Feuchte und Dichteunterschiede

  • Hallo Imkers,
     
    beim Abfüllen eines Eimers WH habe ich von der obersten Schicht im Eimer mehrere Proben entnommen und - oh Schreck - eine Feuchte von 19% mit meinem neuen Refrakto gemessen.
    Etwas planlos habe ich dann den ganzen Eimer kräftig umgerührt und nochmal gemessen: 16,5 %.
     
    Nun kann es sich entweder um einen Messfehler handeln, oder der Honig entmischt sich während der Lagerung?
    Wenn sich der Honig entmischt, wäre es für mich von Interesse, welche spezifischen Dichteunterschiede für welche Stoffe, oder Gemische, in so nen Eimer drinnen sind. Weiss da jemand etwas?
     
    Ausserdem wäre dann abzuleiten, dass der Honig grundsätzlich vor dem Abfüllen kräftig verrührt werden sollte. Aber die Dichteunterschiede werden sich wieder nach dem Abfüllen im Glas einstellen, sodass man davon ausgehen muss, dass sich der Honig bzgl. Konsistenz und Geschmack in Abhängigkeit des Füllstandes im Glas ändert.
    Oder anderes ausgedrückt: Je tiefer man ins Glas schaut, dess besser wird der Inhalt. Was sind da Euere Erfahrungen?
     
    Schon mal danke für Eure Antworten und viele Grüsse
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.

  • Hallo Gerhard,


    1. hast Du den Hobbock nach dem Schleudern umgerührt? Solche Feuchteunterschiede sind in Hobbocks, die beim Schleudern einfach nach und nach vollgekippt wurden, völlig normal, da der Honig ja mit wabenweise unterschiedlichem Wassergehalt aus der Schleuder läuft. Ich rühre daher jeden Hobbock nach dem Abschäumen grundsätzlich einmal gründlich durch.


    2. Ist es ein diesjähriger Honig? Ist der Eimer dicht? Wie feucht wird er gelagert? Ein Jahr im feuchten Keller mit nicht ganz dichtem Deckel kann auch mal einen Unterschied zwischen der obersten Schicht und dem Rest darunter machen. Bei nur ein paar Wochen Lagerung ist das aber zu vernachlässigen.


    3. Hat dein Refraktometer eine automatische Temperaturkompensation? Wenn ja, zeigt es um so trockener an, je länger Du es in der Hand hältst (es sei denn, Deine Hand ist nicht wärmer als die Temperatur der Raums, des Refraktometers und des Honigs. Die letzteren drei sollten auch bei ATC-Refraktometern immer gleich sein. Probier's mal aus: Du kannst zusehen, wie Du Deinen Wert in immer trockenere Bereiche kuschelst, wenn Du das Ding mal über 10 Minuten in der Hand hältst). So kann es vorkommen, daß mehrere Messungen derselben Charge hintereinander immer trockener erscheinen, obwohl sie es nicht sind.


    Viele Grüße, Johannes

  • Hallo Johannes,
     
    danke für Deine Antwort.
    Ich habe nach dem Abschäumen nicht mehr gerührt, das könnte schon mal ne Ursache sein. Lagerung kann man vernachlässigen, es ist ein diesjähriger, frischer WH mit guten Lagerbedingungen.
     
    Die Sache mit den Refraktometer hab ich noch gar nicht gewusst, ich werde das ausprobieren und vorallem bei der nächsten Messung auf die Temperaturdifferenzen achten. Wenn ich die Probe entnehme und ins Refraktometer gebe, aber erst nach 2-3 Minuten messe, sollten sich die Temperaturen angeglichen haben??
     
    viele Grüsse und schönen Tag
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.


  • Ich habe nach dem Abschäumen nicht mehr gerührt, das könnte schon mal ne Ursache sein.

    Ja, das ist dann mit Sicherheit die Hauptursache.


    Zitat

    Die Sache mit den Refraktometer hab ich noch gar nicht gewusst, ich werde das ausprobieren und vorallem bei der nächsten Messung auf die Temperaturdifferenzen achten. Wenn ich die Probe entnehme und ins Refraktometer gebe, aber erst nach 2-3 Minuten messe, sollten sich die Temperaturen angeglichen haben??

    Viel wichtiger ist, daß das Refraktometer und die Honigprobe möglichst lange im selben Raum auf demselben Regalbrett gelegen haben - schon unter der Decke ist es ja deutlich wärmer als über dem Boden. Ich lege die Probe im dichten Probenröhrchen und das RFM immer für mindestens 6 Stunden nebeneinander. Bei Hobbocks lege ich das RFM für mindestens dieselbe Zeit auf den Deckel. Gemessen wird dann in diesem Raum, nicht woanders. Schon recht geringe Temperaturunterschiede verfälschen den Wert spürbar, es ist beeindruckend. Gegen die Mißweisung der ATC hilft, die Probe auf das RFM aufzutragen, während es auf dem Tisch liegt, es dann nur kurz aufzuheben und sofort abzulesen. Ich habe mal einen Honig innerhalb von 10 Minuten mit dem Gerät zwischen den Fingern 0,5% "trockener" gekriegt und hatte nicht mal besonders warme Hände.


    Viel Meßerfolg,


    Johannes