Formel für Futterberechnung

  • Hallo Ben,


    sagt Michael Bush auch, wann er diese Abschätzung macht? Das Brutaufkommen wird sich in den nächsten Wochen noch drastisch ändern.
    In deinem Fall brauchen nur 2 Waben Brut durch Futter ersetzt zu werden und du bist bei dem was Bush nahelegt. Der Brutumfang wird sicher noch eingeschränkt, dann kann es sein, dass du dieses Verhältnis bald erreichst. Wenn du diese Formel aber anfang Dezember zur Anwendung bringst, wird ein Volk trotz Einhalten der Regel, garantiert im Frühjahr verhungern. (Fast keine Brut, fast kein Futter - das ist ein Todesurteil für das Volk)


    Nach meiner Erfahrung wirst du noch füttern müssen. Egal wie du es drehst und wendest, 9kg Vorräte sind für den Winter selbst für ein eher kleines Volk zu knapp. Zumal kleine Völker im Frühjahr überproportional viel Futter verbrauchen. Die Formel von Bush, wird möglicherweise bei seiner Betriebsweise, seinem Jahresverlauf und einem festen Termin als Daumenregel funktionieren. Für unsere Umgebung mag es auch einen Termin geben, wo das ungefähr hinkommt. (Aber wann?)


    Rechne deine Gesamtwabenfläche lieber auf Zander, oder Dadantzargen um. Und sieh zu, dass der Futtervorrat mit hiesigen Erfahrungswerten übereinstimmt. Das ist weniger Raterei und Risiko, als zu erraten wann Michael Bush seine Völker schätzt und dann unseren Winterverlauf mit dem von Michael Bush zu vergleichen und munter weiterratend Auf- oder Abschläge machen zu wollen. Auch wenn ich deinen Wunsch verstehe, dass du deine Bienen gerne auf dem eigenen Honig überwintern lassen möchtest, ergänze lieber jetzt, als die Bienen im Frühjahr tot mit dem Kopf in den leeren Zellen zu finden. Selbst wenn du am Ball bleibst und die Futterversorgung im Frühjahr gut im Auge behältst, ist eine Notfallfütterung immer mit größerem Risiko (und Schaden) für die Bienen verbunden, als jetzt noch rechtzeitig zu ergänzen.


    Gruß
    Ludger

  • Wenn ich beim aktuellen Stand diese Faustregel anwende habe ich ein Problem, da ich in meinem Top Bar Hive nun 8 Brutwaben voll besetzt vorfinde und nur 3,5 ausgebaute Honigwaben. (Nachschwarm, einlogiert im Juni) Andererseits ist das ja ein natürlicher Schwarm gewesen, der sich die letzten Monate eigentlich (gefühlt) gut und gesund entwickelt hat genug Tracht abbekommen hat und eben auch keinen Honig von mir geklaut bekommen hat. Man sollte doch also meinen, die Bienen wissen schon was sie tun, oder?


    Den Absatz sollte man sich ausdrucken und an die im Frühjahr leeren Beuten tackern! Die Natur weiß schon was sie tut und alles soll leben! Schau Dich mal um, mit offenen Augen, und dann vergleich das was Du siehst mit den Filmen Deiner Kindheit, Heidis blühende Alm usw. und dann überlegst Du nochmal. Man kann schon meinen, das die Bienen wissen,was sie tun, aber man soll auch hoffen, das die Bienenhalter das ähnlich halten. Nur guter Wille ist schlicht zu wenig. Nich Dein Feingefühl muß einjustiert werden, sondern Dein gesamtes Weltbild. Lern imkern, oder laß es sein. Deine Zweifel ehren Dich und geben wirklich Anlaß zur Hoffnung, das Du eine Lernkurve hinbekommst, die sich nicht irgendwo im Februar mit dem Futterverbrauch Deiner Bienen schneidet. Verzeih mir die deutlichen Worte, aber ich hab schon so fürchterliche Dinge gesehen, wo Bienen aus ideologischen Gründen schlimm leiden mußten. Solange es den Bienen gut geht, kann jeder machen, was er will, aber da seh ich eine rote Linie.


    Also füttern!


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hey liebe Leute,


    Dank für die Antworten.


    Was mich angeht vorneweg: ich bin schon seit ein paar Wochen dabei dezent zuzufüttern, bin aber trotzdem eher der Theorie zugeneigt, dass es kein besseres Winterfutter als den eigenen Honig gibt und dass "mehr" nicht immer besser ist. Und genau dieses Abschätzen im Herbst, wann und wieviel man den Bienen eben unter die Arme greifen muss oder ob sie selbst (besser) zurecht kommen ist für mich momentan noch nicht einfach zu sehen. Es leuchtet mir ein, dass zu viel Füttern im Herbst besser ist als Notfütterung im Frühjahr, aber das heisst ja nicht, dass es nicht auch ein "zu viel" im Herbst gibt.
    Aber danke für eure Einschätzungen ich werde auf jeden Fall weiterfüttern und mal auf Dadant umrechnen.


    und jetzt noch ein bißchen Off-Topic: Ralf :

    Nich Dein Feingefühl muß einjustiert werden, sondern Dein gesamtes Weltbild


    Von meiner Frage auf meine Weltanschauung zu schließen halte ich für recht weit aus dem Fenster gelehnt. Daher hier mal kurz einen kleinen Einblick in meine selbige:
    - Ich stimme Jörg zu: Zum Lernen gehört das Fehler machen dazu. (und Kommunikation, denn dadurch kann man auch von Fehlern anderer lernen und muss sie nicht selbst machen.)
    - als diplomierten Biologen interessieren mich neben imkerlicher Praxis und Traditionen auch die von der Natur geschaffenen Prinzipien und Mechanismen, die ich verstehen möchte und die mich faszinieren.
    - ich glaube nicht an den Stein der Weisen. Selbst der erfahrenste Imker (oder allgemein: Meister seines Faches) macht Fehler und es lohnt sich immer bestehende Systeme und Praktiken zu hinterfragen.
    - Prinzipiell ist es besser auf starke Völker zu selektieren, z.B. indem man möglichst wenig eingreift, anstatt auch schwache Völker durch immer weiter steigenden Aufwand durchzubringen.


    Soweit liebe Grüße,
    Ben

  • (...) Faustregel (...) (Nachschwarm, einlogiert im Juni) Andererseits ist das ja ein natürlicher Schwarm gewesen, der sich die letzten Monate eigentlich (gefühlt) gut und gesund entwickelt hat genug(?) Tracht abbekommen hat und eben auch keinen Honig von mir geklaut bekommen hat. Man sollte doch also meinen, die Bienen wissen schon was sie tun, (...) Also man sieht sofort: das Feingefühl muss noch einjustiert werden... :)


    was unterscheidet einen 'natürlichen' Schwarm im Juni bzl. der Trachtlage in unserer natürlichen Landschaft von seinem wie auch immer gearteten 'unnatürlichen' Gegenstück? Was die Bienen wollen und was sie können ist zweierlei. Ende Juni gab es hier um Köln nix mehr, die Linde hat völlig versagt. Beispielsweise. Das 'natürlich' kannst Du schlichtweg vergessen in unserer jetzigen Landschaft, und auch im Paradies kommen nicht alle Schwärme durch. Wenn Du hundert Schwärme unter gleichen Bedingungen einschlägst und drei kommen nicht durch, dann stimmen Deine Aussagen bzl. der natürlchen Auslese, ansonsten isses Quatsch, wenn Du einen Schwarm bei Dir einquartierst und der dann zu schwächlich ist sich eine Busfahrkarte ins Nachbartal zu lösen, wo die Goldrute blüht. Da bist Du dann gefragt, als Imker. Wenn Du meinst, mit naturnaher Imkerei und den Honig nicht 'klauen' wär es getan, dann ist das Naturromantik pur. Das mein ich mit Feingefühl vs. Weltbild. Wenn Du wiegst und fütterst (fast egal womit, lassen wir 'Chance-auf-Faulbruthonig' mal außen vor), dann isses ja gut :)


    Beste Grüße,
    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • was unterscheidet einen 'natürlichen' Schwarm im Juni bzl. der Trachtlage in unserer natürlichen Landschaft von seinem wie auch immer gearteten 'unnatürlichen' Gegenstück? Was die Bienen wollen und was sie können ist zweierlei. Ende Juni gab es hier um Köln nix mehr, die Linde hat völlig versagt. Beispielsweise. Das 'natürlich' kannst Du schlichtweg vergessen in unserer jetzigen Landschaft, und auch im Paradies kommen nicht alle Schwärme durch. Wenn Du hundert Schwärme unter gleichen Bedingungen einschlägst und drei kommen nicht durch, dann stimmen Deine Aussagen bzl. der natürlchen Auslese, ansonsten isses Quatsch, wenn Du einen Schwarm bei Dir einquartierst und der dann zu schwächlich ist sich eine Busfahrkarte ins Nachbartal zu lösen, wo die Goldrute blüht. Da bist Du dann gefragt, als Imker. Wenn Du meinst, mit naturnaher Imkerei und den Honig nicht 'klauen' wär es getan, dann ist das Naturromantik pur. Das mein ich mit Feingefühl vs. Weltbild. Wenn Du wiegst und fütterst (fast egal womit, lassen wir 'Chance-auf-Faulbruthonig' mal außen vor), dann isses ja gut :)


    Beste Grüße,
    Ralf


    Ich verstehe deinen Standpunkt. Heisst ja auch nicht umsonst Völkerführung.. Und bin auch wirklich heiß drauf diese in der Gänze ihrer Eleganz zu erlernen [emoji57]

  • Hallo Ihr zweie,


    beide Standpunkte haben ihren Reiz. Aaaaber aus meiner mittelmäßigen Erfahrung als mittelmäßiger Imker kann ich sagen, daß man sich bei aller Naturromantik auch gern mal täuschen lässt. Natürlich gibt es andererseits auch auch totgeglaubte Völker, die dann im Frühjahr dann doch wieder fliegen.


    Ben : Dein Enthusiasmus in allen Ehren, aber wenn Du im Frühjahr ein fittes Volk haben willst, dann mach bitte keine Experimente und füttere es ordentlich auf!


    Gruß Jörg

  • Hallo Ben,

    aber das heisst ja nicht, dass es nicht auch ein "zu viel" im Herbst gibt.


    ja natürlich gibt es ein "zu viel" in dieser Jahreszeit. Lies dich mal im Forum ein wenig durch die Beiträge, dann wirst du oftmals den Hinweis finden, das Brutnest nicht zu weit einzuschnüren, solange die Bienen noch brüten sollen.


    Aber eine gewisse Reserve musst du trotzdem im Frühjahr in den Völkern haben. Nicht jeder Frühlingsverlauf ist gleich. "Normal" eingefüttert kann bedeuten, dass du im Frühling Futterwaben entfernst (insbesondere wenn mit Zucker eingefüttert wurde), kann aber auch bedeuten, dass du wegen eines späten Kälteeinbruchs, wo die Bienen schon in Brut sind und ihre Vorräte schneller verbrüten als man sich vorstellen kann, zitterst und bangst, ob du genug Futter in den Völkern hast. (Oder sogar doch noch nachfütterst.) Du brauchst eine gewisse Grundmenge für die Überwinterung, weshalb z.B. die Überwinterung auf einem Zanderbrutraum als schwieriger gilt, als auf zweien.


    Heizen verbraucht Kalorien, viele Kalorien. Honig mag gegenüber eingefüttertem Zucker noch zusätzliche Nährstoffspuren enthalten. Die Kaloriendichte ist aber identisch. Es ist also nicht so, dass ein Volk weniger Honig, als eingelagerten Sirup oder eingelagertes Zuckerwasser verbraucht. Außerdem kommt der Löwenanteil der wertvollen zusätzlichen Nährstoffe aus dem Pollen, den die Bienen idealerweise frisch eintragen.


    Es geht noch einen Schritt weiter. Wenn du Pech hast, ist dein eigener Honig stärker mit Umweltgiften, insbesondere Pflanzenschutzmitteln belastet, als der als 'leer' verschmähte Industriezucker. Die Aufreinigung, die dieser Zucker erfährt, kann unter Umständen auch ein Vorteil für die Biene sein. Standortwahl und Standortaufbau sind in meinen Augen wichtiger für eine gesunde Frühlingsentwicklung und Versorgung deiner Bienen, als sich aus Prinzip auf eine Überwinterung auf Honig festzulegen. Wenn dir Industriezucker und Futtersirup nicht geheuer sind, greife auf Biozucker oder Honig vom Kollegen zurück. Aber die Menge muss stimmen.


    Auf keinen Fall greife auf zugekauften Honig unbekannter Quelle zurück. Du musst sicher sein, dass das Futter frei von Faulbrutsporen ist. Davon kannst du nur ausgehen, wenn du die Imkerei aus der der Honig stammt, selbst kennst und weist, dass dort wenigstens in den letzten 2 Jahren entsprechende Untersuchungen stattgefunden haben.


    Ralf drückt es sehr plakativ aus, aber wenn du deine Bienen gesund erhalten willst, wirst du deine Umgebung genauer beobachten müssen, als man sich als angehender Imker das überhaupt vorstellen kann. Ich beobachte mit schmunzeln, wie ich bei jeder Radtour nebenher einen Blick auf Landwirtschaft und Vegetationsstruktur habe. Aber auch meine längst vergessen geglaubten Chemie- und Biologiekenntnisse bekommen neue Bedeutung, seit ich mich mit den Bienen und ihrer, unserer Umwelt auseinandersetze. Augen auf, nichts ist mehr einfach und viele Annahmen müssen auf den Prüfstand gestellt werden.


    Gruß
    Ludger

  • Hey ihr alle,


    danke für eure Antworten, die ja ein klarer Fingerzeig Richtung füttern sind. Habe dementsprechend am Wochenende auch noch mal 4 kg Sirup angeboten, und eine kleine Honigwabe, die ich bisher nicht mitgezählt hatte von aussen ans Brutnest rangehängt. Samstag und Sonntag gab es auf jeden Fall noch ordentlich gelbe Pollenhöschen (Goldrute?) und weiss bestäubte Rücken (indisches Springkraut?... Ist auf jeden Fall beides in der Nähe zu finden).


    Auch freue ich mich über die eher philosophischen Standpunkte, die hier teils versteckt und teils klar geäußert werden. Das hilft mir ein tiefgründigeres Verständnis für Imkerei und den Bien aufzubauen...


    Ich bin schon jetzt tierisch gespannt auf das Frühjahr und hoffe mal auf einen kurzen knackigen Winter...


    Lg Ben