Thema Nicht-Behandeln

  • Hallo Udo,
    endlich einmal ein vernünftiger und klarer Beitrag von Dir.:daumen::liebe002:


    Bitte komme zum IFT....dann könnten wir Deine Fragen in aller Ruhe durchsprechen.
    Vielleicht finden sich dadurch so manche Antworten von ganz alleine...:wink:


    Herzliche Grüße
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)



  • Stolzer Bienenvater!


    Ich habe auch so einen hohen Boden und ähnliche Bilder geschossen. Im Stabilbau, wo die Waben seitlich und oben angeheftet sind und neben den Waben keine Zwischenräume sind, sieht man diese Bilder an kalten Tagen häufiger. Zumindest in der Warré. Die Bienen bilden an kalten Tagen eine Art Zwischenboden, wie sie früher in den Beuten verwendet wurden (heute noch verwendet werden?), damit die Kälte und der Wind nicht in das Brutnest schlägt. Sie bilden eine Art Teppich oder Vorhang und decken damit die unteren Ränder der Waben zu. Wenn die Waben unten verschlossen werden, müssen die Bienen oben das Brutnest weniger heizen.


    Dabei bedeuten diese Bilder nicht zwingend, daß die ganze Kiste gerammelt voll ist mit Bienen, sondern der gebildete Zwischenboden aus Bienenleibern ist unten, oben sind dann relativ wenige Bienen, die sich dann im abgeschlossenen Raum um die Brut kümmern.


    Deswegen würde mich mal interessieren, wie denn der Blick von oben auf die Rähmchen aussieht und ob sich dort ähnlich viele Bienen tummeln.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Hallo,
    Bernhard schreibt:

    Zitat

    Dabei bedeuten diese Bilder nicht zwingend, daß die ganze Kiste gerammelt voll ist mit Bienen, sondern der gebildete Zwischenboden aus Bienenleibern ist unten, oben sind dann relativ wenige Bienen, die sich dann im abgeschlossenen Raum um die Brut kümmern.

    Auch seine weiteren Erfahrungen

    Zitat

    Ich habe auch so einen hohen Boden und ähnliche Bilder geschossen. Im Stabilbau, wo die Waben seitlich und oben angeheftet sind und neben den Waben keine Zwischenräume sind, sieht man diese Bilder an kalten Tagen häufiger. Zumindest in der Warré. Die Bienen bilden an kalten Tagen eine Art Zwischenboden, wie sie früher in den Beuten verwendet wurden (heute noch verwendet werden?), damit die Kälte und der Wind nicht in das Brutnest schlägt. Sie bilden eine Art Teppich oder Vorhang und decken damit die unteren Ränder der Waben zu. Wenn die Waben unten verschlossen werden, müssen die Bienen oben das Brutnest weniger heizen.


    Dabei bedeuten diese Bilder nicht zwingend, daß die ganze Kiste gerammelt voll ist mit Bienen, sondern der gebildete Zwischenboden aus Bienenleibern ist unten, oben sind dann relativ wenige Bienen, die sich dann im abgeschlossenen Raum um die Brut kümmern.

    Jetzt muss ich auch mal auf dem Boden krabbeln und rein sehen.


    Ich sammle gerade Informationen zum Thema Beobachtungen am Flugloch. Es soll so einen Art kollektive Wissensdiskussion im Verein geben. Ich hoffe, dass ich die Diskussion in den Griff bekomme. Da sind mir beide Informationen wichtig. Ich kenne solche Vorlagerungen vor dem Flugloch. Wenn der Wald nicht honig, fahren die Imker aus der Republik in die Pfalz. Dort herrscht dann eine nicht vorstellbare Bienendichte. Man kann eigentlich nur mit Bienenfluchten ernten. Unser neuer Mitwanderer musste abkehren. Im nu fand eine noch nie gesehene Räuberei statt. Alle Völker bildeten vor dem Flugloch einen Barriere von mehreren tausend Bienen. Ich hatte das noch nie gesehen.


    Gruß
    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo Remsi,


    ich hatte das Bild nur deshalb in diesen Fred gestellt, um Bienenpeters Befürchtung zu zerstreuen, dass es Bienen, die nach den Richtlinien der Varroatoleranzzucht AG gezogen worden sind, an Vitalität fehlen könnte.


    Um Missverständnissen vorzubeugen:


    Das vorgestellte Volk ist zwar stark, vital und gesund, musste in diesem Jahr aber schon mehrfach mit Ameisensäure behandelt werden, um nicht so zu enden.


    Zitat


    Ich kenne solche Vorlagerungen vor dem Flugloch.


    Vor dem Flugloch (gelb) sieht es zur Zeit -wir haben Nieselregen und ca. 10 Grad Celsius- nach toter Hose aus.



    Dahinter sieht man, wie je nach Volksstärke in die hohen Unterböden, die alle nicht mit einer Bausperre versehen sind, gebaut worden ist.



    Dass die Bienen die Futterwaben in der obersten Zarge viel schwächer besetzen als die Waben im hohen Unterboden, wird die Praktiker unter uns wohl kaum überraschen.



    Abgerechnet wird ohnehin erst im April 2011.


    Mit freundlichen Grüßen
    Rubikon

  • Bei mir sieht es aktuell eher so aus, dass die Wabengassen voll sind, da hier höhere Temperaturen sind und die Wintertraube noch nicht gebildet wurde.


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Schönen Abend liebe Leut,


    könnten wir, so gut nach einem Jahr wieder zur Ausgangsfrage zurückkehren, die Dieter gestellt hat?


    Ich denke mal, am wenigstens sind hier Nichtbehandler zu Wort gekommen, mehr doch die Behandler, das andere war buisiness, than usually.


    Daß wir irgenwann mal dahin müssen, ich mein, ohne zu Behandeln, dürfte wohl jedem klar sein.


    Wenn wir allerdings so weitermachen, brauchts einfach länger. (Vergraulen der Nichtbehandler, statt lernen.)


    Ich denk oft an die Perizinzeit zurück.


    Als die AS und MS aufkam, welch ein Wunder, geht das überhaupt?


    Aber der Anfang war mühsam.


    Dann OS träufeln 100 Gramm auf 1 Liter Zuckerwasser und das 2x, nach ital. Anweisung - welch ein Fiasko!?


    Wenn uns unsere Honigvögel was wert sind, dann müssen wir ihnen eine gesunde Grundlage bieten, angefangen von dem Nahrungsangebot (das schwierigste Unterfangen),


    eine intakte Umgebung und eine artgerechte Behausung, sowie eine vorausschauende Betriebsweise, die eine minimalste Medikamentierung (besser ist nat. gar keine) beinhaltet.



    Was ich sagen will: Man denkt zuviel und die Angst tut das übrige.


    Vielleicht sollten wir einfach wieder mal anfangen, wie Manne dies mal beschrieb, der die Varroabehandlung einfach mal vergaß, - oder Drohn sagt: wir messen ihr zuviel Bedeutung bei und es sei gut, daß sie da sei, denn....
    - oder Bernhard, dem das konvi. Imkern, einfach nicht gefiel und einen anderen Weg beschritt.


    Warum hören wir nicht zu?


    Alle Krankheiten, die ich kennengelernt habe bei den Bienen, waren irgendwann kein Thema mehr, nachdem wir tonnenweise Müll und Geld reingekippt haben, was nichts half, außer daß damit das Wachs belastet wurde.


    Bitte, Nichtbehandler, habt Ihr hier wieder das Wort und sagt uns auch so unschöne Sachen, wie: weniger Honigertrag, mehr Stiche, weniger Eingriffe, Wald und Wiesenbiene...usw. .... - so könnt es klappen mit einer nichtzubehandelnden Biene - aber laßt uns doch um Gottes Willen nicht dumm sterben; -- Nein, was red ich, laßt sie, die Honigvögel nicht sterben.


    Fangen wir doch einfach nochmals an, auf Seite 1. zu lesen.....


    Gute Nacht
    Simon

  • Na dann holen wir die Fragen von damals noch mal hervor.




    D = Definitionssache :wink:
    Ein "echtes" Nichtbehandeln schließt alle imkerlichen und menschlichen Eingriffe jeglicher Art aus, was einer Bienenkolonie in der Wildnis fern der Menschheit entspräche.
    Das hört sich nach Wortklauberei an, aber es ist einfach wichtig zu verstehen, daß alleine die Einflüsse unserer Unkulturlandschaft enorm sind, indem sie vor allem die Nahrung negativ beeinflußt. Das alleine hat große Auswirkungen auf den Bien als Gesamtheit des Bienenvolkes. Die Nahrung jedoch ist die Medizin für alle Lebewesen und sie ist es auch, die eine Ausgeglichenheit schafft. Allein diese Tatsache ist es, daß wir bereits zu den Behandlern gehören.


    Sobald die Bienen dann auch noch in unserer Obhut sind, nehmen die Beeinflussungen und damit die Behandlungen des Biens weiter zu. Wir bestimmen den Standort, wir bestimmen Material der Beute usw. usf. Auch das ist Behandlung.


    Wieder hört sich das nach Wortklauberei an - aber es ist wieder wichtig zu verstehen, daß alles, was wir mit den Bienen anstellen, seine Wirkungen auf den Bien hat. Schon weit bevor wir zu Medikamenten greifen, haben wir die Bienen also behandelt.


    Daß wir überhaupt zu Medikamenten greifen müssen - ist das eine Folge aus unseren vorherigen Behandlungen?


    Das ist die Kernfrage derjenigen, die sich mit dem Nichtbehandeln beschäftigen, wobei Nichtbehandeln ein falscher Begriff ist und korrekterweise eher Wenig-aber-gut-behandeln heißen müßte.


    Um der Kernfrage nachzugehen, welche Wirkungen unsere Handlungen als Imker auf die Bienen haben, sind einige der Imker, die sich damit befassen, hingegangen, und haben Schritt für Schritt die Behandlungen (Eingriffe) reduziert, um herauszufinden, welcher Eingriff oder welche Be-Handlung nun Ursache ist für die schweren gesundheitlichen Störungen.


    Soweit ich das verfolgen konnte - und so stellt sich das auch mir selbst dar - gibt es keinen einzelnen Eingriff oder Behandlung, die als alleinige Ursache herangezogen werden kann. Vielmehr zeigt es sich, daß es die Summe aller Eingriffe, Einwirkungen und Maßnahmen ist. Sozusagen Tropfen für Tropfen füllt sich das Faß, bis es mit einem einzigen weiteren Tropfen beginnt überzulaufen.


    Mit dieser Einsicht an der Hand fingen also eine ganze Menge Imker daran herauszufinden, wie die Bienen gut behandelt werden. Also zu fragen: Was kann ich den Bienen Gutes tun? Hier orientieren sich einige Imker, die ich kenne, an dem Zustand eines wilden Volkes, wobei vor allem die Arbeiten von Morse und Seeley herangezogen werden, die ihr Leben lang solche wilden Völker beobachteten und sezierten.


    Es gibt also schon einiges, was sich da Gutes machen läßt. Allen voran ist der von mir geliebte Stabilbau eine gute Tat den Bienen (doch auch hier nicht allein entscheidend).


    Trotzdem erlitten viele Imker, die sich mit Herz und Verstand um ihre Schützlinge kümmerten, immer wieder mal herbe Rückschläge. Dazu unten weiter mehr und konkretes.


    Das warf viele Fragezeichen auf.


    Weil man den Bienen im Innern des Bienenstockes alles Recht gemacht hat und wieder Probleme auftraten, ist man auf die Idee gekommen, die Einwirkungen von außen zu untersuchen.


    Wieder suchte man die einzelne Ursache, die Ursache schlechthin unter vielen Faktoren. Angefangen von Pestiziden, von Klimaveränderungen, von Monokultur und Nahrungsarmut.


    Wieder zeigte sich, daß auch hier eher die Summe der Behandlungen ausschlaggebend ist und wieder ein überlaufendes Faß vorzufinden ist.


    Um es kurz zu fassen: Kein Lebewesen steht alleine für sich in der Welt da, auch die Bienen sind in ein Netzwerk von Lebewesen eingeflochten.
    Da die Menschheit als Ganzes seine Umwelt und die Lebewesen schlecht behandelt, und hier ist vor allem die Landnutzung mit ihrer Bodenveränderung an erster Stelle zu nennen, steuern wir auf einen Kollaps zu. Die Bienen sind nur ein Kanarienvogel, wie sie früher mit in die Minen getragen wurden, denen vor uns der Lebensstoff ausgeht.


    Kein Medikament, keine biotechnische Maßnahme wie das Drohnenschneiden oder kleine Zellen - noch nicht mal die gute Behandlung durch den Imker der Bienen wird diese Entwicklung aufhalten können. Auch eine Resistenzzucht wird nicht gegen die schlechte Behandlung der Natur durch den Menschen helfen. Ich verweise hier nur auf die allgemeinen Probleme aller Bestäubungsinsekten und aller Lebewesen, die einem wahnwitzigen Artensterben ausgesetzt sind.


    Die Menschheit begeht aber vor allem einen Fehler: sie behandelt (also wirkt ein) den Boden schlecht. Der Boden ist aber die wichtigste Lebensgrundlage schlechthin, denn in ihm wird die Nahrung produziert, von dem sich die Lebewesen nähren. Hierüber schreibe ich zurzeit einen kleinen aber detaillierten Aufsatz im Zusammenhang mit Bienen.


    Die Quintessenz ist:


    - Es gibt keine Nichtbehandlung. Die Behandlung durch die Menschheit und durch den Imker ist immer gegeben.
    - Wenn also immer behandelt wird, dann wenigstens gut. Orientierung an der Natur, so gut wie sie sich in die Gegebenheiten einbinden läßt.
    - Die Einflüsse von außen sind zu stark.


    Die Hoffnung und der Mut sinken ob solcher Erfahrungen und Einsichten, denn die aufgehäuften Probleme sind gigantisch. Selbst auf Ebene der Geologie der Kontinente hat die Behandlung des Bodens durch den Menschen seine Auswirkungen - gigantisch! Und die Hoffnung sinkt zu Recht.


    Meine persönliche Meinung ist, daß da nichts mehr zu retten ist. Ich bin jedoch Pessimist im Geiste und Optimist in der Tat.



    * Wie sind eure Erfahrungen auf dem Gebiet?


    Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, sind gut. Gut deswegen, weil ich aktiv bin, jeden Tag etwas Neues hinzulerne und der Ohmacht des Passiven entflohen bin.
    Lernen hat immer etwas mit Fehlermachen zu tun und die beste Art zu lernen ist, die Fehler, die bereits Andere gemacht haben, nicht zu wiederholen oder deren Auswirkungen zumindest zu mildern. Ich persönlich habe mich stets mit anderen zusammengetan, wobei mir hier die Englischkenntnisse zu Gute kommen, wodurch ich in regen Kontakt mit vielen Imkern im englischsprachigen Raum stehe, die sehr aktiv die Besserbehandlung betreiben und dabei zu einem großen Teil auf Medikamente jeglicher Art verzichten. Ich konnte viel lernen und übernehmen, was vor allem der Offenheit entsprang, mit der die Erfahrungen dort ausgetauscht werden. Wir sind in Deutschland auf gutem Wege, diese Offenheit zu entwickeln, womit allen Beteiligten, vor allem den Bienen geholfen wäre.



    * Wie setzt sich die Betriebsweise zusammen?


    Die Betriebsweise ist nebensächlich.
    Es kommt darauf an, alle seine Handlungen, Eingriffe und Wirkungen zu optimieren und miteinander in Harmonie zu bringen, so daß sie dem Bien gut tun.
    Das Problem mit der Minderwertigkeit der Nahrung, die ja aus der Landschaft/Bioregion gesammelt wird und dessen Bestandteile ein Abbild des Bodenzustandes sind, bleibt aber ungelöst.


    * Wie lange macht ihr das schon?


    Persönlich gehe ich ins (verflixte?) siebte Jahr der guten Behandlung. Andere Erfahrungsträger machen das schon vier oder auch schon zwanzig Jahre. Im englischsprachigen Raum sind es etwa 500 Imker, die auch schon vier, fünf oder zehn Jahre ohne Medikamente auskommen. Ich selbst ernte nur für meinen eigenen Bedarf etwa 30 Kilogramm pro Jahr, andere jedoch haben ganz normale Ernten. Die Bienen sind mitnichten Mickerlingen, sondern allein wegen der guten Pflege stark.


    * und zu guter letzt, wie ist die Überlebensrate?



    Die meisten Imker wollen hier Prozente hören. Wenn Du den Schnitt der Erfahrungen aller oben genannten Imker willst: 30 % gehen ein, 70 % überleben.


    Prozentwerte sind jedoch nichtssagend. Jemand mit einem Volk wird in einem Winter nicht 30 % Verlust haben und jemand mit hundert Völkern gleicht höhere Verluste schneller aus.


    Jemand mit einem einzigen Volk hat höhere Chancen auf 0 % Verlust. Denn er kann sich gut um das Volk kümmern und es beobachten. Und frühzeitig eingreifen, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Dazu ist sicher viel Fingerspitzengefühl notwendig, weswegen gerade Anfänger - aber auch ungeübte Fortgeschrittene - der Imkerei in Schwierigkeiten mit der Nichtbehandlung, besser Gutbehandlung, geraten.


    Praktisch bedeutet das, daß Du alle Krankheiten sicher erkennen können mußt. Einer der größten Fehler der Imkerschaft heute ist es, alles auf die Varroa abzuschieben - ich habe die Erfahrung gemacht, daß eben nicht die Varroa, sondern größtenteils die Unaufmerksamkeit des Imkers die Schuld am Zugrundegehen eines Volkes ist. Größtenteils bedeutet größtenteils, nicht mehr und nicht weniger. Die Varroa ist nur in geringen Fällen der wahre Urheber von Problemen eines Volkes. Ich will nicht damit nicht sagen, daß sie keine Probleme bereitet, nur daß allgmein die pauschale Diagnose Varroatose viel zu schnell getroffen wird. Dabei sind viele Anzeichen anderer Krankheiten der Anzeichen der Varroatose sehr ähnlich.


