Überwintern auf Waldhonig

  • Hallo liebe erfahrene Imker,


    immer höre ich, daß ein Überwintern auf Waldhonig praktisch nicht möglich wäre, weil der Waldhonig zu viele Stoffwechselabbauprodukte hervorrufe und das Volumen der Kotblase deshalb nicht über den Winter reiche. Folge: Bienen machen ihren Reinigungsflug zu früh, verklammen und sterben. Vielleicht gibt es noch andere Begründungen, aber im Ergebnis kommt das selbe dabei raus, die Bienen kommen nicht über den Winter.


    Nachvollziehen kann ich das aber nicht und zwar aus folgender Überlegung heraus:


    Es wurden vielfach Bienen gefunden, eingeschlossen in Bernstein. Der älteste Fund ist ca. 90 Millionen Jahre alt! Ein Einschluß in Bernstein bedeutet, daß diese Biene vom Harz eines Baumes eingeschlossen wurde, also vielleicht im Wald. Es bedeutet nicht, wie so gern angegeben, daß außerhalb des Waldes keine Bienen gelebt hätten, nur gab es da kein konservierendes Harz wie im Wald, so daß man darüber eigentlich keine Aussage machen kann. Jedenfalls gibt es viele Bienenfunde im Bernstein mit unterschiedlichem Alter. Diese Bienen weisen alle im wesentlichen die selben Eigenschaften auf wie auch unsere heutige Biene. Man kann also aus den Bernsteinfunden schließen, daß Bienen jedenfalls über unglaublich lange Zeiträume im Wald gelebt haben.


    Erst in jüngster Zeit wurden Bienen in künstlichen Behausungen in der Nähe der Siedlungen gehalten. Dabei ist es irrelevant, ob das Ansiedeln in künstlichen Behausungen bereits vor 2000 Jahren oder erst im Mittelalter stattgefunden hat. Eine genetische Anpassung an diese veränderten Lebensbedingungen kann man getrost ausschließen.


    Und jetzt frage ich mich, wie es die im Wald lebenden Bienen über den Winter geschafft haben. Sage keiner, die Honigwaben vor 500 Jahren wären mit einem bekömmlicheren Honig gefüllt gewesen wie heute!


    Freue mich auf viele plausible Begründungen!!! - Danke!

  • Bienen fressen nach dem last-in-first-out Prinzip ihre Waben leer.
     
    Im Frühjahr, wenn der Wintervorrat weg ist, wird von oben nach unten der Blütenhonig eingelagert, das Brutnest wandert mit der Zeit nach unten,
    Wenn nun im September Waldhonig eingetragen wird, dann lagert der unterhalb des Blütenhonigs. Im Oktober wird dann also erst der Waldhonig verputzt und die Kotblase bei geeignetem Wetter geleert.
    Dann in der Kalten Zeit sitzen sie auf dem Frühlingsblütenhonig.
     
    Tja und so wiederholt sich das dann wieder.
     
    Vor 500 Jahren haben die Zeidler auch erst im Frühling den Rest der Vorräte geerntet, so dass die Bienen das Jahr über Zeit hatten, ihren Vorrat anzulegen.
     
    Seit aber Apfelblüten, Raps, Akazien, Sommerblütenhonig von den bösen Imker aus den Bienen geschleudert wird, hauen diese sich im Herbst die Hütte mit Blatthonig voll und bekommen im Winter dann die Quittung. :wink:

  • ... Sommerblütenhonig von den bösen Imker aus den Bienen geschleudert wird ...

    Ja das müssen schon wirklich böse Imkers sein - Bienen schleudern, (bis) zum Kotzen. :wink:


    Warum geht Ihr eigentlich davon aus, daß überhaupt Blatthonig bzw. Läusesekret gesammelt wurde. Seht in die derzeitigen tropischen Regenwälder oder nach Asien. Da blüht immer was und die Bienen suchen keine Ersatz-/Nottracht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Erst in jüngster Zeit wurden Bienen in künstlichen Behausungen in der Nähe der Siedlungen gehalten. Dabei ist es irrelevant, ob das Ansiedeln in künstlichen Behausungen bereits vor 2000 Jahren oder erst im Mittelalter stattgefunden hat. Eine genetische Anpassung an diese veränderten Lebensbedingungen kann man getrost ausschließen.


    Hallo Wolf,


    was Deinen letzten Satz angeht, da darfst Du getrost umlernen: :u_idea_bulb02:


    http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?tab=2&source=/nano/news/129953/index.html

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.


  •  
    Finde ich eine gute Erklärung. Wobei vielleicht eines noch zu bedenken wäre: Die Struktur des Waldes war eine völlig andere und die Bewirtschaftungsmethoden (gabs nicht). Nach nem Windbruch kam das Waldweidenrößchen und das Heidekraut und was weiss ich noch. Damit kommt man zu Henrys Statement: Irgendwas blüht immer.
     
    Will sagen, z. B. bei uns hier im Erzgebirge soll bis ins 15 Jh. Mischwald vorgeherrscht haben, vorwiegend Buche, Ahorn, Weisstanne. Bei 10-15% Tannenanteil wird es keine solche Massentrachten an Honigtauhonig gegeben haben.
     
    Gruss
    Hagen

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Radix : Das ist ein wirklich interessanter Gesichtspunkt. Das mit den "Schaltern", die abhängig von den Umgebungsbedingungen "umgelegt" werden, habe ich schon mal gehört, in diesem Zusammenhang aber nicht bedacht. Hat aber mit einer genetischen Veränderung im Sinne von Evolution nichts zu tun, wie auch aus dem Bericht hervorgeht. Der genetische Code ist einfach flexibler, als ursprünglich angenommen, hat sozusagen ein paar "IF"-Abfragen eingebaut. Gute Sache, nicht?


    In der Tat war aber der Wald ohne jegliche Bewirtschaftung ein völlig anderer wie heute. Mischwald auf jeden Fall und vielfältig anscheinend in jeder Hinsicht, also auch was die Dichte angeht. Wie ich mal gesehen habe, soll es auch viele grasbestandene Lichtungen gegeben haben, auf denen dann Großtiere wie die Auerochsen grasten. Das waren ja keine Waldtiere. Insofern dürfte es dann auch viel mehr Blütenhonig und viel weniger Blatthonig gegeben haben.


    Und wenn die relativ geringe Menge Blatthonig wieder weggefressen wird, bevor die Bienen nicht mehr ausfliegen und die kalte Zeit über sich vom Blütenhonig nährten, wäre das ja echt die Erklärung dafür.


    Drops : Stimmt das wirklich, daß die Zeidler nur im Frühjahr geernet haben? Hast Du da irgendwelche Quellen, wie die Zeidler gearbeitet haben? Würde mich interessieren!


    Also vielen Dank für die interessanten Antworten!

  • Und jetzt frage ich mich, wie es die im Wald lebenden Bienen über den Winter geschafft haben.


    Es kann sehr gut sein, dass in Gebieten mit später und starker Honigtautracht die meisten Völker den Winter auch nicht überlebt haben in Urzeiten. Honigtautracht herrscht aber nie überall und flächendeckend. Das wird auch früher so gewesen sein und erlaubte in den Jahren mit wenig Tautracht ganz sicher eine Wiederbesiedelung und Vermehrung der Bienenvölker bis zur nächten Honigtau-Massentracht.

  • Vielleicht waren die Winter damals viel milder als heut zu tage.
    Wer weiß. Nur weil laufend von Klimaerwärmung geredet wird, muß es vor vielen Jahrtausenden nicht unbedingt kälter gewesen sein.


    Nur so mal als Gedankenanregung. Zu leicht geht man von dem aus was man kennt ohne dies zu hinterfragen.


    Viele Grüße
    Konstantin

  • Es wird behauptet, dass dir Bienen den Winter nicht überleben auf Honigtauhonig. Aber wann wurde denn das zuletzt getestet? Ich behaupte, das ist ein Märchen der Zuckerindustrie. Hab mal ne Frage gesehn in einer deutschen Bienenzeitung die da lautete: Kann ich meine Bienen auf Blütenhonig überwintern? Einem solchen unwissenden sollte man die Bienen wegnehmen.

  • Ich behaupte, das ist ein Märchen der Zuckerindustrie.

    Und ich behaupte, die Erde kreise um den Mond.


    Lies Freudenstein, den Retter der Waldtrachtvölker!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Und ich behaupte, die Erde kreise um den Mond...


     
    Der Drohn hätte nie gedacht,
    dass Du zu solch wahren Beobachtungen fähig wärst:p_flower01::liebe002:
     
    Es kommt immer auf den Standpunkt des Beobachter an:wink:
     
    Der
    Drohn

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von gast013 () aus folgendem Grund: http://de.wikipedia.org/wiki/Ekliptik

  • Zitat

    immer höre ich, daß ein Überwintern auf Waldhonig praktisch nicht möglich wäre

    Immer höre ich diesen Quatsch. Diese Weisheit scheint aus der Hinterladerzeit zu kommen. Das Problem liegt wohl darin, dass die Waldtracht auch sehr spät sein kann, die Winterbienen arbeiten sich dann ab und überleben den Winter nicht. Ich habe nach guten Waldtrachtjahren immer gut überwintert, schädlicher ist das Warten auf Waldtracht.
    Gruß
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Immer höre ich diesen Quatsch. Diese Weisheit scheint aus der Hinterladerzeit zu kommen.

    Nein, sie ist noch älter und stammt aus der Zeit als Winter lang und Winterbienenvölker klein waren und Herr Freudenstein noch lebte.

    Ich habe nach guten Waldtrachtjahren immer gut überwintert

    Und Du hast da nicht etwa den Waldhonig entnommen und Glucose oder Sacharose ein oder draufgefüttert? :wink:


    Die Völker gehen nach Waldtracht an Ruhr - also Scheißerei - ein, wenn sie denn eingehen. Denen platzt der Arsch und die besudeln Waben, Wände und Futter. Die Nachbarbienen putzen den Unrat weg und sammeln sich so die Keime auf bis auch sie das Publoch nicht mehr zu halten können.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder