Sammelthread zur Geschichte der Varroa

  • Die Varroa hat eine sehr interessante Geschichte - ich rege hiermit eine Sammlung über die Geschichte Varroa an.


    Hier der Anfang.


    Bei Google Books gibt es Auszüge aus dem Buch:
    Varroa Jacobsonioud Affecting Honey Bees: Present Status and Needs: Proceedings of a Meeting of the EC Experts' Group, Held in Wageningen, from 7th to 9th February 1983
    siehe: http://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=3nMXaiDDky4C&oi=fnd&pg=PA7&dq=varroa+ruttner&ots=CFotFJ1x3l&sig=bxH3PEMxvQ03bJiFJlyNTyJfSy0#v=onepage&q=varroa%20ruttner&f=false


    Darin berichtet F. Ruttner aus Oberursel über die Varroa und ihrer Geschichte.
    Apis mellifera und Apis cerana lebten anscheinend 100 Jahre lang in Ussurien/Sichote-Alin nebeneinander, beide mit Varroa, ohne dass es Schäden durch die Varroa bei der Apis mellifera gab.


    Zwischen 1965 und 1971 schädigte die Milbe die Apis mellifera-Völker. Von diesen zwei Ländern breitete sich die schädigende Milbe schnell über die damalige USSR aus.


    Ruttner stellt außerdem die Frage, ob die plötzliche Wandlung der vormals harmlosen Milbe zu einer Killermilbe (er bezeichnet es als Phänomen) durch einen erst kürzlichen vollzogenen Sprung der Milbe von Apis cerana auf Apis mellifera begründet ist, oder ob sich die Milbe selbst geändert hat.


    Bernhard

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von BernhardHeuvel ()

  • Hallo Miteinander,
    das Wissen um einen möglichen Wechsel des Wirtes der Varroamilbe, hielt trotzdem nicht davon ab, 1973 Versuche mit Apis cerana- Völkern im Taunus zu machen...
     
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hmm, also ich will niemanden heilig sprechen, aber angeblich hat die damalige USSR nach außen hin keine Informationen über die Ausbreitung der Varroa gegeben, diese Informationen lagen erst in 1978 vor, als es schon zu spät war. Asche auf das Haupt von Ruttner et al.
    Fraglich ist natürlich, warum dies solange Geheimsache blieb....


    Laut den ganzen Literaturangaben hat Oudemans die Varroa jacobsoni als Erster im Jahr 1904 beschrieben - hat jemand Zugriff auf das Papier?


    Wäre doch mal interessant, wie die Milbe dort beschrieben wird.


    Bernhard

  • Hallo Bernhard,
    zwei Möglichkeiten, um darüber etwas zu erfahren,
    wären meines Wissens folgende Anhaltspunkte:
    Imkerei zur Kolonialzeit in Indien.
    -es soll Anweisungen gegeben haben, wie man Königinnen der Westlichen Honigbienen in Völkern der A. m. cerana (damals noch indica) einweiselt.
    -Einfuhr von Völkern der A. m. mellifera.
    Oudemans war Niederländer, vielleicht haben die da mehr Infos.
    Ich weiß nicht, ob die Niederländer in ihren asiatischen Kolonien auch Bienen eingeführt haben.
    Viele Grüße
    Lothar

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  • Hallo Zusammen,
    für mich ist der interessanteste Aspekt an der Varroa-Geschichte der Befallsverlauf im Primorski-Gebiet. Schließlich ist in dieser nicht-tropischen Region in relativ kurzer Zeit nach Einführung der europäischen Honigbiene (deutlich weniger als 100 Jahre) eine varroafeste Bienenpopulation entstanden.
     
    http://www.imkerforum.de/showpost.php?p=77975&postcount=64
     
    In diesem Thema haben wir das schon mal diskutiert und den von mir zitierten Apimondia-Bericht kann ich wirklich jedem zur Lektüre empfehlen.
    Primorski und andere Beispiele zeigen: Varroa-Festigkeit entsteht nicht in Rassen und Linien, sondern in Regionen. Das ist unsere Chance. :)
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo Bernhard,
    Sehr ausführlich wird die Verbreitung der Varroa ( bes. auch in Deutschland ) von Rademacher / Geiseler in " Die Varroatose der Bienen" 1984 beschrieben.
    bienna

  • Hallo Zusammen,
    ....
    Primorski und andere Beispiele zeigen: Varroa-Festigkeit entsteht nicht in Rassen und Linien, sondern in Regionen. Das ist unsere Chance. :)
    Viele Grüße,
    Rudi


    Ja, nicht unbedingt.
    Könnte ja sein, daß Bienen und Milben in unserer Region infolge Klima kein Gleichgewicht bilden können, das eine wirtschaftliche Imkerei ermöglicht.


    Grüße ralf_2


    Andererseits: Ist das Primorski-Experiment nicht letztlich doch gescheitert? Hab leider etwas den Überblick verloren.....

  • Hallo Zusammen, hallo ralf_2,

    ralf_2 schrieb:

    Könnte ja sein, daß Bienen und Milben in unserer Region infolge Klima kein Gleichgewicht bilden können, das eine wirtschaftliche Imkerei ermöglicht.

    Das scheint mir eher weniger wahrscheinlich. Varroafestigkeit entsteht in kälteren Regioenen genau so wie in wärmeren Regionen.
    Was sollte an unserem Klima so speziell sein, dass es die Biene mit ihren 40 Millionen Jahren an evolutionärer Erfahrung hier scheitern lässt?
    Glücklicherweise gibt es ja auch schon einzelne Beispiele in Mitteleuropa, die uns Hoffnung geben (können).
     

    ralf_2 schrieb:

    Andererseits: Ist das Primorski-Experiment nicht letztlich doch gescheitert?

    Jetzt muss ich mich fragen, ob ich was nicht mitbekommen habe.
    Mein Informationsstand: In der Region Primorje ist die Varroafestigkeit kein Experiment. Dort ist sie schlicht und einfach Alltag.
    Hast Du (oder sonst jemand) Informationen, dass auch dort die Festigkeit wieder verloren geht bzw. schon verloren ist?
    Das wäre fatal, wäre aber prinzipiell schon denkbar. Was entstehen kann, kann auch wieder vergehen. Aber gleich in einer ganzen Region von der Größe des Primorje-Gebietes? Ich mag es nicht glauben.
     
    Die hiesigen und die überseeischen Experimente mit den Primorskis auf der Basis des reinen Königinnenimports will ich nicht pauschal als gescheitert bezeichnen. Kommt ja immer drauf an, welches Ziel das Experiment verfolgt hat.
     
    Aber wer die Illusion hatte, er könne durch einfachen Königinnentausch zu varroafesten Völkern kommen, mit denen er jeden imkerlichen Unsinn betreiben kann, ohne dass diese Völker an Varroa sterben: Der hatte nie eine Chance und der wird auf diesem Weg auch niemals eine haben.
     
    Varroafestigkeit entsteht in Regionen. Und die Milbe muss mit ins Boot. Und ein wenig angepasste Betriebsweise darf auch gerne sein. :)
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Drohn , Frauen!
    Ich habe das Buch (ausgeborgt) vor einem Jahr gelesen und kann mich nur sehr vage daran erinnern. Die Geschichte der Ausbreitung innerhalb Deuschlands (von einem Bieneninstitut aus) wird kartographisch unterstützt (bei Ruttner ist das vielleicht noch genauer beschrieben). Um Ihre Ausbreitung über Russland nach Europa zu verhindern hat man viele Bienenvölker abgetötet. Ohne Erfolg wie man weis. So gesehen wäre die Varroa ohne Institut zwei Jahre später auch nach Deutschland gekommen.
    Bernhard , Was lese ich da am Anfang?
    "Ruttner stellt außerdem die Frage, ob die plötzliche Wandlung der vormals harmlosen Milbe....."..?

  • Die hiesigen und die überseeischen Experimente mit den Primorskis auf der Basis des reinen Königinnenimports will ich nicht pauschal als gescheitert bezeichnen. Kommt ja immer drauf an, welches Ziel das Experiment verfolgt hat.


    Hallo Rudi,
    die „Primorski-Bienen“ sorgte immer schon für heiße Diskussionen und neue Hoffnungen in der Imkerschaft. Leider waren auch hier bereits zu Beginn die Erwartungen höher als die Aussagekraft der Untersuchungen. Zudem wurde auch hier zu schnell die kommerzielle Vermarktung eingeschlagen, die unabhängig von aktuellen Forschungsergebnissen eine Eigendynamik entwickelte. Die von der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Bieneninstitute koordinierten Untersuchungen, an denen sich auch die Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim beteiligte, haben gezeigt, dass mit der Einführung der „Primorski“-Biene nicht unser Varroaproblem gelöst werden kann.


    Den meisten Imkern dürften auch noch die „Wallner-Königinnen“ aus Österreich im Gedächtnis sein, die aufgrund eines außergewöhnlichen „Killerfaktors“ die Varroa-Milben aus den Völkern fernhalten sollten. Um diesen Killerfaktor, der über den Anteil an beschädigten Milben in den Bodeneinlagen bestimmt wurde, gab es heftige Diskussionen. Viele Fachleute haben bereits frühzeitig darauf hingewiesen, dass dieses Merkmal als Selektionskriterium für Varroatoleranz nicht geeignet ist, und dies durch eigene Untersuchungen auch nachgewiesen. Nicht, weil wir Imker das Hygieneverhalten der Bienen als unbedeutend ansehen, sondern weil der Killerfaktor kein brauchbares Maß für das Hygieneverhalten darstellt und unter Praxisbedingungen schwer zu erfassen ist. Die überteuerten Wallner-Königinnen sind inzwischen vom Markt verschwunden und der Killerfaktor wurde aus den Empfehlungen für die Toleranzzucht gestrichen.


    Grüße


    Dieter

    Götter haben die Zeit erschaffen - von Eile haben sie nichts gesagt!

  • Hallo Miteinander,
    zum Stichwort Hygieneverhalten:
    Die Apis cerana räumt nicht geschlüpfte Drohnenbrut nicht aus und lässt die darin enthaltenen Varroamilben quasi eingesperrt.
    Auch eine Art Vermehrungskontrolle...
    Viele Grüße
    Lothar

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    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • ...Was lese ich da am Anfang?
    ... vormals harmlosen Milbe....."..?


    Wenn ich das richtig gelesen habe, haben Apis cerana, Apis mellifera in zwei verschiedenen Regionen mindestens 100 Jahre miteinander existiert. Einmal in Russland und einmal in Japan. Die Milbenforscher/Akarologen am Ende des Berichts aus UK und Irland bezeichneten es als äußerst merkwürdig, dass in zwei Regionen gleichzeitig die Milbe plötzlich tödlich für die Apis mellifera wurde.


    Liebe Grüße


    Bernhard