    Praktisch bedeutet das auch, daß Du auch die normalen Zeichen eines Volkes deuten lernen mußt, was wiederum Zeit und Muße für Beobachtungen erfordert. In der heute hektischen Zeit und bei einer Vielzahl von Völkern, die alle versorgt werden wollen, kann das schnell zu kurz kommen. Mit den entsprechenden Folgen. Wer hat denn noch einen Klappstuhl vor dem Bienenhaus oder Bienenstand stehen? Wer verbringt denn noch jeden Tag eine halbe Stunde vor dem Flugloch eines Volkes?


    Praktisch bedeutet das auch, daß Du bei negativen Anzeichen behandeln mußt. Und hier ist es die Frage, wie Du behandelst. Im Idealfall entdeckst Du eine ungünstige Entwicklung im Frühstadium. Wassermangel. Futtermangel. Brutschäden zum Beispiel durch Unterkühlung. Eine ungünstige Entwicklung des Beutenklimas, allen voran die Feuchtigkeit, welche von den Bienen nicht oder nur wenig reguliert werden kann. Diesen Fehlentwicklungen ist sinnvoll entgegenzuwirken.


    Das hört sich wie das kleine Einmaleins des Imkerns an. Ist es auch. Es ist die Grundlage einer guten Behandlung durch den Imker.


    Auf diese Weise läßt sich auch den schlechten Einflüssen der Landschaft und des Wetters zum größten Teil entgegenwirken. Auf diese Weise gut behandelte Völker überleben in der Regel ohne Probleme und ohne dauernde medikamentöse Behandlung.


    In der Regel bedeutet, daß in einem Intervall von etwa fünf Jahren große Verluste drohen. Das ist ein Durchschnittswert aus der Erfahrung vieler Imker. Die Zahl der natürlich fallenden Varroen schnellen nach oben und die Völker brechen ohne Hilfe zusammen. Da schauen nur wenig untätig zu, sondern unterstützen die Bienen durch Behandlung unterschiedlichster Art. Die Imker mit Rähmchen und Topbarhives gehen vor allem mit Puderzucker vor, indem sie jede Wabe, die mit Bienen besetzt ist einpudern. Und diese Behandlung wird über mehrere Milbenzyklen wiederholt, bis sich der Zustand beruhigt. Andere Imker gehen hin und lösen solche Völker einfach komplett auf. Andere behandeln sehr erfolgreich mit ätherischen Ölen, was durchaus auch mit Zahlen und Werten fallender Milben und von Bienenproben erhaltene Milbenzahlen belegt wird. Die ätherischen Öle werden dabei als Kontaktgifte angewandt, ähnlich wie die anderen herkömmlichen Varroazide.
    Einige gehen mit organischen Säuren vor.


    Hier sind wir wieder an den Punkt gelangt, wo eine medikamentöse Behandlung vorgenommen wird. Jedoch wird eine dauerhafte medikamentöse Behandlung jedes Jahr vermieden, sondern nur bei tatsächlichen Bedarfsfällen eingesetzt - meist weit bevor es ein Notfall wird! Dazu ist eine gute Beobachtung der Völker notwendig, die über das normale Stockkartensystem und Zählen von Milben hinausgeht.


    Die Häufigkeit der medikamentösen Behandlungen ließ sich also stark reduzieren. Die regelmäßig wiederkehrenden Problemjahre, die nicht nur für ein Volk, sondern wie sich zeigt, weltweit (!) auftreten, deuten darauf hin, daß auch die Ursache für diese weltweit auftretenen Problemjahre auf größerer Ebene zu suchen sind.


    Dieses Jahr 2010 ist ein solches Problemjahr. Nicht nur hier in Deutschland purzeln die Milben in einer hohen Zahl, auch in England, in den USA, Kanada, Schweden und Spanien. Das ist doch schon sehr bemerkenswert, wenn dies zeitgleich auf der ganzen Welt so vor sich geht.


    Entsprechend haben viele der Nichtbehandler/Gutbehandler in diesem Jahr Maßnahmen getroffen. Jeder wählt die Methode, die er am besten beherrscht und auch nachweislich kontrollieren kann.


    Das erklärte Ziel ist es, ganz von der Behandlung mit Medikamenten abzukommen. Daher werden jetzt von der losen Nichtbehandler/Gutbehandler-Gemeinschaft zunehmend die Einflüsse von außen untersucht, insbesondere der Einfluß der Nahrung. Hier bin ich nicht der einsame Rufer in der Wüste, wenn ich mich mit den Mikroben im Bienenstock und im Humus des Bodens beschäftige, sondern nur einer von vielen Imkern und auch Wissenschaftlern. Denn Nahrung ist nicht alleinstehend, sondern unterliegt einem Nahrungskreislauf. Der wiederum unterliegt den regionalen Bedingungen, die wieder in globale Prozesse eingebunden sind.


    So wie es sich abzeichnet, fehlen der Nahrung (also der Nahrung des Menschen wie der Bienen gleichermaßen, denn Nahrung unterliegt einem Nahrungskreislauf) essentielle Bestandteile, weswegen die Lebewesen, die sich davon ernähren Schritt für Schritt degenerieren, was auch auf die Verbindung der Genetik mit der Nahrung zurückzuführen ist.


    Weswegen fehlen aber die Bestandteile? Ganz einfach, weil sie nicht synthetisiert und produziert werden. Warum werden sie nicht produziert? Weil die Lebewesen, die dafür zuständig sind, durch die Bodenbehandlung des Menschen ihrer Arbeit nicht nachgehen können.


    Ich hoffe, ich konnte die Situation in Kürze zusammenfassen.


    Ich glaube nicht, daß wir die Ereignisse, die jetzt noch folgen werden, aufhalten oder abwenden können. Sie sind folgerichtig und haben bereits eine Eigendynamik entwickelt, wie sie nur in der Natur an Gewaltigkeit entstehen kann. Ich erkenne also die Umrisse der auf uns noch zukommenden Probleme und ... pflanze Bäume. Denn etwas besseres können wir nicht tun.


    Es tut mir leid, wenn die Nichtbehandler/Gutbehandler keine bessere Lösung vorlegen können, als oben aufgezeichnet. Es gibt keine Betriebsweise und schon gar keine Beute, welche die Wirkungen der globalen und regionalen Probleme aus der widernatürlichen Bodenbehandlung, der Minderwertigkeit der Nahrung und die fehlenden Zusammenhänge des Nahrungskreislaufes (der damit zur Nahrungsstrecke wird), entgegen wirken kann. Diese Beute und Betriebsweise gibt es nicht.


    Was bleibt, ist es eine Kultur zu schaffen, die unseren Bienen gut tut. Diese Kultur gegenüber unseren Bienen auf den Boden auszudehnen, ist ein weiteres erstrebenswertes Ziel. Diese dann auf die Kultur unserer Gesellschaft auszudehnen - das ist Utopie.


    Wichtig zu bemerken ist an dieser Stelle, daß Kultur sich dadurch auszeichnet, daß sie die lokalen Begebenheiten berücksichtigt. So ist die Kultur der Gutbehandlung immer eine lokale Lösung. Eine Kultur und dementsprechend Handlungen oder Lösungen für alle Gegebenheiten gibt es nicht. Das liegt einfach daran, daß die Begebenheiten so unterschiedlich sind, daß sie eine lokale Anpassung erfordern.


    Zum Schluß noch Anmerkungen für Anfänger und Kulturbegeisterte:


    Anfänger : Wie oben bemerkt, ist Fingerspitzengefühl und Erfahrung notwendig, um das Richtige und Gute den Bienen angedeihen zu lassen. Traut euch eigene Fehler zu machen - aber auch zu erkennen! Und traut euch, den erfahrenen Imkern zu folgen. Oftmals behandeln sie ihre Bienen nicht gut, auch wenn sie es gut meinen. Doch sie sind keine Idioten, sondern besitzen einen reichen Erfahrungsschatz, so daß wir nicht alle Fehler selber durchmachen müssen. Das kleine Einmaleins des Imkerns kannst Du von fast allen alten Imkern erlernen, auch wenn die neue Mode darin besteht, alles der Varroa in die Schuhe zu schieben. Ich selbst habe mir viel selber angeeignet, auch durch intensive Beobachtung und Lektüre. Die Juwelen meiner Erkenntnisse jedoch stammen von alten Imkern, die das "alte Handwerk Imkerei" noch aus eigener Erfahrung kennen. Als Anfänger weiß man es nicht besser als andere Imker. Das hört sich merkwürdig an, doch dem Anfänger steht etwas Zurückhaltung gut zu Gesicht. (Weiß ich jetzt :wink:)


    @Kulturbegeisterte: Mit Kulturbegeisterte spreche ich die Um- und Einsteiger in die Nicht-/Gutbehandlung an. Wenn ihr tote Völker sehen wollt, dann hört einfach auf zu behandeln. Die Erfahrung vieler Umsteiger zeigt, daß die behandelten Völker bei einem einfachen Unterlassen ohne weiteres Zutun, schon im ersten, spätestens im zweiten Jahr elendig zugrunde gehen. Totalausfall ganzer Stände! Das gilt nicht nur für Vollvölker, sondern auch für Schwärme oder Ableger aus behandelten Völkern.


