Kellerhaft und Vorweggenommene Schwärme - und Gründe dagegen

  • Hallo miteinander!


    Die Kellerhaft wird oft ohne Verständnis angewandt, so zum Beispiel bei Naturschwärmen! Bei Naturschwärmen ist die Kellerhaft völlig unnötig, meinen Erfahrungen nach. Und vielleicht sogar schädlich.


    Ich habe einen Schwarm beobachtet, der recht nah zum Mutterstock einzog. In den Folgemonaten beobachtete ich eine bee-line, eine Bienenspur zwischen Mutter- und Tochterbeute. Die Mutter ernährte über eine fliegende Nabelschnur die Tochter - ein Grund weswegen man Naturschwärme nicht füttern muss (wenn man sie nicht gerade in Kellerhaft steckt).


    Steckt man Naturschwärme jedoch in Kellerhaft, dann ist die Nabelschnur unterbrochen und der Imker muss nun den Schwarm füttern. Meistens mit Zucker und dann geht es los. Eine Notwendigkeit zieht die nächste Notwendigkeit nach sich. Es geht nichts über einen guten Start!


    Ein guter Start ist ein Naturschwarm, der ohne Kellerhaft in die Beute einlaufen darf (nicht einschlagen!).


    Vorweggenommene Vorschwärme werden oft als naturnah beschrieben, da die Bienen den halben Schwarmakt erleben - meines Erachtens ist das eine optische Täuschung. Es ist noch viel weniger als der halbe Schwarmakt, es ist noch nicht mal ansatzweise zu vergleichen. Das erkenne ich daran, dass man solche Vorweggenommenen Vorschwärme füttern muss, dass sie keine Verbindung zum Mutterstock halten.


    Wenn überhaupt durch Umstände gegeben eine Vorwegnahme stattfinden muss, dann ein vorweggenommener Nachschwarm.


    Ich verwünsche die Idee der Kellerhaft.


    Es gibt keinen Grund die Bienen zu irgend etwas zu zwingen, aber viele Gründe es mit Zusammenarbeit zu versuchen. Die Natur wie die Bienen geben freiwillig, was wir zu erzwingen suchen.



    Bernhard

  • Hallo, lieber Bernhard,
    was du da so über Naturschwärme schreibst.....:lol:
    Wer aber steckt seine Naturschwärme in Kellerhaft?
    Ich kann mir das nicht vorstellen, daß das jemand macht.:-(
    Vorweggenommene Schwärme sind auch nichts Ganzes, aber wer hat Zeit
    für einen Freiluftkunstschwarm und das Wissen darüber incl. Anwendung?:oops:
    Der Strang Muttervolk-Tochtervolk ist eher menschlich. Die Bienen sehen
    das gewiß anders, provoziere ich mal.:daumen:
    Darf ich fragen, auf welchem Maß du imkerst und wie du am liebsten
    Bienen vermehrst?:wink:
    Herzliche Grüße, Pia
    (Ach ja, ich liebe Naturbau auf Dadant, Regionalzucht und übe mich in
    darin, Varroa zuzulassen, traue mich aber noch nicht richtig):evil:

    ich würd gern mit den Bienen fliegen...

  • Hallo Bernhard,


    Zustimmung zu dieser Deiner Ausführung zum Verhalten von "Natur"-Schwärmen von einen "Jung"-Imker.
    Im April erwarb ich vier A.m.m.l.-Völker. Wie es sich für diese alte Heidebiene gehört, schwärmten sie im Mai / Juni gleich sechsmal. Ich hatte nichts dagegen. Leider nur einen "Wohnraummangel", so dass gleich zwei Völker in schnell hergerichtete Körbe einziehen mussten. Vier Schwärme kamen dann noch in Segeberger Beuten. Alle zehn Völker, und noch zwei weitere Fremdschwärme, stehen ohne Kellerhaft vom ersten Tag an einträchtig nebeneinander. Einzige Ausnahme: Ein Schwarm war mit der neuen Wohnung nicht zufrieden und zog am übernächsten Tag wieder aus der Beute aus und setzt sich wieder an die gleiche Stelle in den Apfelbaum, wie beim ersten Ausflug. Also neu eingefanden und eine andere Beute angeboten, sowie einen Meter neben dem vorigen Platz aufgestellt. Das war dann in Ordnung.
    Ich kam auf keine andere Idee; denn die alten Heideimker haben ihre Schwärme im Schwarmfangbeutel einige Stunden in den Schatten gehängt und dann in neue Körbe eingeschlagen und in den Bienenzaun gestellt.
    Von da an hatte ich reichlich "Lehrmaterial" und habe die weiteren Weiselzellen gebrochen.


