Thema Nicht-Behandeln

  • ...gehört nicht zu Gut-Behandeln mitunter auch, dass man eine einheimische Rasse hält?



    Hallo Beorn,


    ich unterstütze liebend gern die Erhaltung alter Haus- und Nutztierrassen, im Geiste und in der Tat - doch aus anderen Gründen. Nur aus diesem Grund sehe ich da keinen Unterschied, denn alles, was hier herumfliegt oder re-importiert wird, muß sich lokal neu anpassen und in die Lebensgemeinschaft einpassen.


    Das führt ja auch noch weiter, denn sowohl in den Gärten als auch in der Landwirtschaft wird alles ohne Rücksicht auf lokale Anpassungen gepflanzt und gesät. Das Saatgut wird ja nur noch in sehr seltenen Fällen lokal gezüchtet oder vermehrt. Oft stammt es aus der Hand weniger Saatgutproduzenten, die in Ungarn oder Afrika vermehren.


    Wie soll sich da eine Balance aller Lebewesen untereinander einstellen? Vom kleinsten bis zum größten Lebewesen und zurück?


    So wie ich das einschätze, wird das nichts mehr. Alles wird auf Null zurückgesetzt und das Leben baut sich von ganz von vorne wieder neu auf.


    Praktisch bedeutet das, daß Du am besten das nimmst, was Du als Biene lokal vorfindest. Eine Carnica, die schon zehn Jahre und mehr vor Ort lebte, ist vermutlich schneller und besser angepaßt als eine re-importierte A. m. Mellifera (eigentlich muß es tatsächlich Mellifica heißen) von irgendwo.


    Wenn Du die alte Nutztierrasse erhalten willst, braucht es sowieso mehr Bemühungen als ein einfacher Import.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • So wie ich das einschätze, wird das nichts mehr. Alles wird auf Null zurückgesetzt und das Leben baut sich von ganz von vorne wieder neu auf.


    Hallo Bernhard,
    ich bin ja schon einiges an pessimistischen Aussagen aus Deiner Feder/Tastatur gewohnt.
    Aber dieser Satz "Alles auf Null" kann doch nur noch bedeuten ich lass es einfach laufen komme was mag. Soweit solltest Du Dich nicht fallen lassen.
    Gruß Eisvogel

    Als ich mich zum imkern entschlossen hatte, fand ich mich ratlos vor diversen modernen Beuten-Systemen.

    Abbé Emil Warre 1948, 12. Auflage Bienenhaltung für alle, Übersetzt von Mandy Fritsche, 2010

  • dass sie wilden Insekten zur Konkurrenz wird.


    Von Laien und/oder gutmeinenden, aber leider schlecht informierten Naturschützern ist man ja gewohnt, dass diese die Honigbiene als Konkurrentin für Wildbienen & Co sehen. Aber von einem Imker würde ich da schon ein wenig mehr Detailkenntnis erwarten. Diese Konkurrenz gibt es nicht. Ich wage mal zu behaupten, dass auch Wildbienen ohne Imker deutlich schlechter dran wären, weil der quasi die letzte Verteidigungslinie gegenüber der von Dir ja erkannten


    Intensivierung der Landwirtschaft

    bildet (oder dies zumindest zu sein versucht), unter der gerade auch Wildbienen leiden.


    Soviel dazu, nun aber gerne zurück zum Thema..:wink:

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Die Dunkle Biene soll


    Hallo Beorn,


    die Unterart bzw. Rasse Apis mellifera mellifera Linnaeus ist in sich längst nicht so homogen, dass man sie so ohne weiteres mit der Gesamtheit der Carnicabienen vergleichen könnte.


    Bezüglich der Konkurrenz zu Wildbienen, bist Du wohl religösen und/oder fundamentalistischen Naturschützern aufgesessen. Zu dem Thema gibt es nämlich mindestens eine umfassende Doktorarbeit, die aufzeigt, was an diesen Gerüchten dran ist.

  • Beorn ,
    nicht schon wieder die "Rassefrage".
    Hatten wir schon zu Hauf die Tage.
    Wenn du meinst es geht, mach es und wenn`s klappt, super.
    beehead


    Es gibt doch kaum ein Thema, was nicht schon gab, vor allem wenn's um Varroa geht. Und wenn es darum geht, optimal ohne Säuren auszukommen, dann zählt jeder Vorteil und sollte nicht vergessen werden, bloß weil es irgendwo steht.


    Zur Frage wegen der Wildbienen - ich beziehe mich da auf diese Quelle (Seite 4/5):
    http://www.culturaapicola.com.…apis_mellifera_aleman.pdf
    Wäre interessant, wenn jemand eine Quelle hätte, die zu einem anderen Schluss kommt.

  • Danke für den Link! Deine Quelle ist aus dem Jahre 1997. Ich meine, diese Arbeiten kürzlich gelesen zu haben:


    Hamm, A. & D. Wittmann (2005): Konkurrieren Wildbienen (Hymenoptera, Apiformes) und Honigbienen (Apis mellifera L.) um die Nahrungsressource Pollen? Abstracts-Entomologentagung Dresden. Deutsche Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie (DgaaE): 117.


    http://www.tieroekologie.uni-b…utzung-und-zur-konkurrenz

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Nigra ()

  • Es gibt noch eine weitere Studie der Universität Bonn - ich habe den entsprechenden Vortrag zu den Ergebnissen der Studie auf der 8. Hymenopterologen-Tagung Stuttgart in 2008 gehört. Dort wurde ebenfalls gefunden, daß die Überlappung zwischen Wild- und Honigbienen sehr gering ist.


    Viele Grüße
    Bernhard


    Pessimist im Geiste, Optimist im Handeln.

  • Wenn ihr darüber ausgiebig diskutieren wollt, wäre ein neues Thema angesagt.
    Ist interessant, aber passt nicht zum Thema hier.


    beehead


    Give the beekeeper a chance too.


    ---


    Danke für die positiven Rückmeldungen zum Zusammenleben von Honig- und Wildbiene. Bei dem katastrophalen Zustand der Agrarlandschaft sind Naturschutzgebiete auch eine Chance für den Bienenhalter. Gut wenn dies nicht zum Nachteil der wilden Bienen ist. Wie Berhard schreibt, eine gesunde Umwelt ist für's Nicht-Behandlen wichtig. Beehead, da ist er, der Zusammenhang zwischen Nicht-Behandeln und Naturschutzgebieten. Laß jetzt mal was konstruktives hören.


    Bernhard : Kopf hoch, es gibt auch viele neue gute Ansätze in der Gesellschaft. Und vielleicht kennst du ja auch diese Art von Zen-Geschichten, bei denen aus etwas negativen etwas positives erwächst. Vielleicht muß der Mensch erst durch eine allgemeine Depression ehe er den Wert seiner Umwelt erkennt.


    Ich habe diesen Herbst mit der Dunklen begonnen und bin gespannt, wie sie sich so macht, auch in Hinblick auf die "Behandlung". Mich wundert nur, dass die Dunkle immer so weggeredet wird. Eine längere Brutpause im Winter ist doch genauso interessant wie das komplette Entfernen der Brut im Frühjahr. Klingt nach einer natürlichen Winterbehandlung ohne Abkühlung des Volkes und Zerstören der Stockluft. Wenn das nicht gut behandelt ist ... ;)
    Und ob ein paar Jahrzehnte Carnica mehr wiegen als ein paar tausend Jahre Dunkle in Mitteleuropa ist für mich fraglich. Wenn die Dunkle wirklich robuster als die Carnica ist, dann wohl auch in Bezug auf die Varroa. Oder gibt es gegenteilige Erfahrungen?

  • Hallo Freunde,


    was ist an einer Nigra aus der Schweiz oder aus Schweden - in Bezug auf die Diskussion über Regionalität- anders als an einer Carnika aus Österreich oder einer Caukasica, Ligustica aus sonstwoher?
    Wir streiten hier um Kaisers Bart. Ich hab vor 35 Jahren mit der heimischen " Nigra" aus dem Hunsrück mit Imkern angefangen. Ob sie noch "rein" war, weiss ich nicht. Ich glaube eher, dass schon ein paar Ligustica-Drohnen zu Besuch waren. Ohne "Raumanzug" war mit denen nicht zu imkern. Bei allem Verständnis: so möchte ich nicht mehr imkern.
    Von Buckfast habe ich bisher bewusst nicht gesprochen---- aber ich hab seit ein paar Jahren welche, neben einer Ursprungs-Carnika ( eigene sogen. Basiszucht), die vermutlich schon von der Friedfertigkeit ( spürbar) der Bucki- (Drohnen) etwas abbekommen hat---, aber aus " meiner Sicht " möchte ich sie nicht mehr missen.



    so sieht ´s der Bienenpeter


    PS: aber ohne Behandlung gg. Varroose gehen meiner Meinung nach a l l e früher oder später über den Jordan

  • Hallo Freunde,


    was ist an einer Nigra aus der Schweiz oder aus Schweden - in Bezug auf die Diskussion über Regionalität- anders als an einer Carnika aus Österreich oder einer Caukasica, Ligustica aus sonstwoher?

    Der Verwandtschaftsgrad zur ursprünglichen Regionalbiene? http://de.wikipedia.org/wiki/R…der_Westlichen_Honigbiene


    Vielleicht lohnt es sich doch noch, Völker die bei auffallend tieferen Temperaturen fliegen zu analysieren? Auf Ständen die nie umgeweiselt wurden, besteht immer noch die Chance, eine reinrassige Königin zu finden. Wenn diese nur von einem einzigen reinrassigen Drohn begattet wurde, kann man daraus eine neue Linie ziehen.

    Die Stechwut ist eine Folge der Verbastardierung. Die Sanftmut lässt sich gut züchterisch bearbeiten.
    Ich habe aber auch schon als rein verkaufte C gesehen, die einem mit dem Hinterteil voraus anflogen.