    Es ist daher absolut notwendig, die Völker zu beobachten, was Anzeichen für Krankheiten und Fehlentwicklungen betrifft und je nach Umständen und eigenem Können (!) zu handeln, am liebsten gut zu be-handeln.


    Die Erfahrung zeigt, daß Naturschwärme eine signifikant höhere Lebensfreude und entsprechend Überlebensstärke mit sich bringen, wovon die Vorschwärme immer noch am meisten überzeugen. Diese sind also eine gute Grundlage für einen eigenen Um-/Einstieg.


    Der Rest ist Handwerk und die Bereitschaft, sich mit den Bienen auseinanderzusetzen. Wieder will ich betonen, daß die Varroa nicht immer die Ursache für Probleme ist - eine genaue Beobachtung bereits vor dem Eintreten von Problemen und eine noch genauere Diagnose von eingetretenen Problemen kann nur von ausgiebigem Nutzen sein.


    Persönlich hat es mich ermutigt, aktiv zu sein anstatt passiv. Zu Lernen durch Eigenintiative und dadurch Erfahrung und Sicherheit zu gewinnen. Und kleine Erfolge, die wissenschaftlich bedeutungslos, für mich selbst aber bedeutend sind. Diese Selbstbestimmung wünsche ich jedem.


    Ich wünsche allen Lesern hier auch die Erkenntnis, daß die meisten Nichtbehandler eben vielleicht doch Behandler sind, aber Gutbehandler, die ihre Bienen mindestens genauso lieben, wie alle anderen Imker auch. Die sich herantasten und bedächtig vorgehen.


    Das von manchen Parolen gezeichnete Bild des Nichtbehandlers, der Anfänger ist und sich über die anderen Imker erhebt, der schlampig arbeitet und ob seiner Verluste eine Völkerdieb ist, hoffe ich hiermit revidiert zu haben. Schwarze Schafe stechen aufgrund ihrer Eigenschaften hervor, sie sind aber nicht stellvertretend für die ganze Herde. :wink:


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Respekt Bernhard.


    Super Beitrag.


    Ich möchte im nächsten Jahr zu imkern anfangen. Was ich dann gegen die Milbe, für die Biene, machen soll, weiss ich noch nicht. Aber da ich keinen Totalverlust riskieren möchte werde ich wohl doch behandeln müssen.
    Aber erstmal muss ich mir einen erfahrenen Imker suchen.