    Nun habe ich zu Deinen Text aber noch eine Frage.
    Du schreibst: "Ein guter Start ist ein Naturschwarm, der ohne Kellerhaft in die Beute einlaufen darf (nicht einschlagen!)."
    Was habe ich unter "einlaufen darf" zu verstehen und wie erreicht man diesen freiwilligen, so interpretiere ich Deine Wortwahl, Einzug?


    Im Voraus danke ich für eine Erläuterung!


    Wolfgang

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • Darf ich fragen, auf welchem Maß du imkerst und wie du am liebsten Bienen vermehrst?:wink:


    Ich verwende keine Rähmchen und verwende Stabilbau hauptsächlich in Warrébeuten. Ich vermehre ausschließlich über Schwärme, wobei ich dazu außer Einfangen nicht viel machen muss. :wink:


    Bernhard

  • Was habe ich unter "einlaufen darf" zu verstehen und wie erreicht man diesen freiwilligen, so interpretiere ich Deine Wortwahl, Einzug?


    Ich stelle ein dünnes Brett, etwa 120 x 50cm, leicht schräg gegen das Flugloch. So daß das obere Ende des Brettes am Flugloch ist, dass untere Ende liegt tiefer als das Flugloch. Insekten, so auch Bienen, haben die Neigung, nach oben zu laufen.


    Ich gebe den eingefangenen Schwarm auf das Brett, sobal die ersten Bienen die Beute entdeckt und als ausreichend identfiziert haben, fangen sie an zu fächeln und der ganze Schwarm bewegt sich einem Strom aus Bienenleibern in die Beute.


    Ich habe den Eindruck, dass die Bienen "die Entdeckung des neuen Zuhauses" und das aktive Erobern der Beute bewußt erleben. Ich habe auf diese Weise noch keinen Schwarm erlebt, der danach wieder ausgezogen ist. Ich habe die Schwärme eingefangen wie ich sie vorgefunden habe und einlaufen lassen.


    Wenn der Schwarm sich entscheidet einzuziehen, dann bleibt er auch. Stellt man eine bienengerechte Wohnung in einem bienengerechten Umfeld auf, nehmen die Bienen dankbar das neue Zuhause an.


    Nicht nur für die Bienen, auch für den Imker ist der Einzug ein echtes Erlebnis. Für mich ist der Einzug in das neue Zuhause kurz nach dem Schwarmakt selbst das Zweitschönste, das ich mit Bienen erleben durfte.


    Ein Naturschauspiel!


    Bernhard


    PS: Konstantin hat mal so ein Einlaufen mit Photos festgehalten:



    aus: http://www.konstantin-kirsch.d…s-gibt-wieder-bienen.html

  • @ Bernhard


    Danke für die Erläuterung!


    Für mich zur Klarstellung: Du schüttelst oder fegst den Schwarm in eine Transportkiste. Dann wartest Du am dortigen Ort, bis die restlichen Bienen des Schwarmes sich zu ihrem Volk hinzugesellt haben. Mit dieser Transportkiste, samt Inhalt, begibst Du Dich zu Deinem Bienenstand und lässt dann am vorgesehen Standort der neuen Beute diesen neuen Schwarm über das Brett dorthinein einziehen, indem Du lediglich die offene Transportkiste davor legst.
    Bewegt sich der Schwarm denn aus dieser Transportkiste hinaus, obgleich ihre Königin auch darin sitzt?
    Diese Reihenfolge der Handlungen von Mensch und Bienen ist ja aufwändiger als das einfache Einschlagen in eine Beute oder einen Korb, jedoch ist es wohl eine wichtige aktive soziale Handlung für das neue Volk. Der höhere Zeitaufwand für den Imker wird sicherlich dadurch wett gemacht, dass er Zeuge eines interessanten gemeinschaftsbildenden Vorganges ist. - Diese Zeit kann ich mir im nächsten Jahr dann als Ruheständler nehmen.


    Wolfgang

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • Hallo Wolfgang,


    soweit richtig interpretiert. Jedoch wird immer ein wenig Bienenmasse, Stück für Stück auf das Brett gegeben, denn wenn die Königin in der Transportkiste bleibt, bewegt sich nichts.


    Der Zeitaufwand ist sehr unterschiedlich. Der schnellste Einzug war unter 10 Minuten geschehen, der längste dauerte eine Stunde. Die Zeit ist es in jedem Fall wert.


    Bernhard

  • Hallo Bernhard und andere, darf ich mal was zum Einlaufenlassen fragen?


    Ich habe gerade einen Schwarm draußen hängen, den will ich morgen in eine Beute bugsieren. Es handelt sich um einen Vorschwarm, bei dem ich ein bißchen "nachgeholfen" habe. Die Königin hatte einen beschädigten Flügel (warum weiß ich nicht), das habe ich gewußt und beim Schwarmabgang gezielt am Boden nach ihr gesucht und sie gefunden. Ich habe sie gekäfigt und an ein Kehrblech gehängt (was anderes hatte ich gerade nicht). Die Schwarmtraube hat am Kehrblech angedockt und hängt über Nacht noch draußen.


    Ich würde gern einfach die Kehrschaufel vor das Flugloch einer Beute hängen, mit Kontakt zum Flugbrett, damit die Bienen da einziehen, meinst Du, daß das geht? Ich wollte mir und den Bienen das Umfüllen in eine Kiste usw. ersparen.


    Und gibt es eine zu bevorzugende Uhrzeit für so eine Aktion?


    -------
    Ergänzung: Einfach über einem Magazin abstoßen oder reinkippen geht nicht. Ich will sie in eine Hinterbehandlungsbeute reinhaben... Am Bienenwagen, das Flugloch in 1,50 m Höhe. Ist unorthodox, aber es wäre vllt. eine saubere Lösung und ich erleichtere mir damit die Arbeit.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Spurbiene () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Uhrzeit: am späten Abend kurz vor dem Sonnenuntergang.


    Irgendwo hinhängen und einlaufen werden die nicht. Die mußt Du schon abschlagen. Kannst Du die nicht von hinten in die Beute einschlagen? Einfach rein, kurzer Stoß, Rähmchen einhängen, fertig.

  • Ein paar Impressionen vom Einzug der Bienen, so kann es aussehen.
    Derartig eingezogen, ist mir noch nie ein Volk wieder ausgezogen. Du kannst auf dem Brett die Königin sehen...und auch mehrere. Wenn Du schnell genug die überzähligen Königinnen rausfischst, dann kriegst Du auch keine Probleme mit wieder ausziehen.



  • Hallo Bernhard, danke für Deine Antwort. Ja, dachte mir schon, daß man die Schwarmtraube auflösen muß.


    ...von hinten in die Beute einschlagen? Einfach rein, kurzer Stoß, Rähmchen einhängen, fertig.


    So läuft´s normalerweise. Geht sicherlich auch gleich mit dem Kehrblech.


    Ich bin sehr begeistert von dem Reinlaufenlassen, habe es aber noch nie gemacht, da dachte ich, die Schwarmtraube in so einem handlichen Format böte sich dafür an...

  • Das sieht toll aus! Doofe Frage: ist die Königin schon in der Kiste oder in der Schwarmtraube. Oder anders: warum laufen die in Richtung Kiste, wenn die Königin noch hinter ihnen in der Traube ist. Die Kiste haben sie sich ja nicht selbst als Behausung suchen können, sie wurden davor geschüttet. Warum also diese Zielstrebigkeit? Hast du einen Teil des Schwarms vorher schon direkt vor das Flugloch geschüttet? Welche Bienen sitzen da schon an der Kiste?

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Bei mir ist die Königin in der Schwarmtraube. Den Schwarm auf ein Brett geschüttet, die Bienen verweilen einen Moment, bis die ersten Bienen das Flugloch und das Innere inspiziert haben.
    Dann geht ein richtiger Ruck durch den "Haufen Bienen" und alles marschiert los, rein in die Kiste.
    Ich stelle mir das bei einem nicht gefangenen Schwarm ähnlich vor. Suchbienen finden eine neues Zuhause und holen den Schwarm nach. Hier fliegen sie und beim einschlagen gehts zu Fuß weiter.


    Von der Reihenfolge etwas durcheinander:
    http://www.imkerforum.de/album.php?albumid=86


    Aber auf Bild 10 sieht man auch gut die Königin...


    Beste Grüße
    Hartmut

  • Wenn ich einen Schwarm einfange, gehe ich davon aus, dass von dem auch schon Suchbienen unterwegs sind und mit Ergebnissen zurückkehren. Wenn ich den Schwarm jetzt so offen da hinschütte, hätte ich die Befürchtung, dass sie sich vielleicht doch gerade für eine andere Behausung entschieden haben und noch losziehen. Da muss die Kiste dann schon sehr attraktiv sein. Wenn´s eine neue ist, riecht die aber nicht mal nach Wachs oder Propolis. Habt ihr Lockstoff drin?

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi