Photosynthese und Nektarabsonderung

  • Hallo,
    mein Waagstock zeigt erst ab dem späten Vormittag Zunahmen. Dies ist für mich typisch für eine Blütentracht. Bei einer Waldtracht sind schon am frühen Morgen Zunahmen zu erwarten.
    Das ist jetzt eine Frage nur für Experten und nicht für Vermuter. Ist der Nektarfluss aus der Photosynthese des Vormittags und des laufenden Tages. Das würde allerdings das der Tag- und Nachtphase der P. widersprechen.
    Zum Verständnis könnte ich die Daten graph. aufbereitet schicken, benötige aber Mailadresse.
    Gruß
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hängt der Nektarfluß mit der Photosynthese zusammen?
    Akazien honigen auch nachts.
    Der Drohn hätte aus Beobachtungen gedacht, dass der Nektarfluss abhängig sei von Wärme und Wasser.
    Gibt es nicht so eine Art Pflanzenuhr, nach der die Nektarien tätig sind?
    Mohn wird z.B. sehr früh am Morgen beflogen, vielleicht ist der aber auch sehr schnell abgeerntet?


    Interessantes Thema!


    In Tutlingen soll es viele Brombeeren geben :;-:



    Der
    Drohn

  • Hallo Drohn,
    auf die Schnelle ist eine Auswertung nicht möglich. Die vorhergehenden Nachtabnahmen sind bei den folgenden Zunahmen immer eingerechnet.
    Akazie dieses Jahr, Temperatur ab Gewichtszunahme
    18.6. vor 8 Uhr 15,6° 4,5 kg
    25.6 vor 9 Uhr 20° 5 kg
    26.6. vor 11 Uhr 21,9° 2,7 kg
    27.6. vor 13 Uhr 22,7° 1,8 kg
     
    Hier ist zu bemerken: Tracht läuft aus. Bei Nacht wird nur in einem Fall Nektar bereitgestellt. In den Tagen dazwischen wetterbedingt keine großen Zunahmen.
     
    Schwarzwald 900 m vermutete Tracht Himbeere, Brombeere, Wiese keine Läuse beobachtet.
    13.6. ab 13 Uhr 20° 2,2 kg
    18.6. ab 9 Uhr 19° 4,4 kg
    25.6. ab 13 Uhr 18° 2,8 kg
    26.6. nur 13 Uhr 20° 0 kg
    28.6 ab 13 Uhr 20° 2,2 kg
     
    Die größten Zunahmen waren stets zwischen 16 und 17 Uhr. In der Fortdauer in der Regel weitere Zunahmen, so dass der Rückflug nicht in das Gewicht fällt. Leider sind die Nachttemperaturen nicht bekannt. Nur der 18.6. könnte auf Waldtracht hinweisen, so dass das Gerücht umgeht, hier honigt der Wald.
    Gruß
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Ich denke, dass ein genereller direkter und zeitlicher Zusammenhang zwischen Photosyntheserate und Nektarsekretion nicht unbedingt besteht. Wenn Nektar immer nur dann produziert wird, wenn Pflanzen photosynthetisch hoch aktiv sind, wären die unterschiedlichen Dynamiken in der Nektarprodution bei Pflanzen nicht erklärbar. Man denke nur an Nachtkerzen, oder andere eher im Dunkeln blühende und bestäubte Arten.
    Wenn Pflanzen in der Lage sind, die Zuckerzusammensetzung des Nektars entprechend dem Gefallen der Bestäuber anzupassen, dann sollte auch die zeitliche Komponente der Nectarproduktion der Coevolution mit den Bestäubern geschuldet sein.
    Ein weiterer Punkt in diesen Überlegungen wäre die Frage nach den Kosten der Pflanze für den Nektar. Nur wenn die Nektarproduktion so kostenintensiv wäre, dass Sie nicht durch die Reserven gedeckt werden kann, sollte eine direkter Zusammenhang mit der täglichen Photosyntheserate erwarten werden können. Nach den Zahlen die ich gefunden habe, macht die Nektarproduktion aber nur wenige Prozente der Energie aus (ca. 3-30%), welche die Pflanze in die Blütenproduktion selbst steckt.
    Ich denke, dass die Pflanze immer dann Nektar produziert, wenn sie sich den höchsten Gewinn verspricht. Das ist immer dann der Fall wenn genügend Bestäuber, also Bienen unterwegs sind.


    Gruß
    Stefan

  • Was mir dieses Jahr auffällt ist, dass die Tracht nie lang anhält und immer wieder Abnahme statt Zunahmen. Heute wieder so ein Tag, gestern flogen sie heute nahezu Stillstand, so ging es fast das ganze Jahr. Wäre wirklich auch für mich interessant zu wissen woran das liegt. Das müssen jedenfalls komplexere Zusammenhänge sein.


    beehead

    give bee`s a chance- all together now- give bee`s a chance

  • …habe jetzt hier eine ältere Studie von Hans Huber in Planta (1956) welcher die Abhängigkeit der Nektarabsonderung von Temperatur, Luft- und Bodenfeuchtigkeit in 9 verschiedenen Arten (u.a. Borretsch und Nachtkerze) untersucht.


    Ich zitiere hier seine Zusammenfassung
    [Huber, H. Planta 48: 47-98 (1956)]


    "1. Die Nektarsekretion hängt sowohl mit innerfloralen Stoffwechselvorgängen als auch mit der Stofferzeugung der Pflanze zusammen. Jene entscheiden über die Sekretionsintensität, diese schafft nur ihre substantiellen Voraussetzungen. Düngungsmassnahmen zur Sekretionsverbesserung versprechen deshalb nur dann Erfolg, wenn durch sie offensichtliche Hungerzustände beseitigt werden.


    2. Aus den Beziehungen zwischen sekretionslenkenden innerfloralen Lebensprozessen, Saftversorgung der Nektarien durch die grüinen Teile der Pflanze und Saftausscheidung resultiert die Abhängigkeit der Sekretionstätigkeit von äußeren Faktoren:


    3. Die Temperatur hat grossen Einfluiss auf die Sekretionsleistung.
    a) Temperaturerhöhung fördert allgemein die Zuckerausscheidung, jedoch nur bis zu einem artlich verschiedenen Normaloptimum. Abkühlung setzt die Nektarsekretion herab. Tiefe Temperaturen vermindern auch die Nektarkonzentration. Im mittleren und hohen Temperaturbereich ändert sie sich dagegen nur wenig.
    b) Es gibt keine fixen Temperaturoptima. Dem präfloralen Wärmemittel entsprechend liegen sie höher oder tiefer. [soll heißen, je nachdem, ob die Pflanze bei kalten oder höheren Temperaturen gewachsen ist Anm. von mir]
    e) Stofferzeugung und innerfloraler Stoffwechsel sind gleichermassen temperaturgebunden. Dadurch ändert sich die Sekretionsintensität mit der Temperatur.


    4. Die Luftfeuchtigkeit beeinflußt Quantitäit und Qualitäit des sezernierten Nektars. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen postsekretorischen Volumen- und Konzentrationsäinderungen, die die ausgeschiedenen Zuckermengen nicht berühren, und Veränderungen der Sekretionsleistung. In jedem Fall verhalten sich verschiedene Pflanzenarten ganz verschieden.
    a) Postsekretorische Veränderungen des Nektars gehen parallel den Feuchtigkeitsgraden, den osmotischen Werten der Zuckerlöungen und ihren Oberflächen/Volumenverhältnissen. Sie verdecken meist die tatsächlichen Ausscheidungskonzentrationen. Diese übersteigen in keinem der untersuchten Fälle die Phloemsaftkonzentrationen. Damit wird die Bezeichnung des Nektar als ausgeschiedener Phloemsaft auch von seiten der Nektarkonzentrationen her bestätigt.
    b) Transpirationsschwankungen können die Menge des sezernierten Zuckers beeinflussen, dies aber nur bei Pflanzenarten mit hohem Xylemanteil in den die Nektarien versorgenden Leitbündeln. Hierbei ändern sich hauptsächlich die Mengen des Nektars, weniger seine Konzentrationen.


    5. Die Bodenfeuchtigkeit beeinflusst allgemein die Sekretionsleistung stark.
    a) Ungünstige Wasserversorgung der Pflanzen vermindert die sezernierten Zuckermengen, zunehmende Bodenfeuchtigkeit vermehrt sie.
    b) Der Wurzeldruck spielt bei der Sekretion eine untergeordnete Rolle. Selbst vorwiegend xylemversorgte Nektarien zeigen keine funktionelle Analogie zu Hydathoden. Die Sekretion solcher Nektarien hängt aber mehr vem Wasserhaushalt der Pflanze ab als die vorwiegend phloemversorgter Drüsen. Daraus ergeben sieh Unterschiede in der Abhängigkeit der Nektarsekretion verschiedener Pflanzenarten vomWassergehalt des Bodens.
    e) Gelegentliche Konzentrationsminderung bei Bodentrockenheit sowie
    die stets beobachtbare Retardation im Wiederansteigen der Zuckerwerte nach Bewässerung lassen auf Zusammenhänge zwischen dem Hydraturzustand der Pflanze, der C02-Assimilation und der Nektarsekretion
    schlieBen."



    Alles in allem also ein komplexer Zusammenhang, wobei die Photosynthese ebenso ein Rolle spielt, wie andere Faktoren.


    Gruß
    Stefan