"Sommer"- und "Winter"bienen

  • Ich bin gerade in einer Studie über die Entstehung von Sommer- und Winterbienen gestolpert. Dort wird unter anderem gesagt:


    Zitat

    Except for workers having been foragers for many days, they also suggest that the previous life histories of workers do not constrain them from becoming winter bees as long as they get ample food and time to build up their protein reserves before wintering.


    aus: http://www.uncg.edu/mat/bio-math/downloads/Amdam2002.pdf


    Bedeutet dies, dass aus jeder Biene eine Winterbiene werden kann? Auch wenn sie vorher eine Sommerbiene war?


    Anscheinend benötigen sie für die Langlebigkeit das Lipoprotein Vitellogenin. Die Herstellung von Vitellogenin benötigt eine ausreichende Pollenversorgung! Wenn kaum Pollen zur Verfügung steht, tauschen die Bienen Gelee Royal untereinander aus oder kannibalisieren die Brut. Da die Varroa an der Hämolymphe saugt und damit auch Vitellogenin verbrät, verkürzt eine Milbe die Lebensdauer der Wirtsbiene im Winter um etwa 30%.


    Interessant! Da wird die hinreichende Versorgung mit Pollen doch immer wichtiger!


    Bernhard

  • :lol: ich wußte das zwar vorher nicht, aber ich fütter ja nicht umsonst echten Pollen zu...in Kilomengen.:wink:
    Ohne vollwertiges Eiweiß keine Winterbienen, resp. keine Brut und kein vernünftiger Massenwechsel im Frühjahr - Zuckerwasser mag zum Winterüberleben reichen, aber für die Eiweißquelle Pollen gibt es nur sehr unzureichenden Ersatz (wenn ich auch dem meine diesjährigen Völker zu verdanken habe).
    Die Wichtigkeit einer erstklassigen Pollentracht im August/September kann gar nicht hoch genug geschätzt werden - die Bienen haben außer Pollen keine andere Eiweißquelle.
    Deshalb sollte man in extremen Maisgebieten unbedingt wenigstens Lysin zufüttern - Mais ist lysinfrei, und ohne Lysin keine korrekte Eiweißsynthese in den Bienen.
    Ohne richtige Eiweißsynthese aber weder Aufbau der Fett-Eiweiß-Polster der Winterbienen, noch Intelligenz des Gehirns - es gibt genug Volksgruppen in Afrika/Brasilien, die sich ausschließlich von Mais ernähren müssen und dadurch geistig/körperlich schwerstbehindert bereits zur Welt kommen - bei den Bienen ist es nicht anders.


    Eine dauerhaft fehlende essentielle Aminosäure, und das ganze System "Tier", egal ob Säuger oder Insekt, bricht zusammen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo,


    also bei mir brauche ich mir keine Sorgen um Pollen zu machen, da sind in den HBB mindestens 2 volle Pollenwaben drin und in den untern Zargen bei den Magazinen, sind alle Waben zur Hälfte mit Pollen gefüllt.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Sabiene:
    Deine Erfolge mit der Pollenfütterung in allen Ehren! Aber wo kommen wir denn hin, wenn unsere Bienen nun auch davon noch abhängig werden? Es mag ja im Einzelfall hinzunehmen sein, jedenfalls wenn sich in der Nähe ein Pollenüberschuß beschaffen läßt. Letztendlich verschleiern aber alle diese Päppel-Maßnahmen die einzig dauerhaften Lösungen und lassen Wut und Mut, die dafür nötig sind, niedrig bleiben.

    Imker seit 2009 - Naturbau in Dadant-Beuten, Bemühung um wesensgemäße Imkerei

  • Was für Lösungen wären das?


    Ein kleines Feld für kleines Geld anpachten und Schnittblumen anbauen? Schnittblumen verkaufen und Honig ernten?


    Bernhard

  • Was für Lösungen wären das?


    Alle Maßnahmen, die uns langfristig wieder eine ausgewogene Heimat schaffen. Boden in Pflege nehmen, Propaganda, Wiederstand gegen den Naturmißbrauch usw. Je wirksamer, desto unbequemer. Aber ohne Alternative.

    Imker seit 2009 - Naturbau in Dadant-Beuten, Bemühung um wesensgemäße Imkerei

  • Was für Lösungen wären das?
     
    Ein kleines Feld für kleines Geld anpachten und Schnittblumen anbauen?
    Bernhard


     
    Na, da habe ich ja richtig Glück gehabt!
    Ich habe vor drei Wochen einen solchen Standplatz, auf einer ca. 1,5 ha großen Fläche, die zur Samenzucht verwendet wird, geerbt.
    Die Völker die ich dort übernommen habe, weisen alle ein ausgeprägtes Pollenlager auf.
    Ich bin gespannt, wie sie über den Winter kommen. Die die überleben, muß ich bezahlen.
     
    Freudige Grüße aus dem Vorharz
     
    Jörg

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 Mal editiert, zuletzt von honig () aus folgendem Grund: Link auf Wunsch des Authors entfernt.

  • Hallo


    Wenn einer von seinen Bienen leben muss kann er nicht noch Bauer sein!
    Wenn er davon leben muss oder will braucht er Völker die Honig bringen!


