreicht und im weiteren Verlauf dann evtl. aufgelöst werden muss? Ist es für Dich dann ein Völkerverlust trotz extensiver Betriebsweise, oder wird der Völkerverlust nicht als solcher gezählt, weil das Volk ja nicht die nötigen Kriterien für Nichtbehandeln ("starkes Volk zu jeder Zeit") erfüllt hat?


    Erhard

  • Distance between honey bee Apis mellifera colonies regulates populations of Varroa destructor at a landscape scale


    Maxcy P. NolanIV, Keith S. Delaplane
    DOI: 10.1007/s13592-016-0443-9
    Apidologie pp 1-9, 2.5.2016
    http://link.springer.com/article/10.1007/s13592-016-0443-9


    Grobe Übersetzung des Abstracts


    Die Entfernung zwischen den Beuten der Honigbiene Apis mellifera beeinträchtigt signifikant die Populationszahlen der parasitären Milbe Varroa destructor. Wir setzten 15 Bienenstände auf, die jeweils aus zwei Völkern bestanden. Die Völker wurde paarweise angeordnet, mit Abständen von 0, 10 oder 100 m. Die Bienenvölker wurden fast milbenfrei gemacht, dann wurde ein Volk in jedem Paar mit 300 weiblichen Milben geimpft (Milbenspendervolk), während die anderen Völker (Milbenempfängervolk) ungeimpft geblieben. Nach 4 Monaten Überwachung zeigte eine Analyse anhand eines ganzheitlichen Modells, dass Bienenstände, in denen Völker 100 m voneinander entfernt waren, durchschnittlich niedrigere Milbe Zahlen enthalten als Bienenstände mit 0 oder 10 m Abstand. Es gab Interaktionen zwischen der Art des Bienenvolkes, der Entfernung und des Probenahmetermins; jedoch, wenn es erhebliche Unterschiede gab, waren die Milbenzahlen immer niedriger bei Bienenständen mit 100 m Abstand als Bienenstände mit 10 m Abstand. Diese Ergebnisse stellen die Möglichkeit heraus, dass die Varroa-Populationen sich anhand der Ressourcen in der nahen Umgebung reguliert: nah benachbarte Bienenvölker sind eine Ressource für die Fortpflanzung der Milben in Form von zusätzlichen Bienenbrut.

  • Hallo Bernhard,
    zu dem Thema gab es auch schon eine deutschsprachige Dissertation, die die Entfernung zwischen den Stöcken thematisierte.
    Darum fragte ich ja irgendwann mal nach deinem Dachbodenvolk, was ziemlich "isoliert" stehen dürfte, weil mich die Ergebnisse ernsthaft interessiert hätten bzw. ob Du hast irgendwie Abweichungen bei den Milbenzahlen hast feststellen können.


    LG
    Andreas

  • Hallo,
    Ja, wenn die Völker absolut keine Abwehrverhalten gegen die V. zeigen, ist der Abstand zwischen den Völkern bei der V.-vermehrung entscheident.
    wenn nur ein minimales Abwehrverhalten gegeben ist, ist die Studie schon nichtig.
    -- also alles für die Katz --
    Grüße
    thomas

    Der Mensch steht im Mittelpunkt und somit allein im Weg.

  • Hallo Thomas,
    kannst Du uns die wissenschaftliche Untersuchung zu Deiner These zur Verfügung stellen?
    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.

  • Hallo Karl,

    Zitat

    kannst Du uns die wissenschaftliche Untersuchung zu Deiner These zur Verfügung stellen?


    > keine Abwehrverhalten < behaupte ich jetzt mal so frech ohne die Bienen gesehen zu haben. Da immer noch auf die V.- Vermehrung hin untersucht wird.


    > der Abstand zwischen den Völkern bei der V.-vermehrung entscheident. --> das ging aus Bernhards Beitrag hervor.


    So und nun meine wissende Wissenschaft aus der Praxis.

    Zitat

    wenn nur ein minimales Abwehrverhalten gegeben ist, ist die Studie schon nichtig.


    Die V. Vermehrung in den Völkern läuft unterschiedlich ab, da resistente Völker das Varroaproblem auf verschiedenen Wegen angehen: Putzabweh am Flugloch, Putzabweh auf der Biene im Stock, Putzabweh in der Brut,
    letztere kann einmalig oder über das Jahr gestreut erfolgen.


    So bald ein Fall der genannten eintritt, dürft (Achtung jetzt Theorie) auch bei Verflug, sich die V.-Population unterschiedlich entwickeln. Quod erat demonstrandum


    MfG
    Thomas

    Der Mensch steht im Mittelpunkt und somit allein im Weg.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo liebe Leute,


    ruft doch nicht immer sofort nach wissenschaftlichen Beweisen. Die Wissenschaft tut sich sehr schwehr mit der Einsicht das es überhaupt eine Varroatoleranz geben könnten. Es hat sich bisher noch kein einziger sogenannter Wissenschaftler erneut bei mir gemeldet, nachdem ich über mein Vorgehen und meine Erfolge gesprochen habe. Allerdings wurde bereits in einem der Vorworte der Bienzeitung ADIZ und Co. davon berichtet, dass es anscheinend immer mehr Erfolgsmeldungen von ungenannten Imkern gibt, die ihre Völker auch mehrere Jahre ohne Chemiekeule über die Runde bringen. (Fragt mich jetzt nicht nach der Ausgabe, ich weiß es nicht mehr) In irgendeinem Bericht wurde sogar mal die gewagte Aussage gemacht, dass das eigentliche Problem bei der Suche nach der Varroatoleranz die Behandler sind ;). (Die Ausgabe könnte ich vielleicht noch finden, weil sie Balsam auf meiner Seele war, wagte ich diese Aussage doch schon vor mehreren Jahren)


    Gruß
    Werner

  • So ganz ohne Behandlung geht's bei mir nicht. Sicherlich kann man auch aber viel dafür tun, dass die Behandlungen nicht zu intensiv ausfallen müssen.


    Drohnenbrut schneiden, Ablegerbildung, Kunstschwarmerstellung lassen die Varroa sowieso nicht so überhandnehmen.


    Natürlich mache ich bei der Ablegerbildung, beziehungsweise bei der Kunstschwarmerstellung eine Milchsäure Behandlung, aber ich weiß nicht, ob man hier schon das als intensive Varroabehandlung zählen soll - ich mache es nicht.

  • Hallo,


    in der Zeitschrift "Imkerfreund" vom März 2016 stand ein toller Artikel über die Varroabekämpfung. Ich hab mir das Heft extra schicken lassen und der Artikel ist mehr als interessant! Ich werde die Zeitschrift heute mal mit in die Arbeit nehmen und versuchen ein pdf zu machen..... fall`s es dann wen interessiert kann man mich per PN anschreiben und ich kann den Artikel weiterleiten. Ich glaube der Titel heißt "es ist mal Zeit für eine Pause" oder so??


    Gruß Andrea

  • Hallo Werner,
    ich bestreite die Erfolge nicht, aber wissenschaftliche Beweise kann es nur schwerlich geben. Meiner Überzeugung nach spielen da einige Rahmenbedingungen neben dem Verhalten der Bienen eine Rolle und diese Vielfalt wird sich wissenschaftlich nicht belegen lassen.
    Wenn wir Beide gleich handeln heisst das nicht, dass auch das Ergebnis das Selbe ist, was nicht daran liegt das Du lügst oder ich zu dämlich bin. Eher das es bei mir äußere Faktoren geben muss die die Varroen begünstigen, was zum einen Bienendichte, PSM und ähnliches sein könnten.
    Auch hier wird die Wissenschaft keine Belege liefern können, da unsere Imkereien zu individuell und vielfältig sind. Die Belege und Ursachen könnten wir nur gemeinsam erarbeiten in dem wir die Unterschiede definieren...
    Leider beschränken wir uns darauf uns gegenseitig zu zerfleischen...
    LG
    Andreas