Honigbienen Neuropathologe gesucht

  • Hallo miteinander,


    vielleicht könnt ihr mir behilflich sein - ich suche einen Neuropathologen, der sich mit dem Nervensystem bei Honigbienen auskennt. Speziell das Nervensystem im Bauch/Darm der Honigbiene.


    Da Neonicotinoide den Nicotin-Acetylcholinrezeptor dauerhaft überstimulieren, würde mich interessieren, was das für Auswirkungen auf die Nerven im Abdomen der Honigbiene hat. Und welche Auswirkungen geringe Mengen Neonicotinoide auf die Verdauungsfunktionen der Honigbienen haben. Um dies näher zu beleuchten, wäre ich dankbar, wenn mir jemand einen Kontakt nennen kann, an den ich mich wenden kann.


    Danke im Voraus,


    Bernhard

  • Hallo und Guten Tag,


    mit Interesse verfolge ich Ihre Forschungen zu Neonicotinoiden und Honigbienen.


    Mein Anliegen betrifft die Wirkung von Neonicotinoiden auf das Nervensystem der Honigbienen. Ich mache mich zurzeit noch sachkundig, und bitte Sie mir diesbezüglich zu helfen.


    Neonicotinoide bewirken meines Wissens eine dauerhafte Überstimulation des Nicotin-Acetylcholinrezeptors. Bisher hat man die Auswirkungen der Neonicotinoide auf das Verhalten und auf die Lernfähigkeit geprüft, und somit die Auswirkungen auf das Nervensystem, dass das Verhalten steuert.


    Meines Erachtens ist dabei ein Teil des Nervensystems völlig unbeachtet geblieben - das intestinale Nervensystem rund um den Verdauungsapparat.


    Die Dichte an Nervenzellen ist bei vielen Lebewesen im Bauch sehr hoch. Die Funktion dieses Nervensystems ist zwar beeinflusst vom Gehirn, aber weitestgehend funktioniert es selbstständig.


    Daher ist anzunehmen, dass die Neonicotinoide einen Einfluss auf das enterische Nervensystem haben und dort Störungen zumindest hypothetisch verursachen können. Was jedoch passiert, wenn Funktionen des Verdauungssystem der Honigbiene durch subletale Dosen Neonicotinoiden gestört wird?


    1.) Das Ventil/Proventrikulus zwischen Honigblase und Darm der Honigbiene ist überlebenswichtig, um Mikroben vom Darm und Honigblase zu trennen. Eine Dysfunktion dieses Ventils führt zum Eindringen/Rückfluss von Mikroben. Mit erheblichen Folgen, die Erkrankung durch Mikroben durch ungehemmte Verbreitung im Bienenstock. (Nosema)


    2.) Der Darmwand des Mitteldarmes wird ebenfalls eine hohe Bedeutung bei der Immunabwehr beigemessen. (Dr. Friedrich Pohl, Bienenkrankheiten S. 16). Wenn die Nervenzellen der Darmwand durch geringe Dosen in der Funktion gestört werden, kann das unabsehbare Folgen haben. Die Verdauung könnte verzögert werden, oder beschleunigt. Die Darmwand könnte durchlässig werden gegenüber Mikroben. (Nosema).


    3.) Verdauungsstörungen haben auch Störungen außerhalb des Bienenkörpers zur Folge. So zum Beispiel beeinflusst die Störung die Inhaltsstoffe des Honigs. Ich ziele hier vor allem auf das Enzym Glucoseoxidase ab, das von den Bienen dem Honig hinzugefügt wird. Dieses Enzym ist für die fortwährende Produktion von Wasserstoffperoxid durch Zuckerabbau verantwortlich, das wiederum die Nahrung der Honigbienen vor Mikroben schützt. Eine Funktionsstörung der Sekretionsapparate hat also auch außerhalb der Bienen eine außerordentliche Störung des Immunsystems des Bien als Gesamtorganismus zur Folge.


    Ich habe bisher leider nur die Oberfläche der möglichen Folgen der Störung des enterischen Nervensystems angekratzt. Drüsen, malpighische Gefässe (die Beweglichkeit der Gefässe in der Hämolymphe beruht auf Kontraktionen!) usw. sind alle mit Nerven verbunden, Nervenzellen die unter Umständen Nicotin-Acetylcholinrezeptoren besitzen. Funktionen wie Kontraktion, Filtration, Sekretion und Resorption können gestört werden. Mit unabsehbaren Folgen wie z. B. die Störung des Harnflusses.


    Hier sollte meines Erachtens Grundlagenforschung erfolgen:


    - Wo befinden sich im Bauch der Honigbiene Nervenzellen? Wo befinden sich dort Acetylcholinrezeptoren?
    - Was sind die Effekte von Neonicotinoiden auf die Funktionen des intestinalen Systems der Honigbienen?
    - Wird die Sekretion von lebenswichtigen Enzymen durch die Störung der Nicotin-Acetylcholinrezeptoren beeinflusst?


    Meines Erachtens liegen die Gefahren der Neonicotinoide nicht in der letalen Dosis - die Gefahr besteht eher darin, dass das Immunsystem der Honigbiene durch Störungen des bisher unbeachteten Teil des Nervensystems im Bauch der Biene herabgesetzt wird. Und damit den Pathogenen der Honigbiene Tür und Tor geöffnet wird.


    Des Weiteren sehe ich in der Kombination von Neonicotinoiden und Akariziden eine Gefahr, wie z. B. Perizin mit dem Wirkstoff Coumaphos, das zumindest beim Menschen ebenfalls auf die Acetylcholinrezeptoren einwirkt (indirekt). Möglich, dass eine Kombination aus Coumaphos und Clothianidin die Lebensfunktionen der einzelnen Bienen oder den gesamten Bien negativ beeinflussen.


    Ich würde mich über Ihre Meinung dazu freuen, und noch weiter, wenn Sie auch in diese Richtung forschen.


    Freundliche Grüßen,


    Bernhard

  • Hallo miteinander, kurzes Update.


    Ich habe mittlerweile schon erste Antworten erhalten von Forschern, die sich mit der Pestizidproblemtatik (inklusive Varroabehandlungsmittel) und auch mit den Bienennervensystemen auseinandersetzen.


    Die interessante Nachricht: sie haben tatsächlich Expressionen von Genen im Darm gefunden, die normalerweise im Gehirn der Bienen zu suchen sind. Das erhärtet die Vermutung, dass die Biene wie andere Tiere ein zweites Gehirn im Bauch besitzen und damit Nervengifte auch dort Schäden potentiell verursachen können. Ein Forscher, der sich mit Bienengenen beschäftigt und das Genom der Biene mit entschlüsselte, meinte sogar: Da sich das Entgiftungssystem der Bienen im Bauch befindet, ist das der einzig logische Ort um nachzuschauen, ob die Entgiftung auch funktioniert.


    Zitat

    ...Wie war noch gleich der Zusammenhang von Vergiftung und Nosema?


    Neonicotinoide und einige Milbenbehandlungsmittel wirken auf das Acetylcholinrezeptorsystem des Nervensystems der Honigbienen. Das Nervensystem besteht nicht nur aus dem Gehirn der Honigbiene, sondern es gibt ein zweites Gehirn im Bauch der Honigbiene - rund um das Verdauungssystem. Das ist auch bei anderen Tieren und auch bei uns Menschen so.


    Wenn das Nervensystem im Bauch, das größtenteils eigenständig arbeitet, durch diese Wirkstoffe ausser Gefecht gesetzt wird, so kann dies einige Folgen für den Darm haben. Sekrete werden nicht abgesondert, die Erneuerung der Darmwand (sie wird ständig erneuert und ausgestossen, um Pathogenen den Zugang zu erschweren), die Beweglichkeit der Malphigischen Gefäße oder die Arbeit der Futtersaftdrüse kann gestört werden.


    Wenn die Arbeit der Futtersaftdrüse gestört ist, werden weniger Inhibine dem Futter zugegeben. Keime und Sporen können sich dann im Futter breitmachen. Gleichzeitig wird die Barriere gegenüber Pathogenen im Darm runtergesetzt. Das Ende ist das Ausbrechen der Krankheit.


    Liebe Grüße


    Bernhard


    PS: Des Weiteren rate ich mal die alten Berichte der Tagungen der Bieneninstitute zu lesen. Die findet ihr hier:


    http://scholar.google.de/scholar?hl=de&q=bieneninstitute+tagung&btnG=Suche&lr=


    Interessant ist, wie sich die Bienen-Themen mit der Zeit ändern - oder auch nicht.


    Zitat

    2. Die vom Deutschen Imkerbund erbetene, erneute Prüfung von Tormona 80 auf Bienengefährlichkeit brachte in Labor- und Zeltversuchen keine Anhaltspunkte für eine Schädigung der Flugbienen. Auch Sprühversuche mit dem Flugzeug ergaben keinen Beweis für eine Schadwirkung. Da jedoch Schädigungen von Bienenvölkern im Zusammenhang mit der Anwendung von Tormona beobachtet wurden, ließe sich evtl. an eine Einwirkung auf die Stockbienen denken, die mit den üblichen Routinetests nicht erfaßt und nachgewiesen werden konnte.


    Das war Oktober 1974. :daumen:


    Das führt uns zu Agent Orange:http://de.wikipedia.org/wiki/2…lorphenoxyessigs%C3%A4ure

  • Wieder ein Aspekt:


    Wachs besteht aus Fettsäuren.


    Wachs wird mit den Wachsdrüsen der Honigbiene. Die Fettsäuresynthese benötigt im Allgemeinen Acetyl-Coenzyme.


    Nun frage ich mich, ob und wie Acetylcholin-Rezeptoren und Acetyl-Coenzyme im Zusammenhang stehen?



    Fettsäuren wie Ameisensäure oder Fettsäure-Ester wie Perizin oder Neonicotinoide wirken auf das Acetylcholin-Rezeptorsystem des Nervensystems (auf unterschiedliche Weise). Was hat das für Auswirkungen auf das Drüsensystem der Honigbienen? Auf die Wachsdrüsen? Unterscheidet sich das produzierte Wachs unter Einfluss der oben genannten Stoffe? Was ist mit den endokrinen Drüsen?


    :confused:


    Fragen, Fragen....


    Bernhard

  • Meine Antwort auf Anfragen:



    Bernhard

  • Boah, danke, Bernhard!:p_flower01::liebe002:
    Nicht nur fürs hier-einstellen, sondern für deinen Einsatz!:Biene:


    (Dann liege ich mit meiner GesamtUmstellung ganz gut, und muß zugeben, ich fühle mich in etlichen Punkten durchaus bestätigt.:wink:)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • ...gibt es zu diesen Zitaten irgendeinen Namen? Wer äußert sich hier???? :confused:

    Robert - Versuch macht kluch... - und natürlich: KISS ME - keep it simple and stupid and most efficient!

  • Welche Zitate (Plural) meinst Du? Die Zitatbox ist ein Zitat einer E-Mail von mir, das einzige Zitat in meiner E-Mail (auf Englisch) stammt von May Berenbaum.


    Geklärt?
    Bernhard

  • aaaaaaaah! ok!!!


    Jetzt erschließt sich mir allerdings noch nicht so ganz, warum Du Dich selber zitierst?


    (bitte nicht böse sein :wink:)

    Robert - Versuch macht kluch... - und natürlich: KISS ME - keep it simple and stupid and most efficient!

  • Ich habe nur die Formatierung des Zitats genutzt, um zu verdeutlichen, was zur E-Mail gehört und was nicht. Sollte ursprünglich die Verwirrung vermeiden und nicht erzeugen. :wink:


    Bernhard


  • Acetylcoenzyme sind nach meiner Kenntnis sogenannte aktivierte Essigsäuren. Sie spielen eine Rolle beim Abbau von Zucker oder Fetten als Bindeglied zum Zitronensäurezyklus. Sie werden meine Wissens auch benötigt, um Kohlehydrate und Fette ineinander umzuwandeln. Der Eiweißabbau funktioniert nach erfolgter Desaminierung der Aminosäuren durch sogenannte Desaminasen meines Wissens ebenfalls über Acetylcoenzyme.
    Eine Verbindung zur Nerventätigkeit ist mir nicht bekannt.
    Leider sind meine Kenntnisse schon 30 Jahre alt, deswegen vielleicht auch nicht mehr so genau. Es gibt sicher auch neuere Erkenntnisse.