    Also füttert man Eiweiß dazu. Die Amis haben diese Problem schon eher gehabt mir den Monokulturen.
    Aber man braucht ja nicht nur Rapspollen sondern verschiedene.


    Also sollten sich mit dieser Aufgabe Leute beschäftigen die nicht von ihren Bienen leben.
    Sprich die Institute oder wir Nebenerwerbsimker.


    Aber hat die Entstehung von Winterbienen nicht was mit der Bruttemperatur zu tun?

    (Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt wissen, was Frieden heißt) Jimi Hendrix

  • Hallo zusammen,
     
    gibt es in Deutschland wirklich größere Gebiete mit einer unzureichenden Pollenversorgung im Spätsommer oder sind das nur Einzelfälle mit schlechter Standortwahl?
     
    Meine Bienen tragen zur Zeit an beiden Standorten volle Pollenhöschen in allen Farben ein. Von einem Mangel an Masse oder Vielfalt kann da kaum die Rede sein.

  • Alle Maßnahmen, die uns langfristig wieder eine ausgewogene Heimat schaffen. Boden in Pflege nehmen, Propaganda, Wiederstand gegen den Naturmißbrauch usw. Je wirksamer, desto unbequemer. Aber ohne Alternative.


     
    Immentun . Gute Einstellung!
     
    mein Beleid an alle die wirklich in solchen Gebieten leben wo Ihre Bienen nicht genug Pollen finden.
    Trotzdem halte ich von einer Zufütterung von Pollen nichts, auch nicht für Berufsimker ( übrigens kenne ich keinen der das macht).
    Am Ende geht es uns noch gleich wie den Obstbauern, die Gerüste für Ihre "Apfelhecken" bauen müssen, da die sogenannten Bäume nicht mehr alleine stehen können, aber soviel wie möglich Früchte tragen müssen.

  • Zitat

    gibt es in Deutschland wirklich größere Gebiete mit einer unzureichenden Pollenversorgung im Spätsommer oder sind das nur Einzelfälle mit schlechter Standortwahl?


    Ohja, und es werden immer mehr - die Maisplantagen für die Biogasanlagen sind schwerstens im Vormarsch, und da wächst GAR nix drunter, was irgendwie blühen würde, und Mais ist lysinfrei = Mangelpollenernährung, plus die Risiken der Beizmittel, etc. :evil:
    Fahr mal ins Allgäu - 6(!) Grünlandschnitte für Kuh-Silage, der erste, bevor der Löwenzahn blüht, resp. um eben den loszuwerden, und drumrum Mais und sonst nix....:evil:
    Dazu im Osten die gigantischen Monokulturfelder, da bin ich hier mit dem klein-klein noch gut bedient.:roll:
    Die Landschaft hat jedenfalls fast nirgendwo mehr Ähnlichkeit mit der um 1900, wo die Imker auch schon schimpften über Rückgang der wilden Pflanzen, die das Trachtband von März bis Oktober sicherten.
    Wo gibt es denn noch blühende(!) Wiesen, oder Wälder mit blühender Kraut- und Strauchschicht ganzjährig?
    Wo sind die blühenden breiten(!) Feldraine geblieben?
    Hier wird bis in die Auskofferung der Wege gepflügt, und der Rest wird abgespritzt....:evil:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • und der Rest wird abgespritzt....:evil:


    ... das nennen die "Feldhygiene", ungelogen

    "Im normalen Leben wird es einem oft gar nicht bewußt, daß der Mensch überhaupt unendlich mehr empfängt, als er gibt, und daß Dankbarkeit das Leben erst reich macht" D. Bonhoeffer

  • Hallo.


    Ich sehe ( bei der Eingangsfrage) hauptsächlich einen Zusammenhang zwischen Volksstärke und Brutnestgröße. Wenn der Pollen nicht mehr in Futtersaft umgewandelt (oder direkt verfüttert) werden muß kann man sich damit einen Fettkörper anfressen. Sommerbiene? Bei einer Sammel (Aussendienst) biene würde das eher nein bedeuten.


    vindobonapis

    weg mit den Zwergbienenständen (K.Freudenstein)

  • Genau das sage ich doch - Winterbienen, wenn wenig Arbeit/Tracht - Sommerbienen ohne Eiweißmast.
    Nur werden die im Januar/Februar/März erbrüteten wenigen Bienen eben nicht pollengemästet, sondern quasi nur als stand-by vorgehalten.
    Es ist energetisch billiger, ständig eine geringe Menge neue Bienen zu machen, als den kostbaren Pollen an sie zur Mast zu verfüttern, wenn sie nicht wissen, wann wirklich wieder neuer Stoff reinkommt.
    Wir hatten jetzt hier das zweite Mal in Folge, daß die Bienen wegen des Wetters drei Wochen VOR jeder(!!!!) Blüte flogen, das gab Räuberei ohne Ende, und Völker, die an Pollenmangel eingingen - die mit dem Pollenersatzfutter vom Herbst überlebten, aber hingen exakt zwei Brutzyklen hinterher, strichen den Schwarm und weiselten früh still um.
    Für mich ist das völlig nachvollziehbar und logisch aufgrund der äußeren Bedingungen....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen