Ausgebrochene Räuberei bekämpfen - altes Wissen oder Humbug?

  • Hallo zusammen,
     
    Montagmorgen mußte ich mit Schrecken feststellen, daß bei mir Räuberei ausgebrochen ist. Bevor jetzt die gutgemeinten Antworten kommen, daß ich das im Vorfeld hätte verhindern müssen: Ja, ich weiß! Ich habe einen Fehler gemacht und inzwischen glaube ich zu wissen, welchen.
     
    Nun ist es aber passiert und ich muß sehen, wie ich das Problem in den Griff kriege. Einen Ausweichstandort außerhalb des Flugkreises habe ich leider nicht, was das Problem noch verschärft.
     
    In meinen "modernen" Büchern finden sich zwar haufenweise Tips zur Vorbeugung, aber eigentlich keine zur Bekämpfung bereits ausgebrochener Räuberei. Hier im Forum wird man da schon eher fündig.
     
    Einige dieser Vorschläge habe ich befolgt (Flugloch der Beraubten auf eine Bienenbreite verkleinert, Glasscheibe davor gestellt, Brennesseln davorgelegt), was die Räuberei zwar geringfügig eingedämmt aber nicht ganz unterbunden hat. Räuber sind übrigens vom eigenen Stand.
     
    Dann fand ich in einem recht alten Buch von Heinrich Storch noch einige Tips, zu denen ich gern eure Meinungen bzw. Erfahrungswerte lesen würde.
     
    Er gibt ebenfalls den Tip mit dem sehr kleinen Flugloch, der Glasscheibe und den Brennesseln, aber, falls dies nicht hilft, noch weitere:
     
    Sollte der Räuber vom eigenen Stand sein und es keine Ausweichmöglichkeit geben, empfiehlt er, den Räuber stark zu füttern, am Tag und bei weit geöffnetem Flugloch. Um ihn zu beschäftigen. Einerseits mit dem Futter, andererseits mit der Bewachung der eigenen Beute.
     
    Sollte auch das nicht ausreichen, sollte man den Standplatz von Räuber und Beraubten tauschen. (Diesen Tip habe ich hier auch schon gelesen, kann mir aber nicht wirklich erklären, WARUM das helfen soll. Drohn? Kannst/willst Du es mir erklären?)
     
    Eine weitere Empfehlung ist, nicht das beraubte Volk, sondern den Räuber vom Stand zu entfernen. Ist dies nicht möglich, sollte der Räuber 3 Tage an einem kühlen Ort verschlossen werden. Mit einem leeren HR obendrauf (Platz/Luft). Diese Maßnahme sollte dann ergriffen werden, wenn nichts anderes hilft.
     
    Mir erscheint es schlüssig, eher den Räuber als den Beraubten zu entfernen/dicht zu machen, da der Räuber nach Entfernen des Beraubten wahrscheinlich versucht, andere Völker zu überfallen. Ist der Räuber selber außer Gefecht gesetzt, hat der Beraubte Zeit, sich wieder zu erholen und zu organsieren. Der Imker hat Zeit, im Beraubten nach dem Rechten zu sehen. Ich hätte in dem Fall Zeit, die Fütterung der anderen weiterzuführen, die ich wegen der Räuberei erst mal ausgesetzt habe.
     
    Allerdings frage ich mich, wie der Räuber 3 Tage eingesperrt sein übersteht.
     
    Was meinen die "alten Hasen"? Handelt es sich bei diesen Ratschlägen um längst überholte Ansichten, oder eher um altes, "verloren gegangenes" Wissen?
     
    Gruß, Heike

    Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung, daß etwas anderes wichtiger ist als die Angst.
    (Ambrose Redmoon)


  • Allerdings frage ich mich, wie der Räuber 3 Tage eingesperrt sein übersteht.


    Das ist überhaupt kein Problem, wenn genügend Luft/Lüftung da ist.


    Das andere ist, zu ermitteln, warum ein Volk geräubert wird. Meistens stimmt damit ja etwas nicht, wenn net eine Eselei des Imkers der Grund sein kann. Ist das Volk weiselrichtig? Varroadruck?? Sonstige Brutkrankheiten zu sehen (Kalk-/Faulbrut)?

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  • Hallo Reiner,
     
    danke für die schnelle Antwort.
     
    Ich glaube, mein Fehler war folgender: Alle Völker bis auf das jetzt beraubte Volk waren recht zügig bei der Futterabnahme. Von oben konnte ich im beraubten Volk dicke Honigkränze sehen und dachte, die Futterabnahme sei so langsam, weil das Volk noch gut versorgt ist.
     
    Dummerweise habe ich den noch nicht geleerten Futtereimer in dem Volk gelassen. Ich vermute, dies war der Fehler.
    Eine andere Erklärung habe ich nicht. Ich achte peinlich genau darauf, nicht zu kleckern, abends alle gleichzeitig zu füttern und nichts verführerisch duftendes rumliegen zu lassen.
     
    Eine komplette Durchsicht im jetzt beraubten Volk wollte ich aus Angst vor Räuberei erst bei dem nächsten "Schlechtwettertag" machen. Der sollte lt. 16-Tage-Vorschau gestern sein und war es auch. Nur leider einen Tag zu spät.
    So weiß ich nicht, ob das Volk evtl. weisellos geworden ist. Varroadruck glaube ich nicht, die erste Behandlung mit dem Liebig-Verdunster ist durch. Den Milbenfall schätze ich als "im grünen Bereich" ein.
     
    Gruß, Heike

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    (Ambrose Redmoon)

  • Hallo Heike,


    den Eimer im Volk sollte bei einem gesunden, normalen Volk kein Räuber bemerken.
    Ausser, der Beraubte ist irgendwie gestört oder krank.
    Wobei dann wieder Reiners These im Vordergrund steht.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,
     
    die Durchsicht mache ich selbstverständlich noch und werde berichten. Leider kann ich das aus beruflichen Gründen in den nächsten 2 Tagen nicht früh morgens machen. Ich kann nur hoffen, daß bei einer Durchsicht am Abend nicht wieder ein neues Chaos ausbricht.
     
    Gruß, Heike

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    (Ambrose Redmoon)

  • Hallo Michael,
     
    die Durchsicht mache ich selbstverständlich noch und werde berichten. Leider kann ich das aus beruflichen Gründen in den nächsten 2 Tagen nicht früh morgens machen. Ich kann nur hoffen, daß bei einer Durchsicht am Abend nicht wieder ein neues Chaos ausbricht.
     
    Gruß, Heike

    Ich arbeite eigentlich NUR abends an den Völkern. Mache auf abgehobene Zargen o.ä. den Deckel drauf, stelle selbige auf eine Unterlage die bienendicht - und a bisserl zügig arbeiten :wink:

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    ganz sicher

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  • Hallo,
     
    jawoll! Wird gemacht! (Hackenzusammenschlag) :-D
     
    Danke für eure Tips. Trotzdem würde mich noch interessieren, warum die Geschichte mit Räuber/Beraubte untereinander vertauschen funktionieren soll, bzw. warum außer bei Storch überall geraten wird, die Beraubten vom Stand zu entfernen und nicht die Räuber.
     
    Gruß, Heike

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    (Ambrose Redmoon)

  • Hallo Heike,
    ...weil einer vom anderen abschreibt!
    Mal zwei Beispiele aus anderen Bereichen.
    - ein Spieler foult...und der Gefoulte wird vom Platz gestellt,
    - eine Gruppe Kinder spielt zusammen, einer nimmt dann plötzlich einem anderen das Spielzeug weg und dieser fängt dann an zu weinen.
    Deren Mutter nimmt das weinende Kind an sich: und der andere lernt, das Frechheit siegt.
    Es müsste doch logisch sein, das der Verursacher der Räuberei irgendwie bestraft wird, nicht das Opfer, dem muss geholfen werden.
    Nimmt man das ausgeraubte Volk vom Stand, sucht der Räuber das nächste Opfer...
    Wenn Herr Storch anderes rät, dann sicherlich aus seiner reichhaltigen Erfahrung heraus.
    Schließlich verdanken wir ihm ja das Buch über Fluglochbeobachtung.
    Dem Räuber "Arbeit" geben in Form von Fütterung ist sicherlich ein Anfang,
    Dunkel und Kühl drei Tage verstellen und dann neu einfliegen lassen ein weiterer Schritt, diesem von seinem unguten Tun abzubringen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Ausserdem ist es einfacher kümmerliche Einzarger zu transportieren, als vor Vitalität strotzende Vollvölker.


    Jörg

    Konfuzius sprach:
    Worte sollen den Menschen etwas sagen - das ist alles.

  • Hallo,
    auch wenn's weh tut:


    Ein gesundes, überlebensfähiges Volk wird nicht ausgeraubt.


    Panik gibt's schon mal, wenn man irgendwo eine Wabe vergessen hat, oder die Wabenschranktür noch einen Spaltbreit offenblieb. Oder ..... wer ohne Fehler ist, der werfe......


    Einzige Chance, die ich sehe (und auch nur wenn es wirklich lohnt):
    Nach Einstellung des Flugbetriebs den Beraubten außerhalb des Flugradius verstellen (Zwischenwanderung) Bis dahin ruhig einfach "Zumachen".


    Dann haben gefangene Räuber und das eigentliche Volk Gelegenheit, sich zu vereinigen -
    versprich Dir nicht zu viel von einem vereinigten Volk, das nicht harmoniert....


    Schön, wenn man einen Ausweichstand hat, oder ein befreundeter Imker (haben wohl die Wenigsten) Asyl gewährt.


    Meine Erfahrung: Es lohnt nicht. Wenn man es bemerkt, ist es eh schon zu spät.


    Trost: Die "Räuberei" ist eine Form der natürlichen Auslese, wo dem Schwächeren keine Chance gelassen wird, wenn es um die Erhaltung der Art geht. Außerdem werden so Reserven des sowieso zum Untergang Verurteilten einer sinnvollen Nutzung zugeführt.


    Unsinn?


    Nö - Praxis seit 80 Millionen Jahren. Nur wir stehen hin und wieder im Weg und erzählen Unsinn....


    Grüße ralf_2

  • Nabend!
     
    So, Durchsicht beendet, das Volk ist weisellos. Es hat keinerlei Brut mehr, allerdings auch noch keine Buckelbrut. Die verbliebenen Bienen würden - wenn sie dicht an dicht säßen - vielleicht noch 4 / max. 5 Wabengassen besetzen.
     
    Meine Idee dazu wäre, das Volk aufzulösen und die reichlichen Honig- und Pollenvorräte anderen Völker zu vererben.
     
    Was meint Ihr dazu?
     
    Gruß, Heike

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    (Ambrose Redmoon)

  • Hallo Heike,
    auflösen und wegräumen.
    Wirklich wegräumen, nichts am Platz lassen.
    Die Bienen gesättigt über Fluglöcher zulaufen lassen.
    Waben bienensicher bis zum Frühjahr aufbewahren und erst dann zuhängen.
    Der fremde Geruch kann weitere Räuberei auslösen.
    Zur Vorsicht den restlichen Völkern Flugloch einengen und weiterhin füttern.
    Viele Grüße
    Lothar

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