Schädigen Varroazide unsere Bienen?

  • Hallo Ralf,


    tut mir leid, ich habe selber viel am Hut - da bleibt nicht viel Zeit um Übersetzungen oder Zusammenfassungen zu schreiben! Ich muss es ja auch lesen.


    Vielleicht erklärt sich jemand bereit, die aufgestöberten Materialien zusammenzufassen?


    Zusammenfassend in einem Satz:
    (Akarizide ) sind auch immer Insektizide.


    Eine weitere Mini-Zusammenfassung von mir: "Organische" Säuren, aber auch die herkömmlichen Varroa-Bekämpfungsmittel wirken schädlich auf den Bien. Mal stärker, mal weniger stark. Einer der Links oben zeigt auch, dass die Verwendung von zwei verschiedenen Bekämpfungsmitteln das Einzelne giftiger für die Bienen macht. Also zwei schwach giftige Varroazide ergeben zusammen ein tödlicheres Gemisch als einzeln.


    Varroazide wirken auf die Fortpflanzungsfähigkeit, wirken direkt auf die Brut, reichern sich unterschiedlich im Bien an und einige wirken wieder auf das Acetylcholinrezeptorsystem! Ist doch interessant, wie immer wieder auf die armen Rezeptoren im Nervensystem der Honigbienen eingeprügelt wird.


    Weiter ist interessant, dass Varroa-Bekämpfungsmittel auch Wirkung auf das reichhaltige Mikrobenleben im Stock zeigt: Laut einer Studie der amerikanischen Agrarforschung (http://www.ars.usda.gov/is/AR/…e/aug98/bees0898.htm?pf=1) der Mikrobiologin Martha A. Gilliam gibt es 8.000 verschiedene Mikrobenarten in einem Bienenstock! Wer überblickt da die Wirkungen von Varroaziden? Wer mag mit heutigem Wissensstand beurteilen, was eine Anwendung von XY wirklich im Ökosystem Bien verursacht?


    Doch diese Überlegungen sollten hier nicht fortgeführt werden, denn hier sollen Arbeiten dazu gesammelt werden, welche Varroa-Bekämpfungsmittel wie auf welche Art den Bien schädigt.


    Bernhard

  • Akarizide sind immer auch Insektizide.


    Solange die heimischen Honigbiene nicht aus eigener Kraft mit den Varroen fertig wird, muss der Imker ihr durch ein möglichst schonendes Verfahren dabei behilflich sein.

    Wer schonendere Mittel als Ameisensäure und Oxalsäure kennt, sollte das darlegen und begründen.

    Bloßes Nichtbehandeln –Beispiel Bienenhotel- ist keine Alternative, sondern führt auf direktem Weg zum Untergang des Bienenvolkes.



    Mit freundlichen Grüßen
    Rubikon
    ---
    Vertrauen ist gut, (Varroa-) Kontrolle ist besser

  • :Biene:


    Gretchen:


    „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“


    Lass uns erst einmal theoretisch darüber philosophieren, dankenswerterweise wurde der Thread ja schon geteilt. Mir kommen bei deinen Ausagen folgende Fragen auf.



    Solange die heimischen Honigbiene nicht aus eigener Kraft mit den Varroen fertig wird, muss der Imker ihr durch ein möglichst schonendes Verfahren dabei behilflich sein.


    1.) Solange....wann ist es denn soweit?


    2.) Was kann der Imker tun, um diese "eigene Kraft" zu fördern?


    3.) Ist es möglich, dass unsere Hilfestellungen die Möglichkeiten der "eigene Kraft" verhindern?


    Wer schonendere Mittel als Ameisensäure und Oxalsäure kennt, sollte das darlegen und begründen.


    Puderzucker. Richtig verstanden und richtig angewandt, ist Puderzucker ein schonenderes Mittel.



    Aber:
    Wer langfristig erfolgreichere Methoden als die natürliche Selektion kennt, die es seit Anbeginn jedwegen Lebens gibt, sollte sie darlegen und begründen. Oder?


    Bernhard

  • Hallo


    Wie man Bienen ohne Behandlung halten kann wurde hier im Forum doch schon oft beschrieben.


    Aber es trauen sich zu wenige mich eingeschlossen.


    Wichtige Elemente sind.


    Nicht behandeln und Standbegattung.

    (Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt wissen, was Frieden heißt) Jimi Hendrix

  • Wichtige Elemente sind.


    Nicht behandeln und Standbegattung.


    Das "Nicht" halte ich für übertrieben. Meiner Meinung nach erfordert eine Stärkung der Toleranz nur eine Senkung des Varroendrucks. Nicht behandeln ist meiner Meinung nach einfach das Glückspiel ob es ein oder zwei Jahre gut geht. Besser ist meiner Meinung nach die Reduzierung der Varroen auf eine bestimmte Schwelle (die ich leider nicht kenne!), um die Chance auf einen "selbstgelernten" Umgang mit der Milbe zu erhöhen. Dies kann durch Brutpausen und bspw. Milchsäurebehandlung (sollte das Wetter den Puderzucker verhindern) weitestgehend schonend erfolgen. In der Summe entspricht dies einer einfach angewandten Didaktik für den Bien.


    Auf der anderen Seite möchte ich einfach einmal die Vermutung in den Raum werfen, dass der Bien durchaus schon Möglichkeiten gefunden hat den Varroabefall zu überleben, nur die Imker (mich eingeschlossen) lassen ihn ja nicht. Wenn ein Schwarm der aufgrund des Milbenbefalls abgeht als Opfer gesehen wird, weil er vor dem Druck der Milbe flieht, aber auf diese Weise überlebt ist er doch eigentlich letztendlich der Gewinner, Warum drängt man ihn in die Opferrolle? Vielleicht ist das Ziel der Zucht einer putzfreudigen Biene, die befallene Larven ausräumt, nur das Ziel der Imker aber nicht das des Bien, dieser würde sich vielleicht in anderer Weise arrangieren, aber dies würde ganz andere Herausforderungen an die Imkerei stellen. Wenn ich mir in einem Punkt sicher bin, dann, dass ich mit dem Behandeln, welches ich mangels Alternativen durchführe, eigentlich nur an den Symptomen herumdoktor aber keinesfalls an der Ursache. Dieses Behandeln ist aber allein aus Rücksichtnahme auf die umliegenden Imker (wobei die meisten Niederländer sind:wink:) einfach notwendig.


    Gruß Tom


  • zu 2.


    - Zuchtziele nicht auf Putztrieb, sondern Stockbeständigkeit ausrichten. Damit meine ich, den Verflug in fremde Stöcke zu reduzieren, um Reinvasion zu stoppen. Hierbei müssen aber bewachbare Fluglochgrößen (nicht ganze Breite), Wehrhaftigkeit und das örtliche Nahrungsangebot im Verhältnis der Beutenzahl berücksichtigt werden. Mit der derzeitigen zugelassenen Chemie ist man in der Lage ein Volk ohne Wabenwerk auf einen Befall von 0 zu bekommen, ohne Verflug ist dieser auch zu halten bzw. für 2 Jahre unter der Schadschwelle zu halten um erneut zu beginnen.


    Gruß Tom


  •  
    Mein Nachbar hat sich getraut- er hatte ein Volk, daß er als so agressiv empfunden hat, daß er mehrere Jahre nur das allernötigste gemacht hat, sprich, in diesem Fall den Honig geerntet; Varroabehandlung hat er komplett unterlassen. Dieses Volk war immer stark, vital, absolut propolissammelwütig und hat die größten Erträge gebracht. Ich habe dieses Volk von ihm übernommen, die Eigenschaften sind geblieben, aber ich muß gestehen, ich traue mich auch nicht, nicht zu behandeln, obwohl ich 'nur' ALV im Spätsommer benutze...

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Zitat

    2.) Was kann der Imker tun, um diese "eigene Kraft" zu fördern?


    3.) Ist es möglich, dass unsere Hilfestellungen die Möglichkeiten der "eigene Kraft" verhindern?


    So wenig wie nur möglich die Kisten aufmachen und Naturbau zulassen, nicht im Brutnest rumfummeln. Flugloch lesen lernen.
    Auf ausreichende vielseitige Eiweißversorgung achten - Maispollen oder Senf ist NICHT ausreichend zur Erzeugung von fitten Winterbienen.
    Das ist der am meisten unterschätzte Faktor in meinen Augen - auch in Bezug zu http://www.spiegel.de/wissensc…tur/0,1518,644685,00.html heute.
    Wenn die Bienen keine optimalen Ernährungsbedingungen vorfinden, plus den ganzen Streß durch Agrarchemie, und Imkerhandlungen, und alles andere, können sie nicht gedeihen, das dürfte klar sein.
    Es gibt in Brasilien ganze indigene Menschen-Stämme, die durch reine Maisernährung (ohne Lysin) seit Generationen chemisch-physiologisch verdummt und verzwergt sind - guckt euch euer Umfeld an und stellt mal fest, welche Pollenarten überhaupt noch reinkommen.
    Ein guter Sommerhonig hatte früher über 150(!!!!) Pollenarten, und heute muß man glücklich sein, wenn mehr als 30 nachweisbar sind...
    Jedes Lebewesen, was optimal ernährt wird, ist erheblich widerstandsfähiger gegenüber Infektionen jedweder Art.


    Warum soll das bei den Bienen anders sein?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Sie schädigen nicht nur unsere Bienen, sondern den ganzen Mikrokosmos im Bienenstock!
     
    z.B. Ameisensäure:
    zum Herstellen von Bienenbrot verwenden die Bienen eine Methode die der Milchsäuregärung ähnlich ist.
    Also stellt mal gute Sauermilch oder Joghurt her und gibt dann mal zwei Tropfen AS hinein....und:Biene:
     
    Ist Bienenbrot dann noch wirklich gut für den Bienenorganismus:-(
     
    Der
    Drohn

  • Also stellt mal gute Sauermilch oder Joghurt her und gibt dann mal zwei Tropfen AS hinein....Ist Bienenbrot dann noch wirklich gut für den Bienenorganismus


    Also, Markus, das ist jetzt mal wieder ein Vergleich ... der hinkt nicht mehr, der braucht schon einen Rollstuhl!
    Was soll das?
    fragt
    Der Bienenfreund

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Lieber Markus, lieber Bernhard,


    Weil eine Sauermilch oder ein Joghurt und zwei Tropfen Ameisensäure pur etwas völlig anderes ist als ein vom Bienenvolk weitgehend kontrolliertes Milieu in einem Bienenstock und Ameisensäuredämpfe - und des Weiteren findet die milchsäureartige Fermentation des Bienenbrotes unter Honigabschluß statt.


    Mir wäre wirklich manchmal lieber, Markus würde weniger und dafür durchdachter, begründeter und verstehbarer schreiben - das täte den gemeinsamen Inhalten erheblich besser.


    Meint
    Der Bienenfreund

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21