Existenzgründung Imkerei

  • Hallo allerseits,


    ich hoffe ich bin hier im richtigen Abschnitt des Forums auf der Suche nach Infos?


    Zu mir, ab Juli werde ich arbeitslos sein, da habe ich mir jetzt Gedanken gemacht und möchte die Gelegenheit nutzen mich als Imker selbstständig zu machen. Habe noch nicht viel Erfahrung mit Imkerei, aber habe in den letzten Monaten ausführlich studiert, dazu bin ich von Beruf Kaufmann und denke das ich von daher den Papierkram usw. ganz gut im Griff habe.


    Da ich nicht erwarte jetzt im zweiten Halbjahr quasi aus dem Nichts noch viel Einkommen mit Imkerei zu erzielen dachte ich daran, zum Einstieg ins Leben ohne geregeltes Einkommen den Gründungszuschuss beim Arbeitsamt beanspruchen.


    In Wikipedia steht dazu geschrieben:


    Jetzt befürchte ich, dass die beim Arbeitsamt da auch nicht unbedingt die besten Berater sind, wenn es um die Imkerei geht ;)


    Ja und die Frage ist, wen beanspruche ich da denn am sinnvollsten? Den Berufsimker Bund oder den Imkerverband Rheinland vielleicht? Oder doch einfach einen (ggf. teuren) Steuerberater der auch was von Imkerei versteht?


    Und ich hoffe jemand kann mir auch einen Rat geben, wer mir am besten beim Erstellen des Kapital. und Finanzierungsplan sowie der Umsatz- und Rentabilitätsvorschau behilflich sein könnte.



    Fragen zur Imkerei und drumherum werden dann mit Sicherheit in den kommenden Wochen zahlreich folgen :p
     
    MfG,


    Gerrit

  • Wie viel Erfahrung mit der Imkerei hast du denn?

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Moin Gerrit,


    nimm' mir die Offenheit nicht übel, aber es hat keinen Sinn den Wirtschaftsplan einer Spedition aufstellen zu wollen, wenn man gerade die Bestätigung zur Aufnahme in den Sommerkurs der Fahrschule für's Moped bekommen hat.


    Gerade wenn Du Kaufmann bist, sollte es für Dich kein Problem sein, zu erkennen, daß man nicht gleichzeitig Lehrling und Unternehmer sein kann. Und Du wirst sehr viel lernen müssen - allein zum Thema Bienen und Imkerei.
    Wenn jemand, der über Jahre schon viele Bienenvölker pflegte und einen Kundenstamm hat in so einer Situation die Chance sieht, sein Hobby zum Beruf zu machen (und damit auf das Hobby als solches zu verzichten) dann kann ich das nachvollziehen und habe so bereits erfolgreiche Gründungen erlebt. Nach Jahren der blanken Plakerei (denn Du must erst mal auf völkermäßige Losgrößen oberhalb 150 kommen) beginnt sich die nicht ganz bei 0 gegründetet Imkerei langsam zu tragen, auch weil Du gelernt hast Abstriche zu machen und eben an Markttagen 4:30 Uhr aufstehst und bei jedem Wetter für 70 Euro Umsatz bis 20:00 Uhr im Verkaufsauto stehst und Dich auf Sonderwünsche Deiner Kunden freust. Hast Du ein Verkaufsfahrzeug? Hast Du eine Direktvermarktungsmöglichkeit, die Dir wenigstens theoretisch den Umsatz bringt, der das Geschäft trägt? Hast Du an Abschreibung gedacht, oder machst Du zu, wenn der Zylinderkopf aufgibt? Hast Du Dir ausgerechnet, wieviel Honigumsatz Du machen mußt um wenigstens die Kosten zu decken? Wie willst Du soviel Honig ernten? Wo sollen Deine Bienen ihn sammeln? Wie willst Du wandern? Was kostet nächstes Jahr der Diesel?


    Selbstständigkeit ist schon nicht einfach - Imkerei mal gleich garnicht, denn Imkerei ist wie Seefahrt und Du bist immer in Gottes Hand, dessen Wege durchaus nicht zu ergründen sind ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder


  •  
    Gerrit, nur ganz kurz: Für 20 000,-€ Umsatz brauchst Du 2500,-kg guten Honig. Dazu brauchst Du ca. 100 Völker. 100 Beuten kosten inkl. Futtergeschirr so 13000,- €. 100 Voll-Völker nochmal ca. 10000,- (je nachdem, wann gekauft. Zuzüglich jeder Menge Platz und Krimskrams.
     
    Entweder Du kannst einen größeren Bienenstand (meinetwegen Wagen mit 40-60 Völkern) günstig übernehmen, oder Du musst an die 10 Jahre Vorlauf einplanen... Anfänger ist mit 10 Völkern schon an der (Leistungs)Grenze.
     
    Schau Dir Berufsimkereien einfach mal an. Da wird erstmal nicht nur Honig verkauft. Dann siehst Du auch das Equipment.
     
    Dann machst Du nen Geschäftsplan. Den musst Du selber machen, lass den nicht von jemanden anders machen. Es ist DEIN Ding. Vorher Infos aufsaugen, Markt, Preise, Förderbedingungen, Lieferanten, Kunden, Vermarktungsstrategien. Daraus leitest Du die Umsatz- und Rentabilitätsvorschau ab.
     
    Hagen
    Brich es nicht übers Knie! Da setzt Du zuviel in den Sand.


    edit: fand gerade einen Spruch vom Remstalimker, dessen ironischer Unterton einen hohen Wahrheitsgehalt hat:


    "Fachkenntnisse schaden auf jeden Fall nicht. Erfahrung als Kaufmann wäre noch besser. Da käme aber dann keine Berufsimkerei heraus." Spitze!

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Erzgebirgler () aus folgendem Grund: edit

  • Das sind ja reichlich Aussagen und so schnell, ist ja fantastisch!


    Nun habe ich ja mal was zum Nachdenken.


    Und schon mal eine Frage an Erzgebirgler, wieso ist ein Anfänger mit 10 Völkern an der Leistungsgrenze? Ich möchte das ja nicht nebenbei machen, also 40 Stunden die Woche Vollzeit arbeiten und nebenbei 50 oder 100 Bienenvölker bewirtschaften. Also was macht denn da soviel Arbeit, dass ich bei 12 oder 24 Völkern zusammenbrechen würde oder nicht in der Lage sein sollte die Zeit aufzubringen?


    G.

  • Also was macht denn da soviel Arbeit, dass ich bei 12 oder 24 Völkern zusammenbrechen würde

    Das Imkern Geritt, das Imkern :wink:

    Ein Anfänger kommt mit max. 5 Völkern rund und macht sich noch 5 Ableger von denen dann paar nicht überleben. Dann schwärmen sie trotzdem alle und der Honig ist nicht reif und es wird Mitte Juli und das Futter fehlt und Zargen wollte er auch baun und nun baun sie nicht mehr und er hat nur MW und Kellmann liefert nicht und sein Honig ist hardde und er hat nichts zum Auftaun und Abfülln geht nicht, weil Honig ist ja hardde und Kunden werden ungeduldig und überall steht Honig rum und Frau wird sauer, weil alles klebt außer die Etiketten, die er designen und drucken wollte und dann stechen die noch und so Viecher krabbeln auf dehn rum und der Wind weht die Deckel in die Gegend und dann kommt das Eichamt und will die Waage sehen und die TSK hat auch was gehört und die GEZ stellt fest, daß der Imker sein Fahrzeug gewerblich nutzt und folglich für's Radio zahlen muß und dann will der Veterinär den Schleuderraum sehn und der Nachbar ruft an, weil die Bienen an seinem Pool massenweise Wasser wegsaufen und er das nicht erdulden will, weil er einen kennt, der eine Allegie hat und die Frau wird immer sauerer, weil der Anfänger nicht nur für fast keinen Umsatz auf Markten rumsteht und während zu Hause das Abfüllzeug selbiges tut, sondern auch noch ne nagelneue Pneumonie mit heim bringt, nachdem ein Kühlschrank umgebaut wurde und nun der Honig vorm Abfüllen über ner Glühbirne gekocht wird, was wiederum die imkerliche Konkurenz auf den Plan ruft, die mal eben eine Honigprobe einschickt und dann kommt die Winterbehandlung und das böse Erwachen der Mäuse, die die Gitter nicht hinter sich zu gemacht haben und dann kommt die Backhonig-Analyse zurück und 400 Rähmchen wollen bezahlt und eingelötet sein und die Frau hat keine Lust dazu und zu anderem auch nicht mehr, denn immer geht es nur um Bienen und mitten in der Aussprache darüber ruft jemand an, der einen Schwarm eingefangen haben möchte, der sich dann als beziehungsgefährdend und Wespennest entpuppte ...


    Du kannst nicht ernsthaft etwas einschätzen und beurteilen, was Du nicht ernsthaft einschätzen und beurteilen kannst. Eine Imkerei mit 10 - 20 oder auch 30 Völkern nebenher ist nicht das Selbe wie eine mit 100 - 200 oder 300 in Vollzeit. Was machst Du zum Beispiel im Januar, wenn zu Weihnachten alle ihren Honig auf dem Weihnachtsmarkt kauften? Eines jedenfalls nicht: Umsatz! Januar und Februar sind die Hungermonate. Es gibt nichts zu tun in der Imkerei aber alles was Du in der Zeit nicht schaffst, schaffst Du das ganze Jahr nicht mehr.


    Imker ist ein Beruf. Das muß man lernen ehe man es kann.
    Maler ist auch ein Beruf. Daran ändert auch nichts, daß es Farbe im Baumarkt gibt. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

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    Und schon mal eine Frage an Erzgebirgler, wieso ist ein Anfänger mit 10 Völkern an der Leistungsgrenze? ......................
    G.


     
    Hallo, ich meinte das auch nicht unbedingt arbeitsmäßig. Eher in der Richtung: Beurteilung des Volkszustandes; Entscheidung über weiteres Vorgehen; Vorausplanung; Einschätzung der Trachtentwicklung mit Konsequenzen für die Völkerführung usw.; Auswahl Beutensystem etc.
     
    Ich hab' erst mal mit meinen 5 Vökern (2 Anfang Mai, dann ein Ableger, dann ein fremder Schwarm und noch ein eigener) genug zu denken...
     
    Bei Dir ist es vielleicht anders.
     
    Gruss
    Hagen

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Henry, :daumen:!!!!
     
    Deine Zeilen sind erfrischend. Solltest einen Sammelband aus Deinen Beiträgen machen! Ernstgemeint!
     
    Viele Grüße
    Hagen

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Servus Nyckelpiga,
     
    ich finds ja schon mal echt toll, dass Du dir deine Gedanken machst wie es denn so weiter gehen soll. Ist ja in unserer Zeit nicht so selbstverständlich.
     
    Allerdings mit Verlaub: Du unterschätzt das Thema ein wenig.
     
    Jeder Anfänger ( ich inklusive) weiss was gemeint ist, wenn man mit 10 Völker an der Leistungsgrenze ist. Nun kann man sagen du hast ja mehr Zeit, aber die vollen Stunden wirst du auch brauchen, wenn du auf eine rentable Größe kommen willst. Mir sagte mal ein Imker auf dem Markt, die meiste Zeit geht im Vertrieb und Büro drauf. Denk auch dran, dass du einfach pro Volk wesentlich mehr "Bearbeitungszeit" brauchst als der Profi. Dabei sind die Kosten immens! Mir sind 10 Völker sozusagen in den Schoss gefallen. Dafür habe ich nichts bezahlt aber glaube mir, die Gerätschaften, die so anfallen für 10 Völker kosten richtig Geld. (Kannst ja mal bei Holtermann.de nachschauen; aber nicht die kleine 3 Waben Handschleuder..;-))
    Dann die Beuten.... 150 mal knapp 100€.... autsch!! Rähmchen... 3x10 pro Volk x 150 a 95cent.... autsch!!! 150 Völker!!! wird eher schwierig!!
    Kleiner Bus; Verkaufsstand; Grundstücke (im Garten sind 150 Völker schlecht)... usw...usw....
     
    Und dann hast du zu deinem Bandscheibenvorfall gaaanz viel Honig!:daumen:
     
    Allerdings musst du den allein essen....:oops:
     
    Noch! Der Aufbau eines Kundenstammes dauert aber ein wenig. So ca 5 Jahre wenn du Konkurrenzlos bist. Biste aber nicht! Und wenn du jmd sagst was du machen willst ist in der Gegend garantiert niemand behilflich.
    Den Rat eines erfahrenen Imkers brauchst du aber wenn du noch keine Erfahrung hast.
     
    Allerdings, und das spricht für dich, wurde auch mir damals abgeraten, als ich mein Hobby zu Beruf gemacht habe. Ich habs trotzdem gemacht und es hat geklappt!!
    Oben stehen nur die Fakten und Fallstricke. Diese sind aber nie unlösbar! Also wenn du es wirklich willst, dann los und VIEL Glück!!:wink:
     
    VG
     
    Piper

  • Danke für die aufmunternden Worte, Piper.


    Noch ist meine Geschätfsplan ja nicht fertig. Und dass ich kommendes Jahr davon leben möchte Honig zu verkaufen habe ich ja auch nicht geschrieben. Mir ist durchaus bewusst, dass ich 5 bis 10 Jahre Zeit brauchen werde bis ich da ankomme wo ich heute hindenken kann. Bis dahin werden mir sicher auch noch viel mehr Sachen einfallen.



    Statt mich gleich selbsständig zu machen habe ich auch daran gedacht eine Ausbildung als Imker zu machen, und dann erst danach selbstständig mit der Imkerei zu beginnen. Es gäbe da evtl. sogar einen Ausbildungsplatz bei einem Imker in der Nähe. Aber als ich den angerfuen habe hat der mir gleich gesagt, dass er jemand jüngeren sucht, und mich nicht ausbilden will.


    Dabei bin ich mir aber sowieso noch nicht in Klaren darüber, ob ich dann nebenbei auch noch eine Imkerei im Nebenerwerb aufbauen kann.


    G.


    Edit: Der Imker sagte mir, dass zur Zeit viele Ausbildungsplätze angeboten werden, aber ich in meinem Alter damit rechnen muss, nicht genommen zu werden. Soweit also die Sache mit Ausbildung. Bliebe vielleicht ein Institut, allerdings denke ich werde ich da wohl eher nicht das lernen was mir zum Erwerbsimker alles fehlt...


    Also bleibt eigentlich nur der Weg über Hobby, Nebenerwerb bis hin zum Vollerwerb, dabei irgendwann eine Seiteneinsteiger Prüfung abzulegen?