    heig


  • Ich finde, dass diese Fragen gut gestellt sind. Oft habe ich den Eindruck, dass das sogenannte Nichtbehandeln zum Selbstzweck geworden ist und nicht als eine Methode gesehen wird, ein übergeordnetes Ziel zu erreichen. Ein solches Ziel könnte sein:
    Bienenhaltung ohne Medikamente betreiben in einer Form, dass die bisher bekannten Krankheiten und Parasiten langfristig im Zaum gehalten werden können, ohne dass Resistenzen auf der Seite der Krankheit oder des Parasiten entstehen können. Mit Chemikalien lässt sich dieses Ziel vermutlich nicht erreichen, wohl aber mit einer Völkerführung, die die Biologie der Milbe ausnutzt. Deshalb ist die sogenannte Nichtbehandlung nicht das allein selig machende Mittel, denn das genannte übergeordnete Ziel kann vermutlich auch auf andere Weise erreicht werden.
    Man kann vermuten, dass unter Anwendung biologischer Methoden bei gleichzeitiger Selektion auf niedrigen Milbenbefall eine Verbesserung des Zusammenlebens von Milbe und Biene erreicht werden kann. Gleichzeitig hat dieses Vorgehen den Vorteil der Vereinbarkeit mit der Bienenseuchenverordnung, da dieses Verfahren in "Varroa unter Kontrolle" beschrieben und als Varroabekämpfungsmaßnahme deklariert ist. Es ist also möglich, darüber offen und ohne vorgehaltene Hand miteinander zu kommunizieren.
    Bei Beschreitung dieses Weges stelle ich mir die ablaufenden Mechanismen folgendermaßen vor:
    1. Der kompletten Brutentnahme kann die Varroa nur entgehen, wenn sie sich nicht in der Brut befindet. Daher wird die Varroa durch die komplette Brutentnahme auf eine Verlängerung der phoretischen Phase selektiert. Das wiederum hat zur Folge, dass die Bienen mehr Gelegenheit erhalten, die aufsitzenden Varroen aufzuspüren. Außerdem steigt der Verlust der Varroen durch Austrag aus dem Stock an. Schließlich bedeutet eine Verlängerung der phoretischen Phase auch eine Verlängerung des Brutzyklus der Milbe. Alle diese Wirkungen reduzieren die Vermehrungsrate der Milbe, führen also nicht zur Selektion einer stärkeren Milbe.
    2. Der Fangwabe kann sich die Varroa ebenfalls nur dann entziehen, wenn sie die Brut ignoriert. Daher entstehen dieselben Wirkungen wie bei der kompletten Brutentnahme. Wenn die Fangwabe in Kombination mit der kompletten Brutentnahme angewendet wird, dann fängt sie bevorzugt Milben mit einer phoretischen Phase von weniger als 7 Tagen. Sie macht deshalb gerade solchen Stämmen mit hoher Reproduktionsrate den Garaus.
    Eine rein biologische Methode ist mit einer Winterbehandlung nicht zu vereinbaren, da diese immer mit Chemikalien erfolgt. Daher ist damit zu rechnen, dass Völker mit einer geringen Gegenwehr gegen die Varroa trotz der Behandlung im Folgejahr zusammenbrechen. Deshalb ist eine Überwachung aller Völker auf den befall spätestens ab Juni erforderlich, um Zusammenbrüche und damit die Besiedlung von Ständen anderer Imker der Umgebung mit der Varroa zu vermeiden. Ich würde solche Völker sanieren, evtl. über Kunstschwarm + Fangwabe, aus der Nachzucht ausschließen und so bald wie möglich umweiseln.
    Ein Geständnis muss ich leider machen:oops:: Ich hatte in den 1,5 Jahren seit meinem Neubeginn mit der Imkerei nach ca. 40 Jahren Pause (damals gab es die Varroa hier nicht) noch nicht ausreichend Zeit, um die hier beschriebenen Feststellungen selbst zu erproben. Daher ist das kein Erfahrungsbericht. In 3 Jahren wird das hoffentlich anders aussehen.
    Gruß Ralph

  • Bernhard


    Vielen Dank für deinen langen Beitrag, Bernhard! So lang er auch ist so wenig redundant und dafür klar verständlich ist er. Ich finde mich da gut wieder.


    ... muss mir gleich mal einen Klappstuhl - wetterfest - besorgen. Und gute Brillen, kleines Fernglas, Thermoskanne.


    Holbee


  • Anfänger : Wie oben bemerkt, ist Fingerspitzengefühl und Erfahrung notwendig, um das Richtige und Gute den Bienen angedeihen zu lassen. Traut euch eigene Fehler zu machen - aber auch zu erkennen! Und traut euch, den erfahrenen Imkern zu folgen. Oftmals behandeln sie ihre Bienen nicht gut, auch wenn sie es gut meinen. Doch sie sind keine Idioten, sondern besitzen einen reichen Erfahrungsschatz, so daß wir nicht alle Fehler selber durchmachen müssen. Das kleine Einmaleins des Imkerns kannst Du von fast allen alten Imkern erlernen, auch wenn die neue Mode darin besteht, alles der Varroa in die Schuhe zu schieben. Ich selbst habe mir viel selber angeeignet, auch durch intensive Beobachtung und Lektüre. Die Juwelen meiner Erkenntnisse jedoch stammen von alten Imkern, die das "alte Handwerk Imkerei" noch aus eigener Erfahrung kennen. Als Anfänger weiß man es nicht besser als andere Imker. Das hört sich merkwürdig an, doch dem Anfänger steht etwas Zurückhaltung gut zu Gesicht. (Weiß ich jetzt :wink:)


    Schön das das auch mal so gesagt wurde. :)
    Ansonsten danke für den Beitrag. War lang aber eine aufschlussreiche Zusammenfassung.


    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Hallo Bernhard,
    danke für den guten Beitrag und die Klarstellungen.
    Schön finde ich das auch erwähnt wird, dass es um das Wohl der Bienen geht.
    Genau darum geht es. Ich kann ein Volk nicht "verrecken" lassen, wenn ich merke es schafft es nicht allein.
    Hat für mich was von unterlassener Hilfeleistung.
    Das heißt nicht um jeden Preis und nicht mit allen "Mitteln".
    Sich ernsthaft mit den Bienen und der Umwelt und den Einflüssen beschäftigen, bringt uns weiter.


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance