Neuer Fall von Bienenmassenmord in Sachsen-Anhalt

  • Hallo,
     
    ich habe gerade mit meinem Paten telefoniert und dieser berichtete mir, daß er gestern seinen Augen nicht trauen wollte, als er an seinen Stand kam.
    Tausende tote Bienen vor den Beuten!!!
    Sofortige Erkundigungen ergaben keine Hinweise auf den oder die Mörder.
    Das benachbarte JKI (50m) wiegte seine Hände ebenfalls in Unschuld.
    Weitere Ermittlungen ergabe ein Bauern im Flugbereich der Ermordeten, welcher nachweislich seine Rüben gespritzt hatte.
    Anzeige gegen Unbekannt wurde gestellt.
    Proben der Ermordeten wurden nach Braunschweig geschickt.
    Auf was soll mein Pate vordringlich untersuchen lassen und wie soll er weiter verfahren???
     
    Danke für Eure Hilfe im Voraus
     
    Zornige Grüße aus dem Harzvorland
     
    Jörg

  • Ich würde schnell auch Proben vom Feld oder weiter in Betracht kommenden Pflanzen nehmen.
    Da kann man wieder sehen wie naiv, oder soll ich Rücksichtslos da wieder mit Pestiziden umgegangen wird und wie Bienenschonend die dann wirken.
    Mein Mitgefühl für die Betroffenen.
     
    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • Tausende tote Bienen vor den Beuten!!!


    Das ist sehr ärgerlich und die Verantwortlichen können hoffentlich ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden!


    Nur von Mord würde ich in diesem Fall aber noch nicht schreiben, zumindest bis der Vorsatz feststeht. Weil es gibt ja leider, leider noch krassere Fälle als Bienenvergiftungen durch die Landwirtschaft. Und da braucht man ja auch noch Begriffe dafür: http://www.schweizer-bienenhonig.ch/Illnau.htm

  • Hallo Jörg,
    100g Bienen einsammeln, dazu möglichst noch eine Probe einfrieren als Reserve, möglichst frisch verendete Bienen wählen (da sich viele Wirkstoffe bei dieser Wärme abbauen) in Papiertüte und bis Versand in den Kühlschrank.
    Pflanzenproben nicht nur vom Rübenfeld einschicken.


    Wurde schon AS-Behandlung gemacht?


    Gruß Peter

  • Hallo,
     
    die Bienen zu sichern und einzufrieren ist gut, den Vorfall der Polizei melden ist auch absolut korrekt.
    Mit den Proben von den Feldern wäre ich vorsichtig. Man macht sich meiner Meinung nach strafbar.
     
    Bei mir kam schleunigst jemand von der Landwirtschaftskammer. Mit Laptop und Inet um die Eigentumsverhältnisse der umliegenden Felder abzuklären und um selbst Proben zu nehmen.
     
    Viel Glück beim Aufstöbern der Frevler

  • @ all,


    zum Thema: Deutsches Bienen Journal 8/2009, S. 17
    Artikel "Pflanzenschutzmittel, Landwirt muss zahlen" und Info-Kasten "Richtig Proben sammeln"


    und


    DBJ 4/2009, S. 4-6
    Artikel "Bienenschäden, Kriminalgeschichten am Bienenvolk" und "Was tun bei Bienenschäden?"


    (Lesen bildet.)


    Viel Erfolg bei den Ermittlungen!
    Wolfgang

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • Guten Morgen,
     
    mein Pate hat alles so gemacht, wie von Euch geraten.
    Wir sind jetzt auf den Ausgang der Angelegenheit gespannt.
    Danke für Eure Ratschläge und ich halte Euch auf dem Laufenden.
     
    Grüße aus dem Harzvorland
     
    Jörg




  • Also, gerade weil das alles sehr, sehr ärgerlich ist, sollte man sachlich bleiben.


    Allenfalls handelt es sich um Sachbeschädigung.


    Nicht daß hier noch jemand versehentlich wegen "Völkermord" nach Den Haag geschickt wird.


    Grüße ralf_2

  • Hallo,


    mein Pate hat jetzt die Ergebnisse vom jKi erhalten.
    Ich werde das Ergebnis mal einstellen.
    Vielleicht kann der Eine oder Andere daraus etwas ableiten.
    Ich werde auch gleich im Netz nach dem einen und anderen Wirkstoff suchen.


    Grüße aus dem Vorharz


    Jörg


    Ps.:Das mit dem Einstellen der Bilddateien hat nicht geklappt.
    Dann muß ich halt teilweise abschreiben.


    Eingeliefert wurden 45g Blumenblüten, 110g Rübenblätter und 100g Bienen.
    Gefunden wurde in der Bienenprobe folgende Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe:


    Azoxystrobin >2.000 µg/kg
    Boscalid 10 µg/kg
    Carbendazim 4,6 µg/kg
    Dimethoat 903,3 µg/kg
    Flusilazol 8,0 µg/kg
    Omethoat 315,8 µg/kg
    Thiacloprid 7,9 µg/kg


    Auf eine exakte Bestimmung des sehr hohen Azoxystrobin-Gehalts (Fungizid) durch Wiederholungsmessungen mit einem verdünnten Probenextrakt wurde aus Zeitgründen verzichtet.


    Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe in den Blumenblüten:


    Boscalid 14,5 µg/kg
    Flusilazol 101,0 µg/kg


    Die Fungizide Fenpropidin und Mandipropamid wurden nicht quantifiziert, da die Wirkstoffe nicht in den Matrix-Standartlösungen der Mess-Serie enthalten sind.


    Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe in den Rübenblättern:


    Boscalid 12,6 µg/kg
    Carbendazim >1.5000 µg/kg
    Epoxiconazol 4,0 µg/kg
    Flusilazol >1.000 µg/kg
    Metribuzin 6,3 µg/kg
    Thiamethoxam 2,3 µg/kg


    Die Fungizide Fenpropidin und Mandipropamid wurden nicht quantifiziert, da die Wirkstoffe nicht in den Matrix-Standartlösungen der Mess-Serie enthalten sind.


    In der Imkerei verwendete und sonstige Stoffe wurden nicht nachgewiesen.
    Benzylbenzomat wurde nicht quantifiziert, da der Wirkstoff nicht in der Matrix-Standartlösung der Mess-Serie enthalten ist.



    Weiß jemand mehr???


    Jörg

  • Azoxystrobin >2.000 µg/kg



    Dieser Wirkstoff ist in den folgenden Produkten zugelassen:


    https://portal.bvl.bund.de/psm/jsp/ListeMain.jsp?page=1&ts=1265048331989


    Für diesen Wirkstoff wird ein LD50 >200 mg/Biene angegeben, was allerdings hier nur für einen Vergleich der Toxizität herangezogen werden kann. Vergleichsweise ungiftig.


    Wenn man sich die Anwendungsbereiche ansieht, dann könnte es im Gemüsebau, Kleingarten, Weinbau oder Landwirtschaft eingesetzt worden sein :confused:


    https://portal.bvl.bund.de/psm…endg.jsp?ts=1265048921563


    https://portal.bvl.bund.de/psm…endg.jsp?ts=1265048980626


    https://portal.bvl.bund.de/psm…endg.jsp?ts=1265049023398



    Das macht die Suche nach einem Verursacher schwer, es sei denn bei euch gibt es Kleingärten, Rübenfelder oder Weinberge.



    Thiacloprid 7,9 µg/kg


    Der LD50 für Thiacloprid bei Honigbienen liegt bei 14.6 μg/Biene. Hier liegt also schon eine sehr hohe Konzentration vor, weswegen das Thiacloprid sehr wahrscheinlich die Hauptursache darstellt.


    Vor kurzem wurde auf einer Veranstaltung das Zusammenspiel zwischen Fungiziden und Insektiziden diskutiert. Wenn Pflanzenschutzmittel/Pestizide in Tanks oder im Feld vermischt werden, kann dies die Giftigkeit der einzelnen Komponenten erhöhen.


    Also Thiacloprid kann zum Beispiel mit Azoxystrobin vermengt, die Toxizität von Thiacloprid stark erhöhen.


    Thiacloprid ist ein Neonicotinoid.


    Hier die zugelassenen Anwendungen:
    https://portal.bvl.bund.de/psm/jsp/ListeMain.jsp?page=1&ts=1265049739926


    Schon wieder Rosen... :p_flower01: Habt ihr Rosengärtner bei euch in der Nähe?


    Obwohl Thiacloprid auch in anderen Kulturen angewendet wird. Zum Beispiel in Biscaya, das hier schon sehr heftig diskutiert wurde.


    https://portal.bvl.bund.de/psm…endg.jsp?ts=1265049886125



    Ich finde diese Ergebnisse erschreckend. Was steckt da alles in den Bienen?


    Azoxystrobin >2.000 µg/kg
    Boscalid 10 µg/kg
    Carbendazim 4,6 µg/kg
    Dimethoat 903,3 µg/kg
    Flusilazol 8,0 µg/kg
    Omethoat 315,8 µg/kg
    Thiacloprid 7,9 µg/kg


    :-(


    Bernhard

  • Hallo Harzdrohn,
    wir haben auch gerade unsere Ergebnisse vom JKI bekommen. Da wir ebenfalls Probleme hatten das zu interpretieren, habe ich einfach mal bei Jens Pistorius vom JKI nachgefragt. Er ist sehr hilfsbereit. Am schnellsten geht es wohl per email. Wir hatten schon am selben Tag eine Antwort. Weiß nicht, ob man hier die email-Adresse veröffentlichen solllte. Bei Interesse schicke ich sie Dir gerne per PM.


    Viele Grüße Brigitta