Volk läßt sich nicht auflösen

  • Im Sommer nach der Ernte bilde ich Jungvölker als Kunstschwärme und löse Altvölker, die ich in der nächsten Saison nicht mehr weiterführen möchte (i. d. R. weil die Königin ihre 2 oder 3 Ertragsjahre hatte) auf. In diesen Völkern lasse ich nach dem Brutscheunenprinzip die Brut bei gekäfigter Königin auslaufen, währenddessen erfolgt auch die Varroabehandlung mit Ameisensäure. Nach dem Auslaufen der Brut kehre ich die Bienen entweder einem schwächeren Volk vor die Tür und lasse sie einlaufen oder schüttle sie abseits vom Stand ins Gras. Dann sind meist nach einer Stunde alle Bienen verteilt auf die Nachbarvölker am Stand, wo sie sich eingebettelt haben.


    Das hat bisher immer funktioniert, in beiden Varianten.


    Dieses Jahr war in einer der Brutscheunen die gekäfigte Altkönigin verstorben; das Volk war brutfrei, also ohne Anzeichen von Afterweisel. Weil es sehr ruhig saß und ich ganz sicher gehen wollte, dem benachbarten Jungvolk kein künftiges Drohnenmütterchen zuzufegen, löste ich die Brutscheune nach der klassischen Methode auf und fegte sie abseits vom Stand ab.


    Ärgerlicherweise bettelten sich die Bienen nun aber überhaupt nicht wie gewohnt bei den Nachbarn ein, sondern sammelten sich als schwarmartige Traube am jetzt leeren Platz der Beute. Dort hängen sie jetzt den dritten Tag und verhalten sich ruhig.


    Die einzige Erklärung, die mir einfällt, ist, daß sich in der Brutscheune noch eine unbegattete Jungkönigin befand, im Sinn einer stillen Umweiselung. Andereseits habe ich keine frisch geschlüpfte Zelle gesehen, als ich die leeren Waben wegräumte.


    Hat das jemand auch schon erlebt und weiß einen Rat?

  • Hallo Johannes!


    Genau wie du es beschreibst, habe ich es im letzten Jahr auch erlebt. Nur ein Unterschied: das Volk, das ich auflösen wollte, war ganz deutlich drohnenbrütig. Alle Brutwaben im Volk bestanden ausschließlich aus Drohnenbrut. Da ich mir keinen besseren Rat wußte, habe ich die Schwarmtraube einfach in Ruhe gelassen. Sie wurde von Woche zu Woche kleiner und war nach ca. 4 Wochen komplett verschwunden.


    Gruß vom Sammler

  • Hallo Johannes,
    beim Lesen kam mir spontan im Sinn, das Du evtl. schon bei der Bildung der Brutscheune eine junge Königin unbemerkt "verarbeitet" hast.
    Wie wäre es, die Bienen wie ein Schwarm zu behandeln?
    Was hat man zu verlieren, außer Futter (das man z.Z. ohnehin reichlich hat) und Mittelwänden?
    Was kann man dabei erwarten?
    Die Königin ist begattet, hatte aber noch diese Legehemmung durch die Anwesenheit der gekäfigten alten Königin, nur noch nicht "losgelegt";
    die Bienen sind wettersicher untergebracht, bauen noch und liefern noch einige frische Futterwaben.
    Gefüttert kann man diese dann noch einlaufen lassen durch das Flugloch.
    Liegt an, Dir, ob Du das Risiko einiger Mittelwände und Kg Futter eingehst.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • ?


    Hallo Johannes,


    nimm' die Traube und schmeiß die abends neben einen Kloß Futterteig in eine Leerzarge über Gitter auf ein Nachbarvolk. Flache Honigraumzarge dürfte da reichen. Die Bienen werden sich schon vereinigen und unter das Gitter ziehen, wenn sie gemeinsam fraßen. Gäb's drüber tatsächlich noch eine weitere Königin dann würdest Du die so auch finden.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo,


    So ähnlich schon gehabt, befreudeter Imker fegt brutloses Volk ab. Bienen betteln sich nicht in Nachbarvölker ein, sondern sammel sich als Traube an den resten ihrer ehemaligen Behausung.
    Naja, was soll ich sagen, ich hab den Haufen Bienen einfach mal mitgenommen und in 2Zargen DN mit Mittelwänden gekippt. Haben nun alles schön ausgebaut und sind fleißig am Brüten. Muss wohl doch eine Königin in dem Haufen gewesen sein :wink:
    allerdings ist das bei mir auch etwas eher im Jahr gewesen...


    Gruß Thorsten

    wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten, da hab ich noch genug von... Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt....

  • :eek: Warum machst du denn sowas:

    Zitat

    In diesen Völkern lasse ich nach dem Brutscheunenprinzip die Brut bei gekäfigter Königin auslaufen


    Dafür gibt es bee-boost, da opfert man keine Königin für...das ist Tierquälerei, eine legende Königin so wegzusperren über Tage und Wochen; dann lieber abdrücken.:Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo


    eine gekäfigte Königin
    wird da sie nicht legen kann
    nach relativ kurzer Zeit
    nicht mehr von den Bienen gefüttert


    Zellen brechen in der Brutscheune reicht aus
    oder Brutscheune über Gitter auf einen Ableger stellen


    Gruß Uwe

  • Brutscheune über Gitter auf einen Ableger stellen

    Das ist der geschickte Weg. Das Volk ist weiselrichtig und sammelt als Lumpensammler auch noch alle Versprengten nach dem Abwandern und der Ernte ein. Außerdem kann man so die Waben fast Bieennfrei aufsetzen ohne zu große Brutverluste. Wenn man nicht zu geizig ist, kann man nach weniger als 3 Wochen schon die ausgelaufenen Waben abräumen und die, die dann noch Brut haben zur Erweiterung des Ablegers belassen. Das ist besser als gekäfigte Königin über viele Tage.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Uwe und Henry:


    Gute Idee, so werde ich das beim nächsten Mal versuchen. Danke!


    (Die gekäfigte Königin hatte mir ohnehin immer Bauchschmerzen gemacht, seit ich das Verfahren vor Jahren gezeigt bekam. Allerdings war der Grund, mich darauf trotzdem einzulassen, der Gedanke, daß die Tierquälerei im Grunde nicht wesentlich größer ist, als wenn zwei versehentlich versprengte Arbeiterinnen 2 Wochen vom Volk getrennt im gefüllten Fütterer an der Decke herumlaufend überleben müssen. Die können ja auch überhaupt nicht mehr ihrem sozialen Bedürfnis und ihrer üblichen Tätigkeit nachgehen. Die Königin ist bei Imkern (mich ausdrücklich eingeschlossen) emotional viel höher besetzt - die darf einfach nicht leiden. Obwohl ihre Leidensfähigkeit objektiv wohl der einer Arbeiterin entsprechen dürfte. Aber das muß sie künftig dann ja auch nicht mehr... :))

  • Moin Johannes,


    Offiziersdienstgrade werden auch noch als Gefangene besser behandelt, (ehe man sie dann erschießt). So ist das auch mit Königinnen. Königinnen nicht abdrücken zu können, ist der Grund für's Wachstum mancher Imkerei. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Miteinander,
    Henrys Faden aufgreifend:
    Königin abdrücken können ist der Beginn der Zucht!
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Zusammen,
    ich will nochmal auf die Brutscheunenbildung zurückkommen. Das war ja der Ausgangspunkt für die in diesem Thema genannten Probleme.
    Das Käfigen der Königin bei der Brutscheunenbildung war mir schon immer zuwider und ich habe die gleichen schlechten Erfahrungen gemacht wie Johannes.
    Mit bee-boost war ich ebenfalls nicht zufrieden. Mir scheint das Mittel für Langzeitanwendungen nicht geeignet zu sein. M.E. war es die Ursache für manche seltsame Erscheinung beim Verwenden der Brutscheunen-Bienen.
     
    Seit drei Jahren arbeite ich mit einem großen Königinnenkäfig: Ich stelle einen Dadant-Honigraum mit unbebrüteten Waben auf das Bodenbrett und lege ein Absperrgitter darüber.
    Alle Brutwaben für den Sammler werden vor die Beute abgeschüttelt und die bienen müssen einlaufen. Die Königinnen der aufzulösenden Völker landen dadurch in der Fußzarge - getrennt von den Brutwaben.
     
    Auch nach vier Wochen - beim Verwenden der geschlüpften Bienen - lebt die Königin noch und macht einen gesunden und gepflegten Eindruck, siehe unten.
    Allerdings: In jedem Jahr gibt es in mindestens einer Scheune eine unbegattete Königin über Gitter. Die Bienen dieser Scheunen müssen dann noch einmal durch ein Gitter gejagt werden.
     


     
    Das sind Bilder von einem Stand mit drei Scheunen.
    Bei der linken Scheune habe ich den zweiten Sammler schon abgefegt und entfernt. So transportiert sich die Scheune leichter zu dem Stand, an dem die Bienen dann verwendet werden.
    Viele Grüße,
    Rudi