Thema Nicht-Behandeln

  • Interessant ist es trotzdem.
    Es gibt halt Imker die haben fast nie Verluste und verkaufen Ableger und andere stochern im Dunkeln.
    Man kann auf jeden Fall sagen, dass die ohne Verluste Behandeln (zumindest die die ich kenne) und da mit klaren Konzepten arbeiten.


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

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  • Ja, man kann jahrelang ohne Winterverluste imkern, indem man nur Ableger oder Kunstschwärme einwintert und die Altvölker im Sommer verkauft. Man kann auch etwas flunkern, dann passt es auch. Es gibt auch die Möglichkeit, man wendet die Zählmethode der Institute an und nennt keinen Stichtag.


    :-D

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Nachtrag.
    Es fällt mir aber auch auf, dass sich die Milbenpopulation im Spätherbst, bei manchen Völkern/Ständen explosionsartig vermehrt.
    Hatte hier schon geschrieben, dass wir bei einem Kollegen ein Volk bewusst mit hoher Belastung nicht umgeweiselt haben, sondern behandelt, ausgezählt und beobachten. Im Augenblick sind wir bei 16 000 Milben seit August. Das Volk sitzt noch auf 6 Waben Dadant und wir sind mehr als gespannt, was da bei der Winterbehandlung noch runter fällt und ob dieses Volk das Frühjahr erlebt.


    Wäre auch gut zu wissen ob die Milben alle aus diesem Volk entstanden sind.


    beehead

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  • Man kann auf jeden Fall sagen, dass die ohne Verluste behandeln (zumindest die die ich kenne) und da mit klaren Konzepten arbeiten


    Ich möchte nach meinen Beobachtungen die Aussage noch erweitern: Die ohne nennenswerte Verluste behandeln und lassen ihre Völker nie hungern.

  • ...aufgrund welcher Beobachtungen ist die Aussage


    "Schadschwelle liegt bei 30-50 Milben eines natürlichen Milbenfalls"


    zustande gekommen?


    In der Literatur sind unterschiedliche Angaben zu finden, was wohl auch daran liegt, daß die Völker durchaus eine unterschiedliche Zähigkeit an den Tag legen. Da die Völkerzahl in den Studien meist keine statistische Relevanz (über 1.000) erreicht, kommt es zu unterschiedlichen Angaben.


    Noch weiter zu differenzieren ist der Begriff Schaden. Ein Schaden tritt schon mit der ersten Milbe auf, doch begrenzt sich dieser Schaden auf eine einzelne Biene. Mit einer steigenden Anzahl von Milben wird das Volk als Ganzes, als höhere Integrationsstufe geschädigt. Dieser Schaden ist irreparabel, so daß das Volk mit Sicherheit abstirbt.


    In den Empfehlungen bezüglich der Behandlung der Varroose werden bewußt sehr niedrig angesetzte Angaben zu Schadschwellen gemacht, damit die Imker nicht zu lange mit der Behandlung warten. Einfach, um sicher zu gehen.


    Die Angabe 30-50 Milben habe ich einerseits aus der Literatur (z. B. Bienenkrankheiten: Vorbeugen, Diagnose und Behandlung von Friedrich Pohl), andererseits aus den Beobachtungen der Bewegung medikamentenfreier Imkerei aus dem deutsch- und englischsprachigen Raum und letztlich eigenen Beobachtungen.


    Die Schadschwellle muß bei der Entwicklung einer medikamentenfreien Imkerei immer höher getrieben werden, denn mit steigender Zähigkeit der Bienen halten sie dem Parasitendruck immer weiter stand. Wenn ich die Schwelle immer weiter runtersetze und immer früher eingreife, ende ich logischerweise irgendwann mit einer sehr schwachen Biene, die dem Parasitendruck nichts entgegenhalten kann.



    Ist natürlicher, also nicht durch eine Behandlung verursachter durchschnittlicher täglicher Milbenfall gemeint?


    Jawohl, natürlicher täglicher Milbenfall.



    Gilt die angegebene Schadschwelle unabhängig von der Jahreszeit?


    Ja, zumindest halte ich es so für mich. Richtiger wäre es, den natürlichen Milbenfall in Relation zur Brut- und Bienenstärke anzusetzen - aber: In der Regel sind solche Zahlen erst ab dem Sommer möglich, wenn Völker mit solchen anbahnenden Zahlen im Vorjahr konsequent aufgelöst werden.



    Auf welche Weise greifst Du ein, wenn die angegebene Schadschwelle überschritten wird?



    Wenn so eine Schadschwelle erreicht wird, löse ich die Völker sofort auf. Meist versuche ich aber schon weit vorher (!), entsprechend gegenzusteuern. Im Mai und Juni sind alle Anzeichen zu sehen, die auf Probleme im Herbst hindeuten. Für mich zählt da der Gesamteindruck. Das ist für mich einfacher zu erfassen, weil ich die Völker nicht sofort öffne, sondern erst einmal den Gesamteindruck betrachte. Ich fand es auf dem Honigtag in Rietberg sehr bezeichnend. Ich hatte ein paar Warré-Zargen dort stehen und von dem durchlaufenden Publikumsverkehr war das Erste, was die Imker machten, der Griff zum Oberträger - sie wollten das Rähmchen ziehen. Und wie sie alle verdutzt schauten, als sie merkten, daß die Oberträger festgenagelt sind. Insgeheim habe ich in mich hineingelächelt.


    Doch zurück, der Gesamteindruck zählt. Anzeichen, wie Krabbler und andere Anzeichen für Krankheiten im Mai quittiere ich alsbald mit Auflösung. Das ist wie beim vorweggenommenen Schwarm, nur das hier nicht der Schwarm, sondern der Tod vorweggenommen wird.


    Der übertriebene Parasitismus liegt meines Erachtens darin begründet, daß der Nahrung wesentliche Bestandteile auf der einen Seite fehlen, auf der anderen Seite sind aber einige Stoffe zuviel in der Nahrung. Lebewesen sind aber immer nur dann gesund, wenn die Nahrung ausgewogen und optimal zusammengesetzt ist. Damit die Nahrung aber ausgewogen und optimal zusammengesetzt ist, muß das ganze Umfeld aufeinander abgestimmt sein, denn durch die Nahrung sind alle Lebewesen ohne Ausnahme miteinander verbunden.


    Deswegen kann sich auch in einem abgeschlossenem System am Niederrhein keine Problemlösung entwickeln, denn auch hier sind alle Stoffkreisläufe des Lebens unterbrochen und zu Stoffstrecken gemacht worden. Stoffstrecken haben aber zur Folge, daß sich auf deinen Seite Dinge anhäufen, während auf der anderen Seite der Nachschub fehlt.


    Es liegt daher nicht an einzelnen Völkern, ob sie eine Zähigkeit = robuste Gesundheit entwickeln, sondern an der gesamten Bioregion.


    Das ist einer der Gründe, weswegen ich keine Hoffnung habe, daß ein Kollaps des Lebens noch zu verhindern ist. Dazu benötigte die Menschheit als Ganzes ein Verständnis der Biologie, also des Lebens, dem Verständnis der Integration und Funktion in den stofflichen Lebenskreisläufen. Neben der Einsicht müßte daraus noch ein vernunftmäßiges Handeln erfolgen.


    Undenkbar, wenn Du dir die gesamte Menschheit unserer Bioregion ansiehst. Zumindest verlaufen die Ereignisse schneller als das wachsende Verständnis.


    Nun gut, ich bin Pessimist im Geiste und Optimist im Handeln.


    Um die fehlenden Bestandteile der Nahrung zu ergänzen und die überschüssigen Bestandteile abzuführen, arbeite ich mit einer Art "Dialyse und Eigenbluttherapie für Bienen". Außerdem versuche ich herauszufinden, welche Mikroben es im Bienenstock gibt, die ja die Nahrung für die Bienen aufbereiten und versuche für sie die optimalen Lebensbedingungen zu schaffen.


    Des Weiteren versuche ich herauszufinden, in welchem Zusammenhang diese Mikroben mit den Mikroben des Bodens stehen. Denn hier sehe ich durchaus Zusammenhänge. Die Mikroben sind in den Bienenstöcken ja durchaus vorhanden, nur fehlt ihnen das Baumaterial. Das kommt von den Pflanzen, die wiederum ihre Bausteine aus dem Boden beziehen. Und hier sind ganz ähnliche Mikroben (die gleichen?), wie im Bienenstock bei der Arbeit - wenn der Mensch sie arbeiten läßt.


    Es ist alles andere als Zufall, wenn Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen immer lebensschwächer werden und wenn unzählige Arten dahingerafft werden. Es ist auch nicht so, daß so etwas noch nie in der Geschichte aufgetreten wäre. Im Gegenteil - schon oft hat die Menschheit ihr eigenes Unheil auf sich gezogen. Nur gelernt haben ganz wenige Menschengruppen daraus. Vielleicht in der nächsten Runde.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hallo Bernhard,
    Danke für die Hinweise, die sind interessant.
    Vielleicht kannst du uns "Behandlern", ja mal dein "Nicht" Behandlungskonzept und deine Völkerführung vorstellen.
    Vor allem deine Hinweise, die zu einem Auflösen eine Volkes führen fand ich interessant.
    Zu der "Dialyse und Eigenbluttherapie für Bienen", würde ich auch gerne was wissen, falls du da Infos geben kannst/willst.
    Ich kann zur Zeit auch feststellen, dass manche Völker noch bzw. nicht ruhig sitzen.
    Das sind meiner Beobachtung nach welche die Probleme haben.
    Dies hatte Markus (Drohn), ja letzten Herbst schon erwähnt.
    Man kann beim Öffnen der Völker schon merken, welches unter "Belastungen" leidet.
    Natürlich sind wir "Behandler" geneigt auch so ein Volk zu retten, so denn noch genügend Bienen im Kasten sind.


    Gruss
    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Bernhard : wie löst du deine kritischen Fälle auf?
    Abfegen geht ja nicht im Stabilbau, und beim Abtrommeln bleibt die noch vorhandene Brut ja zum Sterben übrig....:-(


    Du hast völlig recht, was den Boden und seine Lebewesen angeht, aber ich hab noch nicht raus, wie ich aufbauende Populationen fördern kann, das meiste sind halt Destruenten....*seufz*
    Bäume hat es hier wahrlich reichlich, und der Boden darunter ist in den letzten 8 Jahren um tatsächlich 7cm gewachsen, ohne mein Zutun.
    Aber angesichts der Flugradien der Bienen ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, und reicht nicht, ganzjährig eine "vollwertige" Ernährung zu bieten.
    Und wenn ich die wachsende Maiswüste ringsum sehe, muß ich mich immer wieder am Riemen reißen, nicht depressiv zu werden.


    Ich danke dir ebenfalls sehr für deine ausführlichen Erläuterungen :p_flower01:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Eigentlich sollte aus diesem Beitrag,
    vom Bärenherz ersichtlich werden,
    wie solche Bauten entstehen dürfen!!! (hier kein RSF oder ZF vom Drohn!!!)


    z.B. diese http://www.aliquot.de/chartres/chartres.htm
    http://www.wieobensounten.de/diff/chartres.html


    Einen nicht zu nebligen November
    wünscht
    der
    Drohn


    @Bärenherz: der Drohn ist immer bei Dir!!!!

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  • Hallo zusammen,
    was ich hier lese, hat in weiten Teilen nichts mit Bienenhaltung zu tun.
    Oder sogar nichts mit artgerechter Bienenhaltung.
    Ich bewundere Beehead mit seiner konsequenten Haltung. Trauen sich wenige dazu.


    Völkerauflösen mag im Trend liegen, ist aber nicht die Lösung.
    Wichtig wäre, daß die Bienen die Chance kriegen, sich mit den Milben auseinanderzusetzen.
    >Destruenten< müßte ich googeln, aber Bäume gibt es bei mir reichlich. Und Erde auch.


    Mein Gott, hebt doch nicht ab und entfernt euch von den Bienen, D A S versteht doch keiner.


    >Abfegen, abtrommeln>
    Hallo, wir haben es mit Bienen zu tun.
    >wie löse ich meine kritischen Fälle auf?<
    Mir wird schwindelig bei diesem Kuschelbrief von Sabine an Bernhard.


    Zurück zum Thema.
    Ich meine, daß ein Dadant-Brutraum oder 4/3 Zander oder 1,5 Zander allein für sich gelten sollte.
    Mit allem Naturbau, allen Drohnen und allen Helfershelfern, die wir nur unter dem Mikroskop sehen können.
    Damit ist eine Basis geschaffen.
    Ein >Nicht-Behandeln< kann ich damit nicht garantieren, aber durch die natürliche Lebensweise, bin ich
    wenigstens einen Schritt weiter. Kann einige Dinge ausschließen.


    >Eigenbluttherapie< hier ist ein Vorbild gestorben.


    Beste Grüße, Udo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Zitat

    Ja, man kann jahrelang ohne Winterverluste imkern, indem man nur Ableger oder Kunstschwärme einwintert und die Altvölker im Sommer verkauft. Man kann auch etwas flunkern, dann passt es auch. Es gibt auch die Möglichkeit, man wendet die Zählmethode der Institute an und nennt keinen Stichtag.

    ...weil nicht sein kann, was nicht sein darf? :wink::daumen:
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo Bernhard,


    Danke für Deinen umfangreichen Beitrag - beeindruckende Gesamtschau. Nur eines habe ich vermisst: was denkst Du über die Haltung der früher in Deutschland lebenden Rasse der Dunklen Biene? Ich habe das Gefühl, dass die Carnica auch einfach ein grundlegendes Problem mit unserem Klima haben könnte, welches sich in Zukunft noch verschärft und was sie anfälliger für Krankheiten machen dürfte. Die Klimaerwärmung führt nicht nur zu mehr Wärme, sondern auch zu einer stark ansteigenden Verdunstung und mehr Niederschlag, was dieses Jahr hier stark zu spüren war.


    Die Dunkle Biene soll recht gut mit verregneten Sommern klar kommen. Außerdem könnte die lange Brutpause im Winter für die Varroa ein Problem sein. Gut, die Dunkle Biene ist nicht so stark auf Frühtracht spezialisiert, aber für gut-behandelnde Selbstversorger sollte dies in Ordnung sein. Vor allem Stadtimker könnten von ihr profitieren, da hier das ganze Jahr bis spät in den Herbst Tracht zu finden ist. Weiterhin sollte sich die Dunkle Biene gut in Naturschutzgebieten ohne frühe Massentrachten halten lassen. Ihre langsame Frühjahrsentwicklung verhindert, dass sie wilden Insekten zur Konkurrenz wird.


    So meine Frage: gehört nicht zu Gut-Behandeln mitunter auch, dass man eine einheimische Rasse hält? Gut, die Dunkle ist zur Zeit in Deutschland nur noch selten zu finden, aber die Reimporte könnten sich nach ein paar Generation wieder gut angepaßt haben.
    Ich habe das Gefühl, die Intensivierung der Landwirtschaft und die Einfuhr der Carnica sind nur zwei Seiten ein und der selben Medaille.


    LG
    Beorn